Die Saline Staßfurt war eine Anlage zur Gewinnung von Siedesalz aus natürlichen Salzquellen in der Stadt Staßfurt. mini|Ungefähre Lage des einstigen Kokturhofes der Saline Staßfurt.

Geschichtliche Datierung

Einer Sage nach soll bei der im Jahre 806 erstmals urkundlich erwähnten Stadt Staßfurt ein bei Kriegshandlungen Karls des Großen (* 748; † 814) gefangener und wieder freigekommener Wendenführer hier Salzquellen entdeckt haben, welche beiderseits der Bode „sprudelten“. Es wird auch angenommen, dass die neben der alten Staßfurter Saline einst gestandene alte Burg (Schloss) ursprünglich zum Schutz der natürlich zutage tretenden Salzquellen angelegt worden ist.

Die mittelalterliche Pfännerschaft mini|Salzgehalte ausgewählter Solen

Die seit dem 8. Jahrhundert urkundlich erwähnte Burg kam vermutlich im 12. Jahrhundert in den Besitz der Adelsfamilie von Schladen, die sich neben anderen Pfännern auch an der Nutzung der Solquellen beteiligte. Bekannt ist ein reger Siedebetrieb bereits aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Da die Ergiebigkeit der an mehreren Stellen zutage tretenden Solquellen den steigenden Bedarf nicht decken konnte, war von Bedeutung, dass die um die Mitte des 15. Jahrhunderts amtierende Äbtissin des Klosters Hecklingen, Anna von Schladen, „wesentlich zur Abteufung eines großen neuen Soolbrunnens beitrug, der in den besten Zeiten der Pfännerschaft [nachweislich gab es anno 1524 30 Kothe] fast stets allein die gesammte zum Betriebe erforderliche Soole geliefert hat und auch während des späteren fiscalischen Betriebes allein in Benutzung stand. Er lieferte überdies von sämmtlichen Brunnen die reichste Soole (17 lötig) [= 17 % Salzgehalt]. Seine Tiefe hat wegen des bei Jahrhunderte langem Betriebe entstandenen Nachfalls nicht genau festgestellt werden können. Bei 183 Fuß Tiefe [= ca. 55 m] war die Sohle noch nicht ganz erreicht. Der Brunnen war in etwa rechteckiger Form abgeteuft, stand frei ohne Zimmerung im Buntsandsteingebirge an und hatte wunderbarerweise trotz seiner geringen Entfernung von der Bode keine Zuflüsse süßer Wasser, ebenso wenig, wie sich ein Zusammenhang mit dem nur 70 Fuß [= ca. 21 m] entfernt gelegenen ‚kleinen Soolbrunnens‘ feststellen ließ.“Johannes Westphal: Geschichte des Königlichen Salzwerkes zu Staßfurt unter Berücksichtigung der allgemeinen Entwicklung der Kaliindustrie. Denkschrift aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Staßfurter Salzbergbaus. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesens im Preußischen Staate. 50, 1902, B. Abhandlungen, S. 2. Wichtige Anmerkung: Der Autor dieses Artikels ist sich nicht sicher, ob Johannes Westphal das nach dem Jahre 1816 in Preußen geltende Maß für 1 Fuß = 31,3854 cm zugrunde legte. Hier wird in der Folge das Fußmaß mit „circa 30 cm“ für eine geschichtliche Betrachtung als völlig ausreichend angesetzt.

Das seinerzeitige Abteufen eines so tiefen Brunnens im wasserführenden Buntsandstein verdient aus heutiger Sicht allerhöchsten Respekt. Das „Wie“ – bzw. mit welchen Mitteln und Methoden – sollte noch recherchiert werden.

Zu Einzelheiten der Saline Staßfurt berichtete Johann Thölde in seiner Haliographia anno 1603 (vgl. nachstehende Abbildungen aus einer Buchausgabe anno 1622), dass 2 Brunnen genutzt werden, wovon der eine – angetrieben durch eine Roßkunst – 35 Klafter (= ca. 63 m) tief ist.

