mini|Spessartviertel von Osten Das Östliche Spessartviertel ist ein Stadtquartier in Dietzenbach. Unter dem Namen, für den es besser bekannt ist „Starkenburgring“ entwickelte es sich in den 1980er Jahren zum sozialen Brennpunkt. In den Häusern der Großwohnsiedlung leben 3280 Menschen. Mit über 1000 Kindern und Jugendlichen handelt es sich dabei um einen überdurchschnittlich jungen Stadtteil.Soziale Stadt Dietzenbach Die Bewohner gehören innerhalb der Sozialstruktur mehrheitlich der Unterschicht an. Rund 95 % der Bewohner haben einen Migrationshintergrund von 80 Nationen.
Wohnanlage Das Östliche Spessartviertel hat rund zehn Hektar Grundfläche und besteht aus fünf Hochhäusern, in denen nahezu 10 % der Einwohner Dietzenbachs leben. Die fünf Häuser bilden zusammen eine Wohnungseigentümergemeinschaft. Jedes Haus hat eine eigene Anschrift: Wertheimer Weg 2–4, Marktheidenfelder Weg 2–4, Rohrbrunner Weg 2–4, Mespelbrunner Weg 2–4 und Lohrer Weg 2–4. Es sind insgesamt 1019 Wohnungen, die sich in zwei Häuser mit 17, zwei mit 12 und einem mit 9 Obergeschossen befinden. Die hohe Bevölkerungsdichte von ca. 100 Einwohnern pro Hektar (WE/ha) ist durch die Hochbauweise begründet. In der Wohnanlage befinden sich keine Gewerbeflächen. Die zumeist im Privateigentum befindlichen 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen zwischen 35 und 90 Quadratmetern werden von Eigentümern und Mietern zu Wohnzwecken genutzt.
Die Wohnungsgesellschaft Dietzenbach mbH, deren Anteile zu 66 % von der Stadt DietzenbachÜbersicht der Beteiligungen der Stadt Dietzenbach (Stand Dezember 2009). Abgerufen am 15. April 2011. und zu 34 % von der Nassauischen Heimstätte gehalten werden, ist allein Eigentümerin von ca. 90 Wohnungen.. Abgerufen am 15. April 2011.
Geschichte Entwicklung bis in die 1980er Jahre 1965 legte die Gesellschaft für Regionale Raumordnung im engeren Untermaingebiet einen zunächst unverbindlichen Regionalentwicklungsplan vor, der einen Siedlungsschwerpunkt in Dietzenbach vorsah. Zwei Jahre später wurde von der Regionalen Planungsgemeinschaft Untermain eine verbindliche Regionalplanung erlassen, die von einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 30.000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet ausging, die im Umland siedeln sollten. Südlich von Frankfurt am Main wurden Dreieichenhain, Dietzenbach und die Stadt Rodgau zu Siedlungsschwerpunkten erklärt.Kurt Gathof: Vergleich räumlich-sozialer Strukturen des Wohnens, S. 23–25, 30.
Bauherr in Dietzenbach war eine private Wohnungsbaugesellschaft, die die Wohnungen unter dem Namen Rosenpark vermarktete. Der Grundstückserwerb dieser Gesellschaft und die Umstände der Erteilung der Baugenehmigung wurden später Gegenstand einer Untersuchung der Gemeinde, die jedoch ohne Ergebnisse eingestellt wurde.
In den 1960er Jahren entstand eine Vielzahl an Neubauten, und die Zahl der Anwohner stieg von rund 6000 im Jahre 1961 bis auf rund 23.000 im Jahre 1976.Kurt Gathof: Vergleich räumlich-sozialer Strukturen des Wohnens, S. 41. Von 1970 bis 1974 wurde der größte Neubaukomplex errichtet, die Hochhäuser Hausnummern 90 bis 106 im Starkenburgring. Diese Anlage entstand in einer Zeit, wo für Dietzenbach auf Grund seiner Lage im Wachstumsgebiet Rhein-Main mit Bevölkerungsprognosen von bis zu 70.000 Einwohner erstellt wurden. Heute verfügt Dietzenbach über die Hälfte der Einwohner.
Der Bau galt als stadtplanerisch völlig verfehlt. So war für die 6000 Bewohner keinerlei Infrastruktur vorgesehen worden; es bestanden keine Grünanlagen, Sozialeinrichtungen, Treffpunkte, Geschäfte oder Restaurants.Adolf Kühn: Wer hier lebt, braucht ein Gemüt aus Beton; in: FAZ vom 18. April 1981.
