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Friedrich Wilhelm Graupenstein (* 2. September 1828 in Minden; † 25. Mai 1897 in Hamburg) war ein deutscher Porträtmaler und der letzte Vertreter der künstlerischen Porträtlithografie in Hamburg.

Leben Kindheit und Jugend Friedrich Wilhelm Graupenstein wurde als Sohn des Schuhmachermeisters Carl Friedrich Graupenstein und dessen Frau Friederica Charlotte, geborene Grimme (oder Grimmen), am 2. September 1828 in Minden geboren und am 12. September dort evangelisch getauft. Er hatte eine ältere Schwester und zwei jüngere Brüder, Eleonore Auguste, Carl Friedrich und Louis. Louis starb drei Monate nach seiner Geburt.Friedrich Wilhelm Graupenstein auf der Website des Vereins für Computergenealogie e. V.Friedrich Wilhelm Graupenstein auf der Website FamilySearch.org Als Friedrich Wilhelms Mutter starb, gab sein Vater immer mehr seinen Neigungen nach und wandte sich neben der Schuhmacherei der Wissenschaft und den Künsten zu. Er gründete in Minden eine Liedertafel und ließ gelegentlich im Mindener Sonntagsblatt oder in der Zeitschrift Westphalia Lieder oder Gedichte von sich abdrucken. So wurde Friedrich Wilhelm schon früh zum Singen und Zeichnen herangezogen. Da sein Vater die Schuhmacherei immer mehr vernachlässigte, war auch bald kein Geld mehr da für benötigte Schulbücher. Nach mehrmaligen Ermahnungen wegen eines nicht angeschafften Buches wurde Friedrich Wilhelm von dem Lehrer der Stadtschule nach Hause geschickt. Der Vater setzte es durch, seine Söhne selbst unterrichten zu dürfen, nachdem der reformierte Prediger von Minden ihm das Zeugnis ausstellte, dass er auch dazu in der Lage sei. Friedrich Wilhelm litt moralisch sehr darunter, wurde aber auf diese Weise früh an Selbstständigkeit gewöhnt. In seinen vielen Freistunden ging er oft den Apotheker Witting mit Hilfsleistungen zur Hand. Dieser erkannte die Begabungen des jungen Graupenstein und förderte dessen Bildung. Auch zu Theater- oder Opernbesuchen nahm er ihn mit. Durch Witting wurde er dem Geheimen Regierungs- und Medizinalrat Nikolaus Meyer für Dienstleistungen empfohlen. Der feingebildete Meyer nahm sich liebevoll und in pädagogischer Weise des jungen Graupenstein an und förderte dessen Bildung mit zweckentsprechenden Büchern. In Meyers Haus sah Graupenstein zum ersten Mal Ölgemälde, aber auch Skulpturen, Stiche und Lithografien, die er eifrig kopierte.Hauptquelle zum Artikel: Hermann Spörri, Otto Rüdiger: Der Maler Wilhelm Graupenstein. Hamburg 1897, S. 29 (Digitalisat der Schrift unter Literatur)

Kunststudium in Berlin Meyer setzte es durch, dass der junge Graupenstein mit einem Mindener Logenstipendium von 66 Reichstalern, das auf drei Jahre bewilligt war, die Königlich Preußische Akademie der Künste in Berlin besuchen konnte. Zu dem Zeitpunkt wollte er noch Historienmaler werden. Nach einem Gespräch mit Johann Gottfried Schadow und der Aufnahmeprüfung wurde er in dessen sogenannte Gipsklasse aufgenommen. Er studierte auch bei Heinrich Dähling und Carl Joseph Begas. Gegen ein geringes Honorar nahm er auch am Unterricht von Eduard Holbein in dessen Privatatelier teil. 1847 gewann er einen akademischen Preis von 25 Reichstalern. 1848 erhielt er ebenfalls einen Preis.Nachweis des Preises von 1848 in der Königlich privilegirten Berlinischen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen, Nr. 205, 3. September 1848 (Digitalisat) Zu dem Geld des Stipendiums verdiente er sich 3 bis 5 Reichstaler monatlich als besoldeter Kunstschüler dazu, was bedeutete, dass er Aufsicht in den untersten Zeichenklassen führte und allerlei Vorlagen zu zeichnen hatte, aber auch kostenlos Vorlesungen besuchen konnte. 1848 wurde ihm durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ein Stipendium von 100 Reichstalern bewilligt, dass er auch 1849 und 1850 bezog.

Märzrevolution 1848 stand ganz im Zeichen der europäischen Revolutionen. In Deutschland tobte die Märzrevolution. In Berlin gehörte Graupenstein nun dem Künstlercorps der Bürgerwehr an und musste gelegentlich im Berliner Stadtschloss Wache schieben, wo ihn auch Friedrich Wilhelm IV. ansprach. Er trug mit Stolz seine Uniform, den Kalabreser mit schwarz-rot-goldener Kokarde und schwarzem Vogelflügel, sowie den Schleppsäbel, dessen metallenes Scheidenende beim Gehen auf dem Straßenpflaster rasselte. Da das Künstlercorps freie Eisenbahnfahrt zwischen Berlin und Magdeburg genoss, nutze Graupenstein die Gelegenheit, um günstig nach Minden zu reisen. Auch dort stolzierte er anfangs mit Uniform und Säbel, sodass Kinder hinter ihm herliefen. Er ließ es sein, als Freunde es ihm vorhielten, und tat es als Spielerei ab. Er lernte dort Ida BeckerIda Becker im Deutschen Geschlechterbuch, Band 156 von 1971. kennen, die er später ehelichen sollte. In Berlin ließ er die Soldatenspielerei ebenfalls bald sein, zumal Friedrich Wilhelm IV. auch die Bürgerwehr im November 1848 entwaffnen ließ.

