Die Aprilia RS-GP ist ein Rennmotorrad, das von Aprilia entwickelt wurde und seit 2015 in der MotoGP-Klasse, der höchsten Prototypen-Kategorie der FIM-Motorrad-Straßenweltmeisterschaft, eingesetzt wird. Betreut wurde der Einsatz des Motorrades anfangs von Gresini Racing. Ab der Saison 2022 tritt Aprilia als eigenständiges Werksteam (Aprilia Racing) an. Der Saison entsprechend wird der Bezeichnung die aktuelle Jahreszahl angefügt.

Technik 2015er-Modell Das Motorrad basiert auf dem Aprilia-ART-Projekt (Aprilia Racing Team). Die ART-Maschine wiederum basierte auf der Aprilia RSV4 und wurde in der CRT-Kategorie eingesetzt. Um konkurrenzfähig zu sein, wurden einige Elemente angepasst. Unter anderem wurden Pneumatische Ventilfedern verwendet. Die Zylinder hatten eine Bohrung von 81 mm, statt 78 mm bei der RSV4.

Die Teleskopgabel vorn bestand aus Magnesium und arbeitete, wie auch die Schwinge, mit Dämpferelementen von Öhlins.

Ab dem Großen Preis von Italien 2015 in Mugello kam das sogenannte „Seamless-Getriebe“ zum Einsatz. Damit war es möglich, die Gänge ohne Zugkraftunterbrechung zu wechseln.motorsport-total.com Aprilia rüstet auf: In Mugello erstmals mit Seamless-Getriebe MotoGP-Seamless-Getriebe und Technik in der Superbike-WM

2016er-Modell Das Motorrad für die Saison 2016 wurde neu konstruiert und basierte nicht mehr auf der Aprilia RSV4. Die Leistung des neuen V4-Motors wurde mit mehr als 184 kW (250 PS) angegeben. Die Kurbelwelle rotierte entgegengesetzt zu den Rädern der Maschine. Theoretisch sollte so das Motorrad dadurch handlicher werden, da sich die Kreiselkräfte teilweise aufheben. Zusätzlich sinkt die Neigung zu einem sogenannten Wheelie.motorsport-total.com Aprilia RS-GP: Blick unter die Verkleidung Besser vorwärts – oder lieber andersherum?

2020er-Modell Für die Saison 2020 wurde der V4-Motor grundlegend überarbeitet. Dabei wurde der Bankwinkel von 72° auf 90° vergrößert, so wie bei Ducati, Honda und KTM.Vom Hinterbänkler zum WM-Anwärter: Der Aufschwung von Aprilia im Detail Dadurch entfiel die Ausgleichwelle aufgrund weniger Vibrationen bei gleichzeitig mehr Leistung und besserem Ansprechverhalten.

2022er-Modell Zum Ende der Saison 2021 wurde der Vertrag mit Gresini Racing aufgekündigt und Aprilia stieg zur Saison 2022 als Werksteam in die MotoGP-Klasse ein. Das Motorrad blieb weitestgehend gleich. Aprilia setzte als erster Hersteller auch am Heck der Maschine Flügel als aerodynamische Anbauten ein, die den Anpressdruck des Hinterrades steigern sollten.Aprilia RS-GP: Wie 2020 die Wende eingeleitet wurde

