mini|hochkant=1.65|Luftbild von Miesbach mini|Miesbach von Süden mini|hochkant|Stadtpfarrkirche Miesbach mini|hochkant|Stadtjubiläum Miesbach 2018
Miesbach (bairisch: Miaschboch) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberbayern. Sie ist mit ca. 11.500 Einwohnern die kleinste Kreisstadt in Oberbayern und mit rund eine der höchstgelegenen Kreisstädte Deutschlands.
Geographie Lage Die Stadt liegt in der Region Oberland, direkt am Rand der Bayerischen Alpen, 45 km südöstlich von München, 30 km westlich von Rosenheim und 22 km östlich von Bad Tölz im Tal der Schlierach.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde hat 78 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Außerdem gibt es einige Einöden, die einen nicht-amtlichen Ortsnamen tragen und keine eigenständigen Gemeindeteile von Miesbach sind. Daher wird die Bevölkerungsentwicklung dort nicht gesondert erfasst:
Gemarkungen sind Hausham (nur Gemarkungsteil 1), Miesbach, Niklasreuth (nur Gemarkungsteil 2), Parsberg (nur Gemarkungsteil 1), Wies und Wörnsmühl (nur Gemarkungsteil 2).
Nachbargemeinden
Topographie Die Innenstadt gliedert sich auf drei unterschiedlich hoch gelegenen Flussterrassen des Schlierachtals:
Höhenlage: (Höhenmarke Rathaus) (Höhenmarke Marktplatz) (Höhenmarke Stadtplatz) (Höhenmarke Amtsgericht) (Höhenmarke ehem. Stadlberghaus) Stadlberg Höhendifferenz Rathaus/Stadlberg = 235,15 m
Auf der untersten Ebene befinden sich der historische Marktplatz, das Rathaus, Eissporthalle und der Bahnhof. Rund 9 bis 10 Meter höher liegen in östlicher Richtung der Stadtplatz, die Pfarrkirche und der älteste Teil der historischen Altstadt. Nochmals 10 bis 15 Meter höher liegen auf der obersten, weitgehend ebenen Flussterrasse die gesamte östlich angrenzende neuere Innenstadt mit dem Gewerbegebiet, der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 307, dem Polizeigebäude und der Waitzinger Keller – Kulturzentrum Miesbach. Diese topographische Besonderheit führt zu einer reizvoll gegliederten Altstadt mit oberem und unterem Markt.
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Stadtgebiet: Landschaftsschutzgebiet Schutz der Egartenlandschaft um Miesbach (LSG-00550.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Leitzachtal (8237-371) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Mangfalltal (8136-371)
Geschichte Bis zum 17. Jahrhundert 1114 erfolgte die erste Erwähnung Miesbachs in einer Urkunde des Bischofs Heinrich I. von Freising und Abt Aribo von Tegernsee. Vermutlich noch unter den Freisinger Bischöfen erhielt der Ort im 13. Jahrhundert das Marktrecht. 1312 gelang den Waldeckern mit der Zerstörung der Burg Miesbach der erste Schritt zur Ablösung des Gebietes vom Bistum Freising. „Das älteste Kirchlein zu Miesbach befand sich vermutlich innerhalb der Mauern der Burg Miesbach und wurde mit dieser im Jahr 1312 zerstört. Auch an der Stelle des heutigen Portiunkulakirchleins befand sich eine uralte Kapelle, und dass im 14. Jahrhundert dahier auf dem Rosenbüchel eine Kirche bestanden habe, ergibt sich aus Meßstiftungen dorthin“, schreibt Prälat Heimbucher 1882 in seiner „Geschichte Miesbachs“.
Die endgültige Anerkennung als Reichslehen erfolgte 1476 durch Kaiser Friedrich III. 1516 gelangte die Reichsherrschaft Waldeck an die Familie Maxlrain. 1527 wurde bei einem Stadtbrand die Kirche so stark zerstört, dass sie abgetragen werden musste. 1584 beendete der bayerische Herzog Wilhelm V. die von Wolf Dietrich von Maxlrain seit um 1560 geförderte Reformation mit einer Handelssperre. Im Januar 1637 erhob Kaiser Ferdinand II. Waldeck zur Grafschaft Hohenwaldeck. Nach dem Aussterben der Maxlrainer kam Hohenwaldeck an die Wittelsbacher, die es als gesonderten Teil in das Kurfürstentum integrierten.
