mini|Zuzanna Ginczanka (1938) mini|hochkant|Zuzanna Ginczanka: O centaurach (1936) Zuzanna Ginczanka, ursprünglich Zuzanna Polina Gincburg oder Zuzanna Pola Gincburżanka,Mit dem Namen Zuzanna Pola Gincburżanka war sie 1930 in der Tadeusz Kościuszko Schule in Równe eingeschrieben. (geboren 22. MärzНаталія Бельченко: , bei: Culture.pl, 28. Februar 2018 (ukrainisch). 1917 in Kiew, Russisches Kaiserreich; gestorben Dezember 1944 in Krakau), war eine polnische Lyrikerin und Opfer des Holocaust. Ihr letztes Gedicht gilt als ein Meisterwerk der polnischen Lyrik zur Shoa.
Leben und Werk Zuzanna Ginczanka wurde als Zuzanna Polina Gincburg in Kiew als Tochter russischer Juden geboren. Ihre Eltern wanderten kurz nach Ausbruch der Oktoberrevolution nach Polen aus. Die Familie ließ sich in Równe in Wolhynien nieder, Zuzannas Großeltern zogen bald nach. Ihr Vater, ein Schauspieler, ging nach Berlin, später in die USA, und ihre Mutter verheiratete sich neu in Spanien.Mikołaj Gliński: Zuzanna Ginczanka’s Beauty and Brand, bei Culture.pl, Adam-Mickiewicz-Institut (englisch). Zuzanna wuchs bei ihrer Großmutter Klara Sandberg auf, die eine Apotheke führte. Die polnische Staatsangehörigkeit wurde ihr aber nie gewährt.Elżbieta Adamiak: Von Schräubchen, Pfeilern und Brücken. S. 21, Fn. 19.
Sie besuchte ein polnisches Gymnasium und begann im Alter von zehn Jahren Gedichte zu schreiben. Auf Anregung von Julian Tuwim nahm sie 1934 an einem landesweiten Lyrik-Wettbewerb teil und errang mit ihrem Gedicht Gramatyka eine Auszeichnung. Ab Frühjahr 1935 schrieb sie für die führende polnische Literatur-Zeitschrift Wiadomości Literackie und gehörte als einzige Frau dem Kreis um die Skamander an.
Nach dem Abitur zog sie nach Warschau, um Pädagogik zu studieren, und änderte ihren Namen in Zuzanna Ginczanka. Sie veröffentlichte satirische und antifaschistische Gedichte. Ihre frühe Lyrik ist aber auch von Sinnlichkeit geprägtBozena Shallcross: The Holocaust Object in Polish and Polish-Jewish Culture. S. 38. Elżbieta Adamiak: Von Schräubchen, Pfeilern und Brücken. S. 16. und spielt mit androgynen Motiven. Zuzanna Ginczanka verkehrte in Warschauer Literaturkreisen, wo sie u. a. Witold Gombrowicz kennenlernte. 1936 gab sie – neunzehnjährig – ihren einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten Gedichtband mit dem Titel O centaurach heraus. mini|hochkant|Gedenktafel in Krakau Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs floh sie in das dann von der Sowjetunion okkupierte Lemberg und heiratete Anfang 1940 den polnischen Kunsthistoriker Michał Weinzieher (1903–1944). Als die deutsche Wehrmacht im Juni 1941 in Lemberg einmarschierte, musste sie sich verbergen und während einer Polizeiaktion im Sommer 1942 wieder fliehen. Aus dieser Zeit stammt ihr wahrscheinlich letztes Gedicht. Es hat keinen Titel, beginnt mit der lateinischen Phrase Non omnis moriar.Nach Horaz. Wörtliche Übersetzung: „Ich werde nicht ganz sterben.