rechts|mini|Kapitän Misson, von Johnson als Gründer von Libertalia bezeichnet Libertalia (auch bekannt als Libertatia) war eine angebliche Piratenkolonie, die im späten 17. Jahrhundert in Madagaskar unter der Führung von Kapitän James Misson (dessen Nachname gelegentlich auch „Mission“ geschrieben wird und dessen Vorname manchmal als „Olivier“ angegeben wird) gegründet wurde. Die Hauptquelle für Libertalia ist Band 2 von „A General History of the Pyrates“, einem Buch aus dem Jahr 1724, das Kapitän Misson und Libertalia beschreibt. Über diesen Bericht hinaus wurden kaum bis gar keine Belege für Libertalia gefunden, und Libertalia wird von zeitgenössischen Wissenschaftlern allgemein als fiktiv angesehen.
Hintergrund Libertalia war eine legendäre freie Kolonie, die von Piraten unter der Führung von Kapitän Misson gegründet wurde,Simon, Ed, Return to Pirate Island, JSTOR Daily, August 4, 2021 with several references obwohl die meisten Historiker Zweifel an ihrer Existenz außerhalb der Literatur geäußert haben. Libertalia erhielt seinen Namen vom lateinischen Wort liberi, was „frei“ bedeutet. Missons Idee war es, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen aller Hautfarben, Glaubensrichtungen und Weltanschauungen frei von jeglicher Kontrolle sein sollten. Er wollte den Menschen von Libertalia einen eigenen Demonym geben, nicht den eines früheren Herkunftslandes. Der Historiker und linksradikale Aktivist Marcus Rediker behauptet:
Wie einige historisch belegte Piraten praktizierten sie direkte Demokratie, bei der das Volk als Ganzes die Befugnis hatte, Gesetze und Regeln zu erlassen, und nutzten zudem Ratssysteme, die sich aus Delegierten zusammensetzten, die sich als „Genossen“ der breiten Bevölkerung und nicht als Herrscher verstehen sollten. Sie schufen eine neue Sprache für ihre Kolonie und führten eine sozialistische Wirtschaft.
Das Motto der Piratenutopie lautete „Für Gott und die Freiheit“, und ihre Flagge war weiß ganz im Gegensatz zum Jolly Roger.
Kapitän James Misson Dem Bericht in „A General History of the Pyrates“ zufolge war Misson Franzose, geboren in der Provence, und während eines Urlaubs in Rom, den er vom französischen Kriegsschiff „Victoire“ genommen hatte, verlor er seinen Glauben, angewidert von der Dekadenz am päpstlichen Hof. In Rom traf er auf Caraccioli – einen „lüsternen Priester“, der im Laufe langer Seereisen, auf denen es kaum etwas anderes zu tun gab als zu reden, Misson und einen beträchtlichen Teil der übrigen Besatzung nach und nach zu seiner Denkweise bekehrte:
Die 200-köpfige Besatzung der Victoire, die sich auf eine Piratenkarriere einließ, ernannte Misson zu ihrem Kapitän. Sie teilten den Reichtum des Schiffes unter sich auf und beschlossen, dass „alles allen gemeinsam gehören“ solle.
Standort In der modernen Forschung herrscht Einigkeit darüber, dass Libertalia (oder Libertatia) kein realer Ort war, sondern ein fiktives Konstrukt. Der Journalist Kevin Rushby bereiste die Gegend auf der Suche nach Nachfahren der Piratenbewohner, blieb jedoch erfolglos und behauptete, „andere hätten dies schon oft versucht und seien gescheitert“, obwohl die Betsimisaraka historisch gesehen behaupten, von Piraten abzustammen. Es gab Piratensiedlungen auf und um Madagaskar, auf denen Libertalia möglicherweise basierte: Abraham Samuel in Fort Dauphin, Adam Baldridge auf der Île Sainte-Marie und James Plaintain in Rantabe waren allesamt ehemalige Piraten, die Handelsposten und Städte gründeten. Diese Orte tauchen häufig in offiziellen Berichten und Briefen aus dieser Zeit auf, während Libertalia nur in Johnsons „General History“, Band 2, erwähnt wird. Johnson schreibt über die allgemeine Struktur von Libertalia. Die Siedlung soll auf jeder Seite des Hafens über eine erhöhte Festung mit jeweils 40 Kanonen aus portugiesischem Bestand verfügt haben. Unterhalb der Festungen, unter deren Schutz, befanden sich die Wohnquartiere sowie der Rest der Stadt. Libertalia lag etwa 13 Meilen östlich-südöstlich der nächstgelegenen Stadt.
