Hans OskarGelegentlich findet sich auch die Schreibweise Oscar, z. B. bei Robert Hübner: Der Bremer Schachmeister Carl Carls. In: Die Jahrhundert-Meisterschaft im Schach. Die Deutsche Einzelmeisterschaft 1998 in Bremen und zur Schachgeschichte der Hansestadt. Hrsg. von Claus Dieter Meyer und Till Schelz-Brandenburg. Schünemann, Bremen 2001, S. 237–306, hier: S. 289 oder auch im Passregister der Freien Hansestadt Bremen. Adolfhttp://adressbuecher.genealogy.net/addressbook/entry/547463f91e6272f5d0243ccd, abgerufen am 27. März 2016 um 14:31; gelegentlich findet sich auch die Schreibweise Adolph, so z. B. im Passregister der Freien Hansestadt Bremen. Antze (* 24. Oktober 1878 in Köln; † 23. April 1962 in Bremen) war ein deutscher Arzt und Schachmeister. Er zählte zu den stärksten deutschen Amateurschachspielern der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. 1913 errang er den Titel des Deutschen Meisters und spielte in den 1920er und 1930er Jahren bei Länderkämpfen der deutschen Nationalmannschaft.
Biografie Familie, Ausbildung und Beruf miniatur|360px|Feldpostkarte Antzes an Carl Carls vom 3. Juni 1917 Antze, dessen Rufname Oskar lautete, war der Sohn eines Schach spielenden und homöopathisch orientierten Mediziners.Das Historische Adressbuch Bremen von 1891 führt zusätzlich zur Berufsbezeichnung Dr. med auch Homöopath an. Er hatte einen jüngeren Bruder, der auch Mediziner und Schachspieler war, sowie zwei Schwestern, von denen eine ebenfalls Ärztin wurde und auch Schach spielte.Hanno Keller: Schach in Bremen. Teil 1: Die Geschichte der Bremer Schachgesellschaft mit Berücksichtigung des übrigen Schachlebens in Bremen von 1877 bis 1945. Bremen 1987, unveröffentlichtes Manuskript, S. 137, Teil-PDF; besagte Schwester gewann 1913 beim 16. Kongress des Niederelbischen Schachbundes in Eimsbüttel das Damenturnier; siehe ebd., S. 137
In den 1880er Jahren lebte die Familie Antzes in BerlinIm historischen Berliner Adreßbuch ist sein Vater für die Jahre 1885 und 1886 nachgewiesen. Das Jahr 1884 konnte nicht überprüft werden, da im angegebenen digitalisierten Exemplar die entsprechenden Seiten fehlen., wo er Schüler des Leibniz-Gymnasiums war.Im 1897 angelegten Album des Gymnasiums zu Bremen (Staatsarchiv Bremen, 4,39/1-97) wird dies als vorher besuchte Schule angeführt; sie ist nicht mit der Leibniz-Schule (Berlin) zu verwechseln. Nachdem die Familie um 1889 zunächst nach Stenum (Ganderkesee)Zweiseitiges Gedächtnisprotokoll Hanno Kellers eines Gespräches mit einer Tochter Antzes vom 4.10.2001, Blatt 1, Sammlung Keller im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft von 1877 und dann nach BremenIm Historischen Adressbuch Bremens von 1890, dessen Einträge die Angaben bis zum 20. Juni 1889 berücksichtigen, wird der Vater nicht erwähnt, während er in der Ausgabe vom 1891, die die Angaben bis zum 20. Juni 1890 beinhaltet, erstmals Erwähnung findet. Da Oskar Antze bereits für das Wintersemester 1889 bei der Schule gemeldet war, dürfte die Familie vermutlich in der zweiten Hälfte des Jahres 1889 nach Bremen gekommen sein. übergesiedelt war, wo sein Vater 1890 das Bürgerrecht erwarb, Siehe hierzu den Eintrag im Bürgerrechtsregister; die Aufnahme-Urkunde in den Staatsverband der freien Hansestadt Bremen datiert auf den 30. Mai 1890 (siehe Staatsarchiv Bremen, Signatur 2-P.8.A.6.a.5., Kopie im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft von 1877) besuchte Antze von 1889 bis 1897Im Fragebogen im Verfahren zur Entnazifizierung, Military Government of Germany, Fragebogen, o. S., Blatt 