miniatur|Ostfassade von Wentworth Woodhouse miniatur|Ostfassade von Wentworth Woodhouse 2008 miniatur|Wappen der Watsons, Earls of Rockingham: Silber, auf einem blauen Winkel zwischen drei schwarzen Merletten drei goldene Halbmonde. Motto: „Mea Gloria Fides“ („Traue meinem Ruhm“), das in großen römischen Großbuchstaben auf dem Fries des klassischen Ziergiebels von Wentworth Woodhouse dargestellt ist. Wentworth Woodhouse ist ein Landhaus im Dorf Wentworth bei Rotherham in der englischen Verwaltungseinheit South Yorkshire. Das von English Heritage als historisches Gebäude I. Grades gelistete Haus diente als „einer der großartigen Whig-Paläste“. Seine Ostfassade ist 184 Meter lang und damit die längste Fassade eines Landhauses in Europa. Wentworth Woodhouse ist mit 23.000 Quadratmetern Wohnfläche auch das größte Privathaus im gesamten Vereinigten Königreich. Das Haus enthält mehr als 300 Zimmer, wobei einige die Zahl auf 365 schätzen, einen für jeden Tag des Jahres, auch wenn sich Experten über die genaue Zahl nicht einig sind. Das Haus hat eine Grundfläche von 1 Hektar und ist von einem Park auf dem 6100 Hektar großen Anwesen umgeben, das heute einem anderen Eigentümer gehört.

Wentworth Woodhouse war ursprünglich ein jakobinisches Haus, das aber auf Geheiß von Thomas Watson-Wentworth, 1. Marquess of Rockingham, (1693–1750) vollkommen neu aufgebaut wurde. Dessen Sohn, Charles Watson-Wentworth, 2. Marquess of Rockingham, der zweimal Premierminister war, veranlasste später großartige neue Anbauten, die das bestehende Gebäude zu einem bloßen Flügel des neuen Hauses degradierte. Der 2. Marquess etablierte Wentworth Woodhouse damit als wichtige Hochburg der Whigs. Im 18. Jahrhundert erbten die Earls FitzWilliam das Haus und behielten es bis 1979 in der Familie, als es an die Erben des 8. und des 10. Earls fiel. Der finanzielle Wert war inzwischen deutlich gestiegen, da unter dem Anwesen Kohlelagerstätten des South Yorkshire Coalfield entdeckt worden waren.

Architektur miniatur|links|Wentworth Woodhouse (Ostfassade) aus A Complete History of the County of York von Thomas Allen (1828–1830) miniatur|links|Westfassade Wentworth Woodhouse besteht aus zwei miteinander verbundenen Häusern, die Ost- und Westfassade bilden. Das ältere Haus bildet heute die Westfassade mit Gärten, die sich nordwestlich in Richtung auf das Dorf zu erstrecken. Es wurde aus Ziegeln erbaut und mit Natursteinapplikationen versehen. Die Ostfassade von unerreichter Länge entstand – so wird glaubhaft behauptet – in Folge einer Rivalität mit dem Stainborough-Zweig der Familie Wentworth. Diese erbten zwar den minderen Titel eines Baron Raby von Thomas Wentworth, 1. Earl of Strafford, nicht jedoch dessen Ländereien. Jene fielen an die Watsons, ebenso eine bemerkenswerten Serie von Strafford-Porträts von Anthonis van Dyck und Daniel Mytens. Die Watsons nahmen dann den Zusatz „Wentworth“ zu ihrem Familiennamen an. Die Stainborough-Wentworths, für die das Earldom von Strafford wiederbelebt wurde, lebten im nahegelegenen Wentworth Castle, das sie 1708 im Geiste der Konkurrenz kauften und emsig in großartiger Weise umbauen ließen.

