Paramylodon ist eine ausgestorbene Gattung der Faultiere und gehört zur ebenfalls erloschenen Familie der Mylodontidae. Es war ein großes, bodenlebendes Faultier, das hauptsächlich im Pleistozän vor rund 1,8 Millionen Jahren bis vor etwa 11.000 Jahren in Nordamerika lebte. Die Gattung ist über zahlreiche Fossilfunde belegt, ihre Anzahl nahm in der Spätphase des Auftretens sichtlich zu. Sie stammen überwiegend aus dem Süden der heutigen Vereinigten Staaten, im westlichen Bereich streuen sie aber auch bis in den Süden von Kanada. Einen herausragenden Fundplatz stellen die Asphaltgruben von Rancho La Brea bei Los Angeles in Kalifornien dar, wo die Gattung recht häufig belegt ist. Anhand der Fossilreste lässt sich eine Länge der Tiere von knapp 280 cm und ein Gewicht von gut 1,4 t rekonstruieren.

Aufgrund der teils sehr guten Fossilerhaltung ist bei den Tieren die für die Mylodonten typische Körperpanzerung in Form von Osteodermen überliefert. Zudem lässt sich ein geschlechtsspezifischer Unterschied im Schädelbau nachweisen. Den Funden zufolge lebten die Vertreter von Paramylodon in offenen Landschaften, teilweise auch in gebirgigen Lagen und ernährten sich höchstwahrscheinlich grasfresserisch oder von gemischter Pflanzenkost. Einmalige Spurenfossilien geben darüber hinaus Auskunft über die Fortbewegung der Tiere, die vierfüßig erfolgte. Zudem kann aufgrund der Gestaltung der Vordergliedmaßen auch eine gewisse grabende Lebensweise nicht ausgeschlossen werden.

Innerhalb der Gattung ist mit Paramylodon harlani nur eine Art anerkannt. Die ersten Fossilfunde stammen bereits aus dem Beginn der 1830er Jahre. Sie gehen auf Richard Harlan zurück, zu dessen Ehre die Art benannt wurde. Die Gattung Paramylodon führte Barnum Brown zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Insgesamt blickt der Faultiervertreter auf eine wechselvolle Forschungsgeschichte zurück. In deren ersten 150 Jahren wurden die heute Paramylodon zugeschriebenen Funde, später die Gattung selbst, immer wieder mit anderen Formen in Verbindung gebracht, zuerst mit Mylodon, seit den 1950er Jahren aber zunehmend mit Glossotherium. Vor allem mit letzterer Gattung verbindet Paramylodon zahlreiche Merkmale, die für eine enge Verwandtschaft sprechen. Erst seit den 1990er Jahren gelten beide Gattungen als eigenständig, wobei Glossotherium auf Südamerika beschränkt ist, während Paramylodon Nordamerika bewohnte.

Merkmale Körpergröße Paramylodon ist vor allem aufgrund der Funde aus Rancho La Brea in Kalifornien in reichhaltiger Zahl überliefert. Das dort geborgene Material von mehreren Dutzend Individuen diente als Basis zahlreicher Untersuchungen, auf die sich die folgenden beschreibenden Angaben weitgehend berufen. Die Faultiergattung war ein mittelgroßer Vertreter der Mylodontidae. Ein vollständig rekonstruiertes Skelett aus Rancho La Brea besitzt eine Gesamtlänge von 279 cm, wovon der Schwanz etwa 118 cm einnimmt. An den Schultern erreicht es eine Höhe von 112 cm, am Becken misst es 122 cm. Das Gewicht für diese späten Angehörigen des Oberen Pleistozäns wird mit rund 1,39 t angegeben, frühere Formen waren aber durchaus kleiner. Insgesamt stellte Paramylodon ein robust gebautes Tier dar. Es zeichnete sich durch einen langgestreckten Schädel, einen kurzen Nacken, einen kurzen und kompakten Körper mit breitem Becken sowie kräftigen Gliedmaßen und Schwanz aus.

