mini|350px|Diplomatische Verbindungen von Russland mit den Staaten der Welt Die Außenpolitik der Russischen Föderation wird vom russischen Präsidenten vorgegeben und vom Außenministerium umgesetzt. Sie ist geprägt durch das Erbe der SowjetunionEgbert Jahn, Die Außenpolitik Russlands. In: Manfred Knapp und Gert Krell, Einführung in die internationale Politik. Studienbuch. 4. Auflage, Oldenbourg, München/Wien 2004, ISBN 978-3-486-25968-1, S. 250–284, hier S. 268 ff., die geographischen Gegebenheiten als größtes Land der Erde, die Rolle als wichtiger Energielieferant anderer Staaten sowie das Konzept der Russki Mir. Sie steht in der imperialen Tradition des Kaiserreichs und der Sowjetunion.Nataliya Bugayova: HOW WE GOT HERE WITH RUSSIA: THE KREMLIN’S WORLDVIEW Institute for the Study of War, März 2019. Die Beziehungen zu den ehemaligen Sowjetrepubliken bewegen sich zwischen gelenkter Partnerschaft (Belarus, Kirgisistan) und offenen kriegerischen Auseinandersetzungen (Georgien, Ukraine).

Die Verbindungen zur NATO und zu den G7 haben sich unter Wladimir Putin verhärtet. Die ehemals „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ wurde abgelöst durch offene Konflikte – vor allem seit der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2014.Ukraine-Konflikt: Berlins Antwort auf Putins Mythen Spiegel Online, 19. Februar 2015. Im März 2014 verhängte der Rat der Europäischen Union einige Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Hiernach ist der Handel und Kapitalverkehr mit Russland stark eingeschränkt. Im Gegenzug untersagte Russland den Import zahlreicher westlicher Güter, vor allem von Agrarprodukten und Lebensmitteln.Russland-Sanktionen aktuell Germany Trade & Invest. Seit dem Überfall auf die Ukraine 2022 ist das Land international weitgehend isoliert.So isoliert ist Russland international ZEIT online, 22. Februar 2022. Die zentralasiatischen Nachbarn Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und Aserbaidschan haben sich vorsichtig von Russland distanziert.Beate Eschment: Responses From Central Asian States to the Russian Invasion of Ukraine E-International Relations, 31. Mai 2022.

Die Konzeption der Außenpolitik der Russischen Föderation (März 2023)Konzeption der Außenpolitik der Russischen Föderation (März 2023). Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: DGKSP-Diskussionspapiere, Nr. 32, Dresden 2023, April, ISSN 2627-3470. S. 17–57 (de), 68–109 (ru). (slub.qucosa.de) Original (ru): «Концепция внешней политики Российской Федерации». In: Online-Portal der Präsidialverwaltung der RF, 31. März 2023. Abruf am 2. April 2023. (kremlin.ru) hat, wie schon eine ganze Reihe Vorgängerdokumente (1993, 2000, 2008, 2013, 2016) die Funktion eines strategischen Planungsdokumentes. Sie erhielt die staatsrechtlich bedeutsame Zuordnung zur Verfassung der RF und zur Nationalen Sicherheitsstrategie der RF (2021)Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (2021). Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: DGKSP-Diskussionspapiere, Dresden 2021, September, ISSN 2627-3470. S. 15–58. (slub.qucosa.de) durch ihre Bestätigung mit Erlass № 229 des Präsidenten Russlands am 31. März 2023. Erlass № 229 des Präsidenten Russlands: Über die Bestätigung der Konzeption der Außenpolitik der Russischen Föderation vom 31. März 2023. (ru) «Указ об утверждении Концепции внешней политики Российской Федерации». In: DGKSP-Diskussionspapiere, Nr. 32, Dresden 2023, April, ISSN 2627-3470. S. 67. (slub.qucosa.de)

Russland verfügt weiterhin über ein enormes Arsenal an nuklearen Waffen.Report über Russia SIPRI, aufgerufen am 6. August 2015. Laut Statistiken des SIPRI und der FAS aus 2021Global nuclear arsenals grow as states continue to modernize werden von den weltweit gesamt 13.080 „Atomwaffen“ bzw. „Atomsprengköpfen“Statistik der Federation of American Scientists aus 2021, Status of World Nuclear Forces Russland 6.257 zugeschrieben und den Vereinigten Staaten 5.550 (FAS: 5.600). Das stehende Heer wurde in den vergangenen Jahren deutlich verkleinert und hat nun eine Größe von rund 1.000.000 Soldaten. sputniknews.com, 4. Dezember 2012. Russland unterhält heute militärische Stützpunkte in Armenien, Belarus, Georgien (Abchasien und Südossetien), Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien (Transnistrien), Syrien, Tadschikistan und der Ukraine (Krim).

