Robert Lee Frost (* 26. März 1874 in San Francisco, Kalifornien; † 29. Januar 1963 in Boston, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Dichter und vierfacher Pulitzer-Preisträger. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts und war in den USA an Popularität unübertroffen. Sein Werk umfasst Lyrik, längere Blankverstexte und zwei dramatische Stücke. Er ist keiner literarischen Strömung eindeutig zuzuordnen. mini|Robert Frost im Jahr 1961 rahmenlos|rechts|Robert Frosts Unterschrift Leben mini|hochkant|Robert Frost (zwischen 1910 und 1920)

Robert Frost wuchs bis zum Alter von elf Jahren in San Francisco auf. Seine Mutter Isabelle M. Frost, schottischer Abstammung, war Mitglied der Neuen Kirche. Sie ließ ihn dort taufen, doch als Erwachsener verließ Frost diese Glaubensgemeinschaft. Sein Vater William P. Frost Junior, Nachfahre englischer Einwanderer, an der Harvard University Boston ein herausragender Student, war Mitherausgeber der San Francisco Daily Evening Post und betätigte sich politisch für die Demokratische Partei. 1885 starb er an Tuberkulose, und die Mutter zog mit den Kindern nach Lawrence, Massachusetts, zum Großvater William P. Frost Senior.

Schon während der Schulzeit schrieb Frost Gedichte, die in einer Schülerzeitung abgedruckt wurden. 1892 verließ er die Highschool als Jahrgangsbester und wurde an der Harvard University, Boston, angenommen. Die Großeltern waren damit jedoch nicht einverstanden, so dass Frost zunächst das Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, besuchte. Er verließ es bald aus verschiedenen Gründen. Zurück in Lawrence arbeitete er unter anderem als Lehrer, Schustergehilfe und Fabrikarbeiter. Daneben schrieb er Artikel für die Zeitungen American und Sentinel.

1894 verkaufte er erstmals ein Gedicht, betitelt My Butterfly: An Elegy, erschienen am 8. November auf der Titelseite des New Yorker Independent. Es gelang ihm in den nächsten Jahren, weitere zwölf Gedichte in Zeitungen zu veröffentlichen.

Schon in der Zeit an der Highschool hatte er sich heftig in seine Mitschülerin Elinor Miriam White, ebenfalls Jahrgangsbeste, verliebt. Einen Heiratsantrag lehnte sie mit der Begründung ab, sie wolle erst ihr Studium an der St. Lawrence University, Staat New York, beenden. Sie zeigte sich auch nicht begeistert über seine Gedichte, die noch der viktorianischen Tradition verhaftet waren. Aus Liebeskummer brach er zu einer Wanderung durch den Great Dismal Swamp auf, der damals unter Literaten als „Zuflucht der Hoffnungslosen“ galt. Er verarbeitete diese Erfahrung später in mehreren Gedichten. Nach seiner Rückkehr nahm Elinor White den Heiratsantrag an, und das Paar wurde 1895 in Lawrence, Massachusetts, getraut. Trotz starker Liebe, die Frost in seinen Liebesgedichten bezeugt, wird die Ehe von häufigen Auseinandersetzungen überschattet sein.

Frost nahm nun doch ein Studium an der Harvard University auf, auch um Vorlesungen von William James zu hören, der allerdings für ein Jahr wegen Krankheit ausfiel. Obwohl Frost ein guter Student war, verließ er Harvard nach zwei Jahren, um seine rasch wachsende Familie und seine Mutter ernähren zu können. Er erlangte somit nie einen Studienabschluss. Stattdessen widmete er sich landwirtschaftlicher Tätigkeit, die er bereits bei Sommeraufenthalten während seiner Schulzeit kennengelernt hatte. Sein Großvater beschaffte ihm 1900 eine Farm in Derry, New Hampshire, die Frost mit seiner Frau rund ein Jahrzehnt bewirtschaftete. Viele seiner Gedichte verfasste er spät nachts, Veröffentlichungen gelangen ihm in dieser Zeit nicht.

Da die Farm nicht genug Ertrag abwarf, arbeitete er ab 1906 nebenbei als Englischlehrer, vor allem an der Pinkerton Academy in Derry. Gerade die Lehrtätigkeit in Derry, die auf seine Initiative hin auch das Einstudieren von Theaterstücken beinhaltete, trug ihm die Anerkennung von Kollegen und Vorgesetzten ein, und er betrachtete sie später als fruchtbar für sein eigenes Schreiben. In diesen Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den Ideen von Henri Bergson und wieder mit William James. Beide Philosophen werden sein Denken und Dichten bis an sein Lebensende stark beeinflussen.

