mini|Dorfkirche Dobbin (2009) Die Dorfkirche Dobbin ist eine Saalkirche in Dobbin-Linstow, Mecklenburg.
Geschichte In Urkunden findet sich Dobbin erstmals 1227. Schon um 1347 wurden die von Barold auf Dobbin erwähnt.Barold (Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, 1859)MUB X. (1877) Nr. 6737. Sie blieben 400 Jahre. Zwischen 1237 und 1274 soll Dobbin mit seinem Umland durch die Pröpste Theodorius und Oldaricus vom Kloster Dobbertin verwaltet worden sein.MUB II. (1864) Nr. 1347.MUB I. (1863) Nr. 425.MUB I. (1683) Nr. 469.Bruno Theek: Aus der Chronik des Dorfes und Gutes Dobbin, nach kirchlichen und sonstigen Aufzeichnungen. 1934, S. 2–4.
Der letzte katholische Geistliche war Urban Schwassmann, der 1527 verschwand. In alten Kirchenakten wird er als Dieb und Kirchenbrecher genannt, weil er katholisch blieb, Kirchengüter mitnahm und das Gebäude teilweise zerstörte. Der verbliebene Wald- und Ackerbesitz der Pfarre Dobbin war sehr groß, so dass sich der machtbesessene Priester Johann Babe aus Kieth gegen fürstliche Erlaubnis in die herrenlose Pfarre setzte. „Sein Ruf war nicht fein, war ein fanatischer Papist und ein schwieriger Mensch.“
Nach Ausweis des Visitationsprotokolls von 1534 gehörte die Dobbiner Kirche im Mittelalter zum Güstrower Archidiakonat und zum Bistum Cammin. Der Güstrower Propst setzte damals Johann Domer als Kirchherrn ein. Das Kirchlehn war landesherrlich und wurde durch die herzoglichen Vögte vergeben. Im Visitationsprotokoll der Kommission des Amtes Goldberg vom 4. Oktober 1557 ist zu lesen: „Die Wedeme,Wedeme (mittelniederdeutsch) bedeutet wie Wittum sowohl Morgengabe als auch Kirchengut/Pfarrgut und Pfarrhaus/Pastorat, siehe Wehde die Pfarre ist ganz verwüstet und wird bald auf einen Haufen fallen.“ Da der Brief zur Anmeldung aus Goldberg zu spät eintraf, war von den Baroldt keiner anwesend. Auch Herzog Ulrich kümmerte sich 1567 um die Zustände in Dobbin. Er schenkte der Kirche eine deutsche Bibel, die noch 1625 im Inventarverzeichnis aufgeführt war, und mahnte des Öfteren die Patronatsfamilie von Baroldt.
Im Dreißigjährigen Krieg flohen der Pfarrer und die letzten sechs Bauern 1637 nach Krakow. Die Dobbiner Parochie, die Kirche und das Dorf wurden vom Krieg stark mitgenommen. Danach war die Pfarrstelle fast 26 Jahre vakant. Das Kirchenpatronat hatten Moritz und Ulrich Wedige von Walsleben an sich genommen. Trotz „seiner kümmerlichen Gesundheit“ wurde Heinrich Alwardt 1663 zum eigenen Pastor nach Dobbin bestellt; er schaffte es noch fünf Jahre.
In den Wirren zwischen Karl Leopold (Mecklenburg) und dem für ihn von Kaiser und Reich als Administrator eingesetzten Herzog Christian Ludwig II. wurde bei der Berufung des Pastors Paschen Hane 1737 gänzlich übersehen, dass der Major Christoph August von Barold das Dobbiner Kirchenpatronat usurpiert hatte. Dobbin war bis 1746 Stammsitz der Barold.Friedrich Schlie: Das Filial-Kirchdorf Dobbin Schwerin 1901, S. 339. Danach übernahm als Universalerbe der Königlich dänische Generalmajor Hans Adolf von Lepel das Dorf mit der Kirche Dobbin und prozessierte 1758 mit Herzog Friedrich um das Kirchenpatronat, das er verlor.Wolf Lüdeke von Weltzien: Die Lepel in Mecklenburg. 1992, S. 127.
Als selbstständige Pfarre wurde Dobbin wegen schlechter Dotierung aufgegeben. Die Kirche wurde ab 1766 von Kieth aus verwaltet und nach Johann Christoph Bührings Tod 1788 mit der Kirche in Serrahn vereinigt. Erst 1871 kam die Dobbiner Kirche wieder zu Kiether Kirche mit dem dortigen Pastor Johannes Hurtzig.