Rolle als Wallfahrtsort Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte Miesbach eine Blütezeit durch die Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes und durch das Kunsthandwerk. 1783 wurde bei einem erneuten Stadtbrand fast der gesamte Markt zerstört. Einzig das Gürtlerhaus (Stadtplatz 9) und der Himmisepp (Marktwinkl 10) sind dabei nicht abgebrannt. 1803 wurde die Grafschaft Hohenwaldeck aufgelöst und in ein Landgericht umgewandelt, dessen Nachfolger der heutige Landkreis Miesbach ist. Nachdem bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts Bürgermeister und Räte verbürgt sind, entstand die Gemeinde mit dem Gemeindeedikt von 1818 im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern.
Tracht Die bayerische Trachtenbewegung hat ihre Wiege in Miesbach. Die Miesbacher Tracht wurde in der Folge zum Synonym für bayerische Tracht schlechthin. Am 4. April 1859 entstand der Vorläufer des heutigen Miesbacher Trachtenvereins, die „Gesellschaft Gemüthlichkeit“. Den Forschungen des ehemaligen Miesbacher Bürgermeisters Gerhard Maier zufolge war diese die erste vereinsmäßige Organisation, die sich um den Erhalt der heimischen Tracht bemühte. Der erste Verein, der das Wort „Tracht“ im Namen führte, entstand jedoch in den 1880er Jahren in Bayrischzell. Miesbach ist Sitz des Oberlandler Gauverbandes im Bayerischen Trachtenverband mit rund 50 Trachtenvereinen.
Miesbacher Haberfeldtreiben
Als Kulmination bayerischer Volksjustiz (Rügegericht) gilt eine 1893 mit über 200 Beteiligten durchgeführte Miesbacher Aktion, genannt „Miesbacher Haberfeldtreiben“.Historisches Lexikon Bayerns: Habelfeldtreiben.Ingeborg Weber-Kellermann: Landleben im 19. Jahrhundert. München 1987, S. 126–131.
Wirtschaftliche Aspekte Von Ende der 1840er Jahre bis 1911 wurde in Miesbach Pechkohle gefördert. Schon vorher war das Vorkommen bekannt, weil immer wieder Stücke an die Oberfläche kamen. Zu ihrer Förderung wurde erst am heutigen Standort des Eisstadions der 34 Meter tiefe Knorrschacht eingerichtet, welcher 1892 durch den 148 Meter tiefen Neuen Schacht im Norden von Miesbach abgelöst wurde. Mit einer jährlichen Förderung von 60.000 Tonnen war das Bergwerk das kleinste Bergwerk der Oberkohle AG, welche auch in Hausham und Penzberg Bergwerke betrieb. Durch das Bergwerk erhielt Miesbach schon 1861 Eisenbahnanschluss.merkur.de, 22. September 2011: Daniela Dinstbier und Konstantin Schäffer, 100 Jahre Schließung Bergwerk: Durch Kohle groß geworden
Am 16. September 1882 war Miesbach Ausgangspunkt einer 57 Kilometer langen auf Holzmasten verlegten Gleichstromleitung nach München. Miesbach wurde als Ort der Übertragung ausgewählt, weil das (1911 aufgelassene) Bergwerk in technischer Hinsicht führend war. Mit Dampfmotor zum Antrieb wurde per Freileitung eine Gleichspannung von 1343 Volt in den Münchner Glaspalast übertragen. Mittels elektrischer Pumpe wurde ein künstlicher Wasserfall erzeugt. Damit wurde gezeigt, dass elektrische Energie über große Distanzen übertragen werden kann. Diese von Oskar von Miller und Marcel Depréz präsentierte Neuerung war die weltweit erste Kraftstromübertragung über eine derart weite Strecke.
