Das Amt Stolzenau war ein historisches Verwaltungsgebiet der Grafschaft Hoya, später des Fürstentums Calenberg bzw. Königreichs Hannover und der preußischen Provinz Hannover mit Sitz in Stolzenau.
Geschichte Das Amt geht auf das Zubehör der Mitte des 14. Jahrhunderts von den Grafen von Hoya als Grenzfestung gegenüber der mindenschen Burg Schlüsselburg errichteten Burg Stolzenau zurück. Der Amtssprengel erstreckte sich entlang der Grenze zum Hochstift Minden. Im 16. Jahrhundert war Stolzenau zeitweilig Hauptort und Residenz der Obergrafschaft Hoya. Nach dem Erlöschen der Grafen von Hoya fiel das Amt an die Welfen, 1682 an Calenberg/Hannover.
1810 kam das Amt Stolzenau an das Königreich Westphalen. Dort wurden die bisherigen Ämter abgeschafft. Für die Verwaltung entstand der Kanton Stolzenau in Distrikt Nienburg im Departement der Aller. Die Rechtsprechung übernahm das Friedensgericht Stolzenau. Mit dem Ende der französischen Herrschaft 1813 wurden die alten Ämter wieder gebildet.
1829 wurde der Amtssprengel um die Gemeinden des aufgehobenen Amts Steyerberg vergrößert. Die Vogtei Bohnhorst mit den Gemeinden Bohnhorst, Großenvörde, Sapelloh und Warmsen ging dafür an das Amt Diepenau. Durch Staatsvertrag vom 25. November 1837 zwischen Hannover und Preußen wurden die Mengedörfer Glissen und Westenfeld sowie das Dorf Halle an Hannover abgetreten und in das Amt Stolzenau eingegliedert.
Nach der Revolution von 1848 wurden im Königreich Hannover die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt und die Patrimonialgerichtsbarkeit abgeschafft.Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 8. November 1850 () Die Verwaltung blieb beim Amt Stolzenau, die Rechtsprechung ging an das neu geschaffene Amtsgericht Stolzenau.
1859 ging das Amt Rehburg im Amt Stolzenau auf. Seit 1867 bildete das Amt Stolzenau mit den Ämtern Nienburg und Uchte sowie der amtsfreien Stadt Nienburg (Weser) den (Steuer-)Kreis Nienburg. 1885 wurde es in die Kreisverfassung überführt.
Gemeinden Bei seiner Aufhebung (1885) umfasste das Amt folgende Gemeinden: Anemolter Bad Rehburg (**) Bruchhagen (*) Deblinghausen (*) Diethe Düdinghausen (*) Frestorf Hahnenberg Harrienstedt Hesterberg (*) Hibben Holzhausen Huddestorf Jenhorst Kleinenheerse Landesbergen Leese Loccum (**) Münchehagen (**) Müsleringen Nendorf Raddestorf Rehburg (**) Sarninghausen (*) Schinna Sehnsen Steyerberg (*) Stolzenau Voigtei (*) Wellie Wiedensahl (**) Winzlar (**) (*) Aus dem ehemaligen Amt Steyerberg; (**) aus dem ehemaligen Amt Rehburg
Amtmänner ab 1673: Conrad Hugo (* 1636; † 1710), Amtsschreiber, 1673 Amtmann, zuletzt Oberamtmann bis 1764 (?): Christoph Heinrich von Hugo (* 1685; † 1764), Oberamtmann bis 1758 (?): Albert Conrad von Hugo (* 1717; † 1758), Amtmann
1814–1826: Ferdinand von Bothmer, Oberhauptmann 1826–1848: Georg Friedrich von Blum, Amtmann 1848–1849: Erich August Heinrich Pagenstecher, Amtmann 1849–1867: Gustav Carl Ernst von Beulwitz, Amtmann 1868–1871: Ernst Roscher, Amtmann 1878–1885: Ernst Philipp Rudolf Meyer, Amtmann (1885–1888 Landrat des Kreises Stolzenau)
Literatur Iselin Gundermann, Walther Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen, Band 10: Hannover. Marburg (Lahn) 1981 Manfred Hamann: Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover. Dritter Band: Mittel- und Unterbehörden in den Landdrostei- bzw. Regierungsbezirken Hannover, Hildesheim und Lüneburg bis 1945. Göttingen 1983, S. 394–398.
Einzelnachweise
Stolzenau Kategorie:Stolzenau Kategorie:Aufgelöst 1885 Kategorie:Geschichte (Landkreis Nienburg/Weser) Stolz