1 Staatsarchiv Bremen, 4,66/1-176 führt Antze den Zeitraum ab 1890 an, die Schülerverzeichnisse des Alten Gymnasiums listen ihn aber bereits ab dem WS 1889 auf, siehe Staatsarchiv Bremen, 4,39/1-94 das Alte Gymnasium. Dort war der 15-Jährige 1893 Mitgründer der freien Pennälerverbindung Germania, deren Zweck die „Pflege wahrer edler Freundschaft“ war; in dieser geheimen Verbindung gab er sich den Biernamen Caligula.Das Gründungsdatum war der 15. November 1893, siehe Wrissenberg: In memoriam Viktor Kelbling. In: Germanenzeitung 3, Dezember 1972, S. 2. - Auf der Gesamtkonferenz am 25. Januar 1895 ist diese Verbindung von der Schuldirektion mit dem Hinweis aufgelöst worden, dass ihr Zweck darin bestanden habe, „nach studentischer Weise einmal an jedem Sonnabend zu konsumieren“. Hierbei fällt auf, dass Antzes Name bei der Nennung der Mitglieder nicht fällt; womöglich hat die Schule nicht herausbekommen, dass auch er dazugehörte oder er war zu diesem Zeitpunkt nicht (mehr) Mitglied; siehe StAB 4,39/1-45 Protokolle 1889-1902 Zu seinen Mitschülern gehörte der spätere Erfinder und Flugpionier Wilhelm FockeSchülerverzeichnis der Unterklassen des Gymnasiums, Staatsarchiv Bremen, 4,39/1-94 und zu seinen Mitabiturienten der spätere Dichter und Architekt Rudolf Alexander Schröder.Klassenbild der Abiturienten vom September 1897, aus dem Nachlass Oskar Antzes, Sammlung Calic im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft von 1877 sowie im Staatsarchiv Bremen (StAB 10,B 1011)Einer seiner dortigen Lehrer, der damals frisch vom Seminar gekommene Gerhard Gartelmann, galt als recht guter Schachspieler (siehe Brief von Adolf Ulrich an Oskar Antze vom 12. Juli 1952, aus dem Nachlass Oskar Antzes, Kopie in der Sammlung Calic im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft von 1877); Gartelmann spielte gegen den in Bremen am 16. August 1902 Blindsimultan spielenden Harry Nelson Pillsbury remis (siehe hierzu Keller 1987, S. 65) und trat 1898 der Bremer Schachgesellschaft von 1877 bei, deren Mitglied Antze zu diesem Zeitpunkt bereits war.
Nach dem Abitur studierte er von 1897 bis 1903Diesen Zeitraum führt Antze selbst im Fragebogen zur Entnazifizierung (StAB, 4,66/1-176) an, und er wird auch in der Dissertation genannt (siehe Antze 1903, S. 21) Medizin. Er besuchte zunächst vom Wintersemester 1897 bis zum Sommersemester 1898 die Philipps-Universität Marburg,Siehe den entsprechenden Zeitraum im Verzeichniss des Personals und der Studirenden auf der königl. Preußischen Universität Marburg sowie den Matrikelband vom Wintersemester 1897/98 des Universitätsarchivs Marburg mit der Signatur UniA Marburg 305m 1 Nr. 30 wo er am 20. November 1897 der Marburger Burschenschaft Germania beitrat,Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 10. deren Mitglied er bis zum Lebensende blieb.Siehe Mitgliederverzeichnis der A.H.-V. der Burschenschaft Germania zu Marburg a. d. Lahn, ohne Ort, ohne Jahr, S. 1, Kopie aus dem Nachlass Antzes in der Sammlung Calic des Schacharchivs der Bremer Schachgesellschaft von 1877; auch freundliche Mitteilung per Mail der Burschenschaft Germania vom 21. Mai 2016. Diese Mitgliedschaft erwähnt Antze auch im Fragebogen im Verfahren zur Entnazifizierung, Military Government of Germany, Fragebogen, Staatsarchiv Bremen, 4,66/1-176; siehe auch den Nachruf auf Antze in: o. A.: Germanenzeitung, 3. September 1962, S. 6 f. Danach studierte er im Sommersemester 1898 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena,Verzeichnisse der Studierenden