A Night at Birdland – Jazz Corner of the World ist der Mitschnitt eines Jazz-Konzerts von Art Blakey und seinem neu zusammengestellten Quintett, zu dem Curly Russell, Lou Donaldson, Horace Silver und Clifford Brown gehörten. Das Konzert fand am 21. Februar 1954 im New Yorker Jazzklub Birdland statt und umfasste fünf Sets.Art Blakey Discography Es wurde vom Plattenlabel Blue Note Records im selben Jahr auf drei nacheinander erscheinenden 10-Zoll-Schallplatten veröffentlicht. Bereits 1956 wurde die Zusammenstellung, ergänzt um einen weiteren Titel, auf zwei separaten 12-Zoll-Schallplatten veröffentlicht.

Hintergrund Nach Richard CookCook, Blue Note, Argon, S. 86f. war es eine der wichtigsten von Blue Note in den 1950er-Jahren dokumentierten Sessions. Sie markiert den Übergang zu Langspielplatten bei Blue Note, bedeutete den Durchbruch für Rudy Van Gelder als Aufnahmetechniker bei Blue Note und der Beginn von Blakeys Wirken als Leiter einer Art Hausband bei Blue Note (bei denen er seit 1952 häufig als „Hausdrummer“ zu hören war). Die Wirkung der Live-Aufnahme hatte auch mit dem Können von Van Gelder als Aufnahmetechniker zu tun, in einer Art und Weise, die nach Cook unter den Livemitschnitten im Jazz bis dahin an Unmittelbarkeit und Klangtreue nicht ihresgleichen hatte. Die Aufnahmen markieren auch einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit von Blakey und Silver. Sie waren die ersten Live-Aufnahmen im Birdland für die Veröffentlichung auf Alben,Bootleg-Veröffentlichungen aus den Radioübertragungen des Clubs waren allerdings schon erschienen, darunter auch Blakeys Auftritt mit Donaldson, Silver, Kenny Dorham und Gene Ramey drei Monate vor den A Night at Birdland-Aufnahmen. Bob Blumenthal, Liner Notes zur Neuveröffentlichung von A Night at Birdland, 2001. viele weitere im Birdland und anderen Clubs sollten dem Beispiel dieser Aufnahmen folgen. Mit den Aufnahmen in Albumlänge konnte auch der im Entstehen begriffene intensive Hardbop-Sound erstmals adäquat eingefangen werden.Blumenthal, Liner Notes, 2001.

Die eigentliche Überraschung war aber, so Horace Silver in seinen Erinnerungen, Clifford Brown, von dem die Jazzszene in New York zwar schon gehört hatte, die Wenigsten hatten ihn aber live erlebt. Lion war zusammen mit Blakey in Cliffords Heimatort Wilmington gefahren und hatte ihn eigens für die Session nach New York kommen lassen. Silver fasste seinen Eindruck so zusammen: „When we heard Clifford play, we were blown away.“ („Als wir Clifford hörten, warf es uns um.“)Silver, Let’s Get to the Nitty Gritty, S. 62.f. Miles Davis, der zu einer der Proben ins Birdland kam, meinte beim Weggehen scherzhaft, er hoffe Clifford werde auf die Nase fallen; ein Zeichen seiner Anerkennung.Clifford, I hope you bust your chops. Nach Ansicht von Curly Russell meinte er das allerdings ernst. Silver, Let’s Get to the Nitty Gritty, S. 62. Die Gruppe spielte zwei Wochen im Birdland und anschließend eine Woche in Philadelphia. Da die Band keine Anschlussauftritte bekam, ging Clifford mit der Band von Max Roach nach Kalifornien.

Horace Silver meinte rückblickend in seiner Autobiografie von 2006:

Lou Donaldson erinnerte sich anlässlich der Verleihung der 2013 NEA Jazz Masters Fellowship:

Hintergründe einzelner Titel Ansagen Die Ankündigung des Konzerts zu Beginn der Aufnahme ist mit knapp einer Minute Dauer ein eigener Track. Die Ansprache übernahm William Crayton Marquette alias „Pee Wee Marquette“, eine Art Zeremonienmeister des Birdland. Marquette stellte darin die Band vor und informierte das Publikum darüber, dass der Auftritt live für Blue Note Records mitgeschnitten und der Applaus des Publikums ebenfalls aufgenommen wird:

Marquettes Ankündigung wurde von Us3 gesampelt und leitet in gekürzter Form deren Titel Cantaloop von 1992 ein.

