Die Caudron 635 Simoun war ein französisches Reiseflugzeug für vier Personen, das erstmals 1934 flog. Die französische Air Bleu setzte Simouns als Postflugzeuge in Frankreich ein. Französische Flieger und Fliegerinnen nutzten den Typ für Langstreckenflüge. In größeren Zahlen wurde der mit einem verkleideten, starren Fahrwerk ausgerüstete Typ von der französischen Luftwaffe (Armée de l’air) bestellt und als Verbindungsflugzeug, Trainer und Sanitätsflugzeug eingesetzt.

Entwicklung und Bau der Simoun Die Caudron Simoun wurde von Marcel Riffard (1886–1981) entworfen, der sie aus den für den Coupe Deutsch de la Meurthe entwickelten Rennflugzeugen C.360 und C.362 ableitete. Die ersten, wie alle folgenden Baureihen, überwiegend aus Holz gebauten Prototypen waren die Simoun C.500, C.520 und C.620. Eine C.500 erhielt einen leichteren Renault Bengali 4-Zylinder-Motor von 150 PS, um Gewicht zu sparen. Die anderen Maschinen erhielten alle den luftgekühlten 6 Zylinder-Bengali-Reihenmotor mit hängenden Zylindern. Die C.620 wurde zuerst fertig und machte ihren Erstflug im Juli 1934 und wurde in der Ausstellung der Luftfahrt im November 1934 mit der C.520 ausgestellt. Alle Maschinen der Baureihe waren freitragende Tiefdecker mit einem verkleideten starren Fahrwerk. Am luftgekühlten Renault-Bengali 6-Motor als Triebwerk wurde festgehalten.

Von den Simoun-Typen C.500, C.520, C.620 (Prototypen), dem Serientyp C.630 und deren Langstreckenversionen C.631, C.632, C.633 und C.634 entstanden etwa 36 Maschinen für zivile Nutzer, die von verschiedenen Ausführungen des Renault-Motors angetrieben wurden und sich in Details unterschieden. Die Prototypen C.500, C.520 hatten eine größere, umfangreicher verglaste Kabine und eine leicht andere Rumpfform, die für die Serienmaschinen aufgegeben wurden. Die Aufträge der französischen Streitkräfte für die C.635 und C.635M führten zu über 500 weiteren Neubauten. Alle Maschinen waren bis zum Ende des Serienbaus im Frühjahr 1940 weiterhin aus Holz gebaute Tiefdecker. Die mit verstellbaren Ratier-Propellern ausgerüsteten Simoun gehörten zu den ersten Reiseflugzeugen (neben der Messerschmitt Bf 108), die eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h erreichen konnten.

In einen Liniendienst kamen die Caudron Simoun zuerst bei der 1935 gegründeten Air Bleu, die zwölf Simoun der Typen C.630 und C.635 erhielt. Neben diesen nur innerhalb Frankreichs eingesetzten Postflugzeugen, kamen 1937 noch drei Maschinen des Militärauftrages als Postflugzeuge nach Madagaskar, um innerhalb der Insel zum Einsatz zu kommen. Ab Ende 1935 wurden auch die ersten 110 Caudron Simoun C.635M(ilitaire) an die französische Luftwaffe als Verbindungs- und Trainingsflugzeuge geliefert. Weitere 29 Maschinen erhielten die Marineflieger. Insgesamt bestellten die französischen Streitkräfte bis nach Kriegsausbruch 650 Maschinen, von denen fast 500 für die französischen Streitkräfte bis zum Mai 1940 fertiggestellt wurden. Exakte Angaben über die Gesamtzahl der gebauten Simoun gibt es nicht, zumal einige Maschinen zumindest zeitweise verschiedenen Varianten zugeordnet wurden.

Varianten C.500 Simoun IV, zwei viersitzige Sportflugzeug-Prototypen, längere Kabine mit drei großen Seitenscheiben, ein später mit leichterem Bengali 4 ausgerüstet C.520 Simoun VI, ein sechssitziger Prototyp C.620 Simoun, ein Prototyp und Umbauten C.630 Simoun – erstes Serienmodell mit Renault-Bengali-6Pri-Motor, 20 Maschinen C.631 Simoun – modifiziertes Modell für Langstreckenflüge mit höherem Startgewicht, mit Renault Bengali 6Q-01-Motor, drei Maschinen C.632 Simoun – einzelne Maschine, umgebaute C.631, Einsitzer für Japanflug Japys C.633 Simoun – modifiziertes Modell mit Renault-Bengali-6Q-07-Motor und geändertem Rumpf, sechs Maschinen C.634 Simoun – für Langstreckenflüge verstärkte Version, drei Maschinen C.635 Simoun – Version mit verbesserter Kabinenausstattung, 46 Neubauten, dazu Umbauten früherer Simoun C.635M Simoun – Militärversion, meist Dreisitzer, 489 Maschinen an Armée de l’air und Aeronavale (59) abgeliefert

Die verbliebenen Maschinen Von den insgesamt fast 600 gebauten Caudron Simoun sind heute nur noch zwei Maschinen vorhanden. Eine befindet sich als stationäres Ausstellungsstück im Museum für Luft- und Raumfahrt (Musée de l’Air et de l’Espace) in Paris-Le Bourget, die zweite gehört der Association Renaissance du Caudron Simoun, die sie flugfähig wiederherstellen möchte.

