Die Gleaves-Klasse war eine Zerstörerklasse, die im Zweiten Weltkrieg von der United States Navy eingesetzt wurde.
Typschiff war die USS Gleaves (DD-423). Die Klasse bestand aus 66 Schiffen, die von Gibbs & Cox geplant und konstruiert und in den Jahren 1938 bis 1943 in Dienst gestellt wurden.
Die Gleaves-Klasse ergänzte die Benson-Klasse. Diese Gleaves-Zerstörer wurden von Gibbs & Cox nach denselben Bauplänen wie die Benson-Klasse konstruiert und unterschieden sich äußerlich nur durch die runden Schornsteine, die bei den Bensons flache Seiten aufwiesen. Deshalb findet sich in der Literatur auch gelegentlich der Ausdruck Benson-/Gleaves-Klasse.
Zu Beginn des Pazifikkrieges, also dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, waren erst zwölf der 66 Schiffe der Gleavesklasse im Dienst und sechs im Bau. Um die Zeit bis zur Serienreife der Fletcher-Klasse zu überbrücken, wurden weitere 48 Schiffe beschleunigt gebaut.
Diese 66 Schiffe wurden auf verschiedenen Werften produziert:Bath Iron Works in Bath (Maine) lieferte das Typschiff sowie noch sieben weitere Schiffe,Federal Shipbuilding and Drydock Company in Kearny (New Jersey) mit 26 Schiffen den größten Anteil,Seattle Tacoma Shipbuilding Corporation in Seattle lieferte zehn Exemplaresowie fünf Werften der US Navy:Boston mit zehn Schiffen,Charleston mit sieben Schiffen,Philadelphia Naval Shipyard mit zwei Schiffen,Norfolk Naval Shipyard mit zwei Schiffen undPuget Sound in Bremerton (Washington) mit einem Schiff.
Antrieb Der Antrieb der Gleaves- und der Benson-Klasse ist identisch, lediglich die Form der Schornsteine variiert (Runder Querschnitt der Gleavesklasse gegen fast ovalen Querschnitt bei der Bensonklasse). Beim Bau der 48 Schiffe der Finanzjahre 41 und 42 kam es zu kleineren Konstruktionsanpassungen, abweichend von den Anpassungen der Schiffe der Bensonklasse.Bauer and Roberts, S. 188–191.
Beide Klassen verfügten über vier Kessel von Babcock & Wilcox, die Dampf von 454 °C (ursprünglich waren nur 400 °C geplant) bei einem Druck von 4.100 kPa produzierten. Der Dampf wurde auf zwei Westinghouse-Turbinen geleitet, die über ein Getriebe mit zweifacher Untersetzung zwei Propeller antrieben.
Bewaffnung
Auslieferungszustand der ersten Schiffe bis DD-453
5-Zoll- bzw. 127-mm-Geschütze Die Schiffe dieser Klasse wurden mit fünf Mehrzweckkanonen mit einem Kaliber von 127 mm ausgerüstet, die in Einzeltürmen eingebaut waren und durch ein radargestütztes Mark 37 Gun Fire Control System gesteuert wurden. Die Geschützrohre waren 5,68 m lang und wogen 1,8 Tonnen. Der gesamte Turm hatte ein Gewicht von 18,5 Tonnen. Die Schwenkgeschwindigkeit lag bei den von Ford Motor Company gebauten Türmen bei 28,75° pro Sekunde, die Türme von General Electric schwenkten mit 30° pro Sekunde.
mini|links|5-Zoll-Geschütztürme Zur Bedienung befanden sich neun Besatzungsmitglieder in jedem Turm, vier weitere im Munitionsraum unter dem Geschütz, wohin die Granaten mit einem Aufzug aus dem Magazin im Schiffsrumpf befördert wurden. Das Geschütz musste von Hand geladen werden, dies konnte aber bei jedem Winkel geschehen, was die Feuergeschwindigkeit erhöhte.
Die Kadenz lag normalerweise bei 15 bis 20 Schuss pro Minute, gut eingespielte Mannschaften erreichten bis zu 30 Schuss pro Minute. Verschossen wurden entweder Mark-49-Splittergranaten zur Flugabwehr oder panzerbrechende Mark-46-Granaten. Bei einer Entfernung von zehn Kilometern konnten die 24,5 kg schweren panzerbrechenden Granaten, die das Geschützrohr mit 792 m/s verließen, noch bis zu 51 mm Rumpfpanzerung durchschlagen, ihre maximale Reichweite betrug bei 45° Rohrüberhöhung über acht Seemeilen. Die 25 kg schweren Luftabwehrgranaten hatten bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 762 m/s eine Gipfelhöhe von fast zwölf Kilometern. Nach dem Feuern lief das Rohr um bis zu 38 cm zurück, bevor es hydraulisch gedämpft wurde.Terzibaschitsch: Kampfsysteme der U.S. Navy. Koehler Verlagsgesellschaft, Hamburg 2001, ISBN 3-7822-0806-4, S. 16ff.
