Der FFC Heike Rheine (vollständiger Name: Frauenfußballclub Heike Rheine e. V.) war ein Frauenfußballverein aus Rheine. Die bisherige Frauenabteilung des FC Eintracht Rheine wurde am 10. März 1998 als eigenständiger Verein neu gegründet und am 30. September 2016 aus finanziellen Gründen aufgelöst. Der FFC Heike Rheine spielte insgesamt 16 Jahre lang in der Bundesliga. 1997 erreichte die Mannschaft das DFB-Pokalfinale, bevor im Jahre 2003 der DFB-Hallenpokal gewonnen wurde.

Geschichte VfB Rheine

Die Wurzeln des Rheiner Frauenfußballs lagen beim VfB Rheine, der am 27. Juni 1971 durch die Fusion der Vereine Rot-Weiß Rheine und FC Rheine entstand.Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der deutschen Fußballvereine. AGON Sportverlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-89784-362-2, S. 398. Die Fußballerinnen spielten lange Zeit lediglich auf lokaler Ebene. Dies änderte sich im Jahre 1986, nachdem Alfred Werner, hauptberuflich Redakteur beim Rheiner Anzeiger, Trainer und Leiter der Frauenfußballabteilung wurde. Dank einer erfolgreichen Jugendarbeit, bei der die B-Juniorinnen in den Jahren 1985 und 1986 jeweils Westfalenmeister wurden, spielte sich auch die erste Mannschaft nach oben. Im Jahre 1988 stieg diese in die Westfalenliga und ein Jahr später in die Regionalliga West auf. Dort belegte die Mannschaft in der folgenden Saison 1989/90 auf Anhieb den zweiten Platz hinter dem TSV Siegen und qualifizierte sich damit für die neu gegründete Bundesliga.Ronny Galczynski: Frauenfußball von A - Z. Hannover 2010, S. 98–99, 355.

Nach einem fünften Platz in der Saison 1990/91 belegte die Mannschaft ein Jahr später den dritten Platz der Nordgruppe. Lediglich zwei Punkte fehlten zur Qualifikation für das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. In jener Saison gelang mit dem 8:0 gegen den USV Jena der höchste Sieg der Bundesligageschichte. Auch in der Saison 1992/93 belegte der VfB Rheine den dritten Platz der Nordgruppe, hatte aber dieses Mal sechs Punkte Rückstand auf den Vizemeister Grün-Weiß Brauweiler. 1992 und 1993 erreichten die Rheinenserinnen jeweils das Halbfinale des DFB-Pokals, wo sie jedoch mit 0:3 dem TSV Siegen bzw. 1:3 gegen Grün-Weiß Brauweiler unterlagen. Der VfB Rheine stellte mit Monika Boll, Frauke Kuhlmann, Ursula Landwehr und Manuela Schlamann vier deutsche Nationalspielerinnen.

FC Eintracht Rheine mini|hochkant|Kerstin Stegemann

1994 fusionierte der VfB Rheine mit der SG Eintracht Rheine zum FC Eintracht Rheine. Gleich in der ersten Saison unter dem neuen Namen gelang der Mannschaft beim 8:0-Sieg bei der SG Wattenscheid 09 der höchste Auswärtssieg ihrer Bundesligageschichte. Die Rheinenserinnen wurden viermal in Folge Vierter der Nordgruppe und qualifizierten sich in der Saison 1996/97 automatisch für die neu geschaffene, eingleisige Bundesliga. In der gleichen Saison errang der Mannschaft der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, als sie das Finale des DFB-Pokals erreichten. Über die Stationen SpVgg Oberaußem-Fortuna, DJK VfL Willich und TSV Fortuna Sachsenross besiegte der FC Eintracht Rheine im Viertelfinale überraschend den FSV Frankfurt im Elfmeterschießen. Ein 3:2-Sieg beim SSV Turbine Potsdam führte die Mannschaft ins Endspiel im Berliner Olympiastadion. Dort unterlag die von Alfred Werner trainierte Mannschaft aber Grün-Weiß Brauweiler mit 1:3. Petra Unterbrink erzielte den Ehrentreffer.

