Erdling ist das zweite Soloalbum des deutschen Rockmusikers Daniel Wirtz. Es erschien am 23. Oktober 2009 über sein Musiklabel Wirtz Musik.
Entstehungsgeschichte
Daniel Wirtz kam auf den Album-Titel Erdling, welchen er auch auf seine Brust tätowiert hat, weil sein Debütalbum seiner Meinung nach sehr selbstbezogen war und es in diesem Album darum gehen sollte, welche Verantwortung der Mensch als Bewohner unseres Planeten für sich und andere Menschen hat. Des Weiteren wollte er mit dem Albumtitel sein Unverständnis dafür ausdrücken, dass es zwischen den Menschen als höchstentwickelte Spezies auf diesem Planeten immer wieder zu großen Konflikten komme, die bei allen anderen Arten nicht vorkämen. Er sagte zur Bedeutung des Album-Titels:
Wirtz sieht das Album als Weiterführung des ersten Albums ohne Wiederholungen an und vergleicht es mit dem zweiten Teil eines Filmes.Daniel Wirtz im Interview – Ein Erdling auf dem Weg zur Erleuchtung Auf: pressure-magazine.de. 8. September 2013. Abgerufen am 8. August 2015
Direkt nach der vorangegangenen Tour begann Wirtz mit den Arbeiten am Album Erdling.Interview mit Daniel Wirt Auf: terrorverlag.com. 7. Juli 2009. Abgerufen am 8. August 2015. Er bezeichnete die Arbeit an dem Album wie schon beim Vorgängeralbum als Therapie. Des Weiteren sagte er, dass das zweite Album das schwerste in einer Karriere sei und dass der Druck, den er auch selbst auf sich ausübte, bei der Arbeit an dem Album sehr groß war. Dies lag daran, dass er nur ein Jahr Zeit für die Arbeit an dem Album hatte, währenddessen Konzerte spielte, die Konzerte der anschließenden Tour im Vorfeld gebucht werden mussten und weil er sein vorheriges Album vom Niveau her übertreffen wollte. Sein Leben und die Arbeit an dem Album bezeichnete Wirtz als „Achterbahnfahrt“, weil er manchmal an seinen Aufnahmen zweifelte, aber sie einige Tage später doch wieder gut fand und weil er sich damals Gedanken über seine finanzielle Zukunft machte. Während bei dem Vorgängeralbum 11 Zeugen die Texte vor der Musik geschrieben wurden, wurden sie für Erdling zur Musik geschrieben, wobei Wirtz versuchte, die Emotionen der Lieder in Texte zu fassen. Aus seiner Sicht ist das Album „härter und dunkler“ als das Vorgängeralbum.
Zu der Art und Weise, wie die Texte für das Album entstanden, sagte Wirtz:
Bezüglich des schwierigsten Aspektes des Textens sagte er:
Covergestaltung
Auf dem Coverbild ist eine künstlerische Darstellung von Daniel Wirtz als Embryo mit all seinen damaligen Tattoos zu sehen. Es soll symbolisieren, dass Wirtz seine Alben als seine „Kinder“ betrachtet und sie ihm sehr am Herzen liegen. Der Embryo wurde von einem Freund von Wirtz als 3D-Modell erstellt. Im Booklet befinden sich Nahaufnahmen von dem dargestellten Embryo aus verschiedenen Blickwinkeln. Auf: hardharderheavy.de. 16. November 2009. Abgerufen am 8. August 2015.
Titelliste # Titel Länge 1 Im freien Fall 3:39 2 Geschichten ohne Sieger 3:32 3 Anderer Stern 3:58 4 Der Feind in meinem Kopf 3:20 5 Meinen Namen 3:36 6 Lass mich los 4:03 7 Meilenweit 4:11 8 Scherben 6:15 9 Frei 4:33 10 L.M.A.A. 3:27 11 Kugel Kopf & Eins im Sinn 4:10 12 Siehst du mich 3:42 13 Nada Brahma 4:30 14 Leb’ wohl 3:03 15 Overkill 4:01
Hintergrundinformationen zu einzelnen Liedern Im freien Fall
Im freien Fall stellt laut Wirtz ein Bindeglied zwischen dem Vorgängeralbum 11 Zeugen und Erdling dar, weil es den Aspekt aufgreift, dass das Vorgängeralbum wie eine Selbsttherapie für Wirtz war, aber der Text auch „den Weg weist“ für den Rest des Albums. Das Lied war eines der ersten des Albums, das fertiggestellt wurde und an dem sich Wirtz immer wieder orientieren und mit dem Vorgängeralbum abschließen konnte.