Die Caudron Simoun des Musée de l’Air et de l’Espace ist eine C.635M T-585, jetzt ausgestellt als Postmaschine der Air Bleu.Caudron C.635 Simoun n°8519.428 F-ANRO Mit der ausgestellten Maschine versuchte im Sommer 1940 ein französischer Unteroffizier nach der Kapitulation Frankreichs aus Pau nach Marokko zu entkommen. Bei einer Zwischenlandung in Portugal wurden der Pilot interniert und die Maschine von Portugal beschlagnahmt. 1973 wurde die Maschine an Frankreich zurückgegeben und von einer Transall der Armée de l’air zurückgebracht, um als F-ANRO ausgestellt zu werden. Die erste F-ANRO, Simoun C.630 n°19/7017, gehörte zu den ersten sechs Maschinen der Air Bleu, die im Herbst 1940 bei Auflösung der Gesellschaft zur Air France kamen. Der weitere Verbleib der ursprünglichen Maschine F-ANRO konnte nicht geklärt werden.

Die zweite noch vorhandene Simoun der `Association Renaissance du Caudron Simoun´ wurde restauriert um jetzt die C.630 F-ANRY, die 1935 bruchgelandete erste Maschine Antoine de Saint-Exupérys, darzustellen. Auch diese Maschine war ursprünglich eine 1939 gebaute C.635M n°8433 T-499 der französischen Luftwaffe, die als F-DADY in Marokko 1950 ins Zivilregister kam und bis 1966 eingesetzt wurde.

Bis zu einem Unfall 2002 flog die Simoun C.635 n°7863 F-AZAM (ex F-ARCH, als N85E 1973 bis 1977 in den USA) als letzte flugfähige Caudron Simoun in Frankreich.

Langstreckenflüge Der Preis der Caudron Simoun (damals zwischen 128.000 und 157.000 französischen Franc) erlaubte nur wohlhabenden Fliegern den Kauf. Berühmte Flieger wie Michel Détroyat (1905–1956), Marcel Doret (1896–1955) und Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) besaßen eine Simoun. Anderen wie André Japy (1904–1974), Maryse Bastié (1898–1952) und Maryse Hilsz (1901–1946) wurden sie vom Werk zur Verfügung gestellt.

Den ersten erfolgreichen Langstreckenrekordflug führten Gaston Génin (1901–1936) und André Robert mit der zweisitzigen Simoun C.631 F-ANXA Gody Radio mit Zusatztanks im hinteren Teil der Kabine vom 18. bis 21. Dezember 1935 von Le Bourget nach Antananarivo auf Madagascar durch, die mit Zwischenlandungen in Syrte und Juba die 8.665 km in 57 h 6´ bewältigten und damit ihren eigenen Streckenrekord brachen. Sie waren vom 19. bis 22. Januar 1935 in der Farman 199 N°2 F-ALHG in drei Tagen 23 Stunden 25 Minuten von Paris nach Madagaskar geflogen.

Bruchlandungen von Antoine de Saint-Exupéry mini|de Saint-Exupéry vor seiner bruchgelandeten Caudron im Jahr 1935

Schon in der Nacht vom 29./30. Dezember 1935 verunglückte der erfahrene Flieger und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry 200 Kilometer vor Kairo in der ägyptischen Wüste bei einem Versuch, einen Streckenrekord von Paris nach Saigon aufzustellen. Nach 19 Stunden 44 Minuten Flug mit seiner Simoun C.630 F-ANRY stürzte die Maschine nach einer Bodenberührung über der Wüste in Ägypten ab. Ohne Ausrüstung verließen Saint-Exupéry und sein Mechaniker André Prévot (1907–1947) das Wrack und irrten fast vier Tage durch die Wüste, ehe sie von Beduinen gefunden wurden. Diesen gelang es, die fast Verdursteten gesundzupflegen. Saint-Exupérys Darstellung dieser Nahtod-Erfahrungen 1939 in Wind, Sand und Sterne trug zum großen Erfolg des Buches bei. Es wurde preisgekrönt und erhielt den Grand Prix du Roman de l’Académie française; die amerikanische Übersetzung war ein großer Verkaufserfolg.

