Arsène Charles Ernest Wenger, OBE, O. LH (* 22. Oktober 1949 in Straßburg) ist ein ehemaliger französischer Fußballtrainer und- funktionär. Nach Stationen in Frankreich und Japan erlangte er vor allem als langjähriger Trainer des Premier-League-Klubs FC Arsenal internationale Bekanntheit, den er von 1996 bis 2018 betreute. Unter Wenger gewann Arsenal dreimal die englische Meisterschaft sowie siebenmal den FA Cup und blieb in der Saison 2003/04 ungeschlagen. Aufgrund seines modernen One-Touch-Spielstils und der Förderung junger Talente, gilt Wenger als einer der einflussreichsten Trainer der Fußballgeschichte. Seit 2019 ist er als Direktor für globale Fußballförderung beim Weltverband FIFA angestellt.

Jugend Arsène Wenger ist das jüngste von drei Kindern und wurde am 22. Oktober 1949 in Straßburg geboren. Die Familie lebte in Duppigheim, einem Dorf in der französisch-deutschen Grenzregion Elsass (Département Bas-Rhin). Vater Alphonse Wenger betrieb einen Ersatzteile-Handel für Automobile sowie ein Bistro. Wengers Muttersprache ist die elsässische Mundart und obwohl er Französisch erst in der Schule lernte, war er ein guter Schüler und besuchte das Gymnasium (Lycée) in Obernai. Ab 1962 spielte Wenger für die Jugendmannschaften des FC Duttlenheim.

Wenger spricht neben Deutsch und Französisch fließend Englisch sowie etwas Italienisch, Spanisch und Japanisch.Amy Lawrence Q&A on Arsène Wenger (englisch)

Spielerkarriere mini|links|hochkant|Wenger als Spieler bei Racing Straßburg (1979) Der groß gewachsene Wenger spielte zumeist als Libero oder Verteidiger und verbrachte eine unauffällige Spielerkarriere bei Klubs aus dem Elsass. 1969 wechselte er zur AS Mutzig, die sich für die dritte Liga qualifizierte, der höchsten Amateurklasse Frankreichs. Bereits als Spieler zeigte Wenger großes Interesse an Taktik und Mannschaftsführung. Zu seinem fußballerischen Mentor avancierte Trainer Raymond Hild und gemeinsam besuchten sie Spiele des deutschen Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Auch nach seinem Wechsel zum Zweitligisten FC Mulhouse blieb Wenger Amateurfußballer, um weiter an der Universität Straßburg zu studieren. 1974 erwarb er ein Wirtschafts-Diplom. Anschließend folgte er Raymond Hild und wechselte zu Vauban Straßburg, für die er insgesamt drei Jahre spielte. Erst nachdem Wenger 1978 von Racing Straßburg unter Vertrag genommen worden war, wurde er mit 28 Jahren Profi. Sein Debüt in der Division 1 gab er beim 2:1-Sieg über die AS Monaco am 1. Dezember 1978 (23. Spieltag der Saison 1978/79). Mit Straßburg wurde Wenger zwar 1979 französischer Meister, war jedoch nur Ergänzungsspieler und kam nur dreimal zum Einsatz (zwei Liga-Einsätze, einmal im UEFA-Pokal). Auch in den folgenden Jahren setzte ihn Trainer Gilbert Gress nur sporadisch ein und er spielte häufiger für die Reservemannschaft. 1982 beendete Wenger seine aktive Karriere im Alter von 32 Jahren.

Trainerkarriere Anfänge Nachdem Wenger 1981 seine Trainerlizenz erhalten hatte, arbeitete er auf Empfehlung von Paul Frantz in der Jugendabteilung seines langjährigen Klubs Racing Straßburg.Arsène Wenger’s playing career – a tale of on-pitch mediocrity, but off-pitch initiative, intelligence & future planning. Am 29. September 2017 auf getfootballnewsfrance.com. Abgerufen am 21. Januar 2021. Vor der Saison 1983/84 machte ihn Jean-Marc Guillou zu seinem Assistenztrainer beim Zweitligisten AS Cannes. Wenger war unter anderem für das Scouting der zukünftigen Gegner verantwortlich und widmete sich intensiv der Video-Analyse.

