mini|hochkant|Ronald Steckel (2015)

Ronald Steckel (* 28. März 1945 auf Sylt; † 26. Juni 2024 in Berlin) war ein deutscher Autor, Komponist, Regisseur und Multimediakünstler.Katalog documenta 8: Band 1: Aufsätze; Band 2: Katalog Seite 340; Band 3: Künstlerbuch; Kassel 1987, ISBN 3-925272-13-5.

Leben und Werk Steckel besuchte ein Gymnasium in Hamburg und studierte Sprachen an der Universität Heidelberg. Von 1966 bis 1968 lebte er in London. Nach der Rückkehr aus England zog Steckel im Herbst 1968 nach West-Berlin und veröffentlichte 1969 in der von Bernward Vesper geführten Edition Voltaire das Handbuch Bewusstseinserweiternde Drogen – eine Aufforderung zur Diskussion, „damals das erste originäre deutsche Drogenbuch der psychedelisierten Neuzeit“.Rauschkunde Bewusstseinserweiternde Drogen abgerufen am 20. Februar 2018

Da die von Steckel vorgeschlagene Diskussion nicht stattfand, sondern das Thema der Psychedelika von den Medien repressiv, verzerrend und abwertend behandelt wurde, zog er sich in den frühen siebziger Jahren aus dem öffentlichen Diskurs um psychoaktive Substanzen zurück und veröffentlichte 1973 den Essay Herz der Wirklichkeit, in dem er der Bewusstseinswandlung des Einzelnen den Hauptimpuls bei der Verwirklichung einer neuen Gesellschaft zusprach. Es kam zu gemeinsamen Arbeiten mit Jonatan Briel, Bernward Vesper, Peter Michael Hamel, Ulrich Gerhardt, Walter Bachauer und Jean Gebser. 1972 heiratete er die Kunsthistorikerin und Kuratorin Hannah Weitemeier; 1974 und 1977 wurden die Kinder Sita und Jonas geboren.

1974 begann Steckel seine Medienarbeit mit einer Reihe von Kurzfilmen für den SFB und produzierte seitdem als freier Autor, Komponist und Regisseur experimentelle Hörstücke, Radio-Features, Theaterstücke und Filme. 1984 realisierte er mit Wolfgang Neuss das Hörstück Die Mauer – die größte Wandzeitung der Welt,Deutschlandfunk Die Mauer oder Die größte Wandzeitung der Welt abgerufen am 20. Februar 2018 in dem in den 23 Mauerjahren an die Berliner Mauer geschriebenen Graffiti zur Sprache gebracht wurden. Mitte der 80er Jahre begann die Theaterarbeit am Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz seines Bruders Frank-Patrick Steckel, zunächst als Komponist, dann als Autor und Regisseur eigener Produktionen, die er in den 90er Jahren vor allem am Berliner Hebbel-Theater und am Deutschen Theater realisierte. Als Theaterkomponist arbeitete er unter anderem mit Frank-Patrick Steckel, Claus Peymann, Andrea Breth, Jürgen Gosch, Urs Troller, Niels-Peter Rudolph, Gerhard Bohner, seiner Nichte Jette Steckel und Edith Clever.

Steckels mediale Arbeiten umfassen eine extreme inhaltliche Polarität: viele seiner Audioproduktionen und Theaterarbeiten beziehen sich auf die jüngere deutsche Geschichte, den Holocaust und die Realität des geteilten Deutschland. Auf der anderen Seite realisierte er für die ARD zahlreiche Hörstücke mit Texten aus der Philosophia perennis, unter anderem von Laozi, Zhuangzi, Plotin, Huang Bo, Johannes Tauler, Meister Eckhart, Rumi, Jacob Böhme, Novalis, Kazimir Malevič, Simone Weil und Ramana Maharshi. 1989 gewann sein Hörstück Der Neue Berliner Totentanz den 1. Preis auf der Ars Acustica in Stettin.Der neue Berliner Totentanz, abgerufen am 20. Februar 2018. 1993 brachte Steckel mit Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, an der er von 1993 bis 2003 als Gastdozent für Schauspiel tätig war, unter dem Titel Epitaph Texte des österreichischen Dichters Heimrad Bäcker im Berliner Hebbel-Theater auf die Bühne; das gleichnamige Hörstück Epitaph wurde 2004 als Hörspiel des Monats ausgezeichnet. Am 10. Mai 1998 inszenierte er auf dem Berliner Bebelplatz eine öffentliche Lesung aus Texten der am 10. Mai 1933 „verbrannten Dichter“, die vom SFB als Live-Hörspiel gesendet wurde.