Die Sole, heraufgeschöpft mittels Eimern, wird über hölzerne Gerinne in alle Kothe (Kothe = Haus, auch „Salzkotte“ genannt) geleitet, in welchem das Salz gesotten (gesiedet) wird. Diese sind unter der Erde eingerichtet, ihre Dächer schließen ebenerdig ab. Verwendet werden 2 Siedepfannen: 1/2 Schuh (1 Schuh = ca. 32 cm, also etwa 16 cm) tief, 6 Schuh lang und 5 Schuh breit. Pro einstündigem Siedebetrieb betrug das Ausbringen ein „Werk“„Ein Werk heißt auf den preußischen Salinen das Auskochen einer gefüllten Pfanne in 2 oder 3 Auszügen. Wenn die Soole siedet, so wird dreimal nach einander angekrückt, um einen Theil der erdigen Theile, ehe sie als Stein aufbrennen, zu entfernen. Bei den meisten Salinen werden wöchentlich 5 Werke gemacht, dann wird gesteint. Die Betriebszeit auf allen preußischen Salinen (Halle ausgenommen, welche das ganze Jahr fortsiedet) ist 35 bis 38 Wochen; zur Winterszeit ist Stillstand.“ Entnommen aus: Friedrich von Alberti: Das Salinenwesen in Deutschland, vorzüglich pyrotechnischer Beziehung. In: Deutsche Vierteljahrs Schrift. Viertes Heft, Im Verlag und unter Verantwortlichkeit der J.G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1839, S. 12–13. digitale-sammlungen.de von 2 „Stücken“ (1 Stück maß seinerzeit 8 1/2 „Metzen“; 1 Metz = ca. 1515 Gramm, Warenwert 8 Groschen). Eine Kothe schaffte pro Woche 50 Werke; als Lohn erhielt der Siedemeister pro „Stück“ Salz 6 Pfennig, ein Knecht 1/2 Taler pro Woche.

Hier Thöldes Veröffentlichung zur Saline Staßfurt:

Technische Mängel in der Siederei, Schwierigkeiten in der Beschaffung von Heizmaterial und die Konkurrenz der Schönebecker Saline bewirkten seit Anfang des 18. Jahrhunderts einen steten Ertragsrückgang. 1719 brach der Salzabsatz in das Fürstentum Halberstadt ganz weg; statt von der Staßfurter Saline holten es die Halberstädter günstiger von Schönebeck.

Einige technische Einzelheiten zum Salinenbetrieb sind aus dieser Zeit überliefert:

Der Übergang an den preußischen Fiskus Die zuvor genannten Schwierigkeiten im Salinenbetrieb selbst sowie die wachsende Konkurrenz noch weiterer Salinen erschwerten seit Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmend die Betriebswirtschaftlichkeit der Staßfurter Saline. Viele Kothen wechselten im Laufe der Jahrzehnte ihre Besitzer – zumeist an Adlige – sodass letztlich eine adlige Pfännerschaft die Geschicke der noch 30 Siedesalz produzierenden Kothen bestimmte. Diese Adelsfamilien siedeten natürlich nicht selbst, sondern verpachteten diese Kothen als Inhaber der jeweiligen „Siedegerechtigkeit“ an sogenannte „Kothmeister“.

Zunehmend sah man nur noch in einem Verkauf der Siedebetriebe an den Staat die Abwendung eines totalen finanziellen Fiaskos.

Die Verkaufsverhandlungen zogen sich zwei Jahre hin, weil von 15 Kothinhabern anfangs erst 5 dem Verkaufsantrag zustimmten. 1797 einigte man sich auf einen Kaufpreis von 85000 Thalern.

Der Kaufvertrag wurde unterzeichnet vom Bevollmächtigten der Pfännerschaft, dem Stadtsyndikus Schlitte (Datum v. 28. April 1797) sowie vom Chef des Salzdepartements des Generaldirektoriums, Exzellenz von Struensee (Datum v. 28. Februar 1800).

Die letzten Kaufgelder wurden am 2./3. März 1803 ausgezahlt. Der neue Betreiber nannte sich „Salinen-Directions-Commission“. 14 Kothe wurden sofort abgerissen, die Siedepfannen auf 16 reduziert. Bald darauf errichtete man ein neues Siedehaus – die Inbetriebnahme erfolgte am 16. November 1800 –, im darauffolgenden Jahr wurde das alte abgerissen. Das neue Siedehaus „war ein in Kreuzform massiv gebautes, mit steilem Satteldach versehenes Haus von 193 Fuß (= ca. 58 m) Länge und 45 Fuß (= ca. 13,5 m) Tiefe, welches 2 Stör-, 2 Soggpfannen, die dazu nöthigen Feuerungen, einen Trockenraum, eine Dienstwohnung und einen Kassenraum enthielt. Die Störpfannen hatten eine Grundfläche von 21 × 11 1/2 Fuß [= rd. 22 m²], die Soggepfannen waren quadratisch mit 21 Fuß [= rd. 40 m²] Seitenlänge angelegt.“Johannes Westphal: Geschichte des Königlichen Salzwerkes zu Staßfurt unter Berücksichtigung der allgemeinen Entwicklung der Kaliindustrie. Denkschrift aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Staßfurter Salzbergbaus. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesens im Preußischen Staate. 50, 1902, B. Abhandlungen, S. 6.

