Josef Fränkel (geboren am 26. Mai 1920 in Alwernia, Polen; gestorben am 31. Januar 1994 in Darmstadt) war ein deutscher Ingenieur und Vorsitzender der nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererrichteten Jüdischen Gemeinde in Darmstadt.
Leben Josef Fränkel wuchs in Alwernia bei Krakau auf. Nach seinem Abitur und Verschleppung überlebte er verschiedene Zwangs- und Konzentrationslager. Seine Frau Johanna (geboren als Johanna Hornung am 13. Dezember 1925 in Beuthen O.S.)Siehe die Zuzugsgenehmigung für Johanna Fränkel zum Studium nach Darmstadt auf She’erit Haplejta, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt lernte er im KZ Groß-Rosen kennen. Nach der Befreiung 1945 wurde dem schwer lungenkranken Fränkel und seiner Frau die Einreise in die USA verwehrt.Marc Mandel: Ein Koffer voller Geschichten, Jüdische Allgemeine, 7. Februar 2013Astrid Ludwig: Jüdische Gemeinde: Vom Leben in der zweiten Heimat, Frankfurter Rundschau, 19. Juni 2009 Er studierte von 1946 bis 1950 Maschinenbau an der TH Darmstadt und schloss das Studium als Diplomingenieur ab. Ab 1949 war er Mitglied der Jüdischen Studentenvereinigung Darmstadt.... wohnen auf der verfluchten deutschen Erde. Jüdisches Leben in Südhessen nach 1945, She’erit Haplejta: Liste der Vereinigung jüdischer Studenten an der TH Darmstadt, abgerufen am 30. Januar 2017
Er arbeitete bis 1976 als Maschinenbauingenieur bei der Maschinenfabrik Pittler in LangenPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen: Anfang, Untergang, Neubeginn. Band 1, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1971, ISBN 978-3-797-30213-7. S. 130 und entwickelte eine Reihe von Patenten für das Unternehmen.Patent-Nummern DE000002233163C3, DE000002233163B2, DE000002233163A, DE000002232715C3, DE000002232715B2, DE000002232715A, DE000002232715A
Von Anfang der 1950er Jahre bis zu seinem Tod hatte er den Vorsitz der Jüdischen Gemeinde Darmstadt inne. Er war neben dem damaligen Darmstädter Oberbürgermeister Ludwig Engel Mitunterzeichner der Gründungsurkunde der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Darmstadt vom 10. November 1954.Franz: Juden als Darmstädter Bürger, S. 302David Gower, Udo Steinbeck: Jüdische Spuren in Darmstadt, Band 2, S. 4 Seine besondere Aufgabe sah er zunächst darin, sich um die sogenannten Displaced Persons, die es nach Darmstadt verschlagen hatte, zu kümmern und ein jüdisches Leben in der Stadt überhaupt wieder möglich zu machen. Da die Jüdische Gemeinde lange Zeit nur in einem Provisorium in der Darmstädter Osannstraße untergebracht war, engagierte er sich für den Neubau einer Synagoge in der Stadt. Diese konnte am 9. November 1988 eingeweiht werden. Josef Fränkel war einer der Festredner. Mit Josef Fränkel als Vorsitzendem erlebte so das jüdische Leben in Darmstadt einen neuen Auftrieb.Gabriella Deppert: Fränkel, Josef, in: Stadtlexikon Darmstadt Seinem Wirken ist die Einrichtung eines Museums zur jüdischen Geschichte in der Stadt 1991 zu verdanken.
In der jüdischen Gemeinschaft wurde er im Nachruf neben dem Offenbacher Max Willner und dem Erfurter Rafael Scharf-Katz als prominente Gründungs-Persönlichkeit der jüdischen Gemeinschaften in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gewürdigt.David Singer, Ruth R, Seldin: Jewish Year Book 1996, darin: Deidre Berger: Federal Republic of Germany, Volume 96, New York 1996, ISBN 0-87495-110-0, S. 299
Josef und Johanna Fränkel hatten einen Sohn (geboren 1955)Jüdische Gemeinde, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt und eine Tochter, die Künstlerin Ritula Fränkel (1952–2015), Stadt Darmstadt, abgerufen am 28. Januar 2017. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Darmstadt-Bessungen.
Würdigung Vom 20. Oktober bis 28. Dezember 1998 fand im Haus der Geschichte am Karolinenplatz eine Ausstellung des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt zum Thema "...wohnen auf der verfluchten deutschen Erde" – Jüdisches Leben in Südhessen nach 1945 statt, die sich mit den DP-Lagern in Lampertheim, Lindenfels, Bensheim, Dieburg und Babenhausen nach 1945 sowie den Anfängen der Jüdischen Gemeinde Darmstadt befasste. Sie ist als digitales Archiv online abrufbar. Die Person Josef Fränkel und sein Wirken nimmt darin einen bedeutenden Platz ein.Dietrich Kohlmannslehner: "...wohnen auf der verfluchten deutschen Erde". Jüdisches Leben in Südhessen nach 1945. Ausstellung im Haus der Geschichte, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt 1998
Thomas Lange, Herausgeber von Judentum und jüdische Geschichte im Schulunterricht nach 1945, widmete den ersten Beitrag des Sammelwerks explizit dem Gedenken an Josef Fränkel.Thomas Lange (Hrsg.): Judentum und jüdische Geschichte im Schulunterricht nach 1945, Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar 1994, ISBN 3-205-98245-2. S. 34
Veröffentlichungen (Hrsg.) Eva Reinhold-Postina, Moritz Neumann: Das Darmstädter Synagogenbuch. Eine Dokumentation zur Synagogen-Einweihung am 9. November 1988. Im Auftrag des Magistrats der Stadt Darmstadt und der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, Verlag Roether, Darmstadt 1988, ISBN 978-3-792-90165-6. Darin: Mit Moritz Neumann: Neues jüdisches Leben nach der Katastrophe. S. 24–35 Die Darmstädter Synagoge ist mehr als eine bloße Baumaßnahme. S. 73–81 Josef Fränkel: Ansprache zur Einweihung der Synagoge, In: Presse- und Informationsamt Darmstadt: Die Bürgerschaft gibt der jüdischen Gemeinde eine Synagoge zurück: Einweihung der Synagoge in Darmstadt – 9. November 1989, , Darmstadt 1989, S. 8–12
Literatur Martin Frenzel: "Eine Zierde unserer Stadt": Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Liberalen Synagoge Darmstadt, Hrsg.: Magistrat der Stadt Darmstadt, Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-873-90259-6. S. 112 f., S. 214 f. Eckhart G. Franz: Juden als Darmstädter Bürger. Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1984, ISBN 978-3-792-90139-7, S. 191–195, S. 299, S. 302.
Weblinks
Gabriella Deppert: Fränkel, Josef, in: Stadtlexikon Darmstadt, abgerufen am 26. Januar 2017 Marc Mandel: Ein Koffer voller Geschichten, Jüdische Allgemeine, 7. Februar 2013 Dietrich Kohlmannslehner: "...wohnen auf der verfluchten deutschen Erde". Jüdisches Leben in Südhessen nach 1945. Ausstellung im Haus der Geschichte, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt 1998 (mit einem Foto von Johanna und Josef Fränkel 1945 She’erit Haplejta)
Einzelnachweise
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