2005 veröffentlichte er zum 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz das Hörstück Auschwitz. Stimmen, eine dreistündige Montage aus den Originaltonaufnahmen des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1961–1963).deutschlandfunk Auschwitz. Stimmen – Radiocollage aus Originalton-Mitschnitten der Verhandlungen im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963–1965 abgerufen am 29. November 2021 Im Januar 2007 installierte er Auschwitz. Stimmen als Klanginstallation am Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Gemeinsam mit dem Berliner Schauspieler und Filmemacher Max Hopp gründete Steckel 2005 das nootheater als Kooperative für Film-, Theater- und Audio-produktionen.Website nootheater abgerufen am 29. November 2021 2008 erschien die nootheater-Filmproduktion Das schöne Licht der Utopie, ein filmischer Essay über Utopie und Gegenwart.nootheater, abgerufen am 29. November 2021.

Ein zentrales Kapitel in Steckels Medienarbeiten bezieht sich auf den Görlitzer Mystiker und Visionär Jacob Böhme. 1993 veröffentlichte er zwei Radioproduktionen mit Texten Böhmes, von denen Aurora oder Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme zwischen 1994 und 2000 in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Görlitz als Klanginstallation in der Görlitzer Pfarrkirche St. Peter und Paul zu hören war. In den Jahren 2011 bis 2015 entstand – gefördert von der Internationalen Jacob-Böhme-Gesellschaft – und in Zusammenarbeit mit der Organisation zur Umwandlung des Kinos Organisation zur Umwandlung des Kinos e. V. Abgerufen am 29. November 2021 der Film Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme, der 2016 mit dem Deutschen FILMGEIST Preis 2016Interview: Marcelle De Michiel / Ronald Steckel Der Mensch ist ein Doppelagent abgerufen am 29. November 2021 und dem RosaMars Filmpreis 2016 ausgezeichnet wurde. mini|hochkant|Hörraum in der Sakristei der St.-Marien-Kirche Wittstock Im Rahmen des kirchlichen Begleitprogramms zur Landesgartenschau Wittstock/Dosse 2019 waren mehrere Stücke Steckels zur Mystik in der Sakristei der Marienkirche in Wittstock als Hörinstallation zu erleben.

Seit Beginn des 3. Jahrtausends nahm Steckel in Vorträgen öffentlich Stellung zu Fragen der Bewusstseinsforschung, der gegenwärtigen Bewusstseinsmutation und der Philosophia perennis.

Steckel starb am 26. Juni 2024 nach kurzer, schwerer Krankheit in seinem Berliner Atelier.Autor und Regisseur Ronald Steckel gestorben. In: nachtkritik.de, 1. Juli 2024, abgerufen am 1. Juli 2024.

Theaterstücke Es wird Mitternacht gewesen sein (mit Urs Troller), Schauspielhaus Bochum, Spielzeit 1990/91 Epitaph (nach Texten von Heimrad Bäcker), Hebbel am Ufer Berlin, Spielzeit 1993/94 Südlich der Panik, Schauspielhaus Bochum, Spielzeit 1994/95 Schweigende Landschaft – Ein Ritus, Musiktheater, Hebbel-Theater Berlin, Spielzeit 1996/97 Aus Protest! – der Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe, Deutsches Theater Berlin, Spielzeit 2000/2001

Rundfunk und Filme Das schöne Licht der Utopie (deutsch/englisch), nootheater, 2008–2020 Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme (Spielfilm), 2015 Deutschlandfunk: Liebe und Zorn – eine Lange Nacht über den Mystiker und Theosophen Jacob Böhme von Ronald Steckel, 2020Deutschlandfunk: Liebe und Zorn – eine Lange Nacht über den Mystiker und Theosophen Jacob Böhme von Ronald Steckel, abgerufen am 4. April 2020