Nach der Fertigstellung zeigte sich, dass neben den allgemeinen Problemen der Wirtschafts- und Ölkrise in Deutschland weniger private Investoren gefunden werden konnten, als auch die Bevölkerungsprognosen verfehlt waren. Die Belegung der Wohnungen erwies sich deshalb als schwierig, so dass durch günstige Lockangebote vor allem finanziell schwache Bewohner angezogen wurden und das Ziel einer ausgewogenen Mieterschaft nicht erreicht wurde. Viele Wohnungen konnten nicht vermietet werden, so dass es zu erheblichem Leerstand kam. Entsprechend reduzierte sich das Engagement der damals noch 700 Eigentümer, die hier hauptsächlich aus Renditezwecken investiert hatten, und die Anlage blieb weitgehend sich selbst überlassen. So entwickelte sich in den folgenden Jahren ein hoch problematischer sozialer Brennpunkt. Diese gravierenden stadtplanerischen Mängel bewogen die Stadt, einen städtebaulichen Wettbewerb auszuschreiben, der 1976 stattfand. Das Vorgehen fand als Dietzenbacher Modell breite Rezeption in der städteplanerischen Literatur. Der Wettbewerb richtete sich an Stadtplaner und Architekten, aber auch an Studenten entsprechender Fachrichtungen. Die Jury umfasste Fachpreisrichter wie den Münchener Stadtplaner Gert Albers und den Kasseler Sozioökonomen Lucius Burckhardt sowie Sachpreisrichter wie Bürgermeister Hermann Kocks, Planungsverbandsdirektor Reinhard Sander und Landrat Walter Schmitt. Daneben waren die Fraktionen des Stadtparlaments als Kommunalpolitischer Beirat eingebunden. Als Preisgeld waren 60.000 DM (in heutiger Kaufkraft €) ausgelobt.
Das zu beplanende Gebiet umfasste nicht die Wohnblocks selbst, sondern das sie umgebende Gelände. Der Starkenburgring bildete die südliche Begrenzungslinie des Planungsgebietes. Im neuen Planungsgebiet sollten ebenfalls etwa 6000 Menschen leben. Daneben sollten aber Gewerbeflächen für 2500 bis 3000 Arbeitsplätze eingeplant werden. Die etwa 138 Hektar Fläche sollten nur 85 Hektar Baufläche enthalten. 18 % der Fläche waren für öffentliche Grünflächen reserviert, davon 7,5 Hektar für den Stadtpark (den heutigen Hessentagspark). Handel, sonstige Dienste und Unterhaltungsangebote sollten einerseits zentral (das heutige Rathauscenter) aber auch dezentral in den einzelnen Wohngebieten entstehen.
Mehr als 250 Planungsentwürfe wurden für den Wettbewerb eingereicht. In vier Bürgerversammlungen (Sommer 1975, 2. November 1976, 16. Dezember 1976 und 2. November 1977) wurden die Ergebnisse diskutiert. Die Jury gliederte die Arbeiten in Gruppen ähnlicher Entwürfe und beschloss eine breite Streuung der Preise. Mit den Kommunalwahlen in Hessen 1977 veränderten sich die Mehrheitsverhältnisse in der Stadt. Die neue Mehrheitsfraktion CDU beschloss die Umsetzung der Vorlage F 181. Auf dieser Basis wurden die Einreicher, J. und E Rump, Bad Soden mit der Erarbeitung eines Rahmenplans beauftragt.Nikola Dischkoff, Remo Gualdi, Michael Wilkens: Der Planungswettbewerb als Mittel zu einer rationalen Planungsdebatte : das Dietzenbacher Modell: Wie man durch ein breites Spektrum von Entwürfen zu einer sachlich fundierten Debatte und schließlich zu einer gesicherten Planungsentscheidung kommen kann ; Erfahrungen aus einem 1976 durchgeführten Wettbewerb, Schriftenreihe des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau: 02, Stadtentwicklung 28, 1982Ulrich Becker, Georg W. Lang, Johannes N. Müller: Städtebau in Dietzenbach : von der städtebaulichen Rahmenplanung zum Bebauungsplan - Alltagsarbeit nach e. (un)gewöhnl. Ideenwettbewerb; Arbeitshefte des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin : Sonderheft , S. 1, 1981, ISBN 3-7983-0755-5