A Night in Tunisia In seiner Ansage von A Night in Tunisia (bei der CD aus technischen Gründen im Abspann des vorhergehenden Titels Quicksilver) erzählt Art Blakey, dass er sich dem folgenden Titel sehr verbunden fühle. Er sei dabei gewesen, als Dizzy Gillespie den Titel in Texas auf einem umgedrehten Mülleimer sitzend („on the bottom of a garbage can“) geschrieben habe. Als das Publikum lacht, erwidert Blakey: „Seriously.“ („Ernsthaft.“)

Mayreh Hierbei handelt es sich um die Erstaufnahme des Titels Mayreh, den Art Blakey drei Monate darauf mit einem völlig anderen Quintett erneut aufnehmen sollte. Der Titel stammt aus der Feder von Horace Silver, basiert allerdings auf den Wechseln von All God's Children Got Rhythm. Der Titel kam folgendermaßen zustande: Mayreh gibt lautmalerisch wieder, wie Lou Donaldson als ein Bewohner des Bundesstaates North Carolina den Namen „Mary“ ausspricht.Liner Notes von Bob Blumenthal zur RVG-Edition, Vol. 1, 2001. Die Aufnahme geht am Schluss in Lullabye of Birdland über als Reverenz an den Club.

Now’s the Time Am Schluss der Charlie-Parker-Komposition Now’s the Time stellt Blakey seine Band vor. Nachdem er die Hoffnung äußert, dass er „für immer“ mit ihnen zusammen arbeiten werde, sagt er zum Publikum gewandt, dass er sie eines Tages durch jüngere Musiker ersetzen wird. Damit erklärt Blakey sein Konzept, dem er auch später mit den Jazz Messengers treu bleibt. Der Schlagzeuger, der selbst keine Kompositionen schrieb, umgab sich stets mit aufstrebenden Nachwuchsmusikern und profitierte von deren kompositorischen Ideen (Hank Mobley, Lee Morgan, Benny Golson, Bobby Timmons, Wayne Shorter etc.).

Lou’s Blues Bei Lou’s Blues handelt es sich nicht um den gleichnamigen Eröffnungstitel auf Lou Donaldsons Debütalbum von 1952.Liner Notes von Bob Blumenthal zur RVG-Edition, Vol. 2, 2001.

Titelliste

10″-Schallplatten A Night at Birdland, Vol. 1 (Juli 1954; BLP 5037; 21:58 min) Announcement (Pee Wee Marquette) Split Kick (Horace Silver) Once in a While (Michael Edwards; Bud Green) Quicksilver (Horace Silver)

A Night at Birdland, Vol. 2 (Oktober 1954; BLP 5038; 22:58 min) Wee-Dot (J. J. Johnson, Leo Parker) Mayreh (Horace Silver) A Night in Tunisia (Dizzy Gillespie)

A Night at Birdland, Vol. 3 (November 1954; BLP 5039; 21:45 min) Now’s the Time (Charlie Parker) If I Had You (Ted Shapiro; Jimmy Campbell und Reg Connelly) Confirmation (Charlie Parker)

CD-Reissue Im Jahr 2001 erschien eine überarbeitete digitale Version des Live-Mitschnitts. Rudy Van Gelder, der ursprüngliche Aufnahmetechniker von A Night at Birdland, re-remasterte die Aufnahmen im Rahmen seiner RVG-Edition für Blue Note Records. A Night at Birdland, Vol. 1 (BLP 1521; CD 46519) Announcement (Pee Wee Marquette) – 0:58 Split Kick (Horace Silver) – 844 Once in a While (Michael Edwards; Bud Green) – 5:18 Quicksilver (Horace Silver) – 6:58 A Night in Tunisia (Dizzy Gillespie) – 9:20 Mayreh (Horace Silver) – 6:18 Wee-Dot (Alternate Take) (J. J. Johnson, Leo Parker) – 6:53 Blues (Improvisation) – 8:37

A Night at Birdland, Vol. 2 (BLP 1522; CD 46520) Wee-Dot (Leo Parker, J. J. Johnson) – 7:16 If I Had You (Ted Shapiro; Jimmy Campbell und Reg Connelly) – 3:30 Quicksilver (Alternate Take) (Horace Silver) – 8:45 Now’s the Time (Charlie Parker) – 9:00 Confirmation (Charlie Parker) – 9:10 The Way You Look Tonight (Bonus) (Jerome Kern; Dorothy Fields) – 10:14 Lou’s Blues (Bonus) (Lou Donaldson) – 4:00