Anderer Stern
In dem Lied greift Wirtz dieselbe Situation wie in dem Lied Mon Amour vom Vorgängeralbum 11 Zeugen auf nur mit dem Unterschied, dass Wirtz die Vorkommnisse mit einem „gesunden Abstand“ betrachtet. In dem Lied hinterfragt Wirtz, warum er sich in seiner Vergangenheit für eine Frau erniedrigt hat, was in der Zeile: „Ich frag' mich, wie tief meine Sonne stand, als ich dich traf, dass ein Zwerg wie du so lange Schatten warf“ zum Ausdruck kommt. Er kann es nicht nachvollziehen und sucht die Erklärung darin, dass die Gefühle damals sein Denken blockiert hätten.
Der Feind in meinem Kopf
In dem Lied beschreibt Daniel Wirtz selbst erlebte Phasen der Depression, die seine rationale Wahrnehmung einschränken, und nächtliches Erwachen ausgelöst durch Ängste. Er benutzt das Lied in solchen Situationen, um sich daran zu erinnern, dass sein Denken und seine Wahrnehmung in diesen Situationen beeinflusst werden.
Meinen Namen
In dem Lied geht es darum, dass Wirtz mit seiner Musik „Spuren ziehen“ und etwas hinterlassen will, das noch gehört wird, wenn er schon tot ist. Seiner Meinung nach ist nicht vergessen zu werden etwas, das alle Menschen wollen.
Meilenweit
Die Motivation für das Lied war, dass Wirtz die Meinung vertritt, dass die Menschheit, obwohl es die am höchsten entwickelte Spezies auf der Erde ist, nicht im Einklang miteinander und der Umwelt lebt und der „Virus“ der Welt ist, während Tiere harmonisch mit sich und der Umwelt zusammenleben. In dem Lied versucht Wirtz, das durch mehrere Beispiele über die Menschheit zu verdeutlichen.
Scherben
Wirtz änderte die Wörter „verarschen“ und „bescheißen“ für die Version auf seinem 2014 erschienenen Album Unplugged in „verleugnen“. Wirtz sagte, dass er, wenn er damals darauf gekommen wäre, „verleugnen“ für die Originalversion verwendet hätte, da es die Aussage besser treffe.Michael Edele: "Ich bin absolut für die GEMA!" Auf: laut.de. 1. April 2014. Abgerufen am 10. August 2015.
Frei
Wirtz schrieb das Lied für Tage, an denen er denkt, dass die Dinge in Deutschland nicht richtig funktionieren würden, als Erinnerung daran, dass die persönliche Freiheit, die er in Deutschland hat, nicht in jedem Land der Welt selbstverständlich ist. Er sagte über die Bedeutung des Liedes:
L.M.A.A.
Das Lied ist Wirtz’ Reaktion auf negative Beiträge oder Absagen von Radiosendern oder Magazinen, die er erhielt. Die Strophen bestehen aus Zitaten aus solchen Kritiken. Auf: daniel-wirtz.com. Abgerufen am 10. August 2015. Der Refrain stellt Wirtz’ Antwort an die betreffenden Radiosender und Magazine dar.Interview mit Daniel Wirtz Auf: punkrocknews.de. 19. November 2009. Abgerufen am 8. August 2015. Er beklagte, dass er Kommentare zu seinem Debütalbum 11 Zeugen bekommen habe, die nichts mit konstruktiver Kritik zu tun gehabt hätten. Er sagte darüber:
Kugel Kopf & Eins im Sinn
Das Lied behandelt das Thema Selbstmord und ist Karsten Hoffmann gewidmet, der ein sehr guter Freund von Daniel Wirtz war und sich das Leben genommen hatte. Wirtz hat ihm das Lied gewidmet, weil niemand gewusst hätte, was dieser für ihn getan hatte, und Wirtz möchte, dass Karsten Hoffmann nicht vergessen wird.
Siehst du mich
Das Lied ist ein Liebeslied und für Wirtz der Versuch eines positiven Liedes auf dem Album. In einem Interview im September 2013 sagte Wirtz, dass es bis zu dem Zeitpunkt das fröhlichste Lied sei, das er geschrieben habe. Wirtz spielt das Lied gerne live, weil ihn in jeder Stadt immer mehr Leute sähen, obwohl er nicht wisse woher sie kommen. Diesen Menschen gehöre das Lied.
Nada Brahma
In dem Lied setzt sich Wirtz mit der aus Indien stammenden Philosophie auseinander, zu der es auch eine Meditationsform gibt, und die besagt, dass die Welt (Brahma) aus Klang (Nada) bestehe, weil ihm diese Vorstellung gefällt.H. Scharff: Auf: gestromt.de. 21. März 2010. Abgerufen am 8. August 2015. Wirtz sagte über die Bedeutung des Liedes:
Leb’ wohl
Leb’ wohl war ursprünglich ein Bonus-Lied für iTunes, welches diesem Album wegen der hohen Nachfrage der Fans nach dem Lied bei Live-Konzerten und den Aufrufzahlen bei YouTube als Bonus-Titel hinzugefügt wurde.