Bedeutung hat Miesbach seit alters her als ein wichtiges Zentrum der Viehzucht. Schon 1837 hatte der Gmunder Wirt Max Obermayr mit der Zucht des Miesbacher Fleckviehs begonnen. Als 1892 der Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh entstand, war er erst der zweite seiner Art. Noch heute sind die Viehmärkte in der Oberlandhalle von überregionaler Bedeutung. mini|Historisches Bild der Wirtschaftlichen Frauenschule, später Landfrauenschule in Miesbach, 1930er Jahre
Frauenbildung
1908 wurde eine in Geiselgasteig auf Initiative von Ida von Kortzfleisch gegründete Reifensteiner Schule nach Miesbach verlegt und dort im ehemaligen Bergwerksdirektionsgebäude aufgenommen. Die für die Frauenbildung in Bayern wichtige Schule wurde mit dem Fehrhof, einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb erweitert und gab unter anderem Anlass für das Bayerische Kochbuch. Damals war es um die Kochkunst in Bayern nicht sehr gut bestellt, was die Schriftstellerin Carry Brachvogel dazu veranlasste, in einem Prospekt für die Wirtschaftliche Frauenschule die Notwendigkeit von Kochkursen zu betonen:Hans Kratzer: Sauguad. Das Bayerische Kochbuch gibt es seit 100 Jahren. Es spiegelt Küchen- und Technikgeschichte, Sprache und Zeitgeist wider. Und kochen lernt man damit auch. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 244, 23. Oktober 2015, S. R15.
Die Miesbacher Wanderlehrerinnen, oft sogenannte höhere Töchter, kamen mit mobiler Kochausrüstung in die Dörfer und unterrichteten Kochen und Hauswirtschaft. Die entsprechende Schultradition wird vom Miesbacher Berufsbildungszentrum weitergeführt. Ursula Meyer: , Reifensteiner Verband
Nach der Stadterhebung 1918 1918 wurde Miesbach durch König Ludwig III. zur Stadt erhoben.Barbara Wank und Alexander Langheiter, hrsg. vom Kulturamt Miesbach: Miesbach 100 Jahre Stadterhebung, 2018, ISBN 978-3-00-059604-9 Bekanntheit erlangte der Ort wenig später mit den nationalistischen Artikeln des Miesbacher Anzeigers.
Wie schon im Ersten Weltkrieg, war Miesbach ab 1940 wieder Garnisonstadt. 1944 wurde Wilhelm Kaffl Erster Bürgermeister. Am 2. Mai 1945 wurde die Stadt kampflos an die Amerikaner übergeben. Noch am Vortag gab es Auseinandersetzungen couragierter Bürger mit der SS. Diese hatte vorgesehen, in einer sinnlosen Tat die zentrale Johannisbrücke über die Schlierach zu sprengen, was weite Teile der Innenstadt in Mitleidenschaft gezogen hätte.
Im Jahr 1997 wurde das lange umstrittene Kulturzentrum Waitzinger Keller eröffnet.
Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinde Wies und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Parsberg (Hauptteil) und Niklasreuth eingegliedert. Die Nachbargemeinde Hausham trat Gebietsteile mit etwa 500 Einwohnern an Miesbach ab.
mini|hochkant=2.0|Einwohnerentwicklung von Miesbach von 1967 bis 2016 Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 9.770 auf 11.562 Einwohner bzw. um 18,3 %. Bevölkerungsentwicklung Jahr1961*1970*1987*199119952000200520102011*20152017 Einwohner 8.525 8.943 9.571 10.12210.54510.92711.25111.137 10.998 11.38211.477 * Datengrundlage 1961, 1970, 1987 und 2011: Volkszählung
Religionen Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 11,3 % der Einwohner evangelisch, 58,0 % römisch-katholisch und 30,7 % konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Zum Jahresanfang 2023 hatte Miesbach 12.538 Einwohner, davon 43,2 % Katholiken und 8,7 % Protestanten, während 48,1 % entweder einer anderen oder gar keiner Glaubensgemeinschaft angehörten.Bericht der Stadt Miesbach zur Bürgerversammlung 2023 Einwohnerstatistik der Stadt Miesbach Stand: 01.01.2023, abgerufen am 13. Januar 2024 Zum Jahresanfang 2025 waren von den Einwohnern 41,5 % Katholiken und 7,9 % Protestanten, während 50,6 % entweder einer anderen oder gar keiner Glaubensgemeinschaft angehörten.Bericht der Stadt Miesbach zur Bürgerversammlung 2024 Einwohnerstatistik der Stadt Miesbach Stand: 01.01.2024, abgerufen am 10. Mai 2025
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