Evangelos Vagelis Tsakiridis, auch Evangelos Vagelis Tsakerides, (* 1936 in AthenVagelis Tsakiridis (Hrsg.): Super-Garde. Prosa der Beat- und Pop-Generation. Droste, Düsseldorf, S. 220.Nach anderen Quellen 1931 (Vangelis Tsakiridis im emuseum des Kulturamtes Düsseldorf)) ist ein deutsch-griechischer Schriftsteller, Übersetzer und Bildhauer.
Leben
Tsakiridis studierte in seiner Geburtsstadt Athen Jura, Bildhauerei und Malerei, ehe er 1960 in die Bundesrepublik Deutschland übersiedelte, um in Aachen Architektur zu studieren. Er weigerte sich, seinen Militärdienst in der griechischen Armee abzuleisten, woraufhin ihm die griechische Staatsangehörigkeit entzogen wurde. Die deutschen Behörden verweigerten dem inzwischen in Berlin lebenden und verheirateten Tsakiridis die deutsche Staatsangehörigkeit, so dass er mehrere Jahre als Staatenloser lebte. Lediglich ein Schreiben des ehemaligen regierenden Bürgermeisters von Berlin Willy Brandt, in dem ihm ein Pass zugesichert worden war, verhinderte seine Ausweisung nach Griechenland, wo inzwischen die von Georgios Papadopoulos geführte Militärdiktatur an der Macht war. Im Februar 1968 wurde Tsakiridis schließlich in der Bundesrepublik Asyl gewährt.Jürgen Peter Wallmann: Vagelis Tsakiridis: Hallelujah. In: Neue Deutsche Hefte Band 15, J. Günther, 1968, S. 132–133. Der Fall erregte Aufsehen in der zeitgenössischen PresseKai Hermann: Unfreundlicher Akt. In: Die Zeit vom 11. August 1967. und wurde zum Anlass einer Veränderung des Einbürgerungsgesetzes in der Bundesrepublik.Rolf Zundel: Horch, was kommt von draußen rein. In: Die Zeit vom 2. Mai 1969.
Tsakiridis schrieb Lyrik und Prosa in deutscher Sprache. Er betrachtete sich selbst als deutscher Schriftsteller.Helmut Salzinger: Hallelujah für eine Jungfrau. In: Die Zeit vom 13. September 1968. In der Anthologie Super-Garde rechnete sich Tsakiridis, genannt „Tsak“, der Beat- und Pop-Generation der deutschen Literatur zu. Bei einer Ausstellung seiner Eisenplastiken in Athen agierte er als Repräsentant der Westberliner Kultur. Er übersetzte jedoch auch griechische Literatur ins Deutsche. So übertrug er für eine von Günter Grass bei Luchterhand herausgegebene Reihe sieben griechische Lyriker, die von der Militärdiktatur verfolgt wurden. Für das bei Rowohlt verlegte Schwarzbuch der Diktatur in Griechenland schrieb Tsakiridis das Vorwort.
1967 wurde Tsakiridis zum letzten Treffen der Gruppe 47 in der Pulvermühle Waischenfeld eingeladen. Hier lobte Erich Fried „höchst originelle Vers- und Prosatexte, die politische Aspekte mit halb-surrealistischer Technik vereinen“.Volker Kaukoreit: Vom „Heimkehrer“ zum „Palastrebellen“. Ein Protokoll zu „Erich Fried und die Gruppe 47“. In: Stephan Braese (Hrsg.): Bestandsaufnahme. Studien zur Gruppe 47. Erich Schmidt, Berlin 1999, ISBN 3-503-04936-3. S. 149. In einer Stichwahl um den Preis der Gruppe 47 unterlag er Jürgen Becker, doch auf Initiative Hans Werner Richters wurde auch dem zu dieser Zeit Staatenlosen eine Geldspende überreicht.
Seit 1973 sind keine Veröffentlichungen von Tsakiridis mehr verzeichnet.
Veröffentlichungen
1965: Staatsbahnen und andere Texte (mit Hartwin Gromes und Dieter Hülsmanns). S. Fischer, Frankfurt am Main. 1967: Gedichte für die Jungfrau am Brunnen und Prosa. Luchterhand, Neuwied. 1967: Beiträge in Erzählung, Kritik, Gedicht, herausgegeben von Paul-Gerhard Hübsch. Törn, Frankfurt am Main. 1968: Hallelujah. Luchterhand, Neuwied. 1969: als Herausgeber: Super-Garde. Prosa der Beat- und Pop-Generation. Droste, Düsseldorf. 1970: Vorwort zu: Aris Fakinos, Clément Lépidis, Richard Soméritis (Hrsg.): Schwarzbuch der Diktatur in Griechenland. Rowohlt, Reinbek. 1973: Tsaks Zacke. Melzer, Darmstadt.
Übersetzungen
Vasilis Vasilikos: Z. Blanvalet, Berlin 1968. Jannis Ritsos: Jannis Ritsos. Wagenbach, Berlin 1968. Alexis Pappas: Nachtcafé. Blanvalet, Berlin 1969. Alexis Pappas: Schaltjahre. Blanvalet, Berlin 1970.Karl Hoche: Ein Roman zum Abgewöhnen. In: Die Zeit vom 2. April 1971.
Bildhauerische Werke
1972: Wassersäule. Senftenberger Ring 54–70, Märkisches Viertel, BerlinWassersäule. In: Bildhauerei in Berlin, abgerufen am 5. Januar 2025.
Weblinks
Fotografie mit Gerhard Rühm bei Getty Images
Einzelnachweise
Anmerkungen
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