Anschließend holte ihn Sportdirektor Aldo Platini, der Vater von Frankreichs Fußballidol Michel Platini, zur AS Nancy und am 1. Juli 1984 trat Wenger seine erste Station als verantwortlicher Cheftrainer an. Während er den lothringischen Provinzklub, trotz bescheidener Mittel, in seiner Premierensaison (1984/85) auf einen respektablen zwölften Platz geführt hatte, entgingen sie 1985/86 dem Abstieg in die zweite Liga nur knapp und mussten sich in der Relegation gegen den FC Mulhouse (0:2; 3:0) behaupten. Allerdings konnte Wenger den drohenden Abstieg in der Folgesaison 1986/87 nicht verhindern. Nach nur acht Siegen und 28 erzielten Toren stieg Nancy als Vorletzter ab.

AS Monaco Trotz des Abstiegs hatte Wenger das Interesse der AS Monaco auf sich gezogen und übernahm im Juli 1987 das Traineramt im Fürstentum. Den langjährigen Profi Jean Petit machte er zu seinem Co-Trainer. Wenger gelang es auf Anhieb, die prominenten Neuzugänge Patrick Battiston, Glenn Hoddle und Mark Hateley in die Mannschaft zu integrieren und sie zu einer geschlossenen Einheit zu formen. Zwischen August 1987 und März 1988 verloren die Monegassen nur ein Ligaspiel. Mit teilweise berauschendem Angriffsfußball und sehenswerten Kombinationen gewann Monaco 1987/88 vorzeitig die französische Meisterschaft und hatte sechs Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Wenger galt mittlerweile als einer der innovativsten Trainer des Landes und professionalisierte den gesamten Klub. Er installierte moderne Abläufe und Arbeitsmethoden, führte spezifisches Taktiktraining ein. Zur Spielvorbereitung ließ er große Mengen an Videomaterial abspielen, stellte auf eine gesunde Ernährung um und verbesserte die Regeneration seiner Spieler. Daneben erwarb er sich den Ruf eines ausgesprochenen Talentförderers, der jungen Spielern wie Emmanuel Petit oder Lilian Thuram den Sprung aus der Nachwuchsabteilung in den Profikader ermöglichte. Die wenig bekannten Neuverpflichtungen Youri Djorkaeff und insbesondere den Liberianer George Weah formte er zu internationalen Stars, aber auch etablierte Spieler wie Claude Puel oder Jürgen Klinsmann folgten Wengers „natürlicher Autorität.“ Taktisch setzte der Elsässer auf eine 4-4-2-Formation mit Raute und offensiven Außenverteidigern, die sich bei Bedarf auch in ein 4-3-3 verwandeln konnte. Unter Wenger gehörte die AS Monaco zu den Spitzenmannschaften der französischen Liga, konnte allerdings die sportliche Dominanz von Olympique Marseille nicht brechen, die vor allem auf der wirtschaftlichen Überlegenheit basierte. Später stellte sich heraus, dass Marseilles exzentrischer Vereinspräsident Bernard Tapie die sportlichen Erfolge durch systematisches Doping, Bestechung und Korruption gefördert hatte („Affäre OM-VA“). In der Zeit nach dem Gewinn der Meisterschaft, zwischen 1989 und 1993, wurde Wenger mit seinem Klub zweimal Vizemeister sowie dreimal Dritter. Lediglich 1991 gewann Monaco durch einen 1:0-Sieg über Marseille mit der Coupe de France einen weiteren Titel. Die Mannschaft setzte auch international ein Ausrufezeichen und erreichte am 6. Mai 1992 das Endspiel des Europapokals der Pokalsieger in Lissabon. Obwohl Monaco als leichter Favorit in die Partie ging, unterlagen sie Werder Bremen (0:2) und verpassten den ersten europäischen Erfolg der Vereinsgeschichte. Nachdem Monaco in den Vorjahren stets zur Spitzengruppe gezählt hatte, belegten sie 1993/94 lediglich einen enttäuschenden neunten Platz. Allerdings erreichte Monaco das Halbfinale der UEFA-Champions League, das sie mit 0:3 gegen die AC Mailand verloren. Im Sommer 1994 wurde Wenger als Trainer-Kandidat des FC Bayern München gehandelt, lehnte jedoch das Vertragsangebot aus Loyalität zu seinem Klub ab. Nach einem Fehlstart in die folgende Saison 1994/95 wurde Wenger am 17. September 1994 entlassen. Seine Amtszeit von sieben Jahren ist die bislang längste eines Monaco-Trainers.

