Eichenzell ist eine Gemeinde im osthessischen Landkreis Fulda.

Geographie Geographische Lage Eichenzell liegt am Übergang der Naturräume Westliches Rhönvorland, einer dem hessischen Teil der Rhön in Richtung Vogelsberg vorgelagerten Hügellandschaft, im Osten und Kerzeller Fliedetal im Westen. Der Kernort befindet sich etwa 7 km südsüdöstlich der Kreisstadt Fulda am Ostufer des Flusses Fulda. In diese mündet nordnordwestlich des Ortsteils Löschenrod die aus Richtung des Ortsteils Kerzell kommende Fliede, die dort vom Döllbach gespeist wird.

Nachbargemeinden und Gemeindegliederung Die Gemeinde grenzt im Norden an die Stadt Fulda und die Gemeinde Künzell (Ortsteil Engelhelms), im Osten an die Gemeinde Ebersburg, im Süden an die Gemeinde Kalbach sowie im Westen an die Gemeinde Neuhof (alle im Landkreis Fulda).

Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort Eichenzell die Ortsteile Büchenberg (mit dem Weiler Zillbach), Döllbach, Kerzell (mit dem Weiler Steinberg), Löschenrod, Lütter, Rönshausen (mit dem Weiler Melters), Rothemann und Welkers.

Geschichte mini|Das Eichenzeller Schlösschen, Westseite mini|Das Eichenzeller Schlösschen, Nordseite

Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Kerndorf Eichenzell erfolgte unter dem Namen Eichencella in einer Schenkungsurkunde des Reichsklosters Fulda und wird in die Zeit von 927–956 datiert. Laut Georg Landau war Ursprung des Orts eine Zelle, die von den Hunnen im Jahre 920 zerstört, danach von Abt Haicho (917–923) wiederhergestellt und Haichoniscelle genannt wurde.Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. Theodor Fischer, Kassel, 1842, S. 485. Die urkundliche Erwähnung anderer Dörfer in der Gemeinde erfolgte schon früher: Lütter 815, Döllbach 852, Zillbach 859 und Rönshausen 866. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gegend südlich von Fulda schon bald nach der Gründung des Klosters im Jahre 744 planmäßig gerodet und besiedelt wurde.

Das Eichenzeller Schlösschen ist das Wahrzeichen der Gemeinde. Erbaut wurde es im Renaissance-Stil durch die Herren von Ebersberg genannt von Weyhers um das Jahr 1548. In seiner wechselvollen Geschichte wurde es als Ritterresidenz, Wohnhaus, Pfarrhaus, Gotteshaus, Gaststätte und Gemeindesaal genutzt. Seit 1971 ist es der Sitz der Gemeindeverwaltung mit modernem Bürgerbüro, 2006/07 renoviert und im Inneren modernisiert.

Im Jahr 1971 wurde Eichenzell hessischer Landessieger beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolgte zum 31. Dezember 1971 durch die freiwillige Neubildung der Großgemeinde Eichenzell aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Eichenzell, Büchenberg (mit der am 1. April 1970 eingegliederten Gemeinde Zillbach), Döllbach, Lütter, Rönshausen (mit der am 1. August 1968 eingegliederten Gemeinde Melters), Rothemann und Welkers. Hinzu kamen am 1. April 1972 die Gemeinde Kerzell und am 1. August 1972 kraft Landesgesetz die Gemeinde Löschenrod. Für Ortsteile Büchenberg/Zillbach, Döllbach, Eichenzell, Kerzell, Löschenrod, Lütter, Rönshausen/Melters, Rothemann und Welkers wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Eichenzell.

„Weckfresser“ Von alters her werden die Einwohner der Kerngemeinde „Eichezeller Weckfresser“ genannt. Im Garten des Eichenzeller Schlösschens ist ein solcher „Weckfresser“ in Stein gemeißelt.

Bis 1785 gehörte Eichenzell zur Pfarrei Florenberg. An besonderen Festtagen oder bei bestimmten Wallfahrten gingen die Eichenzeller auf den Florenberg zur Kirche. Sehr zum Verdruss der anderen Wallfahrer aus den Nachbarorten sollen die Eichenzeller hierbei trotz des langen Weges häufig als erste angekommen sein. Bis die anderen auf dem Berg eintrafen, hatten die Eichenzeller meist schon alle Festtagswecken aufgekauft. Da es werktäglich meist nur das schon Wochen zuvor gebackene Brot gab, war der Festtagsweck eine beliebte Abwechslung. Verärgert darüber, dass die Eichenzeller schon den gesamten Bestand für sich erworben hatten, bezeichneten die Nachbargemeinden sie als Eichezeller Weckfresser. Diese Bezeichnung ist ihnen geblieben. Allerdings gilt die traditionelle Bezeichnung in dieser Form nur für die alteingesessenen Bürger, während die Eichenzeller Neubürger sich, den alten Begriff scherzhaft umdeutend, als Brötchengenießer bezeichnen.