Insbesondere in den 1980er Jahren war das Thema Kriminalität am Starkenburgring vielfach Thema der öffentlichen Berichterstattung."Tödliche Schüsse auf einen Jungen Mann"; in: FAZ vom 31. Oktober 1984, S. 45"Jungen Mann aus einem Meter Entfernung erschossen"; in: FAZ vom 8. November 1984, S. 35"Den Kontrahenten niedergestochen"; in: FAZ vom 25. Januar 1986, S. 49"Unbekannte schießen Jugoslawen nieder"; in: FAZ vom 11. Juli 1990, S. 33 Aber auch in den 1990er Jahren, nachdem die Sanierungsaktivitäten begonnen hatten, blieb das Spessartviertel nach Beobachtung der Polizei ein krimineller Brennpunkt. Ein Pressesprecher der Polizei wies 1998 allerdings darauf hin, dass sich die Sicherheitslage rund um den früheren Starkenburgring inzwischen verbessert habe. Durch permanente Präsenz hätten die Beamten dort „Zeichen gesetzt“; im Übrigen sei die Mehrheit der Bewohner durchaus bereit, bei der Verbrechensbekämpfung mitzuhelfen."Der "Speckgürtel" lockt auch viele Straftäter an"; in: FAZ vom 19. Oktober 1998, Nr. 242, S. 55
Abriss oder Sanierung? 1997 schloss die Stadt einen Rahmenvertrag über „koordinierendes Quartiersmanagement“ mit der Nassauischen Heimstätte Gesellschaft für innovative Projekte im Wohnungsbau mbH (NHGIP) ab. Ziel war es, den „sozialen Brennpunkt“ des „Spessartviertels“ zu sanieren.Sanierung des "Spessartviertels" - Stadt schließt Vertrag mit Gesellschaft für innovative Projekte ; in: FAZ vom 21. Oktober 1997, Nr. 244, S. 51 Gleichzeitig wurden aber auch Stimmen laut, die Hochhäuser abzureißen. Unterstützung fanden die Abrisspläne bei der FWG, die erklärte, „es gebe kein einziges Beispiel in Deutschland, dass eine derartige Wohnanlage erfolgreich saniert worden sei“.Niemann: Abriß preisgünstiger als Sanierung - Verein setzt auf Rechtsgutachten zum sozialen Brennpunkt "Rosenpark"/ Sozialplan nötig; in: FAZ vom 12. Dezember 1997, Nr. 289, S. 78 Zur Unterstützung der Abrisspläne bildete sich im November 1997 die „Initiative Besser Leben und Wohnen“.
Mit einer Mehrheit von CDU und SPD entschied der Magistrat 1998 die Sanierung gemeinsam mit der NHGIP fortzusetzen; Manager für diese Sanierung wurde der frühere hessische Innenminister Horst Winterstein (SPD).Von der übrigen Stadt abgegrenzt - Dietzenbachs sozialer Brennpunkt "Rosenpark": Magistrat entscheidet über Sanierung; in: FAZ vom 5. Juni 1998, Nr. 128, S. 81Vorstädte - Ruinen der Hoffnung; in: Der Spiegel vom 2. Februar 1998. Das Sanierungsprojekt wurde in das Bundesprogramm Soziale Stadt aufgenommen. Das Sanierungskonzept sah unter anderem vor, die Eingangszonen der Häuser freundlicher zu gestalten, Concierge- und Hausmeisterdienste vorzusehen und ein videogesteuertes Sicherheitssystem zu installieren. Das Parkdeck sollte durch einen Marktplatz und ein Bürgerzentrum ersetzt werden. Die Stadt übernahm das Dauernutzungsrecht für die Außenanlagen und sollte so in die Lage versetzt werden, das Areal aufzuwerten. Die Kosten für die Maßnahmen sollten sich auf etwa 6,2 Millionen DM belaufen, von denen die Eigentümer 2,8 Millionen DM aufbringen mussten. Die Stadt trug Kosten von knapp 1,2 Millionen DM, der Rest – etwa 2,2 Millionen DM – entfiel auf das Land Hessen."Ablehnung wäre Katastrophe für die Stadt" - Sanierungskonzept für den "Rosenpark" bekommt knappe Mehrheit /"Bessere Argumente"; in: FAZ vom 20. Juli 1998, Nr. 165, S. 48
Konzept ab Ende der 1990er Jahre Seit 2009 gibt es im Spessartviertel ein innovatives Quartiersmarketingkonzept unter dem Label „S/4“. Das Konzept fasst das Quartier mit seiner besonderen Bewohnerstruktur als Potential auf und will es mit Hilfe seiner Bewohner zukunftsfähig machen. Dazu ist eine Online-Quartiersplattform nach dem Vorbild eines virtuellen sozialen Netzwerkes aufgebaut worden, die den Bewohnern zum Austausch und zur Organisation dient. Ziel ist es, virtuell entstandene Gruppen und Beziehungen in den Alltag im Quartier zu integrieren.
Die Sanierung gilt als Erfolg: So halbierte sich bis 2012 in diesem Wohnviertel die Kriminalität.Dietzenbach: Vom Ghetto zum Musterstädtchen| In der türkischen Gemeinde ist der Polizist ein Freund; in Bild vom 25. Februar 2012.
Umbenennung von Starkenburgring in Spessartviertel mini|Logo des Quartiersmarketings