Die Leptonectidae stellen eine Familie der Neoichthyosauria dar. Sie treten zum ersten Mal im Rhaetium (Obertrias) von England auf und werden zum letzten Mal im Toarcium (Unterjura) von Süddeutschland nachgewiesen.M. W. Maisch: Phylogeny, systematics, and origin of the Ichthyosauria – the state of the art. In: Palaeodiversity 3, 2010, S. 151–214.M. W. Maisch, A. T. Matzke: The Ichthyosauria. In: Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie B (Geologie und Paläontologie) 298, 2000, S. 1–159. Es handelt sich um mittelgroße, bis zu 6 Meter lange Ichthyosaurier aus Europa. Zu dieser Familie gehören die Gattungen Leptonectes, Excalibosaurus und Eurhinosaurus. Die Familie der Leptonectidae wurde 1998 von Maisch aufgestellt.
Merkmale Diese monophyletische Gruppe weist charakteristische gemeinsame Merkmale auf. So besitzen ihre Mitglieder longipinnate Flossen mit 3 bis 4 primären Fingerstrahlen. Ober- und Unterkiefer sind stark verlängert und schmal. Einige Mitglieder dieser Familie haben einen ausgeprägten Überbiss. Die Augenhöhlen sind extrem groß und die Wangenregion reduziert. Die Temporalfenster sind klein, die Zähne sind klein, spitz, schmal und haben eine glatte Oberfläche. Motani listet folgende Charakteristika als diagnostisch für die Leptonectidae auf:R. Motani: Phylogeny of the Ichthyopterygia. In: Journal of Vertebrate Paleontology 19 (3), 1999, S. 473–496.
Wange posterolateral ausgerichtet, in seitlicher Ansicht schmal extrem schlanke Schnauze kleine Zähne (im Verhältnis zum Schädel) Tibia und Fibula sind getrennt Maisch definiert die Leptonectidae in dieser Weise: longipinnate, verlängerte, schmale Flossen vier, der drei Finger sind sehr lang und schmal Tendenz zum Überbiss große Augenhöhlen und kurzes postorbitales Schädelsegment reduzierte Temporalfenster (halb so groß wie die Augenhöhle) Schmale und spitze Zähne, ohne Skulpturierung
Paläoökologie Es ist anzunehmen, dass Vertreter der Leptonectidae keine Hochseeform der Ichthyosaurier darstellen. Ihr insgesamt eher schwächer ausgeprägter Schwanzknick, das Verhältnis der Vorder- zu den Hinterflossen und der im Vergleich zu höheren Ichthyosauriern eher weniger starre Körperbau, welcher einen agileren und flexibleren Bewegungsablauf zuließen, deuten auf eine eher küstennahe Lebensweise hin.E. A. Buchholtz: Swimming styles in Jurassic Ichthyosaurs. In: Journal of Vertebrate Paleontology 21, Nr. 1, 2001, S. 61–73.J. Riess: Fortbewegungsweise, Schwimmbiophysik und Phylogenie der Ichthyosaurier. In: Palaeontographica Abteilung A 192, Nr. 4–6, 1986, S. 93–155.
Taxonomie Die folgende Taxonomie ist aus Maisch (2010) entnommen.M. W. Maisch: Phylogeny, systematics, and origin of the Ichthyosauria – the state of the art. In: Palaeodiversity 3, 2010, S. 151–214. mini|rechts|Leptonectes tenuirostris im Natural History Museum in London mini|rechts|Excalibosaurus costini im Hintergrund zu sehen
Minordnung Parvipelvia Familie Hudsonelpidiidae Familie Macgowaniidae Subordnung Neoichthyosauria Familie Temnodontosauridae Familie Leptonectidae Familie Suevoleviathanidae Infraordnung Thunnosauria
Phylogenie Die Leptonectidae sind nah verwandt mit den Temnodontidae und den Suevoleviathanidae.M. W. Maisch: Neue Exemplare der seltenen Ichthyosauriergattung Suevoleviathan MAISCH 1998 aus dem unteren Jura von Südwestdeutschland. In: Geologica et Paleontologica 35, 2001, S. 145–160. Das folgende Kladogramm stellt die Beziehungen innerhalb der Leptonectidae und ihrer Schwestergruppen dar.R. D. Marek, B. C. Moon, M. Williams, M. J. Benton: The skull and endocranium of a Lower Jurassic Ichthyosaur based on digital reconstructions. In: Palaeontology 58, 2015, S. 723–742.
Geographische Verbreitung Arten der Familie Leptonectidae werden in diversen Regionen Europas aufgefunden. Die Verbreitung reicht von Südengland, über Deutschland, Luxemburg, Österreich, Belgien und Frankreich bis in die nördliche Schweiz.A. G. Reisdorf, M. W. Maisch, A. Wetzel: First record of the leptonectid ichthyosaur Eurhinosaurus longirostris from the Early Jurassic of Switzerland and its stratigraphic framework. In: Swiss Journal of Geosciences 104, Nr. 2, 2011, S. 211–224, doi:10.1007/s00015-011-0069-x.E. Stüber: Aus dem Haus der Natur. In: Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg 14, 1998, S. 5–10.
Stratigraphie und zeitlicher Horizont Die Familie der Leptonectidae tritt zum ersten Mal mit der Gattung Leptonectes in den prä-planorbis Schichten des Rhaetium (Obertrias) des südlichen Englands auf.C. McGowan: A revision of the Longipinnate Ichthyosaurs of the Lower Jurassic of England, with descriptions of two new species (Reptilia: Ichthyosauria). In: Life Science Contribution 97, 1974, S. 1–37. Die jüngsten Fossilien dieser Familie gehören der Gattung Eurhinosaurus an und wurden in der bifrons/variabilis-Grenzzone im Mittleren Toarcium der Schweiz nachgewiesen.
Quellen und Verweise Literatur Christopher McGowan, Ryosuke Motani: Ichthyopterygia In: Handbook of Paleoherpetology, Part 8, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 2003.
Einzelnachweise
Kategorie:Ichthyosauria (Ichthyosaurier) Kategorie:Ichthyosauria