Kritik Johnsons „Libertalia“ wurde als reine Fiktion, als apokryph, oder als utopischer Kommentar betrachtet. Die Aufnahme fiktionaler Berichte wie dem von Misson in „A General History“ hat einige moderne Wissenschaftler dazu veranlasst, das gesamte Werk als zuverlässige Quelle abzulehnen, obwohl andere Teile davon zumindest teilweise durch verschiedene Quellen bestätigt wurden. Die „Oxford Research Encyclopedia of African History“ beschreibt Libertalia als „fiktiv“.
Libertalia in der Populärkultur
Literatur William S. Burroughs Cities of the Red Night, 1981 Ghost of Chance, 1991 Daniel Vaxelaire. Les mutins de la liberté, 1986 Johnson, Charles. A General History of the Pyrates, 1724 (in Band 2) Libertalia, une utopie pirate (Auszug aus dem französischen "Histoire générale des plus fameux pirates"), L'Esprit Frappeur Marcus Rediker. "Libertalia: The Pirate's Utopia," in Pirates: Terror on the High Seas from the Caribbean to the South China Sea Peter Lamborn Wilson. Pirate Utopias: Moorish Corsairs & European Renegadoes, 1995 Pirates of the Caribbean: Legends of the Brethren Court: Wild Waters, 2009 Rushby, Kevin. Hunting Pirate Heaven, 2001 W. E. Johns. Biggles and the Pirate Treasure, 1954 Tubella Casadevall, Imma. Els insubmisos del mar, 2021 Langrehr, Rick. Libertalia: Stealing Equality, 2022 David Graeber. Pirate Enlightenment, or the real Libertalia, 2023
Museum Piratenmuseum in Antananarivo, seit 2008 Ilot-Madame-Museum auf der Île Sainte-Marie
Film Gegen alle Flaggen (1952) The Amorous Corporal (1958) The King's Pirate (1967) The Grand Tour (2020)
Videospiele Assassin's Creed IV: Black Flag (2013) (nur erwähnt) Europa Universalis IV (2013) Fallout 4 (2015) (enthält eine schwimmende Banditensiedlung namens „Libertalia“) Uncharted 4: A Thief's End (2016) (abgewandelte Interpretation, in der die Kolonie als „Libertalia“ bezeichnet wird und unter anderem von Henry Avery und Thomas Tew sowie anderen berühmten Piraten gegründet wurde.)
Musik
Ye Banished Privateers: The Legend of Libertalia (Album, 2014) Jake and the Infernal Machine: Libertalia (Album, 2014) Ja, Panik: Libertatia (album, 2014) FreibeuterAG: "Libertalia" (Lied) Running Wild: "Libertalia" (Lied), ein Bonustrack von ihrem Album Rogues en Vogue (2005). Yuna Palatine: "Libertatia" (Lied) Ye Banished Privateers:" Bring Out Your Dead - The Legend of Libertalia" (Lied) Arc De Soleil, Libertalia (EP 2020)
Weblinks
Of Captain Thomas Tew Paul Orton's Thomas Tew page Return to Pirate Island, JSTOR Daily A General History of the Pyrates Vol. II, Version von Projekt Gutenberg
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Madagaskar)