Die Fertigstellung dieses Sammelbandes teils neuer und schon ältere Texte mit dem Originaltitel Terre des hommes („Die Erde der Menschen“) erfolgte durch Saint-Exupéry in New York während der Genesung nach einem weiteren schweren Unfall mit einer Simoun am 16. Februar 1938. Beim Versuch eines Rekordfluges von New York nach Feuerland mit der C.635M F-ANXK und wieder André Prévot als Begleiter stürzte der Schriftsteller und Pilot nach einer Zwischenlandung in Guatemala-Stadt beim Start zum Weiterflug ab, da die Maschine zu viel Treibstoff geladen hatte, und beide Insassen wurden schwer verletzt. Für Prévot war es das Ende seiner Karriere als Flieger.

Versuche nach Tokio zu fliegen mini|Gedenkstein am Absturzort von Japy

Auch weitere Versuche von Rekordflügen mit Caudron Simoun nach Ostasien endeten in Unfällen. Nach etlichen Flügen mit Caudron Simoun in Europa, so u. a. am 31. Juli 1936 von Paris direkt nach Algier in 5 Stunden 3 Minuten mit sofortigem Rückflug nach 58 Minuten Wartungszeit in 5 Stunden 48 Minuten und am 6. August 1936 von Paris nach Moskau mit Zwischenlandungen in 16 Stunden 5 Minuten und einem nonstop-Rückflug am 8. August in 9 Stunden 50 Minuten, versuchte der erfolgreiche Langstreckenflieger André Japy im Herbst 1936 mit der vom Werk gestellten einsitzigen Simoun C.632 F-ANXA den Preis für den ersten Flug in unter 100 Stunden von Paris nach Tokio zu gewinnen. Japy, der Testpilot der Caudron-Werke, hatte schon im Dezember 1935 einen Flug mit einer Simoun bis Saigon in 87,5 Stunden durchgeführt.

Er erreichte als Soloflieger in der Rekordzeit von 50 Stunden 59 Minuten Hanoi. Beim ersten Anflug auf Japan von Hongkong musste er wegen schlechten Wetters umkehren. Beim zweiten Anflug am 19. November verlor er über Kyūshū die Gewalt über seine Maschine und stürzte im Sefuri-Gebirge nach über 75 Stunden Gesamtflugzeit auch wegen Treibstoffmangels ab. Über 100 Bewohner eines nahegelegenen Dorfes in der Präfektur Saga suchten unter der Leitung der örtlichen Feuerwehr in sehr schwierigem Gelände nach der abgestürzten Maschine und konnten den schwer verletzten Japy bergen und schließlich in das Krankenhaus der Universität Fukuoka transportieren.

Am 20. Januar 1937 erfolgte der nächste Versuch mit einer Caudron Simoun in unter 100 Stunden von Paris nach Tokio zu fliegen. Der erfahrene Langstrecken-, Weltrekordflieger und Testpilot Marcel Doret startete am Morgen in Le Bourget mit seinem Funker Jérôme Micheletti mit der Simoun C.635 F-ANXM. Sie wollten in drei Tagen über Brindisi, Kairo, Bagdad, Karatschi, Hanoi, Hongkong und Shanghai Tokio erreichen. Trotz schlechtem Wetter erreichten die Flieger über Brindisi, Kairo, Basra, Karatschi, Allahabad und Akyab am 23. Januar 1937 Hanoi. Nach weiteren 200 Kilometern und einer Gesamtflugzeit von 71 Stunden und 15 Minuten über eine Distanz von nun 10.775 Kilometern überschlug sich die Maschine fast bei einer Notlandung auf dem Strand einer Insel im Golf von Tongking, steckte mit der Nase im Strand und hatte einen total beschädigten Propeller. Die Maschine wurde von der unverletzt gebliebenen Besatzung aufgegeben.

Zurück in Frankreich starteten Doret und Micheletti am 22. Mai 1937 mit der Simoun C.635M F-APMS zu einem zweiten Versuch in 100 Stunden Tokio zu erreichen. Am 24. erreichten sie Hanoi in neuer Rekordzeit. Wegen erneut sehr schlechtem Wetter erfolgte eine Zwischenlandung in Fort Bayard. In Shanghai platzte bei der Landung am 26. Mai ein Reifen. Beim Weiterflug nach Tokio bei weiterhin sehr schlechtem Wetter konnte eine genaue Funknavigation nicht mehr durchgeführt werden. Die beiden Franzosen versuchten auf einem Strand zu landen. Die Maschine überschlug sich und beide Insassen wurden schwer verletzt. Sie hatten das Dorf Tohara an der Tosa-Bucht in der Präfektur Kōchi auf Shikoku südwestlich von Osaka, etwa 500 km vor Tokio, erreicht.French Flyers hurt in Japan UP May 26, 1937

Der Atlantikflug von Maryse Bastié