“ In der literarischen Übertragung ins Deutsche gibt Henryk Bereska (1995) dem Gedicht den Titel Vermächtnis. Sie erinnert darin an die Namen ihrer Vermieterin, „Frau Chomin aus Lemberg, tapfere Spitzelgattin“,Zitiert von Elżbieta Adamiak: Von Schräubchen, Pfeilern und Brücken. S. 19. und deren Sohn, einen NS-Kollaborateur, von denen sie bei den deutschen Besatzern denunziert worden war, und verspottet sie.Bozena Shallcross: The Holocaust Object in Polish and Polish-Jewish Culture. S. 39. Das Gedicht schrieb sie auf einen Zettel, den sie zwei Jahre lang bei sich trug. Es gilt als ein Meisterwerk der polnischen Lyrik zur Shoa. Die Lebensstrategie von Zuzanna Ginczanka habe darin bestanden, durch Sprache und Kultur, die sie selbst gewählt hatte, ihre „verhängnisvolle Andersartigkeit“ zu überwinden, schreibt Elżbieta Adamiak. In ihrem letzten Gedicht komme im Angesicht des Holocaust die erzwungene Identität als Jüdin zum Ausdruck. Mit dem Gedicht habe Ginczanka nicht nur ihre persönliche Erfahrung der ständigen Todesangst ausgedrückt, sondern das Schicksal, das sie mit anderen Juden teilte.Elżbieta Adamiak: Von Schräubchen, Pfeilern und Brücken. S. 20–21. mini|hochkant|Stolperstein für Zuzanna Ginczanka in Riwne, pl. Teatralna, 1 Mit der Hilfe ihrer Freunde Maria Güntner und Janusz Woźniakowski versteckte sich Ginczanka ab 1943 mit ihrem Mann in Krakau, wo sie ein Jahr lang das Haus nicht verlassen konnte. Aufgrund erneuter Denunziation durch Nachbarn wurde sie im Herbst 1944 im Haus in der Mikołajska-Straße 5 von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis gefoltert. Der Grund ihrer Verhaftung soll ihr Kontakt zur polnischen Untergrundbewegung gewesen sein, nicht ihre jüdische Herkunft, die erst ihre Schulfreundin Blumka Fradis unter Folter verriet.Bozena Shallcross: The Holocaust Object in Polish and Polish-Jewish Culture. S. 39, S. 145 Fn. Im Dezember des Jahres 1944 wurden beide Frauen im Hof des Krakauer Gefängnisses Montelupich erschossen, wenige Wochen vor der Befreiung Krakaus durch die Rote Armee im Januar 1945.
Ihr Mann wurde ebenfalls 1944 ermordet.The Holocaust Object in Polish and Polish-Jewish Culture, ebd., S. 38 f. Ihre Großmutter Klara Sandberg starb auf dem Transport in ein Konzentrationslager.Bożena Shallcross: The Holocaust Object in Polish and Polish-Jewish Culture, Indiana University Press 2011, ISBN 978-0-253-35564-5, S. 147.
Ihre Gedichte wurden in Polen posthum in mehreren Anthologien veröffentlicht. Sie spiegeln wider, wie ihr Leben zunehmend zu einem Überlebenskampf wurde. Von ihrem im Krieg entstandenen Werk ist, außer dem Gedicht Non omnis moriar, kaum etwas erhalten geblieben. Lange war Zuzanna Ginczanka außerhalb der polnischen Jüdischen Studien wenig bekannt. Dank der Forschungsarbeit der Literaturwissenschaftlerin Izolda Kiec,Izolda Kiec hat eine Professur an der University of Social Sciences and Humanities in Warschau. die 1993 die erste Monografie über Zuzanna Ginczanka veröffentlichte, wurde ihr Werk und ihr Leben in Polen zugänglich gemacht. Eine weitere Monografie folgte von Agata Araszkiewicz im Jahr 2002.
Zum Gedenken an Zuzanna Ginczanka verlegte der Künstler Gunter Demnig am 26. Juli 2018 am Theaterplatz der heute ukrainischen Stadt Riwne einen Stolperstein.istpravda.com.ua: Fünf Gedenksteine in den Straßen von Riwne für Nazi-Opfer, 31. Juli 2018 (auf Ukrainisch), abgerufen am 15. Oktober 2018.