1911 verkaufte er die Farm und übersiedelte im Jahr darauf mit seiner Familie nach England, wo er sich in Beaconsfield, unweit von London, niederließ. Er fand rasch Anschluss an den Kreis der „Georgian Poets“ und lernte bedeutende Schriftsteller kennen, darunter Thomas Ernest Hulme, Robert Graves, William Butler Yeats und Edward Thomas, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Auch Ezra Pound, Amerikaner, der ebenfalls nach Großbritannien ausgewandert war, zählte zu seinen Freunden. Pound schrieb für Frost mehrere Rezensionen und trug zum Bekanntwerden seines Werks bei. Frost zeigte sich viele Jahre später erkenntlich, als er sich 1958 maßgeblich für Pounds Freilassung einsetzte.

In dieser Zeit entwickelte und präzisierte Frost sein dichterisches Credo. 1913 wurde in London seine erste Gedichtsammlung, A Boy’s Will, veröffentlicht; eine Sammlung vorwiegend von Blankvers-Dichtungen mit dem Titel North of Boston erschien 1914 ebenfalls dort. Seinen Anspruch an sich selbst formulierte Frost bereits 1913, so: Er hoffe, die allgemeine Leserschaft zu erreichen, die Bücher zu Tausenden kaufe, er wolle ein Dichter für alle sein, schrieb er an seinen Freund John Bartlett. Er hielt zahllose Lesungen und Vorträge, sodass Allen Ginsberg ihn einen „Unternehmer in Sachen Dichtkunst“ nannte.Parini, S. 319

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte die Familie Frost nach Neuengland zurück, wo der New Yorker Verlag Henry Holt zwischenzeitlich eine amerikanische Ausgabe von North of Boston herausgebracht hatte, mit einer für einen Gedichtband beispiellosen verkauften Auflage von 20 000 Exemplaren. In einer begeisterten Rezension bezeichnete die Dichterin Amy Lowell das Buch als den „amerikanischsten Gedichtband, der seit geraumer Zeit erschienen ist.“Lawrance Thompson, R.H. Winnick: . Holt, Rinehart and Winston, New York 1982, S. 196. Frost erhielt Unterstützung durch die Literaturkritiker William Stanley Braithwaite und Louis Untermeyer. Mit letzterem sollte ihn eine lebenslange tiefe Freundschaft verbinden.

Frost wählte eine Farm in Franconia, New Hampshire, zum neuen Wohnsitz; als „Frost Place“ ist sie heute ein Literaturmuseum und Ort für literarische Veranstaltungen.Jay Parini: . Owl Books Edition 2000 und Verlag Picador 2000, New York / London 2000, ISBN 0-8050-6341-2, S. 175. Auch nahm er seine Tätigkeit als Lehrer erneut auf, unter anderem als Professor für Englisch am Amherst College, Massachusetts, wo er mit Unterbrechungen bis zu seinem Tode unterrichtete. Die Bibliothek dort trägt heute seinen Namen.

Er schrieb weiterhin Gedichte und veröffentlichte sie in Zeitungen, sodass er allmählich einem immer größeren Publikum bekannt wurde. In Abständen wurden sie zu Gedichtbänden zusammengefasst, der nächste war 1916 Mountain Interval. Im selben Jahr durfte er an der Harvard University erstmals zu Vorlesungsbeginn als Phi Beta Kappa poet eines seiner Gedichte rezitieren; dies war der Auftakt zu zahllosen Ehrungen durch renommierte Institutionen.Munson, Gorham B.: Robert Frost. A Study in Sensibility and Good Sense. New York, George H. Doran, 1927mini|links|Die Robert-Frost-Farm in Derry, New Hampshire 1920 wurde seine Schwester Jeanie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, in der sie 1929 starb. Dies verursachte ihm auf Jahre hinaus Angstzustände, sah er doch Spuren psychischer Labilität und ernste gesundheitliche Probleme auch in sich selbst und seinen Kindern. Nicht nur das berühmte Fire and Ice, auch viele andere seiner Gedichte spiegeln diese dunklen Aspekte seiner Persönlichkeit wider. Andererseits zeigen sie auch seinen Kampf gegen die depressiven Zustände und den Willen, ihnen zu widerstehen oder zu entkommen (Come In, Dust of Snow). In dieser Zeit kaufte er eine Farm in South Shaftsbury in Vermont, wo im Wesentlichen die Gedichtsammlung New Hampshire entstand. Sie erschien 1923 und wurde von dem Holzschneider J. J. Lankes, einem guten Freund, illustriert. Frost erhielt seinen ersten Pulitzer-Preis dafür. Auch in Vermont konnte er sich als Lehrer betätigen: von 1921 bis ans Lebensende hielt er fast jedes Jahr Kurse an der Bread Loaf School of English in Ripton, Vermont, und beeinflusste stark deren Programm. Das Middlebury College, dem die Bread Loaf School zugehört, besitzt heute noch die Homer Noble Farm, die Frost 1939 erwarb, und unterhält sie als National Historic Site. 1921 und 1925 bekleidete Frost an der University of Michigan als erster die Position eines Fellow in Creative Arts, eine bezahlte Stellung ohne vorgegebene Lehrverpflichtung. Das unruhige Leben in diesem Jahrzehnt zehrte jedoch an seinen Kräften und vor allem an denen seiner Frau. Obwohl sich die Frosts nach Einfachheit zurücksehnten, konnten sie sich den Anfragen und Verpflichtungen nicht entziehen.

