mini|hochkant=1.6|Die Kernstadt
Meschede [] ist eine Mittelstadt im nördlichen Sauerland und seit 1975 Kreisstadt des Hochsauerlandkreises, Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Damals wurde im Rahmen der kommunalen Neugliederung die heutige Stadt durch Zusammenschluss der (alten) Stadt Meschede, der Gemeinde Meschede-Land und zahlreichen ihrer Nachbargemeinden bzw. Teilen von diesen neu gegründet.Sauerland/Paderborn-Gesetz vom 5. November 1974. Seit dem 24. Juli 2012 trägt Meschede offiziell den Titel Kreis- und Hochschulstadt.Statistisches Bundesamt – Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2012. Am hatte die Stadt Meschede Einwohner, davon lebten im gleichnamigen Stadtteil Meschede und in den 48 umliegenden Stadtteilen.
Geographie Geographische Lage Meschede liegt südwestlich des Naturparks Arnsberger Wald beidseitig der Ruhr in unmittelbarer Nähe der Hennetalsperre. Südöstlich schließt sich das Rothaargebirge an. Südwestlich geht das Stadtgebiet in den ehemaligen Naturpark Homert (seit 2015 Naturpark Sauerland-Rothaargebirge) über.
Der tiefste Punkt liegt bei (Fluss Ruhr am Übergang nach Oeventrop), der höchste Punkt liegt bei (Berg Hockenstein, südlich der Ortschaft Mosebolle).
Geologie Meschede liegt im Rheinischen Schiefergebirge an der Nordgrenze des Rothaargebirges. Die Gesteine entstanden vor allem während des Devons. In dieser Zeit bildeten sich zwei gegensätzliche Faziesbereiche heraus. Das Givet in rheinischer Fazies beginnt mit rund 140 Meter mächtigen, siltig-tonigen Wiedenester-Schichten. Über diesen liegen graue, karbonatische, siltig-feinsandige Tonschiefer der Grevensteiner Schichten. Als herzynische Faziesvertretung des Massenkalk sind neben dem Nuttlarer Schiefer die 100 bis 150 Meter mächtigen Wallener Schiefer zu nennen.Olaf Otto Dillmann: Zur Geologie des Sauerlandes, Erdgeschichtlicher Überblick. (PDF; 281 kB) In: geodienst.de, 8. April 2015, abgerufen am 28. Januar 2018.
Ausdehnung des Stadtgebiets und Flächennutzung mini|hochkant=1.6|Panoramablick: Blick von südwestlich der Klausenkapelle über ein Getreidefeld; unterhalb der Sonne klein zu sehen Schloss Laer, im Hintergrund Meschede, rechts am Waldrand die Klausenkapelle
Das 218,5 km² große Stadtgebiet verteilt sich auf 12,70 km² Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche (5,8 %), 1,17 km² Erholungsfläche und Friedhofsfläche (0,5 %), 12,71 km² Verkehrsfläche (5,8 %), 62,68 km² Landwirtschaftsfläche (28,7 %), 124,60 km² Waldfläche (57,0 %), 3,49 km² Wasserfläche (1,6 %) und 1,15 km² übrige Nutzfläche (0,5 %). Abgerufen am 12. November 2017.
Die Nord-Süd-Ausdehnung von Meschede beträgt etwa 17,8 km und die Ost-West-Ausdehnung etwa 19,1 km.
Nachbargemeinden und umliegende Großstädte Meschede grenzt im Norden an Warstein im Kreis Soest, im Osten an Bestwig, im Süden an Schmallenberg, im Südwesten an Eslohe, im Westen an Sundern und im Nordwesten an Arnsberg, welche allesamt im Hochsauerlandkreis liegen.
Die nächstgelegenen größeren Städte mit über 100.000 Einwohnern sind im Nordosten Paderborn (60 km), im Osten Kassel (120 km), im Süden Siegen (75 km), im Westen Hagen (85 km) und im Nordwesten Dortmund (75 km) und Hamm (60 km) sowie im Norden Gütersloh (75 km) und Bielefeld (100 km).
Stadtgliederung
mini|Ehemalige Gemeinden auf dem heutigen Stadtgebiet von Meschede
Zum Stadtgebiet gehören die 49 Stadtteile Baldeborn, Berge, Berghausen, Beringhausen, Blüggelscheidt, Bockum, Bonacker, Brumlingsen, Calle, Drasenbeck, Einhaus, Enkhausen, Ennert, Enste, Erflinghausen, Eversberg, Freienohl, Frenkhausen, Frielinghausen, Grevenstein, Heggen, Heinrichsthal, Horbach, Höringhausen, Klause, Kotthoff, Köttinghausen, Laer, Löllinghausen, Löttmaringhausen, Meschede, Mielinghausen, Mosebolle, Mülsborn, Obermielinghausen, Olpe, Remblinghausen, Sägemühle, Schederberge, Schüren, Stesse, Stockhausen, Vellinghausen, Visbeck, Voßwinkel, Wallen, Wehrstapel, Wennemen und Wulstern.
