mini|Fawzi Boubia auf den Rauriser Literaturtagen 1997 – Foto von Peter Rigaud Fawzi Boubia (* 8. Dezember 1948 in Khémisset, Marokko)http://www.inst.at/trans/5Nr/mueller.htmHorst Turk, Brigitte Schultze, Roberto Simanowski: Kulturelle Grenzziehungen im Spiegel der Literaturen: Nationalismus, Regionalismus, Fundamentalismus- Wallstein Verlag, 1998, ISBN 978-3-89244-327-8, Seite 357. ist ein marokkanischer Geisteswissenschaftler und – häufig deutschsprachiger – Schriftsteller. Als Professor für deutsche Literatur- und Kulturgeschichte lehrt er an der Universität Caen. Er versteht sich als Citoyen des Orients und Okzidents und setzt sich als Komparatist und Kulturwissenschaftler für eine Kultur des Dialogs im mediterranen Raum ein.
Biographie Fawzi Boubia wurde als zweiter Sohn des Widerstandskämpfers und Historikers Si Ahmed Boubia geboren. Nach dem Besuch der Koranschule und der arabischen Volksschule wechselte er auf das französische Schulsystem. Er besuchte dann die französischen Gymnasien in Meknès (lycée Paul-Valéry) und Rabat (lycée Descartes), wo er das Abitur mit den Schwerpunkten „Philosophie und Literatur“ bestand. Danach ging er zum Studium nach Deutschland.
Nach einem Master in Literatur- und Politikwissenschaft und Philosophie erhielt Boubia von der Universität Heidelberg den Titel des „Doktors der Philosophie“ und erlangte einige Jahre später die Habilitation an der Sorbonne.
Boubia ist Germanist, Philosoph, Schriftsteller und Historiker mit Schwerpunkt auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Orient und Okzident. Seine Publikationen verfasst er vornehmlich auf Deutsch, aber auch auf Französisch und Arabisch. Er war lange Jahre Leiter der damals neugegründeten deutschen Abteilung (1976) der Universität Rabat und Professor für deutsche Literatur- und Kulturgeschichte. Er lehrte auch an deutschen Universitäten (Heidelberg und Karlsruhe). Zusammen mit Professor Arnold Rothe und anderen Kollegen initiierte er Anfang der 80er Jahre die Maghreb-Studien an der Universität Heidelberg.http://ww2.heidelberg.de/stadtblatt-online/index.php?artikel_id=6251&bf= Des Öfteren wurde er zu Vorträgen und Lesungen in vielen Ländern eingeladen.
Beim nationalen Wettbewerb um die Besetzung von Lehrstühlen in Frankreich (Fachrichtung „Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte“, 1996–1997) stand er auf Platz eins an zwei Universitäten: „Université d‘Aix-en-Provence“ und „Université de Caen-Normandie“. Im Jahr 1997 wurde er zum Professor für deutsche Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Caen in der Normandie ernannt.http://www.inst.at/trans/5Nr/mueller.htm Dort gründete und leitete er über lange Jahre hinweg die Forschungsgruppe „Voi(es)x de l'exil et des migrations“. Seit 2018 ist Fawzi Boubia aktives Mitglied der „Akademie für westöstlichen Dialog der Kulturen“.Unsere Mitglieder im Portrait, auf westostakademie.de, abgerufen am 19. Oktober 2021 Am 28. August 2022 wurde er einstimmig zum Präsidenten der „Akademie für westöstlichen Dialog der Kulturen“ gewählt.westostakademie.de
Werk Boubia hat zahlreiche Bücher und Aufsätze geschrieben. Bereits als Jugendlicher hatte er ein Arabisch-Lehrbuch für frankophone Schüler verfasst. Seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung handelt von der Dialektik von Literatur und Politik im Theater der Spätaufklärung (Sturm und Drang).Theater der Politik – Politik des Theaters (Lang-Verlag, Frankfurt, 1978) Er ist auch der Autor von Heidelberg-Marrakesch, einfach (1996), dem ersten marokkanischen Roman deutscher Sprache (in Marokko verfasst).Heidelberg-Marrakesch, einfach. Roman, Kinzelbach-Verlag, Mainz, 1996 Anlässlich seiner Einladung im darauffolgenden Jahr zu den Rauriser Literaturtagenhttp://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=13947 rezitierte und publizierte er sein erstes deutschsprachiges Gedicht Scheherezade in dürftiger Zeit.Cf. SALZ. Zeitschrift für Literatur 22/III (Salzburg 1997), S. 10. Abgedruckt auch in: Ulrich Müller / Margarete Springeth, Interkulturelle Konflikte zwischen Islam und Europa: Der Roman „Heidelberg-Marrakesch, einfach“ (1996) von Fawzi Boubia. In: Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Nr. 5, 5. Juli 1998.
