Vladimír Karl Zoul, auch Wladimir Zoul, (geboren 4. November 1914 in Wien; gestorben 17. Mai 1943 ebenda) war ein österreichischer Schneidergehilfe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus der tschechischsprachigen Minderheit. Er wurde vom NS-Regime zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht geköpft.
Leben Zoul war Schneidergehilfe und im kommunistischen Widerstand tätig. Er soll gemeinsam mit Franz Tesarik, ebenfalls Schneidergehilfe, Aufklärungsmaterial gegen das NS-Regime verteilt haben und traf dabei auch die Funktionärin Hedwig Urach.ZPA, [Geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Wien], II A 1, B. Nr. 200/41 vom 11. September 1941, Weiterverhandelt, S. 2–8; DÖW 11081, Der Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof, 7 J 95/42 vom 29. Mai 1942, Anklageschrift gegen Alfons Peschke, Friedrich Nesvadba, Hedwig Urach, Wladimir Zoul und Franz Tesarik, S. 13 und 15–18, auszugsweise ab- gedruckt in: Widerstand und Verfolgung in Wien (wie Anm. 48), Band 2: 1938–1945, Dok. 143, S. 177–180.
Er wurde von der Gestapo Wien verhaftet und verhört. Am 16. Dezember 1942 wurde Vladimír Zoul vom Volksgerichtshof gemeinsam mit vier Mitangeklagten, dem Goldschmiedegehilfen Friedrich Nesvadba, den Schneidergehilfen Alfons Peschke und Franz Tesarik sowie der Schneiderin Hedwig Urach, wegen „der im Kriege begangenen Vorbereitung zum kommunistischen Hochverrat“ zum Tode durch das Fallbeil verurteilt.Die Verhandlung fand entweder in Krems oder in Wien statt. An der Verifizierung des Verhandlungsortes wird gearbeitet. Im Wiener Landesgericht verbrachte er fast ein halbes Jahr in der Todeszelle.Manfred Mugrauer: Soldat der gerechten Sache. Zum 100. Geburtstag der kommunistischen Widerstandskämpferin Hedy Urach, in: Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, 17. Jg., Nr. 3, September 2001, S. 9–21.
Rote Plakate in Wien kündeten am 17. Mai 1943 von der Hinrichtung von Franz Tesarik, Hedwig Urach und Vladimír Zoul.Matthias Keuschnigg in: Bibliotheksverein im Landesgericht für Strafsachen Wien (Hrsg.): Katalog Die Geschichte des Grauen Hauses und der österreichischen Strafgerichtsbarkeit, Wien 2012, Kapitel 5, NS-Unrechtsjustiz. S. 137.
Gedenken Sein Name findet sich auf einem Mahnmal und zwei Gedenktafeln: Auf dem Mahnmal für die Opfer des Widerstands der tschechoslowakischen Minderheit in Wien in Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof,Eduard Kubů, Gudrun Exner: Tschechen und Tschechinnen, Vermögensentzug und Restitution, Oldenbourg Verlag 2004, S. 143. auf der Gedenktafel für die tschechische und slowakische Minderheit am Haus Leibnizgasse 10 in Wien-Favoriten, gewidmet den „Helden der tschechischen und slowakischen Minderheit, die für die Freiheit Österreichs und der Tschechoslowakei ihr Leben opferten.“Nachkriegsjustiz, abgerufen am 31. Juli 2015., abgerufen am 29. März 2015. auf der Gedenktafel im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts, wo Zoul zu Tode gekommen ist, heute ein Weiheraum für die hingerichteten NS-Opfer.Nachkriegsjustiz, abgerufen am 1. August 2015.
Literatur Manfred Mugrauer: Soldat der gerechten Sache. Zum 100. Geburtstag der kommunistischen Widerstandskämpferin Hedy Urach. In: Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft. 17. Jg., Nr. 3, September 2001, S. 9–21, Digitalisat (PDF; 576 kB) auf klahrgesellschaft.at. Willi Weinert: „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“: ein Führer durch den Ehrenhain der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof für die hingerichteten WiderstandskämpferInnen. 3., verb. und erw. Auflage. Wiener Stern-Verlag 2011, S. 277, Vorschau auf Google Books.
Einzelnachweise
Kategorie:Österreichischer Widerstandskämpfer Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1914 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann