Stonewall ist ein US-amerikanischer Historienfilm über die Geschichte des Aufstands in der New Yorker Christopher Street gegen die Polizei im Sommer 1969, bei dem sich erstmals eine größere Gruppe von Homosexuellen im Stonewall Inn der Verhaftung widersetzte. Der Film erzählt die Ereignisse aus der Sicht der fiktiven Figur Danny Winters. Regie führte Roland Emmerich, das Drehbuch stammt von Jon Robin Baitz.

Stonewall feierte am 18. September 2015 im Rahmen des 40. Toronto International Film Festivals seine Weltpremiere.David Rooney: 'Stonewall': TIFF Review In: The Hollywood Reporter, 18. September 2015. Der Film kam am 25. September 2015 in die US-Kinos und startete am 19. November 2015 in Deutschland, dem Herkunftsland des Regisseurs.

Handlung Nach einem aufgedeckten Oralsex mit seinem bisexuellen Freund Joe wird Danny Winters von seinen Eltern verstoßen und flieht aus der amerikanischen Provinz nach New York, wo er sich ein befreites schwules Leben erhofft. Winters findet sich in den Wilden Sechzigern New Yorks wieder, in denen es von korrupten Polizisten und obdachlosen Jugendlichen nur so wimmelt. Ohne Geld und feste Bleibe freundet er sich mit einer Gruppe von Straßenkindern an, die weitgehend aus sich prostituierenden Dragqueens, Schwulen und Lesben bestehen. Sie zeigen ihm auch ihre Stammkneipe, das Stonewall Inn. Hier lernt Danny den undurchsichtigen Besitzer des Clubs, Ed Murphy, kennen.

Das Stonewall Inn wird von der Mafia betrieben und ist alles andere als ein sicherer Aufenthaltsort. Ein Transvestit aus der Gruppe seiner neuen Freunde verliebt sich hierbei unglücklich in Danny. Ebenso ein charmanter LGBT-Aktivist, der später wiederum Danny enttäuscht. Als Danny und seine Freunde wiederholt von der Polizei diskriminiert, schikaniert und belästigt werden, machen die Gäste des Clubs ihrem Ärger darüber Luft und werfen ein Fenster ein. Diese Tat stößt ein Umdenken an und löst einen Aufruhr aus. Der Kampf für die Gleichberechtigung beginnt.Roland Emmerichs 'Stonewall': Trailer geht auf die Barrikaden In: moviejones.de, 5. August 2015. Danny erlebt aber nicht nur den Stonewall-Aufstand mit, sondern auch 1970 den ersten offiziellen Gay-Pride-Marsch.Kritiker zerreißen "Stonewall" In: Queer.de vom 25. September 2015

Hintergrund Mit Stonewall will Emmerich die Geschichte des 1969er Aufstands darstellen, um dieses denkwürdige Ereignis einer jüngeren Generation von Schwulen nahe zu bringen. Emmerich orientierte sich hierbei bildästhetisch an den Fotoaufnahmen, die es vom Aufstand in der Christopher Street gab. Die Bedeutsamkeit der erzählten Geschichte sieht Emmerich darin, dass es damals in New York ein paar Menschen gab, die völlig verrückt wirkten, aber durch einen Aufstand die ganze Welt veränderten.

Die ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen fanden in der Nacht vom 27. Juni zum 28. Juni 1969 statt, als Polizeibeamte eine Razzia im Stonewall Inn in der Christopher Street an der Ecke der 7th Avenue in Greenwich Village durchführten. Die Bar war bekannt für ihr homosexuelles und Transgender-Publikum.

Wegen der Darstellungen von Sex und Gewalt, dem gezeigten Konsum von Drogen und vulgärer Ausdrücke erhielt Stonewall ein R-Rating. Es war der erste Film mit internationaler Besetzung, der das Thema Homosexualität in die US-Kinos brachte, nachdem in den USA die höchstrichterliche Entscheidung zur Rechtmäßigkeit der gleichgeschlechtlichen Ehe gefallen war. Experten glaubten daher an gute Chancen für Emmerich, bei den Oscar-Verleihungen berücksichtigt zu werden.Henry Barnes: Roland Emmerich's gay rights drama joins the race for the Oscars In: The Guardian, 22. Juli 2015.