Durch die Arbeit seiner Geheimdienste und anderer verdeckter Organisationen (siehe Troll-Armee) übt Russland offensiv Einfluss auf andere Staaten aus, etwa um die öffentliche Meinung zu beeinflussen (BrexitRobert Booth, Matthew Weaver, Alex Hern , Stacee Smith und Shaun Walker: Russia used hundreds of fake accounts to tweet about Brexit, data shows The Guardian, 14. November 2017.), um Politikern ins Amt zu verhelfen (Donald TrumpJane Mayer: How Russia Helped Swing the Election for Trump New Yorker, 24. September 2018.) oder spalterische Tendenzen zu befördernRichard Engel, Kate Benyon-Tinker und Kennett Werner: Russian documents reveal desire to sow racial discord — and violence — in the U.S. NBC, 21. Mai 2019.Facebook stoppt russische Fake-News-Aktion gegen Corona-Impfungen RND, 11. August 2021.Patrick Gensing: Widersprüchliche Propaganda Tagesschau.de, 26. August 2021.Olga Lautman: Catalonia: Where There’s Trouble There’s Russia Center for European Policy Analysis, 27. September 2021..

Mitgliedschaften Russland ist Mitglied aller UN-Organisationen und ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Dort verfügt es über ein Vetorecht. Darüber hinaus ist es Mitglied der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Russland ist Mitglied in der politischen und wirtschaftlichen Organisation der BRICS. Aus dem Europarat trat Russland im März 2022 aus, um einem Ausschluss infolge des Überfalls auf die Ukraine zuvorzukommen.Russland tritt aus Europarat aus Legal Tribune Online, 15. März 2022.

Russland ist Mitglied der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Georgien (2008) und die Ukraine (2018) beendeten ihre Mitgliedschaften mit dem Hinweis auf russische Aggressionen. Hier und in der Eurasischen Wirtschaftsunion nimmt Russland eine bestimmende Rolle ein. Russland ist Mitglied der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS).

Beim G8-Gipfel im Mai 1998 wurde Russland formal in die damalige Gruppe der Sieben (G7) aufgenommen; diese wurde dadurch zur G8. Im März 2014 schlossen diese sieben Russland wegen der „Verletzung der Souveränität und der territorialen Unversehrtheit der Ukraine“ aus der G8 aus.G7 / G8 Auswärtiges Amt, 10. Juni 2015.

Insgesamt pflegt Russland ein „eher instrumentelles Verhältnis“ zu internationalen Organisationen. Insbesondere nach den Erfahrungen mit UN-Mandaten für das Kosovo 1999, den Irak 2003 und Libyen 2011 verweigert sich die Russische Regierung vielfach einer internationalen Kooperation (zum Beispiel im Sicherheitsrat) und entscheidet eher unilateral. So widersetzt sich Russland konsequent allen Verurteilungen Syriens aufgrund von Verletzungen des Kriegsvölkerrechtes, insbesondere des Einsatzes von Giftgas.Andreas Heinemann-Grüder: Russland und die internationalen Organisationen in Bundeszentrale für Politische Bildung, 12. Juni 2019.

Verhältnis zu den Staaten des ehemaligen Ostblocks mini|Krisentreffen der Führer von Russland, der Ukraine, Deutschland und Frankreich im Oktober 2014 Die russische Regierung ist bestrebt, den Verlust ihres Landes an Einfluss in dessen direkter Umgebung einzudämmen und ihre strategischen Positionen zu konsolidieren. Dies geschieht gegenüber den Nachbarn aus einer vermeintlichen Position der Stärke heraus, aus der Russland für sich das Recht ableitet, anderen Staaten Vorgaben für deren internationale Beziehungen zu machen. Putin nutzt hierzu das Konzept der Russki Mir, womit er die russische Dominanz im postsowjetischen Raum zu legitimieren versucht. Es kam mehrfach zu militärischen Interventionen mit kriegerischem Charakter, so in Tschetschenien, Georgien, in der Republik Moldau und zuletzt in der Ukraine.Susan Stewart: https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2009A61_stw_ks.pdf Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP Aktuell 61. Die beiden verlustreichen Tschetschenienkriege zwischen 1994 und 2009 führten zu einem erzwungenen Verbleib Tschetscheniens als russische Teilrepublik.