Torpedorohre Zum Einsatz gegen Schiffe befanden sich zehn 21-Zoll-(533-mm-)Torpedorohre in zwei drehbaren Fünfergruppen auf den Aufbauten mittschiffs. Die Torpedos wogen 1.004 kg und besaßen einen 353-kg-Sprengkopf mit Aufschlagzünder. Die Reichweite betrug etwa 7,5 Seemeilen, die maximale Geschwindigkeit der Torpedos lag bei 45 Knoten. Kurs, Tiefe und Geschwindigkeit wurden vor dem Abschuss der Waffe eingestellt.
Wasserbomben mini|Wasserbomben in einer Ablaufschiene 2 Ablaufschienen für Wasserbomben.
Weitere Waffen 6 12,7-mm-Maschinenkanonen Browning M2.
Umbau bzw. später gebaute Schiffe ab DD-453 Auf Grund der Erfahrung im U-Boot-Krieg im Atlantik bzw. den Angriffen der japanischen Luftwaffe im Pazifik, forderte man nun eine Bewaffnung, die mehr Schutz vor bzw. bessere Möglichkeiten zur Bekämpfung von U-Booten und Flugzeugen ermöglichte.
Flugzeugbekämpfung mini|MK-12-Vierfachkanone von Bofors feuert Die Anzahl der 127-mm-Mehrzweckkanonen wurde auf vier reduziert, dafür wurden aber zusätzlich zur Flugzeugbekämpfungzwei 40-mm-Zwilling- sowiesieben 20-mm-Oerlikon-Maschinenkanonen installiert. mini|1942, Oerlikon an Bord der HMS Dido
U-Boot-Jagdbewaffnung mini|Tonnenförmige Wasserbombe auf einem Werfer mit festem Wurfwinkel, vorne einer der beiden treibenden Hydraulikstempel. Vom britischen Schiff HMS Mendip aus 1940. Zur erweiterten U-Bootbekämpfung wurden zusätzlich zu den weiterhin vorhandenen beiden Ablaufschienen für Wasserbomben außerdem noch vier bis sechs K-Gun-Wasserbombenwerfer eingebaut.
Umbauten Im Jahr 1944 und 1945 wurden 24 Schiffe der Gleavesklasse als Zerstörer-Minenräumer umgebaut.
Zwölf Schiffe der Atlantikflotte (DD 454 bis 458, 461, 462, 464, 621, 625, 636 und 637) wurden 1944, zwölf Schiffe der Pazifikflotte (DD 489, 490, 493–496, 618, 627 und 632 bis 635) wurden 1945 umgebaut.
Dabei erhielten die Schiffe magnetische und akustische Minenräumeinrichtungen sowie zwei Mal zwei 40-mm-Boforskanonen, gleichzeitig wurden die Anzahl der 127-mm-Kanonen auf drei reduziert, die Torpedorohre ausgebaut und die K-Gun-Wasserbombenwerfer auf zwei reduziert. Die Schiffe der Atlantikflotte bekamen außerdem sieben 20-mm-Kanonen, die Schiffe der Pazifikflotte stattdessen insgesamt vier Mal zwei 40-mm-Boforskanonen und fünf 20-mm-Kanonen in zwei Doppel- und zwei Einfachgeschützen.
Zwölf umgebaute Schiffe dienten noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, allerdings wurde während der Einsätze im Koreakrieg festgestellt, dass deren hohe Mannschaftsstärke für den Einsatzzweck – im Vergleich zu speziell für diesen Zweck gebauten Schiffen – ineffektiv war. Daraufhin wurden diese Schiffe in den Jahren 1954 bis 1956 außer Dienst gestellt.
Dienste in der US-Navy und anderen Marinen Von den insgesamt 66 gebauten Schiffen gingen durch Feindeinwirkung sechs im Pazifik, zwei vor der Normandie und drei im Mittelmeer verloren. Die Ingraham DD-444 kollidierte 1942 mit einem Öltanker und die Turner DD-648 sank 1944 nach Explosionen im Inneren.
Nach dem Krieg waren noch zwölf zum Minenräumer umgebaute Schiffe im Dienst, der Rest wurde nach und nach der Reserveflotte zugeteilt, die Hobson sank 1952 nach einem Zusammenstoß mit der Wasp, die Baldwin lief beim Abschleppen auf Grund.
Elf Schiffe wurden zwischen 1949 und 1959 anderen Marinen zur Verfügung gestellt:vier Schiffe der Türkei (USS Buchanan -> Gelibolu, Landsdowne -> Gaziantep, Lardner-> Gemlik, McCalla -> Giresun),zwei Schiffe Griechenland (USS Eberle -> Niki, USS Ludlow -> Doxa),ein Schiff Italien (USS Nicholson -> Aviere),zwei Schiffe Taiwan (USS Plunkett -> Nan Yang, USS Rodman -> Hsien Yang),zwei Schiffe Japan (USS Ellyson -> Asakaze, USS Macomb -> Hatakaze, später ebenfalls Hsien Yang)
In den 1950er-Jahren wurde über eine Modernisierung der Schiffe nachgedacht, aber lediglich für die Schiffe, die an andere Staaten abgegeben wurden, dann auch durchgeführt.
Einheiten