1927 erschien die erste Biographie über Robert FrostMunson, Gorham B.: Robert Frost. A Study in Sensibility and Good Sense. New York, George H. Doran, 1927., 1928 die Gedichtsammlung West-Running Brook, ebenfalls mit Holzschnitten von J. J. Lankes. Im selben Jahr fuhren Frost und seine Frau für drei Monate nach England, um dort alte Freundschaften zu erneuern. 1930 erschienen die Collected Poems, eine Gedichtsammlung, die Gedichte aus allen bis dahin publizierten Bänden enthielt und ihm den zweiten Pulitzer-Preis eintrug. Bei seinen vielen Lesungen und Vorlesungen, unter anderen in Harvard, füllte Frost inzwischen große Auditorien. 1937 wurde ihm für die Gedichtsammlung A Further Range zum dritten Mal der Pulitzer-Preis zugesprochen.

Das Familienleben hingegen war von weiteren Schicksalsschlägen bestimmt: 1900 war der noch nicht vierjährige erste Sohn Elliott an Cholera gestorben, 1907 starb die Tochter Elinor Bettina kurz nach der Geburt und 1934 erlag die Tochter Marjorie dem Kindbettfieber. Frosts Ehefrau Elinor litt an Herzschwäche, bekam 1937 Brustkrebs und starb im Jahr darauf. In einem Brief an Louis Untermeyer schrieb Frost: „… sie ist die unausgesprochene Hälfte von allem, was ich jemals geschrieben habe, und beide Hälften von vielem …“Thompson Winnick S. 368 Zwei Jahre später beging der Sohn Carol, an Depressionen leidend, Selbstmord. Wie auch beim Tod seiner Frau gab sich Frost eine Mitschuld. 1946 muss die Tochter Irma in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden.

1939 erschien eine Neuauflage der Collected Poems mit Frosts bekanntem Vorwort The Figure a Poem Makes, in welchem er seine dichterischen Grundsätze umriss.

Auf der nach dem Tode Elinors erworbenen Homer Noble Farm verliebte er sich in seine Nachbarin, die verheiratete Kay Morrison, die ihm „Managerin, beste Freundin, Objekt von Anbetung und Zurechtweisung und Sekretärin“ war.Parini, S. 319 Wie eng diese Beziehung wirklich gewesen war, ist nicht dokumentiert. Man geht aber davon aus, dass er The Silken Tent und Never Again would Bird’s Songs Be the Same für sie schrieb und auch den nächsten Gedichtband, A Witness Tree, Kay Morrison widmete. Dieser brachte ihm den vierten Pulitzer-Preis ein.

Obwohl er den Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 begrüßte, lehnte Frost es ab, sich aktiv als Schriftsteller für die Alliierten einzusetzen. 1942 erreichte er eine dauerhafte Anstellung am Dartmouth College mit Pensionsanspruch, parallel dazu wurde es ihm ermöglicht, weiterhin Vorlesungen an der Harvard University zu halten. In der Zwischenzeit hatte er sich für die Wintermonate ein Domizil in Miami, Florida, geschaffen, das er Pencil Pines nannte. Generell hatte er eine Sammelleidenschaft für verlassene Farmen entwickelt. Derer besaß er am Ende seines Lebens mehrere.