mini|Übersichtskarte der Stadt Kempten (Allgäu) mini|Der Hildegardplatz mit der Basilika St. Lorenz und der Fürstäbtlichen Residenz mini|Aussicht vom Turm der St.-Mang-Kirche gegen Westen mini|Blick vom Turm der St.-Mang-Kirche auf den Rathausplatz mit Rathaus und auf die Basilika St. Lorenz mit einem Teil der Residenz im Hintergrund mini|Ausblick vom Hausberg Mariaberg, im Hintergrund die Ammergauer Alpen, rechts dahinter die Zugspitze mini|Kempten (Allgäu) von Südosten
Kempten (Allgäu) (schwäbisch ) ist eine kreisfreie Mittelstadt mit rund 67.645 Einwohnern (Stand: März 2026) im Allgäu im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Sie ist das Ober-, Schul- und Verwaltungszentrum der umliegenden Wirtschafts-, Urlaubs- und Planungsregion Allgäu mit rund 480.000 Einwohnern.
Kempten ist die südlichste kreisfreie Stadt Deutschlands und nach Augsburg die zweitgrößte Stadt des Regierungsbezirks. Sie gilt als eine der ältesten Städte Deutschlands, da sie bereits in der Antike in einem schriftlichen Dokument genannt wurde. Kempten wird seit den 1930er-Jahren verstärkt als Allgäuer Ort genannt, dennoch wird dort mehr ein schwäbischer als ein Allgäuer Dialekt gesprochen; letzterer kann erst südlich von Immenstadt im Allgäu in erkennbarem Maße festgestellt werden.Detlef Schmiechen-Ackermann (Hrsg.): Stadtgeschichte in der NS-Zeit. Fallstudien aus Sachsen-Anhalt und vergleichende Perspektiven. LIT Verlag, Münster 2005, S. 92.
Das Stadtbild ist durch das jahrhundertelange Nebeneinander zweier Stadtkerne geprägt: zum einen die sogenannte Stiftsstadt der Fürstabtei Kempten, zum anderen die Reichsstadt Kempten. Die noch heute erkennbare gegensätzliche Grund- und Aufrissstruktur macht Kempten zur Doppelstadt.
Seit 1977 befindet sich in Kempten die Hochschule Kempten, in der fast 6000 Studenten eingeschrieben sind und die somit eine der größten Fachhochschulen Bayerns ist.
Kempten liegt am Grenzgebiet zu den österreichischen Bundesländern Tirol und Vorarlberg sowie zu Baden-Württemberg.
Geographie Topographie Kempten liegt 646 m bis am Alpennordrand an den Ufern der Iller, etwa 35 km nördlich von Oberstdorf. Die bayerische Landeshauptstadt München ist etwa 110 km von Kempten entfernt, die Regierungsbezirkshauptstadt Augsburg etwa 90 km.luftlinie.org: Entfernung Kempten-Augsburg (abgerufen am 18. Mai 2013). Vororte und nahe gelegene Ortschaften von Kempten sind Durach, Waltenhofen, Buchenberg, Wiggensbach, Lauben, Haldenwang, Wildpoldsried und Betzigau.
Von den deutschen Städten mit über 50.000 Einwohnern ist Kempten mit (Altstadt) nach Villingen-Schwenningen (704 m) die am zweithöchsten gelegene.
Der Hausberg der Stadt, der Mariaberg, ist mit 915 m die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Weitere landschaftliche Akzente setzen schmale Höhenrücken und Kuppen wie die des Haubenschlosses (759 m), des Reichelsberges, der Halde (700 m) in nordsüdlicher Richtung sowie die Erhebungen der Burghalde (690 m) und des Lenzfrieder Höhenrückens (762 m) in ostwestlichem Verlauf. Im Süden beherrscht die Alpenkette das Panorama.Bayer. Staatsministerium des Innern – Oberste Baubehörde (Hrsg.): Planung Kempten/Allgäu. Stadtbild und Stadtlandschaft. S. 22.
Das Hauptfließgewässer ist die Iller; Erosionsrinnen, Bäche und die Nebenflüsse sind Rottach, Kollerbach, Bachtelbach, Durach und Leubas, Ursulasrieder Bach sowie weitere kleinere, oft unbenannte Bachläufe. Sie führen das Wasser von Höhenrücken und Hängen in zum Teil tobelähnliche Einschnitte (Kalbsangsttobelbach) in nordöstlicher bzw. in nordwestlicher Fließrichtung der Iller zu. Die Gesamtlänge der Fließgewässer in Kempten beträgt über 176 km, die Iller selbst macht davon lediglich 13 km aus. Die größeren stehenden Gewässer in Kempten sind Bachtelweiher, Herrenwieser Weiher, Schwabelsberger Weiher und Stadtweiher; kleinere sind der Steufzger Weiher und der Weiher im Engelhaldepark. Sie alle sind künstlich aufgestaut, in der Regel bereits vor mehreren hundert Jahren.Bayer. Staatsministerium des Innern – Oberste Baubehörde (Hrsg.): Planung Kempten/Allgäu. Stadtbild und Stadtlandschaft. S. 28.