Geschichte Das ursprünglich jakobinische Wentworth Woodhouse, welches einst das Heim vom Thomas Wentworth, 1. Earl of Strafford, war, den König Karl I. 1641 opferte, um das Parlament zu beruhigen, hatte Thomas Watson-Wentworth, nach 1728 Lord Malton, 1723 von seinem Vater geerbt. In seinem Auftrag wurde der im englischen Barock aus Ziegeln erbaute Westflügel des Anwesens 1725 begonnen und ersetzte den vorhandenen Bau. Der Baumeister, an den sich Wentworths Enkel zur Planung des von ihm beabsichtigten, großen Hauses wandte, war er örtliche Baumeister und Landarchitekt Ralph Tunnicliffe, der bereits Praxis in Derbyshire und South Yorkshire vorweisen konnte. Tunnicliffe war so befriedigt mit diesem Höhepunkt seiner provinziellen Praxis, dass er eine Gravierung herausgab, die mit „R. Tunniclif, architectus“ unterzeichnet war und vor 1734 datieren muss, da es „Baron Malton“ gewidmet ist, Watson-Wentworths früherem Titel. Der Barockstil gefiel jedoch den Whigs nicht und so brachten sie für das neue Haus keine Bewunderung auf. Etwa 1734, noch vor Fertigstellung des heutigen Westflügels, beauftragte Thomas Watson-Wentworth, Wentworths Enkel, Henry Flitcroft mit einer „Ergänzung“ des Anwesens um die heutigen Ostfassade. Diese stellte in der Tat ein gänzlich neues, viel größeres Landhaus dar, welches in entgegengesetzter Richtung nach Südosten zeigte. Ihr Vorbild für dieses Haus war Colen Campbells Wanstead House, das im Vitruvius Britannicus von 1715 illustriert war.

Im selben Jahr war der Umbau bereits in vollem Gange. In einem Brief vom Amateurarchitekten Sir Thomas Robinson aus Rokeby an seinen Schwiegervater, Lord Carlisle, vom 6. Juni 1734 berichtet Sir Thomas, dass er die Gartenfassade „fertig“ vorgefunden habe und so die Hauptfassade begonnen werden könne: „Wenn sie fertig ist, wird sie ein erstaunliches Werk sein, unendlich besser als alles, was wir heute in England haben“, und er fügte hinzu: „Die gesamten Arbeiten werden ganz Lord Burlington überlassen und ich weiß, dass keines Bürgers Haus in Europa sieben solch großartige Räume haben wird, die so fein proportioniert sind wie diese.“ Im 20. Jahrhundert sollte sich Nikolaus Pevsner dieser Meinung anschließen, aber die Erwähnung des Architekten-Earls Burlington, Schiedsrichter architektonischen Geschmacks, war eine böse Prophezeiung für den provinziellen Baumeister und Bauüberwacher Tunnicliffe. Es gibt keinen Zweifel, das Burlingtons Einschreiten zu der Zeit, als die Westfassade noch nicht fertig war, den damaligen Earl of Malton dazu bewegte, ‚‘Henry Flitcroft‘‘ zu beauftragen, Tunnicliffes Planungen zu revidieren und den Ostflügel zu bauen. Flitcroft war Burlingtons professioneller architektonischer Berater – „Burlington Harry“, wie er genannt wurde. Er hatte für die Graveure die Zeichnungen von Inigo Jones aufbereitet, die von Burlington und William Kent 1727 veröffentlicht wurden. Und tatsächlich wurde Kent auch zum Geplauder über Wentworth Woodhouse dazugerufen, das von Sir Thomas Robinson moderiert wurde, wenn auch Flitcroft an der Veranstaltung teilnahm und in der folgenden Dekade immer wieder Zeichnungen für das Haus erstellte: Er arbeitete Tunnicliffes provinziell-barocke Westfassade um und vergrößerte sie, schloss Flügel an, ebenso wie Tempel und andere Gebäude im Park. Zeitgenössische Gravuren der großartigen, der Öffentlichkeit zugewandten Ostfassade geben Flitcroft als Architekten an. Flitcroft, der die rechte Hand der architektonischen „Dilettanten“ war und ebenso voll mit seiner Arbeit für das Royal Board of Works beschäftigt war, konnte nicht dauernd an der Baustelle sein, aber: Francis Bickerton, Bauüberwacher und Baumeister aus York, zahlte 1738 und 1743 Rechnungen.

Die großartige Ostfassade ist häufiger abgebildet. Die Westfassade, die „Gartenfront“, die Sir Thomas Robinson 1734 fertig vorfand, ist die private Fassade, die auf den „giardino secreto“ zwischen der Hausfassade und dem eingefriedeten Küchengarten schaute, der eher für die Freizeitgestaltung der Familie als für soziale und politische Ambitionen, die in der Ostfassade ausgedrückt waren, gedacht war. Die meisten Überbleibsel wurden im 19. Jahrhundert neu angelegt.