→ Spieldaten des DFB-Pokalfinals 1997

Unmittelbar vor Beginn der Bundesligasaison 1997/98 trafen beide Mannschaften erneut im DFB-Supercup aufeinander. Hier konnten die mittlerweile von Heike Kinder trainierten Rheinenserinnen ihren Heimvorteil nicht nutzen und unterlagen im eigenen Stadion dem Meister Grün-Weiß Brauweiler durch ein spätes Tor von Carmen Holinka mit 0:1. Der FC Eintracht Rheine stellte mit Monika Boll, Claudia von Lanken und Kerstin Stegemann drei deutsche Nationalspielerinnen.

→ Spieldaten des DFB-Supercups 1997

FFC Heike Rheine mini|hochkant|Kerstin Garefrekes

Am 10. März 1998 machte sich die Frauenfußball-Abteilung unter dem heutigen Namen FFC Heike Rheine selbstständig. Der Name Heike wurde gewählt, weil es der Vorname der seinerzeitigen Trainerin Heike Kinder war. Doch auch der neue Name konnte nicht verhindern, dass der FFC Heike Rheine aus der Bundesliga absteigen musste. Am letzten Spieltag schickte Grün-Weiß Brauweiler Rheine durch einen 1:0-Sieg in die Regionalliga, da auch die weiteren Konkurrenten TuS Niederkirchen und SC 07 Bad Neuenahr punkteten. Doch schon nach einem Jahr war Rheine wieder im Oberhaus. In der Regionalligasaison 1999/2000 holte die Mannschaft 64 von 66 Punkten und setzte sich ohne Niederlage in der folgenden Aufstiegsrunde durch. In der folgenden Saison 2000/01 war die Mannschaft aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem WSV Wendschott sportlich abgestiegen. Durch den freiwilligen Rückzug des FFC Flaesheim-Hillen und dem Lizenzentzug der Sportfreunde Siegen gab es jedoch keinen sportlichen Abstieg.

Nun begann die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. In der Saison 2002/03 wurde der FFC Heike Rheine Vierter in der Bundesliga und gewann durch einen 1:0-Sieg über den SC 07 Bad Neuenahr den DFB-Hallenpokal. Ein Jahr später wurden die Rheinenserinnen gar Dritter und stellte mit Kerstin Garefrekes die Torschützenkönigin der Bundesliga. Am 31. Mai 2004 kam es zu einem kuriosen 6:5 des FFC Heike Rheine beim FFC Brauweiler Pulheim, bei dem die Gastgeberinnen bereits 2:1 und 5:3 führten und dennoch verloren. Ebenfalls 2004 erreichte die Mannschaft zum dritten Mal das Halbfinale im DFB-Pokal, verlor aber mit 0:3 gegen den späteren Meister 1. FFC Turbine Potsdam. Während der Saison gewannen Kerstin Garefrekes und Kerstin Stegemann mit der deutschen Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft.

Am Saisonende verließ Garefrekes den Verein in Richtung 1. FFC Frankfurt. Weitere Leistungsträgerinnen verließen nach und nach den Verein und Rheine fiel in die hinteren Tabellenregionen zurück. 2007 musste zum zweiten Mal der Abstieg hingenommen werden. Die langjährige (Spieler-)Trainerin Nicole Werner trat zurück und wurde durch Ralf Spanier ersetzt. Nur wenige Spielerinnen der Abstiegsmannschaft blieben, und der Kader musste durch Spielerinnen der eigenen zweiten Mannschaft aufgefüllt werden. Die Saison 2007/08 wurde als Tabellenletzter der 2. Bundesliga Nord abgeschlossen, so dass der FFC Heike Rheine ab der Saison 2008/09 nur noch in der drittklassigen Regionalliga West spielte, wo er in der Saison 2011/12 nur über das bessere Torverhältnis einem weiteren Abstieg entging. In der Saison 2012/13 keimte mit Rang vier noch einmal Hoffnung auf. Doch schon zwei Jahre später stieg der FFC Heike in die Westfalenliga ab. Der Verein wurde schließlich zum 30. September 2016 aufgelöst und aus dem Vereinsregister gestrichen.