Geologie mini|Die Untere Süßwassermolasse, eine Faltenmolasse, bildet den Illerdurchbruch in Kempten
Naturräumlich betrachtet gehört Kempten zum Voralpinen Moor- und Hügelland – genauer zur Naturraumeinheit Iller-Vorberge, die in der älteren Literatur auch als Iller-Jungmoränenland bezeichnet wurde.Ssymank und Meynen, Schmidthüsen et al.: Naturräumliche Gliederung Bayerns. In: lfu-bayern.de (abgerufen am 27. Mai 2013)
Im Untergrund verläuft strukturgeologisch betrachtet die Grenze zwischen den gefalteten Gesteinen, die zum Nordrand der Allgäuer Alpen gezählt werden, und den ungefalteten Sedimenten des Molassebeckens.Bayerisches Geologisches Landesamt: Geologische Karte von Bayern 1:500.000. Beilage 8: Tektonische Karte von Bayern 1:1.000.000. München 1996. Die nördlichste tektonische Einheit der Alpen in diesem Raum, die Faltenmolasse, nimmt den Untergrund des Südteils des Stadtgebietes ein, während im Norden der Stadt Sedimente der ungefalteten Vorlandmolasse abgelagert wurden, die jedoch im Stadtbereich eine Aufbiegung der Schichten zu den Alpen hin aufweisen (Aufgerichtete Vorlandmolasse).
Im Tertiär, vor etwa 35 Millionen Jahren, begannen im Süden die Alpen, sich erneut stark zu heben, während sich gleichzeitig nördlich des Gebirges eine Sedimentsenke bildete.Bayerisches Landesamt für Umwelt: Hundert Meisterwerke – Die schönsten Geotope Bayerns. München 2012, ISBN 978-3-936385-89-2, S. 172–173. Dieses Becken war Teil eines Festlandes mit Flüssen und Süßwasserseen. Die aus den Alpen kommenden Flüsse wie die Iller transportierten Schotter, Kiese, Sande und Tone in dieses Becken (Süßwassermolasse) und lagerten das Material in Form von großen Alluvialschuttfächern wieder ab. Zeitweilig wurde das Becken auch vom Meer überflutet, und es kam zur Ablagerung von marinen Sedimenten wie glaukonithaltigen Sandsteinen (Meeresmolasse).
Während des Quartärs, einer Zeit mit starken Klimaveränderungen in Mitteleuropa, wurde das Gebiet um Kempten von den Allgäuer Alpen aus mehrfach während der Kaltzeiten vom sogenannten Illergletscher überfahren. Während der Würm-Kaltzeit vor etwa 20.000 Jahren lag der Eisrand des Illergletschers etwa 2,5 km südöstlich von Grönenbach. Das Gebiet von Kempten war zu dieser Zeit völlig von Eis bedeckt. Zahlreiche große Findlinge wie der Dengelstein bei Kempten In: lfu.bayern.de (abgerufen am 18. Oktober 2012) zeugen heute von der ehemaligen Eisbedeckung. Besonders östlich von Kempten sind auf den Hochflächen in Form von Drumlins weitere Relikte der eiszeitlichen Bedeckung erhalten. Die Längsachsen der Drumlins sind dabei in Richtung der Eisfließrichtung ausgerichtet. In den Warmzeiten schmolzen die Gletscher weit in die Alpen zurück und hinterließen Gletschermühlen.
In der Folgezeit schnitten sich die vorwiegend mäandrierenden Flüsse tief in die tertiären Terrassensedimente ein. Aus der Umgebung von Kempten sind Erdbeben historisch belegt, die in Zusammenhang mit den tektonischen Bewegungen der Alpen stehen. Eines der ältesten in Deutschland belegten Erdbeben fand am 24. Februar 1478 mit einer Stärke von etwa 5,5 auf der Richterskala statt.Leyendecker, Günther: Erdbebenkatalog für Deutschland mit Randgebieten für die Jahre 800 bis 2008. In: Geologisches Jahrbuch. E 59; Hannover, S. 1–198.Reichsanstalt für Erdbebenforschung (Hrsg.): Beiträge zum Erdbebenkatalog Deutschlands und angrenzender Gebiete für die Jahre 58 bis 1799. In: Mitteilungen des Deutschen Reichs-Erdbebendienstes. Heft 2, Reichsverlagsamt, Berlin 1940, S. 45.
Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmäler und Geotope
Als Landschaftsschutzgebiete sind die Schwabelsberger Weiher, der Rottachtobel, das Betzigauer Moos sowie die Iller verzeichnet. Im Stadtgebiet von Kempten sind rund 70 Bäume als Naturdenkmäler sowie der Lenzfrieder Höhenrücken als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen.Kempten.de: Naturschutz in Kempten, abgerufen am 13. März 2014
Als Geotope sind der Illerdurchbruch bei Oberkottern,Illerdurchbruch bei Oberkottern. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. März 2014) die Schlucht am Mariaberg bei Thingers, das Drumlinfeld östlich von Kempten bei Wettmannsberg,Drumlinfeld E von Kempten. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. März 2014) der ehemalige Steinbruch südlich von TannenEhemaliger Steinbruch von Tannen. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. März 2014) sowie Prallhänge der Iller nördlich KemptenPrallhänge der Iller nördlich Kempten. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. März 2014) eingetragen.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht aus den Gemarkungen Kempten, Sankt Lorenz und Sankt Mang.
Zur Stadt gehören die Ortsteile Adelharz, Ajen, Aschen, Atzenried, Bachen, Bachtelmühle, Bachtelsteig, Bahnholz, Batzen, Bezachmühle, Binzenried, Birken, Bockarten, Borstadels, Breiten, Bremberg, Bucharts, Bühl, Bühls, Burkarts, Dolders, Dorns, Dottenried, Dreifaltigkeit, Eggen, Eich, Ellatsberg, Ellharten, Elmatried, Eppenried, Feigen, Felben, Greinats, Grub, Hafenthal, Halden, Härtnagel, Härtnagel am Mariaberg, Hasenbühl, Haslach, Haßberg, Haubensteig, Heiligkreuz, Hinterbach, Hinteregg, Hinterholz, Hinterrottach, Hirschdorf, Hochstraß, Höflings, Hohenrad, Hub, Jägers, Johannisried, Kargen, Kaurus, Kempten (Allgäu), Kindo, Klingen, Kniebos (siehe Burg Kniebos), Kollerbach, Kornangers, Lämmlings, Lauben o.d.Bruck, Lauben u.d.Bruck, Leinschwenden, Lenzfried, Letten, Leubas, Leupolz, Leupratsried, Lochbruck, Lotterberg, Lugemanns, Mariaberg, Mayrhof, Mollenmühle, Moos, Moosers, Motzen, Mühlbach, Neuhausen, Oberbühl, Obergrünenberg, Oberheggers, Oberried, Oberschmieden, Oberwang, Oberwies, Oberwittleiters, Ohnholz, Öschberg, Prestlings, Rappenscheuchen, Rauhen, Reichelsberg, Reinharts, Reisachmühle, Reiters, Ried, Riederau, Ringlers, Rockhöflings, Rößlings, Rothkreuz, Rottach, Rottachmühle, Sankt Mang, Schatten, Schelldorf, Schlatt, Schnattern, Schwabelsberg, Schwarzen, Seeangers, Segger, Seibäumen (siehe auch Franzosenbauer), Sommers, Stadtallmey, Stadtweiher, Staudach, Staudach bei Mariaberg, Steig, Steinberg, Sterklings, Steufzgen, Stiftallmey, Stiftbleiche, Stöcken, Stockers, Stoffels, Stölzlings, Stürmers, Tannach, Tannen, Thingers (I u. II), Unterbühl, Untergrünenberg, Unterheggers, Unterried, Unterschmieden, Unterwang, Unterwies, Unterwittleiters, Ursulasried, Voglsang, Vorderhalden, Vorderwaldmanns, Wegflecken, Weidach, Weidachsmühle, Weihers, Wettmannsberg, Wies, Zollhaus, Zur Rottach
Insgesamt gibt es 155 Ortsteile. Viele der oben genannten Orte sind mit Kempten zusammengewachsen, andere weisen eine eher ländliche Struktur auf.
Klima Kempten liegt bei der mittleren Jahresdurchschnittstemperatur im deutschen Durchschnitt, jedoch befindet sich die Niederschlagsmenge im oberen Bereich. Mit 1272 Millimeter durchschnittlichem Niederschlag und einer Durchschnittstemperatur von 6,9 Grad Celsius im Jahr (von 1961 bis 1990) fällt die Stadt nicht aus dem Rahmen der gemäßigten Klimazone.
Wie im gesamten Voralpenland kommt es öfter im Jahr zu Föhn und durch den Wolkenstau vor den Alpen zu ergiebigen Niederschlägen in Form von Regen oder Schnee. Aufgrund von Überschwemmungen der Iller wurde die Hochwasserschutzmauer nach dem Pfingsthochwasser 1999 auf dem linken Illerufer verlängert. Die Maßnahme hat sich beim Alpenhochwasser 2005 erstmals bewährt.
mini|Klimadiagramm von KemptenGeoklima 2.1
Ortsname Kempten wird in Medien gelegentlich auch als Hauptstadt des Allgäus, Allgäu-Metropole oder Illerstadt bezeichnet.