2021 veröffentlichten Hanna Kubiak und Bernhard Hofstötter die deutsche Erstausgabe von Gedichten Zuzanna Ginczankas.tredition.de: Von Zentauren und weitere ausgewählte Gedichte, abgerufen am 4. April 2021.
Veröffentlichungen 1936: O centaurach. Warschau : Wydawnictwo J. Przeworskiego Wikisource 1953: Wiersze wybrane (Ausgewählte Gedichte) 1989 und 2014: Zuzanna Ginczanka. Wiersze zebrane (Von Izolda Kiec herausgegebene Gedichtesammlung, 2014 ergänzt mit Gedichten über Zuzanna Ginczanka) 1991 Udźwignąć własne szczęście : poezje. Hrsg. von Izolda Kiec. Poznań : Książnica Włóczęgów i Uczonych 2012: Krzątanina mglistych pozorów / Un viavai di brumose apparenze (polnisch und italienisch) 2014: Wniebowstąpienie ziemi (Von Tadeusz Dąbrowski herausgegebene Gedichtesammlung) 2021: Von Zentauren – und weitere ausgewählte Gedichte. Aus dem Polnischen übersetzt von Bernhard Hofstötter und Hanna Kubiak, Verlag Tredition, Hamburg, ISBN 978-3-347-23233-4 2025: »Mit Augen trinke ich den Himmel«, Gedichte, polnisch - deutsch, übersetzt von Anna Maja Misiak, Arco Verlag, Wuppertal 2025, ISBN 978-3-96587-064-2.
Literatur Izolda Kiec: Zuzanna Ginczanka. Życie i twórczość. Obserwator, Poznań 1994, ISBN 83-901720-0-3. (Zugleich Dissertation Universität Poznań 1993 ) Auszüge in deutscher Übersetzung von Henryk Bereska in: Dichterinnen aus dem Dunkel. Band 2. WIR e. V. Polsko-Niemieckie Towarzystwo Literackie, 1995, . Agata Araszkiewicz: Wypowiadam wam moje życie. Melancholia Zuzanny Ginczanki. Fundacja OŚKA, Warschau 2001, ISBN 83-909820-8-0. Elżbieta Adamiak: Von Schräubchen, Pfeilern und Brücken … Dichterinnen und Theologinnen mittel- und osteuropäischer Kontexte ins Wort gebracht. In: Jahrbuch der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (= Journal of the European Society of Women in Theological Research, ESWTR). 2006, S. 9–24, hier S. 18–22. Bożena Shallcross: The Holocaust Object in Polish and Polish-Jewish Culture. Indiana University Press, Bloomington, 2011, ISBN 978-0-253-35564-5.Rezension bei h-net. Alessandro Amenta: Sulle tracce di Zuzanna Ginczanka, in: eSamizdat VI (2008) 117–134.
Dokumentarfilm Biblioteche comunali Perugia: E attecchire nelle parole è una tale gioia. Vita e poesia di Zuzanna Ginczanka, 17:02 min. Mary Mirki Milo (Regie): La Poesia spezzata – Zuzanna Ginczanka 1917–1944. Premiere 2014 beim Literaturfestival Port Literacki Wrocław. Filmtrailer (italienisch mit polnischen Untertiteln)
Weblinks
Website über Zuzanna Ginczanka mit biografischen Details, übersetzten Gedichten und Fotos Culture.pl: Zuzanna Ginczanka, auf Polnisch, abgerufen am 15. Oktober 2018 Zuzanna Ginczanka in der polnischen Nationalbibliothek 5. März 2014, bei Onet.pl Izabela Fietkiewicz-Paszek: Zuzanna Ginczanka – Jakże się światu cała opowiem?, bei artpub literatura, 5. September 2012 (pl). Auch bei Joanna Pogorzelska: Filmbeitrag, Muzeum Literatury, 3:33 min (poln.) Zuzanna Ginczanka, Frauen.Biografieforschung
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Autor Kategorie:Lyrik Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Polnisch) Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Pole Kategorie:Person, für die in der Ukraine ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Frau