Der preußische Salinenbetrieb mini|Brennstoffbedarf auf der Saline Staßfurt

Die jährliche Menge des erzeugten Siedesalzes hatte ihren Höchststand 1857 mit 27.587 dz (= Doppelzentner). Zu den Jahren 1796 bis 1800 sowie 1804 bis 1808 fehlen bei WestphalJohannes Westphal war als Bergassessor in der „Berginspektion zu Staßfurt“ – der preußischen Staatswerks-Verwaltung der Saline und später des Salzwerkes Staßfurt – beschäftigt und hatte direkten Zugang zum Archivgut dieser Salzwerke. Aus diesem Grund soll auch seine Veröffentlichung von 1902 hier Vorrang vor denen aus späteren Zeiten haben. Quelle: Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate, 1902, 50, S. 8: Das Personal der Königl. Preußischen Bergwerksverwaltung. diesbezügliche Angaben. Wie bereits unter der früheren Pfännerschaft war auch unter der preußischen Betriebsführung die Versorgung der Saline mit Brennmaterial sehr problematisch.

Im Archivgut ist der Bericht des Administrators auf der Königlichen Saline Staßfurt namens BackeBeschreibung der Königlichen Westfälischen Saline zu Staßfurt. Acten des Oberbergamtes Halle: St. Cap. X Nr. 1, H. 1. über die Befeuerung der Staßfurter Saline seit dem Jahre 1800; (heute unter Bestand „F 19 Oberbergamt Halle. Spezialia: Salzbergwerk und Saline Staßfurt (mit Braunkohlenbergwerk Löderburg) (1800–1935)“ des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt, Standort Wernigerode). In: Johannes Westphal: Geschichte des Königlichen Salzwerkes zu Staßfurt unter Berücksichtigung der allgemeinen Entwicklung der Kaliindustrie. Denkschrift aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Staßfurter Salzbergbaus. In: Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate, 1902, 50, B. Abhandlungen, S. 8. enthalten, welcher beinhaltet: „Die Feuerung bestand bis zum Jahre 1800 in Holz, da aber dieses immer theurer wurde und nicht mehr anzuschaffen war, so bedient man sich seit dieser Zeit der Stein- und Braunkohlen. Nur zum jedesmaligen Feuermachen wird Langstroh und Wellen genommen.“ („Welle“ hat hier die Bedeutung „Reisigbündel“.) Zu einer Last Salz waren erforderlich: 1 Stück Welle, 12 Scheffel Steinkohlen sowie 32 Scheffel Braunkohlen. Die notwendige Menge an Heizmaterial für eine jährliche Siedung von 2000 Last zeigt nebenstehende Tabelle.

Salinenprodukte waren das „Weiße Salz“ (das Siedesalz) und sogenanntes „Schwarzsalz“, das unter dem Namen „Abfallsalz“ verkauft wurde.

Über die Absatzverteilung und die Preisverhältnisse schreibt Salineninspektor Backs zu Staßfurt anno 1807:

Im Jahre 1808 wurde Staßfurter Salz exportiert in das Fürstentum Quedlinburg, die Herzogtümer Dessau, Köthen und Bernburg sowie in die Grafschaft Barby und das Amt Endorf. Salzniederlagen [waren autorisierte Lager- und Verkaufshäuser für Salz] der Verwaltung der indirekten Steuern, die von der Staßfurter Saline versorgt wurden und zum inländischen Absatzgebiet rechneten, gab es in Alleringersleben, Aschersleben, Barnebeck, Halberstadt, Hornburg, Hettstedt, Neuhaldensleben, Osterwieck, Oschersleben, Oebisfelde, Quedlinburg, Veltheim, Weferlingen, Wernigerode; Sellereinen gab es auch in Aken und Calbe.

Die Stilllegung der Saline Bereits im Jahre 1797 (lt. einem archivierten Schreiben des Chefs des Generalsalzdepartements, von Struensee, vom 20. Mai 1797) gab es Überlegungen, den Salinenbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen zu beenden. In diesem Schreiben heißt es: „Da das Salzwerk zu Staßfurt gegenwärtig sehr gut gänzlich entbehrt werden könnte, so geschieht es bloß, um der Stadt Staßfurt diesen Nahrungszweig nicht auf einmal zu entziehen, daß dieses Salzwerk noch vor der Hand weiter betrieben werden soll.“[sic] Gegebenenfalls hätte die ebenso im fiskalischen Besitz stehende und weitaus rentabler arbeitende Saline Schönebeck ohne weiteres den gesamten Bedarf an Siedesalz abdecken können.