Schädel- und Gebissmerkmale mini|Schädel von Paramylodon Der Schädel von Paramylodon war langschmal. Er erreichte eine Gesamtlänge von 42,9 bis 49,8 cm, ermittelt an etwa einem Dutzend Exemplaren. Ein besonders großer Schädel maß 54,0 cm. In der Aufsicht besaß er eine eher rechteckige Form mit einer durchschnittlichen Breite am Hinterhauptsbein von 18,8 cm, hinter den Augen von 12,2 cm und an der Schnauze von 14 cm. Typisch für zahlreiche Mylodonten war die sich nach vorn kontinuierlich verbreiternde Schnauze. Der Schädel zeigte sich aber insgesamt als deutlich schmaler als beim vergleichbar großen Glossotherium, letzteres wies in Seitenansicht an der Stirnlinie eine domartige Aufwölbung auf, die bei Paramylodon nicht auftrat. Allerdings war der Schädel von Paramylodon mit Ausnahme des mittleren Bereichs (der domartigen Aufwölbung bei Glossotherium) durchschnittlich höher, so maß er am Hinterhaupt rund 13,8 cm, an der Schnauze 13 cm. Das Nasenbein befand sich seitlich im Kontakt mit dem Oberkiefer. Dadurch entstand ein seitlich geschlossener und nur nach vorn geöffneter Naseninnenraum, der etwa so hoch wie breit wurde, was dem insgesamt schmaleren Schädel geschuldet war. Der Mittelkieferknochen war, typisch für die Faultiere, nur locker mit dem Oberkiefer verbunden. Am Stirnbein ragte das Nasenbein weit nach hinten, sodass die Naht zwischen den beiden Schädelknochen eher V-förmig verlief. Zudem stellte das Stirnbein den größten Knochen des gesamten Schädels dar. Zwischen den Scheitelbeinen bestand ein kräftiger Scheitelkamm, der jedoch wesentlich schmaler erschien als im Vergleich zu Glossotherium. Die Jochbögen waren abweichend von den meisten Faultieren sekundär wieder geschlossen. Der vordere, vom Jochbein ausgehende und nach hinten zeigende Bogenteil wies drei Fortsätze auf, von denen einer nach oben, einer nach unten und der mittlere horizontal orientiert war. Der hintere, am Schläfenbein ansetzende Bogenabschnitt besaß eine fingerförmige Gestalt und verband sich mit dem mittleren Fortsatz des vorderen Bogenabschnitts. Auf der Schädelunterseite ragte das Gaumenbein bei Paramylodon deutlich weiter nach hinten als bei Glossotherium, was durch die längere Ausdehnung des Knochens hinter dem letzten Backenzahn verursacht wurde. Wie bei vielen Mylodonten waren die beiden Flanken des Flügelbeins deutlich aufgebläht. Bei Paramylodon zeigte sich dies aber nicht ganz so deutlich wie bei Glossotherium, sodass die aufgewölbten Strukturen wesentlich weiter durch das Basisphenoid des Keilbeins auseinanderstanden.

Der Unterkiefer erreichte nach Analyse von gut zwei Dutzend Objekten Längen von 31,5 bis 43,6 cm. Er war massiv gebaut und breit. Der horizontale Knochenkörper nahm kontinuierlich von vorn nach hinten an Höhe zu, unter dem hintersten Zahn betrug seine Höhe bis zu 10,5 cm. Die robuste Symphyse wurde bis zu 11 cm lang und war – typisch für Mylodonten – breit. Sie zog nach vorne aus, was ein Kennzeichen fast aller Faultiere ist. Diese löffelartige Verlängerung der Symphyse kragte bei Paramylodon seitlich nicht so deutlich auseinander wie bei Glossotherium, sodass die Seitenkanten eher gerade verliefen und weniger deutlich geschwungen waren als bei Letzterem. Die Breite der Symphyse im vorderen Bereich betrug bis zu 15 cm. Der Gelenkfortsatz überragte die Kauebene nur unwesentlich, der Kronenfortsatz war deutlich höher. Seine Vorderkante verlief bei Paramylodon in einer geraden Linie, abweichend von der gebogenen Gestaltung bei Glossotherium. Das Gebiss bestand, wie allgemein üblich bei den Faultieren, aus 5 Zähnen je Oberkieferhälfte und 4 Zähnen je Unterkieferhälfte, insgesamt waren also 18 Zähne ausgebildet. Die jeweils vordersten Zähne hatten eine eckzahnartige (caniniforme) Gestalt, die übrigen waren molarenartig (molariform). Die Gebissstruktur gilt als stammesgeschichtlich urtümlich innerhalb der Faultiere. Allerdings waren bei den späteren Vertretern von Paramylodon die oberen caniniformen Zähne häufig reduziert, sodass das Gebiss dann aus nur 16 Zähnen bestand. Eine ähnliche Zahnreduktion ist bei Glossotherium nicht bekannt. Bei Mylodon hingegen waren die vordersten Zähne im Obergebiss ebenfalls nicht mehr ausgebildet, die unteren caniniformen Zähne ähnelten hingegen den hinteren Backenzähnen. Die caniniformen Zähne besaßen bei Paramylodon einen ovalen Querschnitt und waren nach hinten gekrümmt. Sie erreichten aber nicht die Größe wie bei Glossotherium oder gar bei Lestodon. Zur hinteren Zahnreihe bestand ein kurzes Diastema. Die molarenartigen Backenzähne hatten eine flache Gestalt mit einem etwas erhöhtem Rand. Sie besaßen im Umriss eine zweilappige Form mit starker mittlerer Einschnürung, außer dem ersten Oberkieferbackenzahn, der eher rechteckig geformt war und mit einer durchschnittlichen Länge von 3,7 cm den längsten Zahn im Oberkiefer bildete. Beim zweiten oberen Backenzahn zeichnete sich die lappenartige Struktur wesentlich deutlicher ab als bei Glossotherium. Allen Zähnen fehlte typischerweise der Zahnschmelz, vielmehr bestanden sie aus einer härteren Variante des Zahnbeins (Orthodentin), zusätzlich gab es noch eine äußere Schicht Zahnzement. Der Anteil des Orthodentins erreichte bei Paramylodon 28 %. Die obere Zahnreihe wurde durchschnittlich 14,4 cm lang, wovon die hinteren Backenzähne 12,6 cm einnahmen. Aufgrund der sich nach vorn verbreiternden Schnauze verliefen die Zahnreihen divergierend zueinander.

