Katholische Jugendarbeit ist der zusammenfassende Begriff für die Jugendarbeit im Rahmen der römisch-katholischen Kirche. Sie umfasst einerseits Angebote von Seelsorgern und Kirchengemeinden an Jugendliche, hat aber auch Elemente von selbstgesteuerten Aktivitäten von Jugendlichen in Eigeninitiative.

Kirchliche Jugendarbeit ist eine Form von Sozialisation sowohl in der Kirche (z. B. als Jugendkatechese) als auch in der Gesellschaft (z. B. als offene oder verbandliche Jugendarbeit).Hermann Steinkamp: Jugendarbeit. In: Gottfried Bitter, Gabriele Miller (Hrsg.): Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe, Bd. 1, München 1986, S. 218–226, hier S. 218. Der Vielfalt der Arbeitsformen entspricht die Vielfalt der Träger der katholischen Jugendarbeit: Pfarreien, Jugendverbände, Orden, Neue Geistliche Gemeinschaften und freie Initiativen. Angesichts dieser Vielfältigkeit lassen sich kaum zuverlässige Zahlen darüber gewinnen, wie viele Jugendliche sich heute in der katholischen Jugendarbeit treffen.Werner Tzscheetzsch: Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit. In: Norbert Mette, Folkert Rickers (Hrsg.): Lexikon der Religionspädagogik, Bd. 1, Neukirchen-Vluyn 2001, Sp. 921–926, hier 925f.

Ziele katholischer Jugendarbeit Nach den von der Deutschen Bischofskonferenz 1991 herausgegebenen Leitlinien versteht sich die kirchliche Jugendarbeit als „Dienst der Kirche durch junge Menschen, mit ihnen und für sie“.Leitlinien zur Jugendpastoral (PDF; 70 kB). Website der Deutschen Bischofskonferenz, 1991, S. 3. Nach dem Beschluss der Würzburger Synode will die Kirche damit dem jungen Menschen dienen, "indem sie ihm hilft, sich in einer Weise selbst zu verwirklichen und eine Gesellschaft zu gestalten, die von den Heranwachsenden als sinnvoll und menschenwürdig erfahren werden kann. Ziel der kirchlichen Jugendarbeit ist deshalb „nicht Rekrutierung, sondern Motivation und Befähigung, das Leben am Weg Jesu zu orientieren“.Beschluss: Jugendarbeit. In: L. Bertsch u. a. (Hrsg.): Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Freiburg 1976, S. 288–311, hier S. 294. Dabei will die Katholische Kirche die Lebenswelt der jungen Menschen ebenso berücksichtigen wie die gesamtgesellschaftliche Situation.Die deutschen Bischöfe, Leitlinien, 1991, S. 3.

Kirchliche Jugendarbeit in der römisch-katholischen Kirche Die Jugendarbeit der römisch-katholischen Kirche erwuchs aus den Pfarreien (Pfarrjugend). Zwischen den beiden Weltkriegen entstanden regionale, überregionale und deutschlandweite Zusammenschlüsse, Vereine oder Verbände. Diese gingen aus der Jugendbewegung und auch den Gesellenvereinen des Kolpingwerkes hervor, darüber hinaus spielten bereits bestehende Verbünde (z. B. die Welt-Pfadfinderbewegung) eine Rolle, deren Arbeit eine Vereinsstruktur zugrunde lag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich Pfarrjugendgruppen wieder, die in der Zeit des Nationalsozialismus nicht verboten worden waren, weil es sich nicht um kirchliche Vereine oder Verbände handelte. Auch die früheren Verbände, die ab 1937 verboten worden waren, wurden wieder gegründet. Die Deutsche Bischofskonferenz förderte die Gründung von Jugendverbänden. Neben den einzelnen Verbänden wurde 1947 ein Dachverband für alle katholischen Jugendverbände ins Leben gerufen, der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ).

Bis heute gibt es ein Nebeneinander von Jugendgruppen auf Pfarrei- oder Verbandsebene. Die Verbände sind zwar ebenfalls auf Pfarreiebene aktiv, agieren jedoch überregional.

Gliederung und Organisationsstruktur katholischer Jugendarbeit in Deutschland Aufgrund des Nebeneinanders von verbandlichen und nicht verbandlichen Jugendgruppen hat sich eine zweigleisige Organisationsstruktur gebildet. Die Strukturen sind zwar ähnlich, sollen aber dennoch getrennt voneinander erklärt werden, da beide Strukturen miteinander und ineinander verwoben sind. Die Strukturen der katholischen Jugendarbeit sind nicht einheitlich. Sie unterscheiden sich von Diözese zu Diözese teilweise sogar von Dekanat zu Dekanat.

Ebene Bezeichnung Tätigkeit Gruppe Jugendgruppe Hier treffen sich Kinder und Jugendliche zu gemeinsamen Gruppenstunde, Aktionen in der Pfarrei usw. Pfarrei Leiterrunde/Leitungsteam Die einzelnen Gruppenleiter treffen sich für gemeinsame Absprachen und wählen aus ihrer Mitte eine Pfarrjugendleitung; die Leitung vertritt die Interessen der Jugendlichen und Kinder in Gremien wie dem Pfarrgemeinderat und ggf. dessen Sachausschuss Jugend. Dekanat Dekanatsvollversammlung Die Pfarrjugendleitungen treffen sich für gemeinsame Absprachen oder um Großprojekte zu organisieren. Aus ihrer Mitte wählen sie den BDKJ-Vorstand; erste Ebene, die auch für die Ausbildung von Gruppenleitern verantwortlich ist. Die (Erz-)Bischöflichen Jugendämter haben auf dieser Ebene erste Stellen mit hauptberuflichem Personal. Diözese Diözesanversammlung Die Dekanatsvorstände und Verbandsvorstände treffen sich (für ähnliche Aufgaben wie oben) und wählen den Diözesanvorstand, der stellenweise hauptberuflich tätig ist. Bund Bundesversammlung Die Diözesanvorstände wählen den Bundesvorstand des BDKJ; der Bundesvorstand ist direkte Bindeglied zur Deutschen Bischofskonferenz und vertritt die kirchlichen Jugendverbände in der Öffentlichkeit. Europa und weltweit Europakonferenz Die großen katholischen Jugendverbände sind Mitglied in internationalen Dachverbänden oder selbst schon international organisiert.

