Das Land ohne Frauen ist ein deutscher Spielfilm von 1929 aus der Übergangszeit vom Stumm- zum Tonfilm. Unter der Regie von Carmine Gallone spielten Elga Brink und Conrad Veidt die Hauptrollen.
Handlung Das Land ohne Frauen, das ist Australien im 19. Jahrhundert. Das von den britischen Kolonialherren im Aufbau begriffene, in weiten Teilen noch unbesiedelte und wenig erschlossene Land leidet unter akutem Mangel an heiratswilligen Frauen. Aus diesem Grund erlässt die britische Regierung im fernen London einen Aufruf, demzufolge sich Mädchen und junge Frauen mit Abenteuerlust melden sollen. Es kommen insgesamt 413 weibliche Personen zusammen, die sofort per Schiff auf den fünften Kontinent entsandt werden. Auch in dem Goldgräber-Camp Coolgardie, wo sich zahlreiche Glücksritter auf der Suche nach dem Fund ihres Lebens buchstäblich zu Tode schuften, werden die Frauen bereits sehnsüchtig erwartet. Um nicht ein gewaltiges Gerangel zwischen den Männern um die „besten“ Frauen loszutreten, wurde zuvor per Losentscheid einem jeden Mann ein Mädchen zugeordnet.
Eines der Mädchen aber stirbt während der mehrwöchigen Überfahrt der „Hastings“ von England nach Australien. Nun muss zwangsläufig einer der die Damen sehnsüchtig erwartenden, goldgrabenden Raubeine solo bleiben, und so beschließen die Schiffsoffiziere, dem Schicksal ein wenig nachzuhelfen. Aus Langeweile und Übermut führen die Herren an Bord daher eine erneute Verlosung durch. Dies führt dazu, dass derjenige Neu-Australier, dem die Verstorbene zugedacht war, nunmehr ein neues Mädchen erhält, und zwar Braut Nr. 68. Da dies aber bedeutet, dass derjenige Mann, für den Braut Nr. 68 bestimmt war, nunmehr weiterhin unbeweibt sein würde, liegt gewaltiger Ärger in der Luft. Bei dem um sein Weib Betrogenen handelt es sich um den Telegrafenbeamten Dick Ashton, der im westaustralischen Perth seinen Dienst verrichtet. Der ist mitnichten bereit, einfach so auf seine Zukünftige zu verzichten.
Während „sein“ Mädel, Evelyne Narnheim, den Goldgräber Steve Parker heiratet, kocht in Dick, nachdem er von der Neuverlosung an Bord erfahren hat, Wut und Eifersucht hoch. Mit einem miesen Trick, der einer unterlassenen Hilfeleistung gleicht, versucht Dick auf elegante Weise Steve loszuwerden. Ashton leitet ganz einfach einen telegrafischen Hilferuf Steves, der in einen Sandsturm gerät, nicht weiter und hofft, dass auf diese Weise Mutter Natur ihre schmutzige Arbeit zu Dicks Wohl regelt. Bald aber belastet Dick Ashton die eigene Tat, die einen Unschuldigen das Leben gekostet hat, so sehr, dass er nicht mehr weiterleben will. Er wirft sich vor einen herannahenden Zug.
Produktionsnotizen Das Land ohne Frauen entstand ab April 1929 als Stummfilm (s. u.) in den UFA-Ateliers in Berlin-Tempelhof und in den D.L.S.-Ateliers in Staaken. Die Uraufführung des Films war am 30. September 1929 im Berliner Capitol am ZooAnzeige in: Vossische Zeitung, 29. September 1929, Sonntags-Ausgabe, S. 29, am 7. November 1929 erlebte der Film in Wien seine österreichische Erstaufführung.
Arnold Pressburger und Hermann Fellner waren auch Produktionsleiter. Die Bauten schufen Hans Sohnle und Otto Erdmann. Der spätere Revuefilmspezialist Géza von Cziffra diente als Regieassistent. Die Musik Wolfgang Zellers wurde unter dessen Leitung vom Tobis-Orchester eingespielt. Für Grete Berger war dies der letzte Filmauftritt.
Auszeichnungen Die Erstzensur verlieh dem Filmdrama Das Land ohne Frauen am 27. August 1929 als Stummfilm das Prädikat „künstlerisch“. Dieselbe Auszeichnung erhielt der Film am 11. Oktober 1929 auch als Tonfilm.
Stummfilm oder Tonfilm Je nach Quelle und Sichtweise wird diese Produktion als Noch-Stummfilm oder als Schon-Tonfilm bezeichnet. Dazu ist folgendes in Gerhard Lamprechts Deutsche Stummfilme 1927 bis 1931 zu lesen: „Der Film, anfangs noch stumm gedreht, wurde mit Musik nachsynchronisiert. Die wichtigsten Spielszenen wurden synchron mit Sprache und Gesang aufgenommen, so daß er als Tonfilm uraufgeführt werden konnte. Tonsystem: Tobis, Ton: Karl Brodmerkel, Max Brink.“Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme 1927–1931. Deutsche Kinemathek e. V., Berlin, S. 572 f.
Kritiken
Karlheinz Wendtland war der Ansicht, dass der Film „dramaturgisch nicht ungeschickt, aber durch die Tonfilmeinsätze immer wieder zerrissen wirkend“ sei. Im Wesentlichen werde der Film „durch die Ausstrahlung Conrad Veidts getragen“.Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp. Sämtliche deutsche Spielfilme von 1929–1945 mit zahlreichen Künstlerbiographien Jahrgang 1929 und 1930, Verlag Medium Film Karlheinz Wendtland, Berlin, erste Auflage 1988, zweite überarbeitete Auflage 1990, S. 10, Film N4/1929. ISBN 3-926945-10-9
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Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1929 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Literaturverfilmung