Overkill
Overkill war ursprünglich eine B-Seite auf der Single zu dem Lied Keine Angst vom Vorgängeralbum 11 Zeugen. Da nur etwa 400 bis 500 Exemplare von der Single verkauft wurden, und wegen der Nachfrage der Fans nach dem Lied, entschied sich Daniel Wirtz, es diesem Album als Bonus-Titel hinzuzufügen.Michael Edele: "Das ist der Todesstoß für Universal!" Auf: laut.de. 27. November 2009. Abgerufen am 8. August 2015.
Kommerzieller Erfolg Erdling stieg am 6. November 2009 auf Platz 44 der deutschen Album-Charts ein, bevor es diese eine Woche später wieder verließ. Am 19. Juni 2015 kehrte das Album auf Platz 97 wieder in die Charts zurück und erreichte zwei Wochen später, am 3. Juli 2015, seine Höchstposition auf Platz 30. Es konnte sich insgesamt elf Wochen in den deutschen Charts halten. Am 3. Juli 2015 stieg das Album auf Platz 56 der österreichischen Album-Charts ein und konnte sich dort insgesamt zwei Wochen halten. In den schweizerischen Charts stieg das Album am 28. Juni 2015 auf Platz 63 ein, bevor es die Charts eine Woche später wieder verließ.Chartquellen: DE AT CH
Rezeption Professionelle Bewertungen Kritiken Quelle Bewertung Laut Michael Edele: Album Rezension: Erdling Auf: laut.de. Abgerufen am 8. August 2015. Rock Hard Mike Borrink: Album Rezension: Erdling Auf: rockhard.de. Abgerufen am 8. August 2015. Metal Hammer Matthias Mineur: Album Rezension: Erdlling Auf: metal-hammer.de. 1. November 2009. Abgerufen am 6. August 2015. Pressure Magazine Marcus Berg: Album Rezension: Erdling Auf: pressure-magazine.de. 8. September 2013. Abgerufen am 8. August 2015. CDStarts Albert Ranner: Auf: cdstartsde. Abgerufen am 8. August 2015.
Erdling erhielt gute Kritiken von der Fachpresse.
Mike Borrink vom Musikmagazin Rock Hard bewertete das Album im November 2009 in der Ausgabe Nr. 270 mit sieben von zehn möglichen Punkten. Er schrieb über das Album:
Matthias Mineur vom Musikmagazin Metal Hammer bewertete das Album am 1. November 2009 mit sechs von sieben möglichen Punkten. Er schrieb über das Album:
Tour Im November und Dezember 2009 spielte Wirtz eine Tour zum Album mit 17 Konzerten. Auf: metal.de. 8. Oktober 2009. Abgerufen am 10. August 2015. Die Tour wurde um zehn weitere Konzerte im Februar und März 2010 verlängert.WIRTZ – „Erdling-Tour 2010“ Auf: festivalhopper.de. 16. Januar 2010. Abgerufen am 10. August 2015 Die Tour hatte insgesamt etwa 10.000 Besucher. Am 26. März 2010 wurde eine Live-DVD vom Konzert in der Frankfurter Batschkapp veröffentlicht.Diskografie Auf: wirtzmusik.de. Abgerufen am 29. August 2015.
Erster Teil der Tour
8. November 2009: Ludwigsburg – Rockfabrik
9. November 2009: Ludwigshafen am Rhein – dasHaus
11. November 2009: Hamburg – Uebel & Gefährlich
12. November 2009: Lübeck – Rider’s Cafe
14. November 2009: Berlin – Columbia Club
15. November 2009: Leipzig – Moritzbastei
17. November 2009: München – Kulturzentrum Backstage
18. November 2009: Nürnberg – Hirsch
20. November 2009: Augsburg – Kantine
21. November 2009: Dresden – Beatpol
23. November 2009: Frankfurt am Main – Batschkapp
24. November 2009: Köln – Stollwerck
25. November 2009: Bochum – Matrix
27. November 2009: Bielefeld – Kamp
28. November 2009: Ahlen – Schuhfabrik
29. November 2009: Hannover – Musikzentrum
1. Dezember 2009: Losheim – Eisenbahnhalle
Zweiter Teil der Tour
27. Februar 2010: Nordhorn – Scheune
1. März 2010: Aschaffenburg – Colos-Saal
3. März 2010: Dortmund – FZW
5. März 2010 Stuttgart – Röhre
6. März 2010: Chemnitz – Talschock
7. März 2010: Magdeburg – Feuerwache
10. März 2010: Rostock – MAU Club
11. März 2010: Bremen – Tower
12. März 2010: Jena – F-Haus
14. März 2010: Braunschweig – Meiers Music Hall
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Hard Rock) Kategorie:Album 2009