Das Patronat mit der Baulast übernahm der Domänenrat Georg Philipp von Brocken. Von 1901 bis 1934 hatte das Niederländische Königshaus außer dem Schloss auch das Kirchenpatronat in Dobbin.
Vor und nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu mehreren Veränderungen in der Kirche. Am 8. August 1913 hatte Heinrich, Prinz der Niederlande und Herzog zu Mecklenburg im Beisein des Oberbaurats Friedrich Pries vom Staatshochbauamt Mecklenburg-Schwerin während der Besichtigung der Kirche in Dobbin seine Wünsche zur Versetzung des Altars, zur Erneuerung der Fenster, zur Verlegung der Sakristei und zur Herstellung eines neuen Einganges zur von Brocken’schen Kapelle geäußert, die nach Begutachtung durch die Großherzogliche Kommission zur Erhaltung der Denkmäler zu Schwerin 1914 durch das Distriktsbauamt umzusetzen waren.Grossh. Meckl. Finanzministerium, Abt. für Domänen und Forsten am 25. März 1914 an die Großherzogliche Kommission zur Erhaltung der Baudenkmäler.
Baugeschichte Ein urkundlicher Nachweis über die Bauzeit fehlt. Der längsrechteckige, ein Oblongum bildende, Backsteinbau wurde wahrscheinlich schon Ende des 13. Jahrhunderts, spätestens Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet.Friedrich Lisch: Die Kirche zu Dobbin. MJB 27 (1862) S. 221. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Dobbin und seine Kirche 1637 verwüstet. Über Jahrzehnte unbesetzt, war auch ihr hölzerner Turm zerfallen. An der später wieder aufgebauten Kirche erfolgten ab 1872 im Innern und an den äußeren Fassaden eingreifende Veränderungen. Am Westgiebel wurde ein 28,5 Meter hoher schlanker Kirchturm aus Feldsteinen in den unteren Geschossen und aus Backsteinen im oberen Geschoss vorgesetzt.
Während der Patronatszeit des Niederländischen Königshauses von 1901 bis 1934 und nach dem Tode von Prinz Heinrich wurden diverse Veränderungen des Kircheninnern vorgenommen.Vermerk zur Besichtigung der Kirche in Dobbin am 8. August 1913 mit Heinrich, Prinz der Niederlande. Bauzeichnungen für eine neue Einrichtung und eine neue Sakristei fertigte 1913 der Oberbaurat Friedrich Pries.LKAS, OKR Schwerin, Kirche Dobbin, Nr. 001–010. Zum Andenken an ihren verstorbenen Gemahl wünschte Königin Wilhelmina, dass der gotische Altar aus katholischen Zeiten durch ein in Oberammergau geschnitztes Kruzifix ersetzt würde. Da die Aufstellung ausblieb, sollten der Dobbiner Hausmarschall von Bülow und Pastor Theek aus Kieth diese Veränderungen veranlassen. Nach einer Ortsbesichtigung am 24. Juni 1936 durch Oberkirchenrat Georg Krüger-Haye und den Denkmalpfleger Oberbaurat Adolf Friedrich Lorenz lehnte der Landesdenkmalpfleger Walter Josephi die Entfernung des Schnitzaltars schon am 25. Juni 1936 ab.OKR Schwerin, Dobbin, Bauten, Altar der Kirche in Dobbin, 25. Juni 1936.
Aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1983 sind nur wenige Veränderungen bekannt; die zunehmenden Schäden an Kirchturm, Dach und Fassaden waren jedoch augenfällig. 1983 wurden die kaputten Fenster durch Holzrahmen mit Profildrahtglas geschlossen. An den beiden unteren Turmgeschossen kam es durch den schlechten Verbund der nur äußerlich bearbeiteten Feldsteine, den über Jahre erfolgten witterungsbedingten Mörtelauswaschungen und den fehlenden Ringankern zu lotrechten Rissbildungen, die zum Einsturz des Turmes hätten führen können.Wolfgang Preiss: Gutachten Kirchturm Dobbin, Kreis Güstrow. Dresden, 30. Juli 1986. Noch 1986 wurden das Glockenläuten eingestellt und die Sicherungsmaßnahmen in Eigenleistung durchgeführt.Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg, Baudienststelle Güstrow, 4. April 1986. In der Kirchenchronik ist dazu zu lesen: Sigurd Havemann: Kirche Dobbin. Dobbin 2007, S. 34.