Planung eines Stausees Im Tal des Döllbachs war in den 1970er Jahren westlich des Ortsteils Döllbach in Richtung des Nachbarorts Thalau eine Talsperre geplant, die als Wasserreservoir für den Raum Frankfurt und der Energieerzeugung dienen sollte. Der entstehende Stausee sollte als Naherholungsgebiet genutzt werden. Die Stützen der A 7-Autobahnbrücke wurden daher mit besonderem Beton ausgeführt, sie hätten später mitten im See gefußt. Der Stauseeplan wurde jedoch aus verschiedenen Gründen aufgegeben, unter anderem weil die Wasserversorgung für den Raum Frankfurt anders gesichert werden konnte. Für den Ortsteil Döllbach hatte dies für die lange Zeit von der Planung bis zur Verwerfung zur Folge, dass zwischenzeitlich keine Baugenehmigungen erteilt wurden.

Ein weiteres Kuriosum war im Jahre 2006 die Idee, oberhalb des Industrieparks Rhön einen Flugplatz mit einer 1,5 Kilometer langen Asphaltpiste anzulegen. Der Unternehmer Lutz Helmig wollte dort investieren, um einen Sonderlandeplatz für kleinere Strahlflugzeuge einzurichten. Die Idee scheiterte jedoch am massiven Widerstand der Anwohner in Rönshausen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eichenzell angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Centoberamt Fulda 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda, Amt Fulda 1806–1810: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Johannesberg ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Neuhof ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis FuldaTrennung zwischen Justiz, Landgericht Fulda und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Fulda ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Eichenzell 11.042/11.689 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 2265/2059 Einwohner unter 18 Jahren, 4878/4351 zwischen 18 und 49, 2073/2913 zwischen 50 und 64 und 1827/2367 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 273/694 (2,5 %) /  Ausländer, von denen 144/339 aus dem EU-Ausland, 79/257 aus anderen europäischen Ländern und 46/97 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 10,0 % / ? einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 4554/3349 Haushalten. Davon waren 1251/? Singlehaushalte, 1242/1514 Paare ohne Kinder und 1644/1506 Paare mit Kindern, sowie 324/328 Alleinerziehende und 90/? Wohngemeinschaften. In 879/550 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3273/2377 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1812: 56 Feuerstellen, 536 Seelen

Religion mini|Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul Eichenzell ist hauptsächlich katholisch geprägt; in allen Ortsteilen sind katholische Kirchen zu finden. Daneben befindet sich im Stadtkern von Eichenzell eine evangelische Kirche (Trinitatiskirche). Für die kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul lieferte die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen in den Jahren 1904 und 1926 jeweils vier Bronzeglocken, die aber in den beiden Weltkriegen beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden. Nach dem Krieg lieferte Otto 1950 zwei Glocken und 1964 eine weitere.

Religionsstatistik • 1885: 17 evangelische (= 2,9 %), 561 katholische (= 97,0 %), ein jüdischer (= 0,2 %) Einwohner • 1961: 130 evangelische (= 8,4 %), 1408 katholische (= 91,4 %) Einwohner • 1987: 683 evangelische (= 8,4 %), 7188 katholische (= 88,6 %), 244 sonstige (= 3,0 %) Einwohner • 2011: 1350 evangelische (= 12,2 %), 8430 katholische (= 76,3 %), 1260 sonstige (= 11,4 %) Einwohner • 2022: 1592 evangelische (= 13,6 %), 7118 katholische (= 60,9 %), 2979 sonstige (= 25,5 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Eichenzell erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Eichenzell 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 48,51842,31645,71756,22152,11944,817 17,0621,0822,3835,91344,21651,519 4,314,928,038,033,724,21 BLE Bürgerliste Eichenzell25,91025,2924,09—————— 4,726,72––—————— Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 62,5 60,2 60,4 53,8 52,5 63,1

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Eichenzell neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Juni 2020 Johannes Rothmund (CDU). Er wurde als Nachfolger von Dieter Kolb, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 9. Februar 2020 in einer Stichwahl bei 59,12 Prozent Wahlbeteiligung mit 50,83 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl im Dezember 2025.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 7. Dezember 2025 in Eichenzell

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Gemeinde Eichenzell, seit 1994 2020–2032 Johannes Rothmund (CDU)Bürgermeister Johannes Rothmund – Eichenzeller Nachrichten, 6. Juni 2020: Trotz Corona: In würdigem Rahmen übergibt Dieter Kolb an Johannes Rothmund. Die Bürgermeister vor Dieter Kolb seit der Gebietsreform; Seiten 9–13 der PDF-Datei 4,84 MB 2008–2020 Dieter Kolb (parteilos)Osthessen News, 27. Mai 2020: Zwölf Jahre Rathauschef – die Bilanz. Bürgermeister Dieter Kolb: „Wir sind nicht auf der Insel der Glückseligen“ 1996–2008 Rudolf Breithecker (SPD) 1990–1996 Helmut Gladbach (CDU) 1983–1990 Thomas Schadow (CDU) 1957–1983 Karl Ebert (CDU)

Wappen

Ortsbeiräte Gemeinde Eichenzell Für die Ortsteile Büchenberg/Zillbach, Döllbach, Eichenzell, Kerzell, Löschenrod, Lütter, Rönshausen/Melters, Rothemann und Welkers besteht je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbezirke entsprechen den Gebieten der ehemaligen Gemeinden.