mini|300px|Sternengasse – Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator („Die steirne gaß“) mini|Das alte Herstatthaus – Ecke Hohe Pforte / Sternengasse. Sitz der Bank und Wohnhaus der Familie mini|1931, Herstatthaus Sternengasse 1b, Postamt Sternengasse ist eine geschichtsträchtige Straße in der Kölner Altstadt-Süd. Hier wohnten Persönlichkeiten der Weltgeschichte.

Lage Die lediglich 206 Meter lange Sternengasse beginnt am Übergang der Hohen Pforte zur Hohe Straße und endet an der Nord-Süd-Fahrt (der Teilabschnitt heißt hier Neuköllner Straße). Ihre östliche Verlängerung heißt Stephanstraße, ihre westliche jenseits der Nord-Süd-Fahrt ist die Leonhard-Tietz-Straße. Einzige Zufahrtsstraße ist die von Süden kommende Hohe Pforte.

Mittelalter Die bereits im Mittelalter gepflasterten Sternengasse verband die Straße Unter Pfannenschläger (heute Teil der Hohe Straße) mit der Kirche St. Peter.

Als Namensgeber der Sternengasse gelten zwei Häuser, die das Wort „Stern“ im Namen trugen. Im Jahre 1296 erwarb der Dominikanerbruder Hermann Sterre (mhd. = Widder, steht für Schafzucht) das Eckhaus Nr. 1, das seit 1307 unter dem lateinischen Namen „ad stellam“ (zum Stern) bekannt ist.Helmut Signon/Klaus Schmidt, Alle Straßen führen durch Köln, 2006, S. 323. Das Haus „zum goldenen Stern“ in Nr. 3 stammte aus dem 14. Jahrhundert, worin seit 1594 Heinrich von Offenberg lebte. Unter dem Namen Gerhard von Sterngassen verbarg sich der Dominikaner Gerardus (Gerhard) Korngin, der in der Sternengasse nachweislich seit 1290 wohnte, in den Schreinsbüchern als „domus pistoris“ (Backhaus) bezeichnet. Korngin heißt hochdeutsch „Körnchen“, denn die große Familie ging dem Bäckerhandwerk nach.Susanne Kaup, De beatitudinibus: Gerhard von Sterngassen, 2012, S. 72 f. Johannes Korngin ist bis 1316 als Lektor in Straßburg bezeugt, seit 1320 Lektor in Köln.

Von dem Konvent „Stollen“ in der Sternengasse sind weder der Gründer noch die Entstehungszeit bekannt, er wurde wohl 1317 von Johannes Stollen errichtet.Ludwig Röhrscheid, Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Ausgaben 113–116, 1928, S. 84 1331 stiftete der Patrizier Gumpard Hardefust den von Konrad von Holzheim gegründeten Konvent Holzhem oder Sterren für 12 Personen. Im Jahre 1412 entstand in Nr. 3 das erste Brauhaus „zu den Bretzen“, später hieß es „Im St. Peter“. Ein Schreinsbucheintrag vom 2. März 1436 bestätigte das Eigentum des Reynart Broderman van Durpmunde (Dortmund) in der Sternengasse. Adolf Eichholz, Rektor der Kölner Universität, wurde vor 1490 im Haus „zom kleynen Boum“ (zum kleinen Baum) in der Sternengasse geboren.

Haus Nr. 10 mini|Sternengasse 10 – Rubenshaus, im Vordergrund links Nr. 12 (1910) Im Jahre 1279 tritt erstmals in Nr. 10 das Haus „zum neuen Bussen“ (zur neuen Büchse) in Erscheinung,Anita Wiedenau, Romanischer Wohnbau im Rheinland, 1979, S. 424. das 1422 „zum Raben“ hieß und dem Kölner Bürgermeister Mathias Walrave gehörte. 1453 ging es in den Besitz der Bürgermeisterfamilie Caspar Kannengießer über.Ursula Rautenberg, Überlieferung und Druck: Heiligenlegenden aus frühen Kölner Offizinen, 1996, S. 102. Nach einem Bürgerverzeichnis befand es sich 1582 im Besitz der Bürgermeisterfamilie Hildebrand Sudermann.Leonhard Ennen, Geschichte der Stadt Köln, Band 5, 1880, S. 698. Dessen Tochter Plec(k)trudis Sudermann brachte es durch Heirat in die Ehe mit Bürgermeister Johann HardenrathVater und Sohn waren 1584–1630 sechzehnmal Bürgermeister ein. Johann Hardenrath starb im Haus am 2. Februar 1630. Johanns Tochter Anna Christina Hardenrath erbte das Haus und heiratete am 14. April 1639 den kaiserlichen Feldmarschall Jost Maximilian Graf von Gronsfeld,Leonard Ennen u. a. (Hrsg.), Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Ausgaben 9–10, 1861, S. 71 f. der dem Anwesen den Namen „Gro(e)nsfelder Hof“ gab.Helmut Signon/Klaus Schmidt, Alle Straßen führen durch Köln, 2006, S. 324. Anna Christina Hardenrath erbte es 1643 nach dem Tod ihres Gatten. Das Haus blieb bis November 1728 im Besitz der Familie Gronsfeld, die es an den Ratsherren Ludwig von Gall verkaufte, der das Anwesen 1728 renovierte. Von dessen Witwe Adelheid von Gall wechselte es an Franz Joseph Imhof, der es 1790 schließlich an Adam Joseph Schlügen veräußerte.