miniatur|links|Whistlejacket, von George Stubbs (National Gallery (London)) miniatur|Diana von Joseph Nollekens im Victoria and Albert Museum Charles Watson-Wentworth, 2. Marquess of Rockingham, kurze Zeit Premierminister in den Jahren 1765/1766 und nochmals 1782, erbte Wentworth Woodhouse. Der Architekt, den er beauftragte, war John Carr aus York, der Teilen des Ostflügels ein weiteres Stockwerk hinzufügte und die passenden Flügel mit Portici versah, jeder davon ein Äquivalent eines mittelgroßen Landhauses. James „Athenian“ Stuart lieferte Zeichnungen für Verkleidungen in der Pillared Hall. Der Whistlejacket Room wurde nach George Stubbs’ Porträt des berühmtesten Rennpferdes aller Zeiten gleichen Namens benannt. Die Anbauten wurden 1772 fertiggestellt. Der zweite Marquess fasste eine Skulpturengalerie im Haus ins Auge, die aber nie realisiert wurde. Vier Marmorfiguren wurden von Joseph Nollekens in diesem Rahmen in Erwartung der Galerie ausgeführt: Die Diana, gezeichnet und datiert 1778, ist heute im Victoria und Albert Museum, Juno, Venus und Minerva sind zusammen mit einer antiken römischen Statue von Paris im J. Paul Getty Museum.

Wentworth Woodhouse fiel mit all seiner Inneneinrichtung später an die Familie der Schwester des Marquess, die Earls FitzWilliam.

Der Park Nachdem Lord FitzWilliam alle Umbauten mit Hilfe von John Carr beendet hatte, wandte er sich 1790 an den bekanntesten Landschaftsgärtner, Humphry Repton, für den dies das ambitionierteste Projekt der Saison war, eines, das er, weil die Erinnerung daran noch frisch war, im Detail in Some Observations of the Theory an Practice of Landscape Gardening aus dem Jahr 1803 beschrieb. Eine zentrale Terrasse vor dem Hauptgebäude vermittelte den Übergang vom Haus zum gewellten Weideland. Vier Obelisken standen auf dem Bowling Green und sahen klein im Vergleich zum Haus aus. Repton setzte sie um. Obwohl sich im Parkland etliche Blickfänge und andere Details fanden, meinte Repton, dass es dort zu wenige Bäume gebe und das Haus lediglich „von grobem Gras und Geröll“ umgeben sei, was Repton ebenfalls entfernen ließ, bevor die großen Erdbewegungen begannen, die von Männern mit Schaufeln und Eselskarren bewältigt wurden und den klumpigen Grund in weiche Anhöhen verwandeln sollte. Zwei große Teiche, die von der Ostfassade und von der Auffahrt aus zu sehen sind, wurden in Schlangenform ausgehoben. Einige von Flitcrofts Nebengebäuden wurden abgerissen, aber nicht Carrs hübscher Stallhof von 1768, den man durch einen toskanischen Bogen mit Ziergiebel betrat. Viele Bäume wurden gepflanzt.

Follies Das Anwesen und seine Umgebung enthalten eine Reihe von Follies, viele davon mit Assoziationen an die Politik der Whigs im 18. Jahrhundert: Hoober Stand: Eine spitz zulaufende Pyramide mit einer sechseckigen Laterne, die nach dem alten Wald, in dem sie errichtet wurde, benannt ist. Sie ist 30 Meter hoch und wurde 1747–1748 nach Flitcrofts Plänen errichtet, um an die Niederlage der Jakobiten zu erinnern, an deren Rebellion sich Lord Malton und sein überlebender Sohn beteiligten. Ihre Verteidigungsanstrengungen für das hannoveranische Whig-Establishment wurden mit der Ernennung zum Lord-Lieutenant of Yorkshire und dem Titel eines Marquess of Rockingham belohnt. Somit weist das Monument indirekt auf den größeren Ruhm der Familie hin. Der Turm, von dem aus man wie von einem Wachturm aus die umgebende Landschaft überblicken kann, ist den ganzen Sommer über, jeweils am Sonntagnachmittag, öffentlich zugänglich. Keppel's Column: ‘Eine 35 Meter hohe toskanische Säule, die an die Freisprechung des vor dem Kriegsgericht angeklagten Admiral Keppel, eines guten Freundes von Lord Rockingham, erinnert. Ihre Entasis baucht sich sichtbar aus, was auf die Reduzierung der ursprünglich geplanten Höhe hinweist, was wegen Finanzierungsproblemen notwendig war. Sie wurde von John Carr entworfen.