Fahn ist ein Ortsteil im Stadtteil Schildgen von Bergisch Gladbach. Vor der Neugliederung 1975 nach dem Köln-Gesetz gehörte Fahn zu Odenthal.
Heute bildet Fahn mit Schildgen einen geschlossenen Siedlungsbereich, so dass der Ort nicht mehr eigenständig wahrgenommen wird.
Geschichte Der Name Fahn erinnert an das Fahner Gut, eine hochmittelalterliche Siedlungsgründung, die aus einer Rodung hervorgegangen war. Fahn zählt zu den ältesten Siedlungskernen in Schildgen und war als Lehnsgut der Grundherrschaft Osenau entstanden. 1824 wurde hier das erste Schulgebäude für den Schulbezirk Nittum gebaut. Es ist bereits im Urkataster auf der Höhe des heutigen Concordiawegs verzeichnet. 1953 hat man die gesamte Verbindungsstraße von Fahn nach Unterscheid als Fahner Weg benannt.Andree Schulte, Bergisch Gladbach, Stadtgeschichte in Straßennamen, herausgegeben vom Stadtarchiv Bergisch Gladbach, Band 3, und vom Bergischen Geschichtsverein Abteilung Rhein-Berg e. V., Band 11, Bergisch Gladbach 1995, S. 22 f., ISBN 3-9804448-0-5
Die Topographia Ducatus Montani des Erich Philipp Ploennies, Blatt Amt Miselohe, belegt, dass der Wohnplatz 1715 als Hof kategorisiert wurde und mit Fahn bezeichnet wurde.
Carl Friedrich von Wiebeking benennt die Hofschaft auf seiner Charte des Herzogthums Berg 1789 als Fahn. Aus ihr geht hervor, dass Fahn zu dieser Zeit Teil von Unterodenthal in der Herrschaft Odenthal war.Wilhelm Fabricius : Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz; Zweiter Band: Die Karte von 1789. Einteilung und Entwicklung der Territorien von 1600 bis 1794; Bonn; 1898
Unter der französischen Verwaltung zwischen 1806 und 1813 wurde die Herrschaft aufgelöst und Fahn wurde politisch der Mairie Odenthal im Kanton Bensberg zugeordnet. 1816 wandelten die Preußen die Mairie zur Bürgermeisterei Odenthal im Kreis Mülheim am Rhein.
Der Ort ist auf der Topographischen Aufnahme der Rheinlande von 1824, auf der Preußischen Uraufnahme von 1840 und ab der Preußischen Neuaufnahme von 1892 auf Messtischblättern regelmäßig als Fahn oder ohne Namen verzeichnet. Fahn gehörte zur katholischen Pfarre Odenthal, seit 1929 zur Pfarre Schildgen.
+ Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Wohn- gebäude Kategorie 1822 38 Ackergüter 1830Friedrich von Restorff: Topographisch-statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Nicolai, Berlin und Stettin 1830 46 Ackergut 1845Uebersicht der Bestandtheile und Verzeichniß sämmtlicher Ortschaften und einzeln liegenden benannten Grundstücke des Regierungs-Bezirks Cöln : nach Kreisen, Bürgermeistereien und Pfarreien, mit Angabe der Seelenzahl und der Wohngebäude, sowie der Confessions-, Jurisdictions-, Militair- und frühern Landes-Verhältnisse. / hrsg. von der Königlichen Regierung zu Cöln [Köln], 58 11 Ackergüter 1871 58 11 Hofstelle 1885Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII), Berlin 1888. 44 11 Ortschaft 1895Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1895 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII), Berlin 1897. 45 9 Ortschaft 1905Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft XII), Berlin 1909. 53 11 Ortschaft Mit der Kommunalreform kam Fahn 1975 zur Stadt Bergisch Gladbach.
Namensgebung und Etymologie Die Schreibweise des Namens hat sich mehrfach verändert. In einem Hofregister der Herrschaft Osenau wurde der Hof 1414 als das gut zum farne, quidquam dicunt (so genannt) zum Fahn bezeichnet. Damit ist die heutige Schreibweise schon für das Spätmittelalter belegt. In einer Zehntliste von 1602 erscheint der Siedlungsname als das Gut zum Faen. Fahn ist die mundartliche Bezeichnung für Farn und verweist in Flurnamen auf den Bewuchs mit Farnkraut, das als Anzeiger für eine feuchte Bodenbeschaffenheit gilt. Die althochdeutsche Bezeichnung farn und die mittelhochdeutsche varn gehen in ihrem Stamm auf das gotische fani (= Sumpf / Schlick) zurück.
Richtstätte und Hexenverfolgung Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit gelangte Fahn zu einer gewissen regionalen Bekanntheit, weil auf dem dortigen Galgenberg die Richtstätte des Odenthaler Landgerichts lag. Hier wurden nicht nur Verbrecher durch den Galgen, den Block oder durch das Rad hingerichtet, sondern seit dem 17. Jahrhundert auch vermeintliche Hexen verbrannt. Im Jahr 1747 wurde hier das letzte Todesurteil vollstreckt. 1811 wurde das Landgericht aufgelöst.
Bergbau Im 19. Jahrhundert wurde auf der Grube Fahn hinter dem Haus Fahner Weg 3 a/b und auf den benachbarten Grundstücken Bergbau auf Eisen betrieben.
Literatur Anton Jux: Das Bergische Botenamt, die Geschichte Bergisch Gladbachs bis in die Preußische Zeit, herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Bergisch Gladbach, Bergisch Gladbach 1964 Helmut Rosenbach: Das alte Paffrath – Katterbach, Paffrath, Hand – in Geschichte und Geschichten, ICS Communikations-Service GmbH, Bergisch Gladbach 1993
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Schildgen