Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR existierte als eigenständige Körperschaft von 1969 bis zur Wiedervereinigung mit dem Gemeindebund der Bundesrepublik im Jahre 1990. Zur Gesamtgeschichte, Lehre und zum Selbstverständnis Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden siehe die Artikel Baptisten, Brüderbewegung und Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.
Geschichte mini|Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Spremberg Bereits 1949 war den Verantwortlichen der deutschen Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden klar, dass die veränderten Nachkriegsverhältnisse und die damit verbundene Teilung Deutschlands veränderte Strukturen erforderlich machte. Unter dem Dach einer Bundesleitung Ost, deren erster hauptamtlicher Vorsitzender Otto Soltau von 1953 bis 1957 war,Axel Steen: Soltau, Otto. In: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland (Hrsg. Günter Balders). Wuppertal und Kassel 1985. S. 362 entstanden für den Bereich der DDR eigene Verwaltungseinrichtungen und ein eigener Verlag. 1959 wurde in Buckow (Märkische Schweiz) ein eigenes Theologisches Seminar eröffnet, das 16 Studienplätze anbot. Nach dem Mauerbau 1961 konstituierte sich auf dem Gebiet der DDR eine autonome Teilsynode, der sogenannte Bundesrat. Die Abgeordneten wählten erstmals eine eigene Bundesleitung. 1969 erfolgte schließlich die förmliche organisatorisch-rechtliche Verselbständigung, die sich auch in dem neu angenommenen Namen Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR (BEFG-DDR) spiegelte. Erster Präsident des Bundes wurde Pastor Herbert Morét (1969–1981). Seine Nachfolge trat Manfred Sult an (1981–1991). Als Generalsekretär fungierte unter anderem Pastor Rolf Dammann. Noch im August Jahr seines Gründungsjahres wurde der BEFG-DDR in die Europäisch-Baptistische Föderation als eigenständiges Mitglied aufgenommen. 1970 erfolgte die Aufnahme in den Baptistischen Weltbund. Als sich am 9. April 1970 die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der DDR konstituierte, war auch der BEFG-DDR als Gründungsmitglied dabei.Die erwähnten Daten orientieren sich an der von Günter Balders und Rolf Dammann zusammengestellten Zeittafel zur Geschichte des BEEFG-DDR. Sie ist abgedruckt bei Ulrich Materne, Günter Balders (Hrsg.): Erlebt in der DDR. Berichte aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Wuppertal und Kassel 995, S. 387–404
Statistik 1969 gehörten zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR 222 Gemeinden mit rund 24.600 getauften Mitgliedern. 1983 zählte der Bund nur noch 20.500 Mitglieder. Davon entfielen 12.760 auf Gemeinden baptistischer Tradition, 5370 gehörten den Evangelisch-Freikirchlichen Brüdergemeinden an und 2340 den Elim-Gemeinden. Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass auf Grund des Gemeindeverständnisses und der Praxis der Glaubenstaufe Kinder von Gemeindegliedern sowie Freunde der Gemeinde nicht mitgezählt wurden. Die Mitgliederabnahme ist vor allem dadurch zu erklären, dass viele Freikirchler in den Westen ausreisten oder flohen.
Struktur Das oberste Organ des Gemeindebundes war der Bundesrat, in den alle Gemeinden entsprechend ihrer Größe Abgeordnete entsandten. Er sollte sich in der Regel alle drei Jahre versammeln. Seine Aufgaben waren unter anderem, die Bundesleitung zu wählen und auf deren Vorschlag hin, den Präsidenten des Bundes zu bestätigen. Der Bundesrat befand außerdem über die Aufnahme und den Ausschluss von Ortsgemeinden und fasste die entsprechenden Beschlüsse in finanzieller Hinsicht. Von besonderer Bedeutung für die Gemeinden waren jedoch die Bundeskonferenzen, die sich mit den Bundesratstagungen verbanden und sowohl biblisch-theologische sowie geistliche Akzente setzten. Die laufenden Geschäfte wurde von der Bundesgeschäftsstelle in Berlin wahrgenommen. Verwaltungsleiter war ein Generalsekretär.
