Kurgan () ist eine Stadt im Südwesten Sibiriens in Russland und Verwaltungssitz der Oblast Kurgan mit 301.000 Einwohnern (Stand: 2025).
Geographie Kurgan liegt im Westen der Ischimebene am linken Ufer des Flusses Tobol, etwa 1700 km östlich von Moskau, unweit der Grenze zu Kasachstan. Das Stadtgebiet umfasst 390 km².
Geschichte Der Name der Stadt stammt von einem großen Kurgan (Zarew Kurgan), nicht weit von dem sich die ersten Siedler niederließen.
Die Siedlung Zarjowo Gorodischtsche (Царёво Городище) wurde von Timofei Neweschin, einem Bauern aus dem Landkreis Tjumen, zwischen 1659 und 1662 gegründet. Zarjowo Gorodischtsche, das später auch Kurganskaja Sloboda (Курганская Слобода) genannt wurde, wurde in den folgenden Jahren zur Festung ausgebaut. Es diente als Grenzposten und schützte andere russische Siedlungen vor Nomadenangriffen. Einige Male konnte Zarewo Gorodischtsche den Angriffen nicht standhalten, wurde geplündert und niedergebrannt.
Gemäß der Entscheidung der Stadt Duma von Kurgan vom 16. September 2009 № 255 "Über das Datum der Gründung der Stadt Kurgan" das Datum der Gründung des Kurgan gilt als 1679 JahrРешение Курганской городской Думы "О дате основания города Кургана" от 16 сентября 2009 года № 255 (russisch).
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Siedlung 8 km flussabwärts verlegt. 1710 bestand sie aus 72 Höfen und hatte 539 Einwohner. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde die Festung ausgebaut und bestand zur Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Altstadt, die mit dem hölzernen Kreml umschlossen war, und der Neustadt mit Stadtmauer, acht Bastionen und einem Graben. Die Garnison zählte etwa 1000 Soldaten und 28 Kanonen. Nach der Erschließung neuer Territorien im Süden und der Verlagerung der Verteidigungslinie verlor Zarjowo Gorodischtsche an Militärbedeutung, die Befestigungen wurden in den 1760er Jahren abgebaut.
mini|links|hochkant=1.3|Pelzhändler auf dem Markt in Kurgan. In der Mitte, stehend, der Leipziger Hugo Fränkel (1900) Am 19. Januar 1782 verlieh die Zarin Katharina II. der Siedlung Stadtrechte und einen Namen, den die Stadt bis heute trägt. Nach derselben Verordnung wurde Kurgan dem Landkreis Kurgan (уезд, Ujesd) untergestellt. In einer anderen Verordnung vom 17. März 1785 wurde das Wappen der Stadt anerkannt.
Wegen der entlegenen Lage wurde Kurgan von der Monarchie als Verbannungsort für politische Gefangene benutzt. So wohnten hier auch viele Dekabristen, darunter Wilhelm Küchelbecker und Andrei Jewgenjewitsch Rosen. Nach dem blutig niedergeschlagenen Aufstand 1863/1864 in dem von Russland annektierten Teil Polens wurden 93 polnische Patrioten nach Kurgan verbannt. Im Jahr 1895 waren von insgesamt siebentausend Einwohnern der Stadt fast die Hälfte politische Verbannte.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Kurgan ein Zentrum für Verarbeitung und Verkauf von Landwirtschaftsprodukten. Durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz der Transsibirischen Eisenbahn im Jahr 1893 bekam Kurgan auch große Bedeutung für die Industrie. Die Stadt wuchs sehr rasant. Vor 1917 zählte sie etwa 40.000 Einwohner und bis zu 60 Unternehmen. Das Telegrafenamt wurde 1887 errichtet, das erste Kino 1910 (Progress, existiert immer noch), Straßenbeleuchtung gibt es seit 1914.
Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Betriebe aus dem Westen Russlands nach Osten verlegt. So bekam Kurgan weitere Betriebe, die Bevölkerung wuchs um 20.000 Menschen, 1943 wurde Kurgan der Verwaltungssitz der neu gegründeten Oblast Kurgan. In den 1950er Jahren wurden große Betriebe gebaut, die heute das Stadtbild prägen: Kurganchimmasch und KAwS, das Wärmekraftwerk.
Orden des Roten Banners der Arbeit (1982).
Im April und Mai 1994 erlitt Kurgan eine Überschwemmungskatastrophe, ebenso im April 2024.