Statistik Erfolge DFB-Pokalfinalist: 1997 Teilnehmer am DFB-Supercup: 1997 DFB-Hallenpokalsieger: 2003 Aufstieg in die Bundesliga: 2000

Saisonbilanzen Grün unterlegte Platzierungen kennzeichnen einen Aufstieg, rot unterlegte einen Abstieg.

Saison Liga Platz S U N Tore Punkte DFB-Pokal 1989/90 Regionalliga West 2. 11 7 4 54:27 29:15 nicht qualifiziert 1990/91 Bundesliga Nord 5. 8 3 7 29:34 19:17 nicht qualifiziert 1991/92 Bundesliga Nord 3. 12 4 4 42:17 28:12 Halbfinale 1992/93 Bundesliga Nord 3. 10 2 6 35:21 22:14 Halbfinale 1993/94 Bundesliga Nord 4. 7 5 6 31:20 19:17 Viertelfinale 1994/95 Bundesliga Nord 4. 7 6 5 38:24 20:16 Achtelfinale 1995/96 Bundesliga Nord 4. 9 5 4 38:24 32 Viertelfinale 1996/97 Bundesliga Nord 4. 9 4 5 30:24 31 Finale 1997/98 Bundesliga 7. 9 2 11 28:32 29 Viertelfinale 1998/99 Bundesliga 11. 6 4 12 29:44 22 Viertelfinale 1999/00 Regionalliga West 1. 21 1 0 113:12 64 Achtelfinale 2000/01 Bundesliga 11. 5 5 12 28:52 20 Achtelfinale 2001/02 Bundesliga 8. 6 9 7 34:34 27 Achtelfinale 2002/03 Bundesliga 4. 12 2 8 52:31 38 Achtelfinale 2003/04 Bundesliga 3. 13 4 5 64:37 43 Halbfinale 2004/05 Bundesliga 7. 7 4 11 36:54 25 Viertelfinale 2005/06 Bundesliga 9. 5 5 12 39:56 20 Achtelfinale 2006/07 Bundesliga 11. 4 2 16 24:57 14 2. Runde 2007/08 2. Bundesliga Nord 12. 3 4 15 26:50 13 2. Runde 2008/09 Regionalliga West 11. 8 6 12 37:53 30 1. Runde 2009/10 Regionalliga West 6. 11 5 10 48:34 38 nicht qualifiziert 2010/11 Regionalliga West 8. 8 8 10 41:59 32 nicht qualifiziert 2011/12 Regionalliga West 10. 6 5 13 55:62 23 nicht qualifiziert 2012/13 Regionalliga West 4. 11 5 8 35:34 38 nicht qualifiziert 2013/14 Regionalliga West 12. 6 16 8 28:52 22 nicht qualifiziert 2014/15 Regionalliga West 13. 6 4 16 27:62 22 nicht qualifiziert

Stadion

Die Heimspiele des Vereins wurden im Jahnstadion in Rheine ausgetragen. Das Stadion ist für 4999 Zuschauer zugelassen, davon 1329 Sitzplätze. 649 Sitzplätze sind überdacht. Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen trug zwei Länderspiele im Jahnstadion aus.

Persönlichkeiten Kerstin Garefrekes: Weltmeisterin 2003, 2007; Europameisterin 2005, 2009 Loes Geurts: Über 100 Länderspiele für die Niederlande Kerstin Stegemann: Weltmeisterin 2003, 2007; Europameisterin 1997, 2001, 2005, 2009 Marleen Wissink: 141 Länderspiele für die Niederlande

Weblinks

Offizielle Website

Einzelnachweise

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