Produktion Produktion: Alfred Lion Toningenieur (1954) und Mastering (2001): Rudy Van Gelder Fotografien: Francis Wolff Cover-Design: John Hermansader

Rezeption Michael G. Nastos vergab an das Album in Allmusic vier (von fünf) Sternen und meinte, das „Pre-Messengers-Quintett“ liefere zahlreiche Hinweise auf Durchsetzung eines Ensembleformats, das bis zum Miles Davis Quintett der 1960er-Jahre führen sollte. Die vorliegende Aufnahme (Vol. 1) bereitete nach Nastos für Art Blakey und den Modern Jazz generell den Durchbruch und definierte die Art und Weise, wie Jazzmusik in den folgenden Jahrzehnten gehört werden sollte. Auch die folgenden Platten (Vol. 2 & 3), die den Live-Mitschnitt dokumentierten, enthielten nach Nastos einige Höhepunkte, aber auch einige Tiefpunkte, ob aus Erschöpfung oder mangelnder Vorbereitung. Mit dem kurz für Donald Byrd eingewechselten Trompeter Clifford Brown und dem Altsaxophonisten Lou Donaldson hätte die Band einen vollkommen anderen Klang, obwohl Horace Silver, Blakey, Curly Russell (als kurzfristiger Ersatz für Doug Watkins) solide wie ein Fels seien. Zwar gäbe es auch hier herausragenden Bop und Hardbop in diesem Set, inspiriert und stark, wie man vermuten könne, aber der Latin-Touch der Originalband sei vergangen. Mit Donaldsons Faible für Charlie Parker käme „unerbittlich der pure Bebop-Klang in die Musik“ der Messengers. In Titeln wie Now’s the Time, Confirmation, Wee-Dot oder The Way You Look Tonight sei Donaldson klar der dominante Spieler, wobei Clifford Brown überraschenderweise in den Hintergrund rücke, wie auch in der beeindruckenden Ballade If I Had You. Sehr gut sei das Zusammenspiel von Brown und Donaldson auf Silvers Quicksilver.

Richard Cook und Brian Morton bewerteten das Album im Penguin Guide mit der Höchstnote von vier Sternen. Blakey spiele auf den Mitschnitten laut und hart, dabei den Off-Beat akzentuierend, mit einem Hi-Hat-Schlag, der eine gewaltige Schroffheit besitze und einem dramatisch wirkenden Snare-Rollen. Ebenso sehr wie er die Musik dominiert, spiele er auch für die Band, und sein inspiriertes Führen seiner Band werde hier genauso deutlich wie in seinen späteren Aufnahmen.Richard Cook, Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz on CD. 6. Auflage. Penguin, London 2002, ISBN 0-14-051521-6.

Nach CookCook, Blue Note, S. 88. ist die Aufnahme rundum gelungen, Lou Donaldson und Clifford Brown würden wunderbar zusammenpassen und Donaldson mit seinen Parkerismen einen wundervollen Kontrast zu Browns lyrischem Ton bilden. Zwar sei ein Teil des Materials ziemlich altmodisch (A Night in Tunesia, Now’s the Time, Confirmation) und den 1940ern zugehörig, sie würden aber eine Stimmung einfangen, die zwischen normalem Club-Auftritt und Jam-Session angesiedelt sei.

Ira Gitler meinte:Liner Notes zu Live Messengers „Horace spielt den Blues auf unnachahmliche Weise. Ich kann geradezu Alfred Lion hören, wie er an der Bar steht und mit dem für einen gebürtigen Berliner typischen harten R sagt: Yeah, that’s funky-grroovy.“

Auszeichnungen Im Jahr 2005 bekam Art Blakey als Bandleader für A Night at Birdland einen Grammy Hall of Fame Award.ArtBlakey.com Awards

Im Jahr 2013 wurde A Night at Birdland von der Library of Congress in ihre National Recording Registry aufgenommen.LPs für die Bibliothek und den Weltuntergang Jazz Echo vom 22. Mai 2015.

Literatur Michael Fortuna: Art Blakey: A Night at Birdland, Vols. 1 and 2, auf Allaboutjazz.com vom 1. September 2001. (englisch)

Weblinks

Musikbelege Art Blakey Quintet: A Night at Birdland (Volume 1/Live) auf YouTube Art Blakey Quintet: A Night at Birdland (Volume 2/Live) auf YouTube

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 1954 Kategorie:Art Blakey