Körperskelett mini|Reste des Körperskeletts von Paramylodon Vor allem das umfangreiche Fundmaterial aus Rancho La Brea erlaubt eine umfassende Rekonstruktion des Körperskeletts. Die Wirbelsäule setzte sich aus 7 Hals-, 16 Brust- 8 bis 9 Lenden- und Kreuzbein- sowie 21 Schwanzwirbeln zusammen. Der Oberarmknochen war massiv, die Länge betrug 46 cm und der Kopf hob sich nicht sonderlich deutlich ab. Eine markante Knochenleiste (deltopectorale Leiste) saß am Humerusschaft an, war aber im oberen Teil weniger prominent ausgebildet als bei Glossotherium. Das untere Gelenkende kragte seitlich weit aus. Ein Foramen entepicondylaris, das gelegentlich bei einigen Faultieren vorkam, war hier nicht ausgebildet. Die Elle besaß einen stark ausgedehnten oberen Gelenkfortsatz, das Olecranon. Er wurde etwa 20 cm lang, der gesamte Knochen erreichte 40 cm Länge. Der Bau der Elle wirkte kürzer und robuster als bei Glossotherium, der Schaft war breit und oben vorn und hinten verschmälert. Ebenso war die Speiche kurz und massiv bei einer Länge von 29,6 cm. Den längsten Knochen repräsentierte der Oberschenkelknochen mit rund 54,6 cm. Sehr kurze Exemplare aus Rancho La Brea maßen nur 51 cm, sehr lange 58 cm. Markant war die bei den Bodenfaultieren typische, flache und breite Gestaltung, sodass der Knochen fast brettartig wirkte. Der Kopf erhob sich nur wenig von der Oberfläche und hatte eine mehr nach innen gerichtete Lage. Der Schaft war leicht nach innen gedreht, ein dritter Trochanter als Muskelansatzstelle, der bei Lestodon auftrat, war bei Paramylodon nicht sichtbar. Mit einer Länge von 24,6 cm war das Schienbein deutlich kürzer als der Oberschenkelknochen. Dies ist ein typisches Merkmal der Mylodonten, bei deren überwiegend späten Vertretern der untere Abschnitt des Hinterbeins häufig nur etwa die Hälfte der Länge des oberen erreichten. Im Falle von Paramylodon wies die Tibia 45 % der Femurlänge auf. Ihr Schaft war wie der des Oberschenkelknochens abgeplattet und wies ebenso eine leichte Drehung auf. Das obere Gelenkende war seitlich ausladend, die Breite hier erreichte etwa drei Viertel der Länge des Gesamtknochens. Das Wadenbein war nicht mit dem Schienbein verwachsen, es wurde 26,3 cm lang.

mini|hochkant|Skelett von Paramylodon mit sichtbaren Händen