Der Hof des Grafen Gronsfeld in Nr. 10 diente als Zuflucht berühmter Personen der Zeitgeschichte. Zunächst wohnte im Haus die im Oktober 1568 aus Glaubensgründen von Antwerpen nach Köln geflüchtete Familie des Jan Rubens (damaliger Eigentümer: Hermann Sudermann).C. A. Menzel, Die Kunstwerke von dem Altertum bis auf die Gegenwart, Band 3, 1857, S. 156. Doch die Ehe des Jan Rubens mit seiner Gattin Maria gerät in schwierige Zeiten, denn Jan wird am 9. März 1571 wegen Ehebruchs mit Anna von Sachsen in Siegen verhaftet und in Dillenburg in Haft genommen, von wo er am 10. Mai 1573 nach Siegen gegen Kaution entlassen wird. Dort kam am 29. Juni 1577 Jans Sohn Peter Paul Rubens zur Welt; nach dem 15. Mai 1578 zog die Familie wieder in die Sternengasse. Peter Paul Rubens verbrachte dort seine Kindheit. Nach dem Tod von Vater Jan Rubens am 1. März 1587 wurde dieser an St. Peter begraben, die Mutter zog mit ihren Kindern im März 1589 wieder nach Antwerpen.Nils Büttner, Herr P.P. Rubens: von der Kunst, berühmt zu werden, 2006, S. 19.

Als 1635 Maria von Medici durch Kardinal Richelieu aus Paris vertrieben wurde, reiste sie im Oktober 1641 über Dover, Vlissingen und Dordrecht ins Kölner Exil. Hier bekam sie durch den Rat der Stadt Köln zunächst im Haus „zum Paradies“ in der Brückenstraße eine Wohnung zugewiesen. Die „verwittibte Königin auß Frankreich“ zog am 12. Oktober 1641 gegen Abend durch die Eigelsteintorburg in die Stadt. Bereits vier Tage nach ihrer Ankunft beschwerte sich die verschwenderisch lebende Maria über ihre ärmliche Unterkunft. Am 18. November 1641 erhielt sie von Gronsfeld die beste Wohnung in der Sternengasse Nr. 10.Stefan Lewejohann, Köln in unheiligen Zeiten: Die Stadt im Dreißigjährigen Krieg, 2014, S. 129. Das Herrenhaus bot hinreichend Raum für die Königin sowie deren Gefolge und Dienerschaft. Marias Leibarzt Jean Riolan kam im Januar 1642 nach Köln und meldete im Mai 1642, dass Maria sich bereits Maultiere für die Fahrt nach Paris besorgt habe. Doch im Juni 1642 befiel sie eine bedrohliche Krankheit. Sie starb in Köln an einer Wundrose am 3. Juli 1642. Nach einer Legende wurde ihr Herz in der Dreikönigenkapelle des Kölner Doms, ihr Leichnam am 8. März 1643 in der Königsgruft von St. Denis beigesetzt. Sie hinterließ „zu dankbarem Angedächtnis“ dem Rat der Stadt Köln ein auf Holz gemaltes Marienbild mit Reliquien, weitere Gegenstände gingen testamentarisch an die Kölner Karmeliter.

Zwischen Rubens und Medici gibt es außer dem gemeinsamen Wohnhaus in Köln eine weitere Verbindung. Peter Paul Rubens malte zwischen 1621 und 1625 den 24 Gemälde umfassenden „Medici-Zyklus“.

Haus Nr. 25

mini|links|Sternengasse 25 – Johann Peter Weyer, Treppenturm des Jabacher Hofes, aus: Kölner Alterthümer, Band XXVIII, 1853, Zeichnungen von architectonischen Details in Cöln, Tafel 33, Köln mini|Sternengasse 25a – Jabacher Hof, Sternensaal mit zweijochigem Sterngewölbe (1892) Auf dem Grundstück Nr. 25 befand sich das seit 1330 bezeugte „Guntershaus“. Everhard Jabach (1528–1579) erwarb durch Eintragung in die Schreinsbücher am 3. September 1580 das Grundstück Nr. 25 erst posthum.Ludwig Röhrscheid, Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Ausgaben 9–10, 1861, S. 13. Der hintere Weingarten hierzu war ihm bereits am 25. Juni 1571 zugeschrieben worden. Damit lagen die Voraussetzungen für den großen Umbau des Jabacher Hofs vor. Dieser fand zwischen 1592 und 1596 statt, denn am Wappen im Turmfenster stand die Zahl 1596, die Kaminplatten aus Eisenguss enthielten die Jahreszahl 1592.Fried. Everhard von Mering/Ludwig Reischert, Zur Geschichte der Stadt Köln am Rhein, Band 3, 1839, S. 14. Die Einweihung eines der bedeutendsten Kölner Patrizierhäuser fand 1598 statt, der Hof besaß einen 20 Meter hohen Treppenturm mit 84 steinernen oberirdischen und 31 hölzernen Treppenstufen. Er hatte aufwändige Stuckarbeiten, Erker, Holzvertäfelungen und Kunstverglasung. Der 8,40 × 6,20 Meter große Gartensaal erhielt ein prachtvolles Sterngewölbe und wurde zum „Sternensaal“.