Nagoya Grampus Eight Auf einem FIFA-Kongress beeindruckte Wenger durch seine Analyse der WM 1994 die Verantwortlichen des japanischen Automobil-Konzerns Toyota, die ihm nach seiner Entlassung in Monaco einen Vertrag anboten. Ernüchtert durch den Korruptionsskandal in der französischen Liga, suchte Wenger eine neue Herausforderung und unterschrieb im Dezember 1994 einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Toyotas Werksmannschaft Nagoya Grampus Eight. Im Verhältnis zu Europa war Japan zwar ein fußballerisches „Entwicklungsland“, doch die neu gegründete J.League erlebte einen regelrechten Boom und setzte verstärkt auf ausländische Trainer. Wenger musste sich in einer fremden Kultur zurechtfinden. Zu seinem wichtigsten Mitarbeiter und Co-Trainer machte er Boro Primorac, mit dem er bis 2018 zusammenarbeitete. Ab März 1995 nahm Wenger mit seiner Mannschaft an der zweiten Spielzeit der Liga teil. Unter seiner sportlichen Leitung räumte er den Spielern viele kreative Freiheiten ein und insbesondere der serbische Spielmacher Dragan Stojković blühte unter Wenger auf. Nach einem mäßigen Start belegte Nagoya am Saisonende den dritten Platz und gewann durch einen 3:0-Sieg über Sanfrecce Hiroshima den Kaiserpokal. Kurz darauf holte Wenger mit dem japanischen Supercup (2:0 gegen Yokohama F. Marinos) einen weiteren Titel. Seine letzte Partie als Nagoya-Trainer absolvierte Wenger am 28. August 1996 und verabschiedete sich mit einer kurzen Ansprache in Japanisch vom Publikum.

FC Arsenal mini|Arsène Wenger als Arsenal-Trainer mini|Siegesparade nach dem Double 1997/98 Am 22. September 1996 wurde Arsène Wenger als neuer Trainer des FC Arsenal vorgestellt und folgte auf den zuvor entlassenen Bruce Rioch. Die Verpflichtung des 46-jährigen Franzosen galt als mutiger Schritt des Traditionsklubs, der den Prototypen eines altmodischen englischen Fußballvereins verkörperte. Medien, Fans und sogar Spieler reagierten irritiert auf die Verpflichtung des Unbekannten, der als Manager auch die Kontrolle über Arsenals Transfers und Verträge erhielt. Der Evening Standard titelte am Tag nach seiner Vorstellung „Arsène Who?“ und fragte, was Wenger vorzuweisen habe, um das Traineramt der Gunners zu übernehmen. Seinen Posten trat Wenger am 1. Oktober 1996 offiziell an und der 2:0-Auswärtssieg über die Blackburn Rovers war sein erstes Premier-League-Spiel (9. Spieltag). Der introvertierte Trainer stand von Beginn an im Fokus, musste sich den unbequemen Fragen der Presse stellen, denn kaum jemand traute ihm zu, den Klub mit avantgardistischen Ideen zu revolutionieren. Es dauerte einige Wochen, bis die überwiegend aus abgekochten, skeptischen Briten bestehende Mannschaft mit dem ausländischen Nobody warm wurde.