mini|370px|Proganochelys quenstedti im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart
Proganochelys (griech. für „Vorher-Schildkröte“ von Progano ‚Vorher‘, sowie chelys ‚Schildkröte‘) ist eine der ältesten ausgestorbenen Schildkröten. Sie stammt aus der Obertrias (Norium) von DeutschlandE. S. Gaffney: The Comparative Osteology of the Triassic Turtle Proganochelys. In Bulletin of the AMNH 194, 1990, S. 1–263, GrönlandF. A. Jr. Jenkins, N. H. Shubin, W. W. Amarel, S. M. Gatesy, C. R. Schaff, L. B. Clemmensen, W.R. Downs, A. R. Davidson, N. C. Bonde & F. Osbæck: Late Triassic continental vertebrates and depositional environments of the Fleming Fjord Formation, Jameson Land, East Greenland. In Meddelelser om Grønland, Geoscience 32, 1994, S. 1–25 und Thailand.E. Buffetaut & V. Suteethom: The geographical significance of the mesozoic vertebrates from Thailand. In Biogeography and Geological Evolution of SE Asia, Backbuys Publishers, Leiden 1998, S. 83–90. Die Panzerlänge konnte 70 cm erreichen.M. Mlynarski: Testudines. Handbuch der Paläoherpetologie, Part 7. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 1976, S. 1–129.
Merkmale Der Schädel weist einige primitive Merkmale auf. So ist der Schädeltyp scheinbar anapsid (ohne Temporalfenster), sehr massiv und nicht kinetisch.M. J. Benton: Paläontologie der Wirbeltiere. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 2007, S. 1–472. Neueste Funde belegen allerdings, dass Schildkröten diapside Reptilien waren.R. R. Schoch, H. D. Sues: A Middle Triassic stem-turtle and the evolution of the turtle body plan. In: Nature. 2015. DOI:10.1038/nature14472 Der Schädel ist breit und nicht stark verlängert. Die Nasenhöhlen sind komplett voneinander getrennt. Die Augenhöhlen sind sehr breit. Der Kiefer war zahnlos und besaß wahrscheinlich einen Hornschnabel. Das Quadratum war tief eingebuchtet, um das große Trommelfell zu tragen. Der Gaumen weist noch primitive Merkmale auf. So besitzen Pterygoid und Vomer noch Zähne. Weiterhin ist der Gaumen nur lose mit dem Hirnschädel verbunden. Der Carapax ist nur leicht gewölbt und der hintere Teil des Carapaxes ist stark gezackt und besitzt stachelige Fortsätze. Der Cervicalausschnitt ist deutlich ausgeprägt. Die Brücke ist breit und stark, das Plastron ist kreuzförmig.
Paläobiologie Proganochelys lebte vermutlich in einem terrestrischen oder zumindest semi-terrestrischen Lebensraum.
Paläoökologie Proganochelys wurde in Trossingen in einem Murgang am Rande eines fossilen Sees gefunden. Zusammen mit dieser Gattung wurden in Halberstadt Plateosaurier und hybodonte Haie gefunden.
Systematik und Taxonomie Seit der Entdeckung von Odontochelys und Pappochelys gilt Proganochelys nicht mehr als ältester Vertreter der Schildkröten. Das folgende Kladogramm stellt die nächsten verwandtschaftlichen Beziehungen dar.Chun Li, Xiao-Chun Wu, Olivier Rieppel, Li-Ting Wang und Li-Jun Zhao: An ancestral turtle from the Late Triassic of southwestern China. In: Nature. Bd. 456, Nr. 7221, 2008, S. 497–501, .
Geographische Verbreitung Proganochelys wurde vor allem in Deutschland gefunden. Weitere Funde stammen aus Thailand und Grönland.
Stratigraphie und zeitlicher Horizont Alle bisher gefundenen Exemplare stammen aus der Obertrias (Norium). In Trossingen wurde Proganochelys in der Löwenstein-Formation gefunden.
Auswahl an Museen mit Exemplaren Deutschland Museum für Naturkunde, Berlin Museum am Löwentor in Stuttgart (Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart) Paläontologische Sammlung der Universität Tübingen Museum Auberlehaus, Trossingen Vereinigte Staaten American Museum of Natural History, New York City
Verweise Literatur Marian Mlynarski: Testudines. Handbuch der Paläoherpetologie, Part 7, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 1976.
Weblinks
http://www.palaeocritti.com/proganochelys https://paleobiodb.org/cgi-bin/bridge.pl?a=basicTaxonInfo&taxon_no=37585
Einzelnachweise
Kategorie:Ausgestorbene Schildkröte Kategorie:Schildkröten Kategorie:Testudines