2026er-Modell Für die Saison 2026 präsentierte Aprilia eine dem F-Schacht (F-Duct) ähnliche aerodynamische Lösung. Dabei wird Luft über zwei Kanäle, die direkt über den vorderen Flügeln platziert sind, nach hinten geleitet. Der Austritt ist an der oberen seitlichen Verkleidung, genau dort, wo der Fahrer seine Unterarme platziert, wenn er auf einer Geraden unterwegs ist. Legt er die Unterarme ab, so wird der Luftfluss unterbrochen, nimmt er sie weg, wie beispielsweise beim Bremsen vor der Kurve, ist der Luftfluss wiederhergestellt und generiert den gewünschten Abtrieb. Das System soll den Luftwiderstand auf den Geraden verringern und damit eine höhere Endgeschwindigkeit ermöglichen. Die Elektronik, wie beispielsweise die Traktionskontrolle und die Aerodynamik wurden überarbeitet, um möglichst konkurrenzfähig zu sein. Die aerodynamischen Überarbeitungen sind am einfachsten an den neuen tiefer gezogenen Frontflügeln zu erkennen. Insgesamt soll die Maschine leichter zu fahren sein und somit noch besser an das Limit gebracht werden. Sowohl das Werksteam als auch das Kundenteam werden ein technisch identisches Motorrad erhalten. Pro Fahrer wurden zwei Exemplare gefertigt. Optisch bleibt es bei der klassischen Apriliafarbe schwarz mit weißen und auch violetten Streifen. Neu auf der Verkleidung ist der geflügelte Löwe (leone alato), der als historisches Wahrzeichen der Stadt Venedig auf der Maschine abgebildet ist. Im Zuge des Grand Prix von Italien in Mugello wurde Monster Energy als neuer Hauptsponsor vorgestellt. Dies sorgte auch für ein geändertes optisches Design der Maschine. Das Monster Energy Logo prangt nun gut sichtbar auf der Seitenverkleidung. Der geflügelte Löwe wanderte dafür zum Heck der Maschine. Nach der Saisonhalbzeit brachte Aprilia weitere aerodynamische Entwicklungen an der Schwinge und am Heck zum Einsatz, obwohl der Fokus zu einem großen Teil auf der Entwicklung der Prototypen für die Saison 2027 liegt

Renngeschichte 2010er Jahre 2015 Die erste Saison mit der Maschine begann Aprilia mit den Fahrern Álvaro Bautista und Marco Melandri. Einsatzteam war dabei das italienische Team Gresini Racing, welches zuvor langjähriges Kundenteam von Honda gewesen war. Wegen anhaltend enttäuschender Ergebnisse wurde Melandri beim Großen Preis von Deutschland durch Michael Laverty ersetzt. Wegen Problemen mit seinem Arbeitgeber Forward Racing kündigte Stefan Bradl zur Mitte der Saison seinen Vertrag dort und ersetzte ab dem Großen Preis von Indianapolis Melandri bei Aprilia.

2016 Die zweite Saison der RS-GP bestritten die Fahrer Álvaro Bautista und Stefan Bradl.

2017 Zur Saison 2017 wurden mit dem Briten Sam Lowes, der aus der Moto2-Klasse aufstieg, und dem Spanier Aleix Espargaró, der vorher für Suzuki gefahren war, zwei neue Fahrer unter Vertrag genommen.

2018 Für die Saison 2018 wurde mit Scott Redding ein neuer Fahrer als Ersatz für Sam Lowes verpflichtet. Aleix Espargaró blieb dem Team erhalten.

2019 Nach einer Saison wurde Redding durch den Italiener Andrea Iannone ersetzt. Dieser war zuvor bei Suzuki unter Vertrag gewesen.

2020er Jahre 2020 Ursprünglich wollte Aprilia weiterhin mit der Kombination Espargaró/Iannone antreten. Aufgrund der Dopingsperre von Iannone Ende 2019 wurde der Brite Bradley Smith als Stammfahrer verpflichtet, der im Jahr zuvor schon einige Wildcard-Einsätze für das Team absolviert hatte. Nach elf Rennen wurde Smith durch den Italiener Lorenzo Savadori ersetzt. Dieser bestritt die letzten drei Rennen der verkürzten Saison.

2021 mini|Aleix Espargaró auf der Aprilia RS-GP21 während des Deutschland GP 2021 Mit dem dritten Platz von Aleix Espargaró beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone erreichte Aprilia die erste Podiumsplatzierung in seiner MotoGP-Geschichte. Mit Maverick Viñales war zur Mitte der Saison ein neuer Fahrer verpflichtet worden, der Lorenzo Savadori ersetzte. Dieser blieb dem Team als Testfahrer erhalten.

2022 Ab der Saison 2022 trat Aprilia als Aprilia Racing als eigenständiges Team in der MotoGP-Klasse an. Aleix Espargaró gelang beim Großen Preis von Argentinien der erste Sieg für Aprilia in der MotoGP-Klasse. Er beendete die Saison als WM-Vierter mit der besten Platzierung seine Karriere in der MotoGP-Klasse und hatte sieben Punkten Rückstand auf WM-Rang drei.

