Melodie der Welt ist ein deutscher Kinofilm aus dem Jahre 1929. Der Dokumentarfilm, der im Herbst 1928 vom Regisseur Walter Ruttmann überwiegend aus Aufnahmen einer Filmexpedition montiert wurde, die diese in drei Kontinente führte, entstand als Auftragsproduktion der HAPAG und wurde (technisch) von der Tobis hergestellt.

Konzeption und Inhalt Der vieraktige Film lebt vom Rhythmus der Musik Wolfgang Zellers und Ruttmanns eigenwilliger, bisweilen sehr schneller Schnitttechnik. Der Film, der über keine Handlung im eigentlichen Sinne verfügt, beginnt mit dem Erwachen eines Seemanns und seiner Frau. Sie begleitet ihn am frühen Morgen in den Hamburger Hafen, wo der Matrose an Bord geht. Sehnsüchtig blickt sie ihm nach. Dann fährt er auf dem HAPAG-Schiff „Resolute“ in die weite Welt hinaus.

In den folgenden 45 Minuten versucht Ruttmann, „die Summe menschlicher Aktivitäten und Leistungen an Hand von Bildern aus den Ländern der Welt darzustellen, die die finanzierende Schiffahrtsgesellschaft anlief.“Buchers Enzyklopädie des Films, S. 503 Dabei werden die Bereiche Sitten und Gebräuche, Arbeitswelten und Religion, Freizeitvergnügen und Sport, Lebenswelten und lokale Eigenheiten, Essgewohnheiten und Musiktraditionen aber auch die Schrecken des Krieges bildlich erfasst und, bei allen Unterschieden der Bewohner auf den bereisten Kontinenten, durch intelligente Schnitt-Gegenschnitt-Anordnungen das Verbindende der Menschen unterschiedlichster Kulturkreise herausgestellt.

Produktionsnotizen Die Aufnahmen zu Melodie der Welt entstanden im Herbst 1928 in Europa (u. a. Hamburg, Berlin, Venedig, Rom, London), Arabien (heutiges Libyen, Syrien und Saudi-Arabien) und Asien.Indien, Sumatra, Japan, Singapur, Madura, Zamboango, Ceylon, Palästina, China, Japan, Sundainseln, Burma, Indonesien, Taiwan Die Zensur gab den Film am 11. März 1929 für die Jugend frei. Die Uraufführung war am 12. März 1929 im Berliner Mozartsaal. Damit gilt Melodie der Welt als der erste abendfüllende Kinotonfilm Deutschlands. Karlheinz Wendtland schrieb, dass der Film als solcher anerkannt worden sei und einen interessanten und in die Zukunft weisenden Beginn des deutschen tönenden Films einläutete. Die heute erhaltene Fassung ist 48 Minuten lang.

Guido Bagier, der sich auch für den Ton zuständig zeigte, war im Auftrag der Tobis mit der tontechnischen Produktionsleitung beschäftigt. Ihm zur Seite stellte die HAPAG Heinrich Mutzenbecher, zugleich Leiter der eigentlichen Filmexpedition. Ruttmann selbst nahm an der Expedition nicht teil, seine Aufgabe bestand vielmehr darin, das belichtete Material zu einem Film zusammenzuschneiden. Nur Anfang und Ende des Films waren mit Originalton versehen, alles andere wurde im Studio nachsynchronisiert. Von der Presse wurde jedoch betont, dass „der Tonfilm in Sonderheit in Deutschland entwickelt und zur Blüte gebracht worden“ sei. Die Aufführung des Films habe als Nebeneffekt „eine Stärkung des durch den Versailler Vertrag stark angeschlagenen Nationalbewußtseins zur Folge“ gehabt, führte Karlheinz Wendtland aus.

Die wenigen Bauten zu Beginn des Films schuf Erich Czerwonski.

Eine etwas surreal wirkende, nur Sekunden kurze Szene in der 36. Filmminute zeigt George Bernard Shaw, der auf den fast 50 Jahre jüngeren Filmkritiker und Filmemacher Ivor Montagu trifft und mit ihm ein paar belanglose Worte wechselt.

Bei der Mitwirkenden Grace Chiang handelte es sich um die Ehefrau des Filmarchitekten Ernő Metzner.

Der Film erhielt am 19. März 1929 das Prädikat “künstlerisch und volksbildend”.

Kritiken Die von Siegfried Kracauer vertretene negative Haltung zum Film wurde von der überwiegenden Anzahl der damaligen Kritiker nicht geteilt. So schrieb beispielsweise Hans Wollenberg in der Lichtbild-Bühne über Ruttmann: „Sein Film Melodie der Welt geht weit über seine bisherigen Leistungen hinaus. Unvergleichlich, was er im Schnitt der Bilder, im Aufbau von belebten, geradezu dramatisch wirkenden Komplexen bringt.“

Kracauers Fazit zum Film lautete folgendermaßen: „Seine rhythmischen Montagen umfaßten nicht nur die verschiedenartigsten bildlichen Eindrücke, sondern auch alle Arten von Tönen, Geräuschen und Melodien. Thematisch wollte diese Montage nichts weniger als die Gesamtheit menschlicher Tätigkeiten und Leistungen umspannen: Bauwerke, typische Äußerungsformen der Liebe, Beförderungsmittel, religiöse Kulte, die Armeen der Welt, Methoden der Kriegsführung, Sport, Unterhaltung usw. … Die Melodie der Welt war inhaltsleer, weil Ruttmann in seinem Eifer, die Töne der ganzen Welt einzufangen, das Gehör verlor für den besonderen Klang jeder einzelnen Melodie.“ Wendtland schrieb in seinem Buch, dass das Publikum trotzdem begeistert gewesen sei.Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp. Sämtliche deutsche Spielfilme von 1929–1945 mit zahlreichen Künstlerbiographien Jahrgang 1929 und 1930, Verlag Medium Film Karlheinz Wendtland, Berlin, erste Auflage 1988, zweite überarbeitete Auflage 1990, S. 8, 9, Film N2/1929. ISBN 3-926945-10-9

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Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1929 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Dokumentarfilm