Besondere Arbeitszweige des Gemeindebundes waren die überregionale Jugendarbeit, die von einem Jugendpastor verantwortet wurde die Kindergottesdienstarbeit (Sonntagsschule) die Förderung der missionarischen Gemeindearbeit die Frauen- und Beruftätigenmission die Arbeit unter Suchtgefährdeten die Gemeindeberatung für Bau- und Grundstücksfragen
Einrichtungen Innerhalb des DDR-Bundes arbeiteten neben dem bereits erwähnten Buckower Seminar folgende Einrichtungen der Diakonie und Erwachsenenbildung: Bibelschule Burgstädt: Hier wurde in einjährigen beziehungsweise mehrwöchigen Lehrgängen „biblisch-theologische Kenntnisse mit praktischem Akzent“ angeboten. Auch dienten von der Bibelschule herausgegebene Fernkurs- und Lehrbriefangebote der Zurüstung der ehrenamtlichen Gemeindemitarbeiter. Christliche Pflegeanstalt in Schmalkalden-Aue: Diese Einrichtung war das größte diakonische Werk des DDR-Bundes und betreute rund 150 geistig behinderte Menschen. Seniorenheime bestanden in Crivitz (Mecklenburg), in Sonneberg und in Berlin-Hirschgarten. Diakonissenmutterhaus Bethel in Buckow Martin-Luther-King-Haus in Schmiedeberg: Diese Einrichtung war Jugend- und Erwachsenenbildungsstätte und diente auch gleichzeitig als Freizeitheim für Familien, Gemeindegruppen und Arbeitstagungen. Weitere kleinere sogenannte Rüstzeitheime bestanden in Forst, Brandenburg an der Havel, Malchow, Berthelsdorf, Ruhla und Friedrichroda. Die Evangelische Versandbuchhandlung Otto Ekelmann Nachf. versorgte die Büchertische der örtlichen Gemeinden mit christlicher Literatur. Auch wurde die evangelisch-freikirchliche Monatszeitschrift Wort und Werk herausgegeben sowie auch Bücher und Schriften freikirchlicher Prägung.
Gliederung des Bundes Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden war in sechs regionale Vereinigungen untergliedert: Vereinigung Nord, Ost (einschließlich Berlin), West, Südost, Süd und Südwest. Geleitet wurden die Vereinigungen vom Vereinigungsrat und der Vereinigungsleitung. Im Gegensatz zur Bundesratstagung fanden die synodalen Zusammenkünfte der Vereinigungen jährlich statt.
Ökumene Der Bund Evangelisch-Freikirchler Gemeinden der DDR gehörte zwar dem Ökumenischen Rat der Kirchen nicht an, unterstützte aber einzelne seiner Projekte, so unter anderem das Antirassismus-Programm. Gemeinsam mit dem Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR wurden verschiedene Notopferaktionen durchgeführt, dazu gehörten Brot für die Welt, Denkmal des Lebens und andere.
Die Mitglieder der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden beteiligten sich an den Projekten und Veranstaltungen der Evangelischen Allianz und waren gemeinsam mit der Evangelisch-methodistischen Kirche und dem Bund Freier evangelischer Gemeinden Mitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Auch in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen wirkte der DDR-Bund mit.
Zeittafel zur Vorgeschichte des BEFG in der DDR Die historischen Daten der folgenden Tabelle orientieren sich – sofern nicht anders vermerkt – an der Zeittafel des von Ulrich Materne und Günter Balders 1995 herausgegebenen Buches Erlebt in der DDR. Berichte aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher GemeindenUlrich Materne, Günter Balders in Zusammenarbeit mit Reinhard Assmann, Bernhard Kühl und Manfred Sult: Erlebt in der DDR. Berichte aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Wuppertal und Kassel 1995. S. 387–404 entnommen.