Hörspiele und Features (Auswahl) mini|Nikolaikirche Görlitz, Hör-Installation des Jacob-Böhme-Bundes Höre Du blinder Mensch 2024 1979: Die Akademie – ein Kunstkopfhörspiel, Regie: Ulrich Gerhardt, Komposition: Peter Michael Hamel (RIAS/BR) 1981: Bleib im Licht, Regie: Ulrich Gerhardt (SFB) 1981: Das Allergewöhnlichste war mir immer das Allerzweifelhafteste Hörspiel in Kunstkopfstereophonie (SFB) 1981: Doppelphantasie, Regie: Ulrich Gerhardt (SFB) 1981: Die Sprache ist Delphi – Hommage à Novalis, (SFB) 1984: Das Ohrenlicht, Regie: Ulrich Gerhardt, Komposition: Clara Mondshine (SFB) 1984: Die Mauer – die größte Wandzeitung der Welt – (mit Wolfgang Neuss). Regie: der Autor (SFB) 1984: Hoffnung, dieser fade Hering, zusammen mit Fritz Mikesch, Regie: Heinz Hostnig, Komposition: Gerd Bessler (NDR/SFB/SWF) 1984: Traumstadt. Ein Versuch über Berlin, Regie: der Autor (SFB) 1985: Das Haus spricht zusammen mit Thomas Schulz, Regie: Thomas Schulz (WDR) 1986: Das China-Projekt / 38,1 cm pro Sekunde, Regie: Autor und Komponistin, Komposition: Clara Mondshine (SFB/NDR/WDR) 1986: Fusion – Eine Audio-Spektral-Analyse des Princeton Plasma Physics Laboratory (SFB/SDR) 1987: Das akustische Tagebuch, Regie: der Autor (SFB) 1987: Transit Berlin West, Regie: der Autor (SFB) 1988: Das Nibelungen Projekt, Regie der Autor (WDR) 1988: Der Neue Berliner Totentanz – Ein akustisches Palimpsest, Regie: der Autor (SFB/SWF) 1988: Eine Sprache ohne Unwahrheit und Behauptung. Ein akustischer Text in drei Sätzen, Komposition und Regie: der Autor (SWF) 1989: Epitaph für Jonatan Briel, Regie: der Autor, Komposition: The Atman Project (SFB) 1989: Es muß etwas Neues geschaffen werden ... Akustische Marginalien zur Gründung der beiden deutschen Staaten, Regie: der Autor (SFB) 1990: 1989. Messe für Massen – Eine akustische Hommage an die Europäischen Völker, zusammen mit Jerzy Tuszewski Regie: der Autor (WDR) 1990: Schweigende Landschaft, Regie: der Autor (WDR) 1990: Silent Landscape (Mitschnitt der Liveperformance in New York), Regie: der Autor (WDR) 1992: Aurora oder Morgenröte im Aufgang Hommage à Jacob Böhme (Ein Stück für Stimmen) (SFB/SWF/DRS) 1992: De profundis. Ein akustischer Text in 7 Sätzen, Regie: der Autor, Komposition: The Atman Projekt (SWF) 1993: Aurora oder Morgenröte im Aufgang – Hommage à Jacob Böhme, Komposition und Regie: der Autor, Heiko Rüsse (SFB/SWF/DRS) 1993: Gehen sie langsam zu ihrer Wirbelsäule, Regie: der Autor (SWF) 1993: Jacob Böhme (Philosophus Teutonicus) – (SFB) 1994: 64 Variationen. Ein Stück für Stimmen, Regie: der Autor (WDR) 1995; Der Prozeß der Erinnerung. Ein Stück für Stimmen, Realisation: der Autor, Holger König (SFB) 1996: Das Buch der Träume, Regie: der Autor (NDR/DLR) 1996: Novalis träumt, Regie: der Autor (SWF) 1997: Die Wirklichkeiten unterhalten sich, Realisation: der Autor (SWF) 1997: Wie es ist, Komposition und Regie: der Autor (SFB/DLR) 1998: Die Stimmen aus dem Feuer / Live-Sendung einer inszenierten Lesung auf dem Bebelplatz, Berlin, zum 65. Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai 1998 (SFB) 1999: Der Eine Geist – Hommage à Huang Bo, Regie: der Autor (SWR) 1999: Mindscape/Mentale Landschaft, Realisation: der Autor (DLR) 1999: Positionen, Regie: Ulrich Gerhardt (SWR) 1999: Vortex – ein akustisches Palimpsest über das XX. Jahrhundert, Komposition und Regie: der Autor (SWR/NDR) 2000: Auf der Suche nach dem verlorenen Bild – Eine Bewusstseinsreise (SFB) 2000: Das Geheul (Allen Ginsberg, deutsch von R.S.) (RB/DLF)Deutschlandfunk Das Geheul abgerufen am 29. September 2018 2000: Der Stein, Regie: der Autor (WDR) 2000: Holy Soul – Jelly Roll – Ein Versuch über Allen Ginsberg, Realisation: der Autor (RB) 2002: Schönheit Schönheit, was einst war. Der Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe. Komposition und Regie: der Autor (SFB/ORB/RB) 2002: Undeutliche Landschaft – Ein akustisches Palimpsest über 9/11, Komposition und Regie: der Autor (SWR)Deutschlandradio Undeutliche Landschaft abgerufen am 29. September 2018 2003: Die Akademie (Kurzfassung / Kunstkopf), Regie: Ulrich Gerhardt, Komposition: Peter Michael Hamel (DLR) 2003: Stimmen aus dem Feuer, Komposition und Regie: der Autor (NDR/SFB/ORB) 2004: Epitaph (von Heimrad Bäcker) (RB/WDR) 2004: Durchbrüche – Hörstück nach Berichten von Nahtoderfahrungen, Regie: der Autor (RBB) 2005: Auschwitz. Stimmen – Eine dreiteilige Montage aus O-Ton-Mitschnitten der Verhandlungen im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963–1965, Regie der Autor (WDR/SWR/RB) 2005: Biophonie Ronald Steckel zum 60. Geburtstag, Komposition und Realisation: der Autor (SWR) 2006: Schwerkraft & Licht – Hommage à Simone Weil, Realisation: der Autor (WDR/RBB) 2006: Silent Islands, Realisation: Matthias Kirschke (WDR)