Das Stadtgebiet ist in neun Bezirke eingeteilt: Eversberg, Wehrstapel/Heinrichsthal, Remblinghausen, Wennemen, Calle/Wallen, Berge/Visbeck, Grevenstein, Olpe und Freienohl. In den Bezirken Freienohl und Remblinghausen wird jeweils ein Bezirksausschuss gewählt, in den anderen sieben Bezirken wählt der Rat einen Ortsvorsteher. Die Stadtteile Meschede, Berghausen, Beringhausen, Enste, Heggen, Löttmaringhausen und Schederberge gehören keinem der neun Bezirke an, sondern werden als Teil der Kernstadt betrachtet.
Klima Im Allgemeinen wird Meschede durch den im südöstlichen Westfalen vorherrschenden Übergangsbereich zwischen dem ozeanischen und dem kontinentalen Klima geprägt. Demnach sind die Sommer teils feucht-kühl, teils aber auch trocken-warm. So wurden Spitzenwerte von 38 °C, trotz der Lage im Bergland (230–) gemessen, Tiefstwerte von unter −15 °C sind aufgrund der Tallage keine Seltenheit. Ganzjährig kommt es häufig zu Niederschlägen, die am Nordstau des Gebirges intensiv ausfallen, die Stadt liegt am Nordwestrand eines Höhenzuges des Rothaargebirges, daher liegt die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei knapp 1000 mm. In den Wintermonaten ist eine beachtliche Schneedecke anzutreffen, die durchaus eine Höhe von 50 cm erreichen kann.
Berichte von Unwettern sind auch historisch gut dokumentiert. So geht der Bau des Hennesees unter anderem darauf zurück, dass die Stadt im 19. Jahrhundert oft von Hochwasser, oftmals bedingt durch die Schneeschmelze im Hochsauerland, heimgesucht wurde. Schwere Unwetter wie beispielsweise 1969, 1997, 2001, 2006 und zuletzt im Juni und August 2007 brachten teils nennenswerte Hochwasserereignisse mit sich.
Geschichte Meschedes Anfänge mini|Hünenburg, Mauer der Vorburg mini|St. Walburga, ehemaliges Stift Meschede
Im neuen Gewerbegebiet im Stadtteil Enste wurden 2014 bei Bauarbeiten bäuerliche Siedlungsreste aus der vorrömischen Eisenzeit gefunden.Pressemitteilung vom 23. November 2015 des LWL. Davon abgesehen reichen die ältesten Überlieferungen zur Mescheder Geschichte ins 8. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit entstand etwa 1,5 km vom Stadtzentrum entfernt (am heutigen Stadtrand) die Hünenburg als karolingische Wallburg. Sie stellte ein machtvolles Symbol der neuen fränkischen Herrschaft über die unterworfenen Sachsen nach den langwierigen Sachsenkriegen dar und diente unter anderem als Fliehburg. Ihre Lage in der Nähe zweier sich kreuzender Straßen war strategisch gut gewählt. Dort gründete Emhildis um 870 ein adliges Damenstift und wurde seine erste Äbtissin. Patronin des Stifts war die heilige Walburga. In wechselnder Form bestand das Stift fort bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1804 im Rahmen der Säkularisation. Die älteste Stiftskirche stammt aus karolingischer Zeit. Es handelte sich um eine kreuzförmige Basilika, von der bis heute der Westturm (aus der Zeit vor 900) und die Ringkrypta erhalten sind. Der gemauerte Teil des Turmes mit seiner welschen Haube aus dem 17. Jahrhundert (nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1954 wieder hergerichtet) gilt als die „älteste Einturmanlage nördlich der Alpen.“ Der Bau wird in Fachkreisen als Kulturgut europäischen Ranges bezeichnet.Eintrag auf Klosterlandschaft Westfalen
mini|hochkant|Motiv Sturm auf dem Meer aus dem Hitda-Codex (angefertigt für das Stift Meschede zwischen 1000 und 1030)
Die älteste urkundliche Erwähnung spricht im Jahr 913 von einem Stift namens „Mescedi“.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 337. König Otto I. verlieh ihm im Jahre 958 das Markt- und Zollrecht, was die Voraussetzung zur Entstehung eines um das Stift gelegenen Marktortes bildete. Das Stift konnte in der Folgezeit seine Besitztümer ausdehnen, es gehörte zu den reichsten und größten in Westfalen.