Folgen der Märzrevolution Minden Nach seiner Verlobung mit Ida Becker entschied er sich, sich von der Historienmalerei abzuwenden und sich der Porträtmalerei zuzuwenden, weil er sich damit schnelleres und regelmäßiges Geld versprach, das er benötigte, um die ebenfalls nahezu mittellose Ida zu heiraten und ernähren zu können. Von Minden aus besuchte er im Sommer 1850 Bad Oeynhausen. Er zeichnete und malte dort jeden Badegast, den er als Kunden gewinnen konnte.

Infolge der gescheiterten Märzrevolution wurden 1851 während der Reaktionsära in Minden bei angesehenen Männern Hausdurchsuchungen durchgeführt, so auch bei Graupenstein, der in der Wohnung seines Vaters mitwohnte und bei der Polizei von jemandem als ein ganz gefährlicher Demagoge angeschwärzt wurde. Es gelang ihm, aus seinem vollen Koffer seine Brautkorrespondenz, aus der man mit gutem oder bösem Willen etwas herauslesen oder hineininterpretieren konnte, mit einem Päckchen Wäsche herauszunehmen und den strengen Augen des Polizeilieutenants zu entziehen, indem er dessen Aufmerksamkeit auf eine Schaumünze ablenkte. Obwohl man bei ihm keine Beweise fand, machte man ihm in Minden das Leben schwer, sodass er Minden verließ und lieber für eine Weile fernblieb.

Bremen Er hoffte, nun in Bremen ein Heim gründen zu können, zumal er auch Empfehlungen mitbrachte und bald einige Freunde in den besten Kreisen erwarb. In dieser Zeit fertigte er kleine Porträtzeichnungen, die er mit einem Kreidestift und einem Wischer schuf. Die hellsten Stellen wurden von ihm hineingekratzt. Er nahm nicht viel Geld für seine Porträts, um in weiteren Kreisen bekannt zu werden, was auch geschah. Im Sommer 1852 reiste er von Bremen nach Norderney, um seinen Kundenkreis zu erweitern. Dort zeichnete er so manchen Adligen des Königreiches Hannover, wie den Grafen Georg Herbert zu Münster und dessen Frau Alexandrine oder den Kronprinzen Ernst August von Hannover aus dem Hause Hannover im Kindesalter.

Am 8. Dezember 1852 erhielt er von der Polizei Bremen die Aufforderung, Bremen binnen vierundzwanzig Stunden zu verlassen, da er, wie er fälschlicherweise beschuldigt wurde, unter der Maske eines Porträtmalers für die Ideen der Demokratie zu wirken gesucht haben soll. Mit Hilfe seiner Freunde konnte er beim Polizeiherrn Senator Georg Heinrich Olbers eine Verlängerung der Frist bis Ende Dezember erreichen. Er durfte nun angenommene Aufträge vollenden, aber keine neuen mehr annehmen. Obwohl er den Senator, nach dem Erzählen seiner Lebensgeschichte und Nennung seines adligen Kundenstammes, der ja gegen eine revolutionäre Gesinnung seinerseits spricht, für sich gewinnen konnte, änderte dies an der Auflage, Bremen zu verlassen, nichts. Der Einfluss Preußens war zu groß. Auf Graupensteins Ansuchen hin, stellte Senator Olbrich diesen am 22. Dezember eine Bescheinigung aus, dass dieser sich während seines Aufenthalts in Bremen namentlich und in politischer Hinsicht nichts zu Schulden habe kommen lassen.

Brief aus Berlin Am 8. Januar 1853 erhielt Graupenstein einen Brief, der vier Tage vorher verfasst und vom Polizeipräsidenten der Berliner Polizei Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey unterschrieben wurde. Anlass des Schreibens war eine am 30. Dezember 1852 verfasste Anfrage der Polizeidirektion Bremen an die Berliner Polizei, um Hintergründe der Vorwürfe gegen Graupenstein und die Vorwürfe selbst zu erfahren. Dem Berliner Schreiben kann man entnehmen, dass Graupenstein mit einer Nachricht, die von außerhalb Berlins kam, denunziert wurde. Die Vorwürfe gegen Graupenstein darin, am Nachmittag des 18. März 1848 und in der Nacht darauf sich an politisch Umtrieben beteiligt zu haben, konnten durch glaubwürdige Personen widerlegt werden, die bezeugten, dass Graupenstein sich in diesem Zeitraum in seiner Wohnung aufhielt. Graupenstein war somit unschuldig. Er ging davon aus, dass der Denunziant ein Mindener gewesen sein müsse.

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