2023 Die Fahrerpaarung Espargaró/Viñales blieb für 2023 erhalten. Viñales kam am Beginn der Saison besser mit der Maschine zurecht als Espargaró. Espargaró gewann zu Saisonmitte die Rennen in Großbritannien und Katalonien. Durch Platz zwei von Viñales in Barcelona schaffte Aprilia zudem den ersten Doppelsieg in der MotoGP-Klasse.

Zusätzlich zu den beiden Werksmaschinen wurden erstmalig auch Maschinen für ein Kundenteam hergestellt. Das RNF MotoGP Racing Team wechselte, nachdem es aus der Auflösung des Petronas Sepang Racing Team hervorgegangen war, von Yamaha zu Aprilia.

2024 Die Saison 2024 verlief für Aprilia wechselhaft. Einerseits gelang Viñales beim Grand Prix of The Americas in Austin sein erster und einziger Sieg für Aprilia und der einzige nicht-Ducati-Sieg der Saison. Andererseits war man nicht in der Lage, den Konkurrenten Ducati ernsthaft zu fordern. Aleix Espargaró trat seine letzte Saison für Aprilia an, nachdem er beim Großen Preis von Katalonien seinen Rücktritt als aktiver Stammfahrer in der MotoGP verkündet hatte.Aleix Espargaro erklärt Rücktritt: Am Ende der MotoGP-Saison 2024 ist Schluss Er war seit 2017 für Aprilia aktiv gewesen und beendete seine letzte Saison ohne Podiumsplatzierung auf Rang elf der Gesamtwertung. Ihm gelang es dennoch den Sprint zu seinem Heim-Grand-Prix in Katalonien zu gewinnen. Viñales gab überraschend ebenfalls seinen Abgang zu Saisonende bekannt. Er wechselte zu KTM und wurde im Gesamtklassement Siebter.Maverick Vinales verrät: Beim MotoGP-Wechsel von Aprilia zu KTM auf Instinkt gehört Das neue, US-amerikanische, Kundenteam Trackhouse Racing Team übernahm den Startplatz von RNF Racing, nachdem dieses nicht für die Saison 2024 zugelassen worden war.Schock: MotoGP wirft RNF raus! Neues Aprilia-Team für 2024 ausgeschrieben

2025 mini|Marco Bezzecchi auf der RS-GP25 beim Malaysia-Grand-Prix 2025 Für die Saison 2025 wurden der amtierende Weltmeister Jorge Martín und der Italiener Marco Bezzecchi als Fahrer verpflichtet. Das Trackhouse Racing Team startete weiter als Aprilia-Kundenteam und verpflichtete den amtierenden Moto2-Weltmeister Ai Ogura als neuen Fahrer neben Raúl Fernández. Alle vier eingesetzten Maschinen entsprachen technisch der gleichen Ausbaustufe. Nach schwierigen Saisonstart war man ab Saisonmitte konkurrenzfähig und Bezzecchi erreichte in Großbritannien seinen ersten Sieg. Martín hatte mit seiner schweren Verletzung aus den Testfahrten zu Beginn der Saison zu kämpfen und musste die ersten drei Rennen auslassen. Er fiel durch einen Sturz beim Rennen in Katar erneut für längere Zeit aus und wurde erneut von Testfahrer Savadori vertreten. Sein Comeback gab Martín beim Grand Prix von Tschechien in Brünn. Bezzecchi fuhr in Portugal und Spanien zwei weitere Siege ein, dazu kamen drei Sprintsiege. Trackhouse-Pilot Raúl Fernández feierte seinen ersten Sieg in der MotoGP-Klasse beim Grand Prix von Australien. Martín fiel durch einen Sturz in Japan erneut aus und trat erst wieder beim letzten Rennen in Valencia an. Aprilia schloss die Saison auf Rang zwei in der Konstrukteurswertung ab. Bezzecchi erreichte mit WM-Rang drei das beste Ergebnis eines Aprilia-Fahrers seit dem Werkseinstieg 2022.

2026