an der Universität Jena, Universitätsarchiv Jena, Sign.: UAJ, Bestand BA, Nr. 1665 h, Sommersemester 1898 woselbst er zugleich auch beim hiesigen Königlichen Infanterie-Bataillon als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst leistete. Vom Wintersemester 1898/99 bis zum Wintersemester 1899/00 studierte er erneut in MarburgSiehe den entsprechenden Zeitraum im Verzeichniss des Personals und der Studirenden auf der königl. Preußischen Universität Marburg sowie den Matrikelband vom WS 1898/99 des Universitätsarchivs Marburg mit der Signatur UniA Marburg 305m 1 Nr. 30; in diesem wird auch ein Abgangsrevers aus Jena angeführt. - Seine Adresse in Marburg lautete "Lauer, Zwischenhausen 4"; siehe Matrikelband vom WS 1898/99 des Universitätsarchivs Marburg mit der Signatur UniA Marburg 305m 1 Nr. 30 sowie Mail vom Archiv der Philipps-Universität Marburg an Andreas Calic vom 6. Mai 2016, Kopie in der Sammlung Calic des Schacharchivs der Bremer Schachgesellschaft von 1877, ehe er sein Studium vom Sommersemester 1900 bis zum Wintersemester 1901/02 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vollendete.Auskunft vom Landesarchiv Schleswig-Holstein per Mail vom 4. Mai 2016. - Im Weserkurier vom 25. April 1962 wird statt Jena Berlin als Studienort genannt, was aber in den Matrikeln der Friedrich-Wilhelms-Universität keine Bestätigung findet. Stattdessen werden im Fragebogen Work Sheet des Entnazifizierungsverfahrens, welcher von Antze selbst ausgefüllt wurde und sich im Staatsarchiv Bremen befindet (StAB 4,66/1-176), die drei angeführten Studienorte Jena, Marburg und Kiel genannt. Ein weiterer dort aufbewahrter Fragebogen, ebenfalls von Antze ausgefüllt, führt hingegen nur die beiden Studienorte Marburg und Kiel an. Er wurde als bereits approbierter Arzt am 10. Februar 1903Erneuerung des Doktors der Medizin nach 50 Jahren durch die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel am 10. Februar 1953, aus dem Nachlass Oskar Antzes, Kopie im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft von 1877 in Kiel mit einer Dissertation über Lungenkrebs zum Dr. med. promoviert.Auf dem Titelblatt der Dissertation heißt es: ... vorgelegt von Oskar Antze, approb. Arzt aus Bremen.; siehe Antze 1903 Auch bestand er nur wenige Monate später, nämlich am 5. Juli 1903, das Dispensierexamen für homöopathische Ärzte.Zeitschrift des Berliner Vereines für homöopathische Ärzte, Bd. 22, 4. Heft, B. Behr’s Verlag, Berlin 1903, o. S. Um 1904Im Staats-Handbuch der freien Hansestadt Bremen auf das Jahr 1904 (S. 81) wird Antze das erste Mal als Arzt aufgeführt. trat er in die Praxis seines Vaters in der Löningstraße ein, welche er 1919Im Bremer Adressbuch 1919 ist noch die alte Adresse in der Löningstraße angeführt, im Bremer Adressbuch 1920 hingegen wird die neue in der Kohlhökerstraße genannt. in das Hochparterre seines Hauses Kohlhökerstraße 52 verlegte, das er am 5. Mai 1919 erworben hatte. Die Praxis führte er allein weiter, als sein Vater 1926, nach dem Tod seiner Ehefrau, in den Ruhestand ging und zu seiner Tochter nach Rapallo zogHanno Keller: Schach in Bremen. Teil 1: Die Geschichte der Bremer Schachgesellschaft mit Berücksichtigung des übrigen Schachlebens in Bremen von 1877 bis 1945, Bremen 1987, unveröffentlichtes Manuskript, S. 218., wo er gelegentlich mit Ezra Pound Schach spielte.Zweiseitiges Gedächtnisprotokoll Hanno Kellers eines Gespräches mit einer Tochter Antzes vom 4.10.2001, Blatt 1, Sammlung Keller im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft von 1877.