Im März 1998 erhielt die Stadt Kurgan ihr heutiges Wappen.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1710 539 1789 1.071 1897 10.301 1913 30.000 Jahr Einwohner 1926 28.000 1939 53.253 1959 145.712 1970 243.850 Jahr Einwohner 1979 309.863 1989 355.517 2002 345.515 2010 333.606 Jahr Einwohner 2012 327.898 2014 325.720 2018 318.045 Anmerkung: 1897, 1926–2010 Volkszählungsdaten (1926 gerundet)
Politik Wie auch in anderen russischen Städten werden das Stadtparlament (Duma) und der Bürgermeister alle vier Jahre gewählt. Anatoli Fjodorowitsch Jeltschaninow (* 1946) leitete von 1991 bis 2004 die Administration der Stadt und war von 1996 bis 2009 Bürgermeister. Seit 24. September 2014 ist Sergej Wladimirowitsch Rudenko (* 1970) der amtierende Bürgermeister.
Städtepartnerschaften Kurgan listet folgende Partnerstädte auf: Rufina, Italien, seit 1982 Appleton, USA, seit 1990
Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|Feuerwachturm in Kurgan Theater Dramaturgisches Theater Puppentheater Gulliver
Museen Museum der Heimatkunde Museum der Kunst Dekabristenmuseum Kurgansky Aviation MuseumOffizielle Website Museum des Dichters S. A. Wassiljew
Wirtschaft und Infrastruktur In Kurgan sind 80 große und mittlere Unternehmen ansässig, die unter anderem folgende Produkte herstellen: Schützenpanzer BMP-3, Minitraktoren, Autoanhänger (OAO Kurganmaschsawod) Kleinbusse (OAO KAwZ) Fahrzeuge für Straßenbau (OAO KSDM) Bauelemente für Metallbrücken (SAO Kurganstalmost) Holzbearbeitungsmaschinen (OOO SDS) Arzneimittel (OAO AKO Sintes) Kleidung, Schuhwerk
Verkehr Kurgan ist ein großer Verkehrsknoten.
Hier gibt es einen Flughafen.
Die Stadt hat zwei Bahnhöfe und liegt an der Transsibirischen Eisenbahn. Die wichtigsten Verkehrsrichtungen sind: Jekaterinburg, Tscheljabinsk, Omsk.
Die Fernstraße R354 verbindet die Stadt mit Jekaterinburg.
Bildung Staatliche Universität Internationale Universität Agrarakademie Militärinstitut der Grenzstreitkräfte Musikfachhochschule
Forschungszentren Forschungszentrum Wiederaufbautraumatologie und Orthopädie Zentrum der Klappengastroenterologie
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1969: Wladimir Schatalow (1927–2021), KosmonautПочетные граждане города Кургана, kurgan-city.ru/city (russisch) 1971: Gawriil Ilisarow (1921–1992), Orthopäde
Söhne und Töchter der Stadt
Iwan Chudjakow (1842–1876), Revolutionär, Folklorist und Ethnograph Leonid Krassin (1870–1926), Revolutionär und Kampfgefährte Lenins Leonid Polowinkin (1894–1949), Komponist Lew Golownizki (1929–1994), Bildhauer Gennadi Solodow (1934–2020), Geher Jewgeni Krassilnikow (1965–2014), Volleyballspieler Maxim Fadejew (* 1968), Musikproduzent, Regisseur, Arrangeur, Komponist und Songwriter Evgenia Grekova (* 1974), deutsche Opern- und Konzertsängerin russischer Herkunft Dmitri Loskow (* 1974), Fußballspieler Sergei Rubljowski (* 1974), Schachspieler Irina Mistjukewitsch (* 1977), LeichtathletinIrina Mistyukevich, olympedia.org Dmitri Buschmanow (* 1978), FußballspielerБушманов Дмитрий Владимирович, footballfacts.ru (russisch) Jana Romanowa (* 1983), Biathletin Jelena Schirotschenko (* 1983), Kommunalpolitikerin Jelena Temnikowa (* 1985), Sängerin der Girlband Serebro Elena Guseva (* 1986), Opernsängerin (Sopran) Larissa Korobeinikowa (* 1987), Florettfechterin und Weltmeisterin Alexander Ogarkow (* 1987), Biathlet Julija Sawitschewa (* 1987), Sängerin Irina Starych (* 1987), Biathletin
Persönlichkeiten, die mit Kurgan in Verbindung stehen
Schriftsteller Wsewolod Iwanow (1895–1963) hat hier seine Tätigkeit begonnen Elf Jahre arbeitete in der Stadt der Maler Witali Gorjajew (1910–1982) Jakow Witebski (1919–1992), Gastroenterologe Gawriil Ilisarow (1921–1992), Orthopäde, Gründer und langjähriger Leiter des Forschungszentrums RNZ WTO
Literatur А. Васильева Забытый Курган, Verlag Зауралье, Kurgan, 1997
Bildergalerie
Weblinks
Kurze Informationsseite (englisch) Kurgan auf mojgorod.ru (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Kurgan
Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Gemeindegründung 1662 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1782