Der CV-Afrika-Hilfe e. V. ist ein am 6. Januar 1972 in Köln gegründeter Verein zur Durchführung und Förderung von Projekten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Entwicklungshilfe in afrikanischen Staaten. Die Gründung erfolgte auf Initiative Edmund Dillingers durch Mitglieder des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen, kurz „CV“, ursprünglich zur Verbesserung der medizinischen Situation in der Leprastation in Mbalmayo (Kamerun). Seit 2005 gibt es eine verstärkte Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen in Deutschland wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie in den afrikanischen Projektstaaten. Stand 2023 werden durch den Verein Projekte in etwas über 20 afrikanischen Staaten und rund 650 Projekte ausgewiesen. Überregionale Aufmerksamkeit erhielt der Verein über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer Dillinger. Inwieweit dieser die CV-Afrika-Hilfe für seine Zwecke ausnutzte, wird seit 2023 durch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Verantwortungsbereich des Bistums Trier (UAK) untersucht.

Verein und Körperschaft Der Verein ist in die aktiven Mitglieder des Vorstandes sowie den Förderkreis untergliedert.cvafrikahilfe.de Website sowie Satzung einsehbar auf Anfrage Als Körperschaft ist er als gemeinnützig anerkannt. Die Ausstellung eines Spendensiegels durch nicht-staatliche Dritte wurde von der CV-Afrika-Hilfe bislang nicht angestrebt, da man einen ausführlichen Rechenschaftsbericht auf der jährlichen Cartellversammlung vorträgt.

Der Verein fördert insbesondere folgende Ziele: Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens, insbesondere die „Bekämpfung“ von Seuchen und seuchenähnliche Krankheiten, sowie die Förderung der Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe. Der Verein formuliert dieses als „Hilfe zur Selbsthilfe in Sachen Gesundheitswesen und Bildung“.Jürgen Pielhoff: Hilfe zur Selbsthilfe - Die Zukunft der CV Afrika Hilfe, in: Afrika Positive (7), Nummer 19, Dortmund 2005, 24f. Die CV-Afrika-Hilfe positionierte sich seit der Gründungszeit für die Forderung eines differenzierten Afrikabildes. Durch stereotype Schwarz-Weiß-Vergleiche würden die Erfolge, welche Afrika vorzuweisen hat, nicht selten unterschlagen.Vgl. Rede des Vorsitzenden Phelan Andreas Neumann, Spendengala zugunsten der CV-Afrika-Hilfe durch ev. Churpfalz zu Mannheim im CV, 24. Oktober 2015, CVAH: Archivsammlung 2015, Neunkirchen (Saar) 2016. Aus Sicht der CV-Afrika-Hilfe sei es problematisch, dass häufig nur von Afrika gesprochen wird, statt von den verschiedenen afrikanischen Staaten.Rede des Vorsitzenden Phelan Andreas Neumann, Teil des Rechenschaftsbericht der CV-Afrika-Hilfe, 130. Cartellversammlung Würzburg; CVAH: Archivsammlung 2017, Neunkirchen (Saar) 2017.

Die CV-Afrika-Hilfe ist ein anerkannter Verein im Cartellverband, aber kein Organ des Cartellverbandes. Er trägt auf der jährlich stattfindenden Cartellversammlung seinen Rechenschaftsbericht zur Abnahme vor und der Cartellverband entsendet einen Beisitzer, der bei allen Belangen, die den Cartellverband betreffen, Stimmrecht hat.

Geschichte Der Verein wurde am 6. Januar 1972, dem Afrikatag der katholischen Kirche, von einem Kreis interessierter Mitglieder des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen aus dem Kölner Raum gegründet. Die Gründung erfolgte auf Initiative Edmund Dillingers anfangs noch unter der Bezeichnung „Lepra Hilfe Kamerun“, da dieser 1971 durch eine Einladung Bischof Paul Etogas „auf die lebensbedrohliche Lage Lepra-Kranker aufmerksam“ gemacht wurde, „die ohne medizinische Betreuung und auch ohne Lebensmittel- und Wasserversorgung ihrem Schicksal überlassen worden waren“Dr. Jürgen Brauer, Ingo Hromada: , Seite 13, abgerufen am 27. September 2023.. Der Verein hatte als Ziel die kamerunische Lepra-Station in Mbalmayo zu ertüchtigen. In den Folgejahren kamen weitere Projekte hinzu, wobei in der Gründungsphase die Projektierungspartner die Ansprechpartner der katholischen Kirche vor Ort waren. Die medizinischen Projekte im Bistum Mbalmayo und dem Erzbistum Yaoundé wurden um Studienstipendien ergänzt. In Burkina Faso wurde ein Krankenhausprojekt, in Togo zwei Waisenhausprojekte in Lomé und Pagala (Bistum Atakpamé) gefördert und um Wasserleitungen und Wassertürme ergänzt. In Nigeria baute der Verein im Bistum Orlu einen Kindergarten, im Bistum Yamoussoukro (Elfenbeinküste) wurde das Jugendzentrum ausgebaut. In Liberia entstanden mehrere Handwerksschulen, die Ausbildung von Sozialarbeitern wurde übernommen und die Hilfe für das Lepra-Zentrum Ganta gestellt. In Zaire wurde im Bistum Boma die Wasserversorgung eines Schulinternates umgesetzt und im Bistum Isiro-Niangara ein Sozialzentrum errichtet.Jürgen Brauer, Ingo Hromada: , Seite 14, abgerufen am 27. September 2023.CV-Afrika-Hilfe e.V.: Aus den Anfangstagen des Vereins, unter Angabe Verweis Auszug Archivartikel, Daten vollständig Rechenschschaftsbericht 2004/05, Publikation auf der Vereinshauptseite bis 2005, abgerufen am 27. September 2023.

Entsprechend der Ausweitung der Tätigkeiten benannte sich der Verein in den Folgejahren zu Afrika-Hilfe und nach Anerkennung durch den CV Ende der 1980er-Jahre zu CV-Afrika-Hilfe um.

Die Zeit bis 2005 war von einer Vielzahl von Projekten aller Größenordnungen geprägt, seitdem verlagerte sich das Tätigkeitsgebiet auf die Umsetzung von größeren Projekten. Stand 2015 wurden von der CV-Afrika-Hilfe mehrere hundert Projekte in Afrika umgesetzt oder gefördert.

Bis 2015 wurden nach Vereinsangaben in rund 40 Jahren über 400 Projekte in mehr als 20 Ländern Afrikas umgesetzt, ehrenamtlich und ohne Verwaltungsausgaben, und dabei etwas mehr als 2,2 Millionen Euro an Spendengeldern, ohne Drittmittelbezuschussung und primär von Mitgliedern aus dem Cartellverband, investiert. Die Spendenvolumina sind dabei seit den 1990er Jahren angestiegen, mit dem Beginn der Großprojektierung ab 2005 kam es zu einem weiteren Schub, seitdem sind ohne Drittmittelberücksichtigung rund 1,5 Millionen Euro an Spendengeldern eingenommen worden.Rechenschaftsberichte 2005-2015, einzusehen im CV-Sekretariat (Bad Honnef) und CV-Afrika-Hilfe Protokoll-Archiv (Wadgassen/Saar).Geschichte und Entwicklung der CV-Afrika-Hilfe, Academia 5/2013, München 2013, 39–42.

Projekte In der Zeit von 2010 bis 2020 hat der Verein nach eigenen Ausführungen unter anderem Projekte in Burkina Faso, Demokratische Republik Kongo, Ghana, Kamerun, Kenia, Nigeria, Rwanda, Südsudan, Tansania, Togo und Uganda gefördert.Vereinsseiten mit Projektausführungen: cvafrikahilfe.de, karte-der-hoffnung.de und afrika4kids.de; die Auflistungen finden sich zudem in Afrikahilfe im CV [Luxemburg 2019]. Hier Projektjahre 2006–2018, 105–119 und Projektjahre 2006–2019, 238–318. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren arbeitet der Verein nicht mehr ausschließlich mit kirchlichen Partnern vor Ort zusammen. So wurde beispielsweise mit Dorfgemeinschaften, mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und staatlichen Stellen der betreffenden Länder kooperiert.

Durch den Einsatz im Bildungssektor, kam es z. B. im Bereich des Achas University Institute of Sustainable Tourism, Hospitality and Business Management auch zu langfristigen Projektierungsstrukturen. Der Vorsitzende der CV-Afrika-Hilfe gehört dem Institutsvorstand als Director of Projects an. Außerdem führten die gemeinsamen Projekte in Kamerun zur Vergabe der Médaille d'Honneur du Travail d'Or an die Vorstandsmitglieder der CV-Afrika-Hilfe 2015 für die Projektierungen in Buea, Mbalmayo und Tonga. Nominierungspaten waren die langjährigen Projektpartner Charles Morfaw und Lukas Nchoallah, der für den Vorstand die Ehrungen entgegennahm.Foute, Monda: Des médailles pour les personnels de CVAfrika. In: ePaper C-Tr, Yaoundé 2015.