In der gegenwärtigen Lage ist das zentrale Thema der russischen Außenpolitik der Krieg in der Ukraine. Bei diesem Konflikt verfolgt Russland eine Strategie der Spaltung mithilfe einer russischen Minderheit. Diese Strategie konnte bereits zuvor in Abchasien und Südossetien und in Transnistrien beobachtet werden. Sämtliche dieser Konflikte sind bis heute ungelöst, wodurch die politischen und wirtschaftlichen Optionen für die betroffenen Staaten stark beschränkt sind.

In seinen Auseinandersetzungen ist die russische Regierung darum bemüht, den Verlust an Einfluss, der mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion einherging, zu begrenzen bzw. seinen Einfluss in den Staaten des ehemaligen Ostblocks, dem Nahen Ausland wieder zu vergrößern.Putins großer Plan Die Zeit 48/2014. Mehrere Staaten, die sich erfolgreich aus dem Einfluss Russlands lösten, haben bedeutende russische Minderheiten, insbesondere die baltischen Staaten. Hieraus ergibt sich die Furcht, dass auch hier die russische Regierung einen Vorwand für eine Besetzung fremder Territorien findet.Daniel Arkin: Baltic States Fear Putin Amid Escalation in Ukraine NBC, 2. September 2014. Die Beziehungen zu Polen nach dem Ende des Kalten Krieges waren stark von den Schatten der Vergangenheit geprägt und sind seit dem Beginn des Ukrainekonflikts offen feindschaftlich. Polen trat 1999 der NATO bei. Im Juni 2023, vor dem NATO-Gipfel in Vilnius, verabschiedete das Parlament Polens mit 443 von 460 Stimmen eine Sonderresolution zur Unterstützung der euroatlantischen und europäischen Bestrebungen der Ukraine. Es sprach sich dafür aus, die Ukraine so bald wie möglich in die NATO einzuladen, mit einem klaren Fahrplan für die Integration. Die Ukraine habe durch ihre Verteidigung Europas die Mitgliedschaft in der NATO voll und ganz verdient. Die Kampferfahrung der ukrainischen Armee stärke die NATO und Russland würde ein klares Signal erhalten, dass die Ukraine Teil des Westens und seiner Institutionen ist.

mini|Sitzung des Obersten Eurasischen Wirtschaftsrates, 2013 Als langfristiges Ziel verfolgt Putin die Entwicklung der Eurasischen Wirtschaftsunion. Hierzu zählen derzeit Russland, Kasachstan, Belarus, Armenien und Kirgisistan.Benjamin Triebe: Der Kreml holt sich Kirgistan NZZ, 23. Dezember 2014. Mit diesen Staaten sind die Beziehungen zwar besser, die Möglichkeit, militärische Macht in politische umzuwandeln, ist jedoch stark beschränkt. Es fehlt an verlässlichen Verbündeten, wie die Nichtanerkennung Abchasiens und Südossetiens durch die restlichen GUS-Staaten zeigt. Im Schatten des Ukrainekrieges löste sich Kasachstan aus der ungewollten Partnerschaft mit Russland und wandte sich stattdessen China zu.Tenure Umarov: Kazakhstan Is Breaking Out of Russia’s Grip Foreign Policy, 16. September 2022. Kirgistan und Usbekistan verstärkten die Zusammenarbeit mit China bei einem großen Infrastrukturprojekt unter Ausschluss von Russland.Joanna Lillis: China, Kyrgyzstan, Uzbekistan sign landmark railroad deal eurasianet.org, 15. September 2022.

Anders als die Sowjetunion besitzt Russland kein attraktives Herrschafts- und Kultursystem. Die Russisch-Orthodoxe Kirche soll in dieser Funktion den Kommunismus ersetzen.Robert C. Blitt: Russia’s 'Orthodox' Foreign Policy: The Growing Influence of the Russian Orthodox Church in Shaping Russia’s Policies Abroad Mai 2011.