Im Frühjahr 1990 richtete ein Orkan im Dorf und an der Kirche schwere Schäden an. Der mit Schiefer eingedeckte Turmhelm wurde stark beschädigt. Durch unterbliebene Dachreparaturen wurde auch das Kirchendach über die gesamte Länge im Firstbereich abgedeckt. Bis die Finanzierung gesichert war und die komplette Neueindeckung des Kirchendaches erfolgen konnte, regnete es voll in die Kirche. Neben der Dachstuhlsanierung erfolgte nach der Turmeinrüstung bis zur Turmspitze die Neueindeckung mit Kupferplatten. Die Fenster erhielten 2014 eine schlichte Bleirautenverglasung mit Klarglas.
Eine innere Renovierung des Kirchenraumes und die Reparatur oder ein Neubau der Orgel stehen noch aus.
Baubeschreibung Äußeres Der längsrechteckige Kirchenbau ist als Backsteinbau auf einem Fundament aus Granitsteinen erbaut. Die Fassaden haben keinen außergewöhnlichen Schmuck. Die gesamte Südfassade wird neben zwei langgestreckten Spitzbogenfenstern und einem mittig angeordneten rundbogigen Eingangsportal mit einfachen, rechtwinklig eingehenden Wandungen nur durch fünf Reihen mit den alten Rüstlöchern aus der Erbauungszeit aufgelockert. Das Satteldach wurde 1991 mit Hohlpfannendachziegeln neu eingedeckt. An der Nordfassade befinden sich noch Reste eines glasierten Frieses in Vierpassform. Nach Westen liegen zwei langgestreckte Spitzbogenfenster. Das Giebeldreieck der Ostwand ist mit sieben hohen Spitzbogennischen aus Backstein verziert. Auf der Westseite werden diese durch den vorgesetzten Turm verdeckt. Am Ostgiebel wurde oberhalb der Fensterzone als dekoratives Horizontalband noch ein schwarzglasierter Rautenfries angeordnet. Rechts vom mittig langgezogenen Spitzbogenfenster mit verbleitem Rautenglas schließt sich ein späterer Anbau an.
Der schlanke Westturm wurde 1872 aus behauenen Feldsteinen errichtet. Das obere Geschoss mit dem Glockenstuhl, den Spitzbogenfenstern und Schallluken, den Schildgiebelblenden und die Spitzbogennischen mit den Kreuzen erhalten schon neugotische Elemente. Über dem spitzbogigen Eingangsportal mit Segmentbogen über der Eingangstür befindet sich ein großer Sandstein mit der Inschrift des damaligen Kirchenpatronats G. P. von Brocken 1872.
An der Nordseite der Kirche befindet sich die Grabkapelle mit der Familiengruft der Familie von Brocken, die mit der Kirche verbunden ist.
Inneres Ungewöhnlich reich ist die Ausstattung im Innenraum, den eine flache Holzbalkendecke abschließt.
Vom älteren, zerschnittenen Kirchengestühl blieben vier Stuhlwangen erhalten. Die Kopfenden wurden mit eingeschnittenen Engeln und Rosetten sowie mit den eingeschnittenen Grabowschen (Magdalene Grabowen) und Baroldschen (Clawes Barold) Wappen von 1606 geschmückt. Auch von den 25 Ölgemälden,Friedrich Schlie: Das Filial-Kirchdorf Dobbin. 1901, S. 341. die der Domänenrat von Brocken vor 1900 kaufte und der Kirche schenkte, sind heute noch zwei Bilder vorhanden: der Kalvarienberg und die Kreuzigungsgruppe mit der Büßerin aus dem 18. Jahrhundert.
Rechts vom Mittelfenster der Ostwand hängt das Ende des 16. Jahrhunderts geschaffene Holzepitaph, auf dem neben der gemalten Kreuzigung kniend fünf männliche und vier weibliche Figuren der Stifter der 1746 ausgestorbenen Familie von Barold zu sehen sind. Die an beiden Rändern des Epitaphs gemalten Wappen sind von den Familien Barold, Stockfleth, Pinow, Linstow, Kardorff, Adrum, Oldenburg, Smecker, Zepelin und Restorff.Wolf Lüdeke von Weltzien: Von Barold Band 3, 1992, S. 32.
Einige der Beicht- und Betstühle sind mit gemalten Wappen der Patronatsfamilien versehen. An der Südwand hängen geschnitzte Wappen der Familie von Brocken und des niederländischen Königshauses Oranien.
Altar mini|Marienaltar (2015) Das geschnitzte Altarretabel aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert ist eigentlich ein klappbares Triptychon (Flügelaltar). Es wurde 1698 restauriert und erhielt 1860 einen starren neugotischen Rahmen.