Die jeweiligen Vorstände des BDKJ haben Gast- und Beratungsrecht bei allen Versammlungen der jeweiligen Ebenen. So besucht der BDKJ-Dekanatsvorstand die Ortsgruppen in den Pfarreien, der Diözesanvorstand die Bezirke bzw. Dekanate, et cetera.

In manchen Diözesen wurden die Dekanatsstellen zu Regionalstellen zusammengefasst. In anderen Diözesen gibt eine Regionalebene als Bindeglied zwischen Dekanat und Diözese. Ebenso bildeten sich über den Diözesanstellen überregionale Zusammenschlüsse als informative Ebene (z. B. in Bayern). Diese Außenstellen des (erz-)bischöflichen Jugendamtes bieten, unter anderem auch folgende Angebote an: Ferienfreizeiten Tage der Orientierung für Schulklassen Regionale Jugendtage Jugendgottesdienste Regelmäßige spirituelle Angebote Projekttage Schulungen für Gruppenleiter und Engagierte Viele Regional- oder Dekanatsstellen stellen zudem einen großen Materialfundus für Engagierte in der kirchlichen Jugendarbeit bereit. Dort können beispielsweise Beamer, Spiele oder andere Geräte die für die Anschaffung für kleinere Gruppe unrentabel wären, gegen eine meist kleine Gebühr ausgeliehen werden.

Die verbandlichen Strukturen sind von Verband zu Verband unterschiedlich. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten, die oft an der kirchlichen Struktur ausgerichtet sind.

Ebene Bezeichnung Tätigkeit Gruppe Jugendgruppe/Altersstufe Hier treffen sich Kinder und Jugendliche zu gemeinsamen Gruppenstunde, Aktionen in der Pfarrei usw. Pfarrei Ortsgruppe/Stamm/Leiterrunde/Leitungsteam Die einzelnen Gruppenleiter treffen sich für gemeinsame Absprachen und wählen aus ihrer Mitte einen Vorstand; die Leitung vertritt die Interessen der Jugendlichen und Kinder in Gremien wie dem Pfarrgemeinderat und ggf. dessen Sachausschuss Jugend. Die Orts-/Stammesvorstände besuchen auch die Dekanatsebene des BDKJ. Region/Dekanat/Stadt/Landkreis Bezirk/Arbeitsgemeinschaft Die Vorstände treffen sich für gemeinsame Absprachen oder um Großprojekte zu organisieren. Aus ihrer Mitte wählen sie den Bezirks/AG-Vorstand; erste Ebene, die auch für die Ausbildung von Gruppenleitern verantwortlich ist. Diözese Diözesanversammlung/Diözesankonferenz Die Bezirks-/AG-Vorstände treffen sich (für ähnliche Aufgaben wie oben) und wählen den Diözesanvorstand. Die Verbandsvorstände besuchen auch die Diözesanversammlung des BDKJ. Bund Bundesversammlung Die Diözesanvorstände wählen den Bundesvorstand. Der jeweilige Bundesvorstand ist auch beim BDKJ vertreten.

Katholische Jugendarbeit in anderen Ländern In Italien spielt vor allem die 1923 institutionalisierte Katholische Aktion eine bedeutende Rolle bei der Jugendarbeit. Sie organisiert Veranstaltungen und Projekttage für Jugendliche.Informationen zur Jugendarbeit auf azionecattolica.it, abgerufen am 15. Mai 2026 (italienisch) Darüber hinaus existieren seit dem 16. Jahrhundert die sogenannten oratori, Einrichtungen, in denen Jugendliche gemeinsam beten und unterrichtet werden. Im 19. Jahrhundert taten sich besonders Magdalena Gabriela von Canossa und Don Bosco in der katholischen Jugendarbeit hervor. Die oratori funktionieren heute auch als Freizeiteinrichtung und sind meistens einer Pfarrei oder Schule angeschlossen.

In Frankreich leisten Pfadfinderverbände eine wichtige Rolle bei der katholischen Jugendarbeit. Ende 2025 wurde berichtet, dass Jugendliche den katholischen Glauben stärker für sich entdecken und sich vermehrt taufen lassen.Die Rolle der Jugendarbeit beim Aufbruch in Frankreich, mrjugendarbeit.com, abgerufen am 15. Mai 2026.

Internationale Jugendarbeit BDKJ-Verband Internationaler Dachverband Weitere Informationen KjG Fimcap KLJB Mijarc Kolpingjugend Internationale Kolpingjugend KSJ JECI-MIEC

Siehe auch Katholische Jugendbewegung Kirchliche Jugendarbeit,

Literatur Franziska Nicolay-Fischbach: Erziehung zur "Sittlichkeit", Schutz und Ausgrenzung in der katholischen Jugendarbeit in Bayern 1918-1945. Verlag De Gruyter, 2021, 446 S., ISBN 9783110728262. Fritz Csoklich: Katholische Jugend, Sauerteig für Österreich. Verlag Leykam, Graz 1997, 262 S., ISBN 9783701173525.

Einzelnachweise