Als Theaterdichter hat er eine dramatische Version seines Romans “Heidelberg-Marrakesch, einfach” verfasst, die von Massud Rahnama erfolgreich am Wiener „Theater Spielraum“ und an 80 diversen Spielorten in Österreich und weltweit auf die Bühne brachte.http://www.massud-rahnama.com/german/menus/biografie.htm Er hat darüber hinaus eine umfassende Untersuchung unter dem Titel La pensée de l’universel: Goethe contre Hegel veröffentlicht.La pensée de l’universel, Goethe contre Hegel, Editions Marsam, Rabat, 2007 Darin befasst er sich mit dem integrativen Universalismus Goethes, den er mit der Philosophie Hegels konfrontiert.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten behandeln diverse Themen und Problematiken: Exil und Migration;Exil et Migration, Actes du colloque de Caen, hg. Von Fawzi Boubia, Caen, 2003; Exil und Migration, Kongressakten des INST, hg. von Fawzi Boubia, Wien, 2004. In: Das Verbindende der Kulturen, INST, Wien, 2004. Cf. 3.1. Exil und Migration | Exile and Migration | Exil et migration, Theorie der Alterität und der Weltliteratur bei Goethe;„Goethes Theorie der Alterität und die Idee der Weltliteratur“. In: Bernd Thum (Hg). Gegenwart als kulturelles Erbe. München, Iudicium, 1985. p. 269-301. Hegels Philosophie der Ausgrenzung;„Hegel: philosophie et intolérance“. In: Jusqu'où tolérer? Septième Forum Le Monde Le Mans, Textes réunis et présentés par Roger-Pol Droit, Paris, Le Monde-Éditions, 1996, p. 282-302 (Débat: p. 303-309); „Goethe versus Hegel. Die Welt als Denkhorizont“. In: Heinz-Dieter Assmann, Frank Baasner, Jürgen Wertheimer (Hrsg.), Grenzen, Forschungsprojekt „Wertewelten“ der Universität Tübingen, Bd. 7, Nomos-Verlag, Baden-Baden, 2014, S. 37–53; La pensée de l’universel, Goethe contre Hegel, Editions Marsam, Rabat, 2007. Rousseaus Philosophie der Negativität;„Rousseaus Philosophie der Negativität“. In: Ici et ailleurs: le dix-huitième siècle au présent. Hommages à Jacques Proust. Tokyo, Librairie-Éditions France Tosho, 1996, p. 269-284; „Jean-Jacques Rousseau: Erkenntnis und Widerspruch“. In: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Band XCVII, Heft 2, 1987, p.115-123. Interkulturelle Kommunikation;„Goethes Entwurf einer interkulturellen Kommunikation zwischen Orient und Okzident". In: Kanon und Text in interkulturellen Perspektiven: „Andere Texte anders lesen“, 4. Kongress der „Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik“ und der Universität Salzburg, Kaprun, 23-27. September 1998, hg. v. M. Auer und U. Müller, Stuttgart 2001, S. 67–80; Goethes Theorie und Praxis der Transkulturalität“. In: Elbah / Hasbane / Möller / Moursli / Tahiri / Tazi (Hrsg.), Interkulturalität in Theorie und Praxis, Publications de l’Université Mohammed V, Rabat 2015, S. 330–338. Orientalismus und Okzidentalismus;„Übersetzung und interkulturelle Kompetenz“. In: Übersetzen, verstehen, Brücken bauen, hg. v. Armin Paul Frank, Kurt-Jürgen Maaß, Fritz Paul und Horst Turk. Mit einer Einleitung von Horst Turk. Berlin, Erich Schmidt Verlag, 1993, p. 655-666; „Identitätsparadigmen und Paradigmendissidenz. Der Islam als Bestandteil der europäischen Kultur“. Akten XII. Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanisten, Band 6: Nationale und transnationale Identitäten in der Literatur, Lang-Verlag, Frankfurt am Main 2012, S. 103–113; „Orientalischer Okzidentalismus: Die arabische Renaissance und Europa“. In: Blickwinkel. Kulturelle Optik und interkulturelle Gegenstandskonstitution, München, Iudicium, 1996, p. 947-967. den Arabischen Frühling als Dritte „Nahda“ (Renaissance);„Irhalokratie: Der neue arabische Demokratiebegriff und Die Dritte Arabische Renaissance“. In: Heinz-Dieter Assmann, Frank Baasner, Jürgen Wertheimer (Hrsg.), Ähnlichkeiten, Mischungen, Synkretismen. Auf dem Weg zu einer globalen Gesellschaft, Forschungsprojekt „Wertewelten“ der Universität Tübingen, Nomos-Verlag, Baden-Baden (im Druck). den Islam als wesentlichen Bestandteil der europäischen Kultur und Geschichte.„Identitätsparadigmen und Paradigmendissidenz. Der Islam als Bestandteil der europäischen Kultur“. Akten XII. Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanisten, Band 6: Nationale und transnationale Identitäten in der Literatur, Lang-Verlag, Frankfurt am Main 2012, S. 103–113