Seit 1554 besaß die Pelzhändlerfamilie Jabach in der Sternengasse 25 ein großes Anwesen, welches 1596/98 einen viel beachteten Neubau erhielt. Everhard III. wurde 1618 als Sohn Everhard II. Jabach in Köln geboren. 1638 verlegte er den Sitz des Familienunternehmens nach Paris, stieg dort zum Direktor der Ostindischen Compagnie auf, wurde Direktor der Königlichen Manufaktur und millionenschwerer Bankier. Die Bindung an Köln blieb trotz der Entfernung bestehen. So reiste seine Frau Anna Maria (aus der Kölner Familie De Groote) vor jeder Geburt ihrer Kinder nach Köln, damit der Spross der Familie ein gebürtiger Kölner werden konnte. Das Interesse an der zeitgenössischen Kunst, das bereits sein Vater durch einen Auftrag an Peter Paul Rubens unter Beweis gestellt hatte, verband Everhard III. zusätzlich mit einer Sammelleidenschaft. Als im Jahre 1650 in London die Kunstsammlung des englischen Königs Karl I. versteigert wurde, war der 32-jährige Everhard Jabach einer der Hauptbieter. Im Laufe der Jahre gelang es Everhard, eine der bedeutendsten Kunstsammlungen seiner Zeit zusammenzutragen. Als er schließlich 20 Jahre später aus finanziellen Gründen gezwungen war, diese zu verkaufen, wurde die Sammlung von 101 Gemälden und 5542 graphischen Blättern der größten Meister zum Grundstock für den Kunstbesitz des Louvre. Das hier gezeigte Gemälde von Hyacinthe Rigaud (1659–1743) ist eines von vielen Porträts, die Everhard Jabach bei den Malern seiner Zeit in Auftrag gab (z. B. bei Anthonius van Dyck, Peter Lely, Charles Lebrun u. a.). Rigaud wird es um 1688 in Paris gemalt haben, zu einer Zeit, als er bereits d e r Porträtist der höchsten gesellschaftlichen Kreise geworden war.

mini|Eberhard Jabach und seine Familie Am 7. April 1601 erwarb Sohn Everhard II die Nachbargrundstücke (Nr. 25a). Erst ab 1615 nutzte die Familie den Hof auch als Wohnhaus. Alle Söhne bewohnten seither das Anwesen, Eberhard V lebte seit 1680 dauerhaft im Jabacher Hof, den er 1696 zwecks Verwaltung des väterlichen Nachlasses in Paris verließ. Charles Le Brun malte die Familie 1660 auf einem künstlerisch und historisch bedeutsamen Bild mit monumentalen Ausmaßen von 2,33 Meter × 3,25 Meter, erst 1695 kam das Bild nach Köln und schmückte den Jabacher Hof.

Nach dem Tod des Franz Anton Jabach (1695–1761) ging das Eigentum des Jabacher Hofs auf Ferdinand de Groot über, der ihn wiederum der Familie Johann Matthias De Boers von Overen verkaufte, die den Hof am 19. November 1791 an Everhard Oswald Freiherr von Mering (1755–1820) auf 12 Jahre vermietete.Bayerische Akademie der Wissenschaften, Neue deutsche Biographie: Bd. Hufeland-Kaffsack, 1974, S. 208. Um 1900 ersetzte man den Jabacher Hof durch einen Neubau, wobei nur der unter Denkmalschutz stehende Gartensaal erhalten blieb, der 1943 dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Das Haus Nr. 25 lag in der heutigen Leonhard-Tietz-Straße auf dem Kaufhof-Gelände.

Spätmittelalter

Haus Nr. 12 In Haus Nr. 12 lag das Haus „Moenichshuysen“, worin 1411 das Zunfthaus der Schuster einzog und sich 1465 durch Erwerb des Nachbarhauses vergrößerte; das Zunfthaus blieb hier bis 1797.Hans Vogts, Die profanen Denkmäler der Stadt Köln, 1930, S. 381.

Zwischen Oktober 1641 und Juni 1642 kam es auch in der Sternengasse, wohl angestachelt durch Richelieus Provokateure, zu Aufläufen, Tumulten und Schießereien.Stefan Lewejohann, Köln in unheiligen Zeiten: Die Stadt im Dreißigjährigen Krieg, 2014, S. 131. Die Stadt sperrte auch die Sternengasse tagsüber ab und postierte eine Soldatenwacht vor Maria de Medicis Haus.

Wechselnde Straßennamen