Missbrauchsvorwürfe gegen den Vereinsgründer Diverse Printmedien berichteten seit dem April 2023, nach entsprechenden Aussagen Steffen Dillingers zu Fotofunden aus dem Nachlass, über mutmaßliche sexualisierte Gewalt an KindernPriester aus Bistum Trier soll eigene Missbrauchstaten fotografiert haben. In: swr.de, 14. April 2023, abgerufen am 28. August 2023., Hinweisen auf sexuelle Ausbeutung von Stipendiaten aus Afrika und ein Doppelleben des Vereinsgründers DillingerTeam übernimmt Aufarbeitung in Missbrauchsfall Dillinger: Suche nach nicht verjährten Taten. In: domradio.de, 5. Mai 2023, abgerufen am 28. August 2023.. Worauf die Staatsanwaltschaften Mainz und Saarbrücken ermittelten und das Bistum Trier eine Missbrauchskommission, bestehend aus den Ex-Staatsanwälten Jürgen Brauer und Ingo Hromada, einsetzte.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken führte nach Prüfung des Materials keine Strafverfolgung durchNiklas Folz: Missbrauchsfall Dillinger: Saarländer erstattet Anzeige gegen Staatsanwaltschaft Saarbrücken In: www.saarbruecker-zeitung.de, 17. Juli 2023, abgerufen am 20. September 2023. und die Leitende Mainzer Oberstaatsanwältin Andrea Keller wies schon im Vorfeld der Vorstellung des ersten Zwischenberichtes der Missbrauchskommission, am 20. September 2023 darauf hin, dass das behauptete Fotomaterial „überwiegend harmloser als zunächst angenommen“ sei und keines der Bilder kinderpornografische Darstellungen enthält. Zudem fanden weder Staatsanwaltschaft noch Missbrauchskommission irgendwelche Hinweise auf ein durch die Presse behauptetes pädophile Netzwerk.Rolf Seydewitz: Erster Zwischenbericht zum Skandalfall Dillinger In: www.saarbruecker-zeitung.de, 20. September 2023, abgerufen am 20. September 2023.

Vorwürfe gegen Steffen Dillinger und Ermittlungsausschuss Die Grundlage der Presseartikel bildeten Behauptungen von Steffen Dillinger zu im Nachlass gefundenen 4.385 Fotoaufnahmen (Dias und Papierfotos). Die staatsanwaltlichen Auswertungen ergaben, „dass keines der sichergestellten Bilder sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern oder Jugendlichen zeigt. Keines der Bilder enthält kinderpornographische Darstellungen. Von den sichergestellten Bildern haben zehn Aufnahmen strafrechtlich relevante jugendpornographische Schriften zum Gegenstand, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft als Vergehen nach § 184c Absatz 1 Nummern 1 b) und c) Strafgesetzbuch zu bewerten sind. Weitere zwölf Fotos zeigen Inhalte, die sich im Grenzbereich zur Jugendpornographie befinden, jedoch nicht eindeutig strafrechtlich als jugendpornographisch zu qualifizieren sind.“Andrea Keller: , 14. Juli 2023, abgerufen am 23. September 2023. Dies führte im Zwischenfazit der Aufarbeitungskommission zu der Feststellung, „dass die in den Medien kolportierte Behauptung, das nach den Angaben eines Verwandten zu Lebzeiten im Besitz von D. befundene Bildmaterial belege vielfachen Missbrauch an Kindern, Jugendlichen oder anderen hilfsbedürftigen Personen, keine Bestätigung gefunden hat.“Dr. Jürgen Brauer, Ingo Hromada: , Seite 8, abgerufen am 23. September 2023.

In ihrem Abschlussbericht zur Causa Dillinger, den die früheren Staatsanwälte Jürgen Brauer und Ingo Hromada im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Verantwortungsbereich des Bistums Trier (UAK) verfassten, kamen die Untersuchenden zu einem anderen Ergebnis. Sie gehen davon aus, dass Dillinger zwischen 1961 und 2018 „19 Personen in verschiedenen Schweregraden sexuell missbraucht hat“. Von diesen seien elf Opfer namentlich bekannt. Im Erzbistum Trier und in den Pfarreien, in denen Dillinger tätig gewesen sei, seien die „Vorfälle totgeschwiegen“ worden. Als Gründer der CV-Afrika-Hilfe habe er von 1972 bis 2005 regelmäßig in Afrika die Möglichkeit gehabt, sich jungen Männern zu nähern. Wegen diesbezüglicher potenzieller Opfer wurde die Tätigkeit der Sonderermittler um ein Jahr verlängert.Birgit Reichert: Wie die Kirche im Fall Dillinger weggeschaut hat. In: Kölnische Rundschau. 8. Mai 2024, S. 21.

Weitere Erkenntnisse des Zwischenberichtes