mini|hochkant|Joseph-François Angelloz Joseph-François Angelloz (* 7. Oktober 1893 in Frangy; † 29. März 1978 in Thônes) war ein französischer Germanist und Hochschullehrer. Er war Rektor der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, der Universität Montpellier und der Universität Straßburg.

Leben Angelloz wurde 1893 als Sohn des Gendarmen Edouard Angelloz (1859–1925) und dessen Ehefrau Marie Binvignat (1863–1964) geboren. Nach dem Kriegsdienst studierte er bis 1920 in Annecy, Lyon und Leipzig Germanistik. 1936 promovierte er bei Henri Lichtenberger zum Docteur ès lettres, im November 1960 wurde ihm der Dr. phil. h. c. verliehen.

Zwischen 1921 und 1942 war er an Gymnasien in Rochefort s/Mer, Laon, Paris und am Lycée Français in Düsseldorf beschäftigt, ehe er 1942 zum Professor an der Universität Caen berufen wurde. 1950 wurde er neuer Rektor an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Nach der Angliederung des Saarlandes an Deutschland wurde Angelloz im Jahr 1956 abgelöst und wechselte als Rektor an die Universität Montpellier. Ab 1958 war er Rektor an der Universität Straßburg, wo er 1964 emeritiert wurde.

Nach seiner Pensionierung wurde Angelloz 1965 Bürgermeister von Thônes (Département Haute-Savoie), wo er bis 1973 im Amt war.

Wirken Angelloz galt als bedeutender Goethe- und Rilkeforscher. Er war Mitbegründer der Société des Études Germaniques und Herausgeber ihrer Zeitschrift. Unter seiner Ägide wurde die saarländische Universität zu einer Universität mit europäischem Schwerpunkt: 1951 wurde an der Universität das Europa-Institut gegründet.Wolfgang Müller: Die Universität des Saarlandes als Brücke zwischen Frankreich und Deutschland. In: Mechthild Gilzmer, Hans-Jürgen Lüsebrink, Christoph Vatter (Hrsg.): 50 Jahre Elysée-Vertrag (1963–2013). Transcript-Verlag, Bielefeld 2014, S. 239. Angelloz musste sich dabei gegen die französische Regierung und den Hohen Kommissar Gilbert Grandval durchsetzen, die eine eher frankophile Ausrichtung der Universität wünschten.Josef Adolf Schmoll genannt Eisenwerth: Die Anfänge der Kunstwissenschaft an der Universität des Saarlandes im Rahmen der Kulturpolitik zwischen 1948 und 1966. In: Christa Lichtenstern, Wolfgang Müller (Hrsg.): Das Kunstgeschichtliche Institut der Universität des Saarlandes: Lebensbilder, St. Ingbert 2006, S. 26f, Fußnote 12.

Werke Autor Rilke, l’évolution spirituelle du poète. P. Hartmann, 1936 (Prix Montyon der Académie française) La littérature allemande des origines à nos jours. PUF, 1942 Les plus beaux poèmes allemands. PUF, 1947 Goethe. Mercure de France, 1949 Rilke. Mercure de France, 1952 Guide de l’étudiant germaniste. PUF, 1970 Le romantisme allemand. PUF, 1973 Le classicisme allemand. PUF, 1975

Übersetzer Rainer Maria Rilke: Les Elégies de Duino. P. Hartmann, 1936 Johann Wolfgang von Goethe: Les affinités électives. Aubier, 1942. Gottfried Keller: Der grüne Heinrich. Didier, 1942 Rainer Maria Rilke: Les Elégies de Duino, Sonnets à Orphée. Aubier, 1943 Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Belin, 1947 Rainer Maria Rilke: Cornet Christoph Rilke, Neue Gedichte. Hachette, 1952 Johann Wolfgang von Goethe: Les souffrances du jeune Werther. Aubier, 1968

Auszeichnungen Croix de guerre 1957: Ernennung zum Commandeur des Ordre des Palmes Académiques 1959: Ernennung zum Commandeur de l’Ordre Grand Ducal de Luxembourg 1951: Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main 1960: Offizier der Ehrenlegion 1969: Aristide-Briand-Medaille der Europäischen Akademie Otzenhausen 1973: Goethe-Medaille des Goethe-Institut 1973: Ernennung zum Ehrensenator der Universität des Saarlandes 1975: Peter-Wust-Preis der Katholischen Akademie Trier

Literatur August Stahl: Joseph François Angelloz 1893–1978. In: Gerhard Sauder (Hrsg.): Germanisten im Osten Frankreichs, St. Ingbert 2002, S. 57–81. Wolfgang Müller: Angelloz, Joseph-François. In: Nicole Colin, Corine Defrance, Ulrich Pfeil, Joachim Umlauf (Hrsg.): Lexikon der deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach 1945, 2., erweiterte Auflage, Tübingen 2015, S. 98–99.

Weblinks

Einzelnachweise

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