Schon früh wird in Meschede ein Kirchspiel nachgewiesen, dessen Ort in etwa der Straße „Im Rebell“, also nur rund 100 m vom Damenstift entfernt, entspricht. Die Kirche „Mariä Himmelfahrt et St. Johanni“ war Pfarrkirche für Meschede und Meschede-Land. Im Zuge der Säkularisation des Klosters wurde das Kirchspiel erst in eine Schule umgewandelt und später ganz abgerissen. Ein Taufbecken findet sich heute in St. Walburga.
Ein weiterer frühmittelalterlicher, jedoch noch heute vorhandener Sakralbau ist die Michaeliskapelle auf dem Klausenberg (umgangssprachlich Klausenkapelle), die hoch über der Stadt seit dem 10. Jahrhundert zu finden ist.
Vom Stift zur Freiheit Im heutigen Stadtgebiet von Meschede legten die Grafen von Arnsberg im 13. Jahrhundert die beiden befestigten Plansiedlungen Eversberg und Grevenstein an. Hierdurch wollten sie ihr Herrschaftsgebiet gegen die Ansprüche der Erzbischöfe von Köln absichern. Meschede erlangte erst 1457 den Status einer Freiheit. Im Jahre 1572 schloss sich Meschede über einen Vertrag mit der Stadt Arnsberg der Hanse an. Erst 1604 zahlte Meschede die Restsumme des 1572 festgelegten Hansebeitrags.Sabina Butz: Meschede und die Hanse. In: WOLL. Magazin für Meschede, Bestwig, Olsberg, Sommer 2020. S. 84–87. Der Bau eines Rathauses 1581 spricht von einer bürgerlichen Weiterentwicklung in Meschede.
Die Gräuel und Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges machten auch vor Meschede nicht Halt. So wurde unter anderem auch St. Walburga in Mitleidenschaft gezogen. Für das frühe 18. Jahrhundert lässt sich eine Tuchmacherzunft nachweisen. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Ort mehrfach hintereinander von der Roten Ruhr heimgesucht.
Meschede im 19. Jahrhundert Im Frieden von Lunéville wurden 1801 alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich abgetreten. Die rechtsrheinischen Territorien Kurkölns wurden als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 säkularisiert und auf verschiedene andere Territorien aufgeteilt. Bereits 1802 fiel das Herzogtum Westfalen und damit auch Meschede an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt. 1807 erfolgte eine Neugliederung der Ämter, wodurch Meschede Sitz eines eigenen Amtes wurde. Nach der Abdankung Napoleons I. beschloss der Wiener Kongress 1815, dass das Herzogtum Westfalen an das Königreich Preußen fallen sollte. 1816 wurde dann das Herzogtum Westfalen dem Königreich Preußen angegliedert.
Meschedes Aufschwung beginnt mit der Ernennung zur Kreisstadt des Kreises Meschede 1819. 1837 wurden nach der preußischen Gemeindeordnung von 1835 zum ersten Mal neun Stadtverordnete gewählt. Meschede hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 1750 Einwohner. Die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts handwerklich hergestellten Wolltuche, „das Mescheder Wand“, waren weithin bekannt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 339. Erste industrielle und gewerbliche Anlagen lassen sich vornehmlich an den Flüssen Ruhr und Henne nachweisen, eine Werkzeugfabrik, ein Textilunternehmen und eine Schuhleistenfabrik sind zu nennen. Der Bau der Oberen Ruhrtalbahn, durch den Meschede ab 1871 auch mit der Bahn erreicht werden konnte, brachte einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung mit sich, mehr als der Ausbau der Köln-Mindener Fernstraße um 1815, der ein tiefes Eingreifen in das Siedlungsgefüge Meschedes nach sich zog. 1899 hatte Meschede knapp 3000 Einwohner.
Industrialisierung und Erster Weltkrieg Die Ansiedlung der Honsel-Werke bringt der Stadt den Aufstieg hin zur industriell geprägten Stadt. Im Jahr 1901 wurde mit dem Bau der Hennetalsperre begonnen, der 1905 beendet wurde. Damit war ein horrendes Problem Meschedes scheinbar gelöst: die Gefahr der Überschwemmung bei Hochwasser. Regelmäßig stand die Stadt an Ruhr und Henne unter Wasser, stellenweise soll das Wasser meterhoch durch die Straßen geflossen sein. 1927 jedoch waren die Fluten auch für die Hennetalsperre nicht zu bändigen – das Wasser floss auch über die Staumauer hinweg.
Während des Ersten Weltkrieges wurde im Norden der Stadt ein ausgedehntes Kriegsgefangenenlager eingerichtet, Zeugen hiervon sind heute noch die Ausrichtung einiger Straßen in Meschedes Norden sowie die Straßenbezeichnung „Lagerstraße“.