In einem Artikel, den er anlässlich des Arabischen Frühlings auf Arabisch verfasste, hat er ein neues arabisches Konzept in die Diskussion eingeführt, die „Irhalocratie“ الإرحلوقراطية (Absetzbarkeit der Exekutive aufgrund von freien Wahlen), das dazu angelegt ist, im Anschluss an die politische Philosophie des Kritischen Rationalismus den verschwommenen und durch die orientalischen Potentaten allzu strapazierten Begriff „Demokratie“ zu ersetzen.http://www.ahewar.org/debat/show.art.asp?aid=250185
Gremientätigkeiten Boubia war in den 1980er und 1990er Jahren Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik (GiG).http://www.inst.at/bio/boubia_fawzi.htm In den 1980er Jahren tätig im wissenschaftlichen Ausschuss der Euro-arabischen Universität mit dem Dichter Mohamed Aziza sowie im wissenschaftlichen Ausschuss des Instituts „Transcultura“http://transcultura.org/ mit Umberto Eco und dem Anthropologen Alain Le Pichon zusammen. Er war in der beratenden Kommission der UNESCO für die Erstellung des „Plan Arabia“ an der Seite des sudanesischen Schriftstellers Tayeb Salih (Projekt: Förderung des euro-arabischen Dialogs, 1990er Jahre)Plan Arabia, auf unesco.org und Gründungsdirektor der Forschungsgruppe „Voi(es)x de l'exil et des migrations“ der Universität Caen (1998–2005).Exil et migration, auf calenda.org In den 2010er Jahren war er in einigen Programmen der Anna-Lindh-Stiftung involviert und wurde Mitglied der Forschungsgruppe „Wertewelten“ der Universität Tübingen.
Auszeichnungen 1967 Concours Général, arabische Sprache und Literatur 1983–1984 Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung.https://www.humboldt-foundation.de/web/pub_hn_query.bibliographia_index_pub?p_lang=de&p_year=2010&p_group=1&p_fg2=1D 1999 (Mai–Juni) Gastwissenschaftler am Zentrum für Literaturforschung (Eberhard Lämmert)http://www.zfl-berlin.org/person/boubia.html 2003: Einladung zu einer Gastprofessur an der Universität Innsbruck (Johann Holzner). 2013: Einladung zur Antrittsvorlesung für die Eröffnung der Tagung der Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik an der University of Stellenbosch in Südafrika (Carlotta von Maltzan). 2016 Ehrenauszeichnung der Universität Rabat anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Deutschen Abteilung der Faculté des Lettres et des Sciences Humaines im Rahmen der Tagung 40 Jahre Deutsche Studien in Rabat: Rückblick und Perspektiven. 2022 Präsident der Akademie für west-östlichen Dialog der Kulturen.
Publikationen
Monographien und Editionen Theater der Politik – Politik des Theaters, Lang-Verlag, Frankfurt, 1978 Heidelberg-Marrakesch, einfach. Roman, Kinzelbach-Verlag, Mainz, 1996 Exil et Migration, Actes du colloque de Caen, hg. von Fawzi Boubia, MRSH, Caen 2003 Qaba’il Zemmour wa al-Haraka al-Wataniyya (Die Zemmour-Stämme und die Nationalbewegung); قبائل زمور والحركة الوطنية Si Ahmed Boubia: Memoiren, hrsg. von Fawzi Boubia, Publications de la Faculté des Lettres et des Sciences Humaines, Université Mohammed V, Rabat 2003. 720p. Al-Kitab al-Gharbi li al-Mu’allif al-Charqui, Roman, Lit-Verlag, Wien, 2004 الكتاب الغربي للمؤلف الشرقي Exil und Migration, Kongressakten des INST, hg. von Fawzi Boubia, Wien, 2004. In: Das Verbindende der Kulturen, INST, Wien, 2004.Cf. http://www.inst.at/trans/15Nr/03_1/03_1inhalt15.htm Migrations-, Emigrations- und Remigrationskulturen, Kongressakten der Internationalen Vereinigung für Germanistik, hg. von Fawzi Boubia, Anne Saint Sauveur-Henn und Frithjof Trapp, Band 6, Peter Lang, 2007.