Produktionsgeschichte Besetzung Am 9. April 2014 kam Jeremy Irvine zur Crew (als Protagonist Danny Winters), am 3. Juni 2014 Jonathan Rhys Meyers (als Winters’ Freund Trevor), Ron Perlman (als Stonewall-Inn-Besitzer Ed Murphy) und Joey King (als Phoebe). Caleb Landry Jones übernimmt in Stonewall die Rolle von Orphan Annie. Die Rolle des Seymour Pine wurde mit dem kanadischen Film- und Theaterschauspieler Matt Craven besetzt. Weitere Rollen gingen an die kanadischen Schauspieler Atticus Mitchell, David Cubitt und die kanadische Daytime-Emmy-Award-Gewinnerin Joanne Vannicola. King hatte bereits 2013 in White House Down mit Emmerich zusammengearbeitet.

Dreharbeiten Am 31. März 2014 wurde bekannt, dass der Film in Montreal gedreht wird. Die Dreharbeiten begannen dort am 3. Juni 2014.

Synchronisation Die Synchronisation des Films wurde bei der RC Production nach einem Dialogbuch von Alexander Löwe unter der Dialogregie von Marius Clarén erstellt. +RolleDarstellerSynchronsprecherDanny WintersJeremy IrvineRaúl RichterEd MurphyRon PerlmanTilo SchmitzTrevorJonathan Rhys MeyersNorman MattPhoebe WintersJoey KingGiovanna WinterfeldtOrphan AnnieCaleb Landry JonesDirk StollbergSeymour PineMatt CravenStephan SchwartzMatthew / MattAtticus MitchellTill VölgerRay CastroJonny BeauchampArne StephanCoach WintersDavid CubittFrank RöthFat TonyMark CamachoSven BriegerSamJoanne VannicolaJoe AltmanKarl GlusmanMarios GavrilisJoyce WintersAndrea FrankleMarion ElskisBig DaddyKwasi SonguiAxel LutterMarsha P. JohnsonOtoja AbitMarius ClarénHans KellerWilson Gonzalez OchsenknechtQueen TooeyRichard JutrasLutz MackensyTerryYan EnglandTobias Nath

Rezeption Nachdem erste Ausschnitte aus dem Film gezeigt wurden, gab es vor allem auf amerikanischen Websites Kritik. Die Kritiker vermissen Vielfalt in den sexuellen Orientierungen und Ethnien. Weil diese ersten Bilder keine Schwarzen oder Transsexuellen zeigten, befürchtete man, „der Film könne so nur wenig authentisch werden und das Ganze sähe eher aus, wie eine Episode aus Glee statt wie ein historisches Ereignis“.

Bereits nach Veröffentlichung des Trailers riefen Aktivisten zum Boykott auf. Eine Online-Petition erhielt Zehntausende Unterschriften.Emmerich-Film macht Transgender-Szene wütend. In: tagesanzeiger.ch, 15. August 2015.

Jan Künemund kritisierte im Freitag, dass verzweifelt „mit den Formeln des Erzählkinos eine queere Position in eine heteronormative Passform gepresst“ werden solle. Die Trans-Freunde des Protagonisten Danny dienten nur als dessen Stichwortgeber und schwuler Sex werde in „grotesken Prostitutionsszenen erzählt“.Jan Künemund: Stein des Anstoßes. In: Der Freitag vom 19. November 2015, S. 19.

Im Hinblick auf die von Aktivisten gemachten Vorwürfe empfahl Wolfgang Höbel von Spiegel Online dem deutschen Kinobesucher, den Film freundlich als „einen Akt der Liebe“ zu bestaunen, von der man wisse, „dass sie manchmal krumme Wege geht“. Höbel bezeichnete den Film als einen „wirklich schnuckelsüßen Historienfilm“, der von Mut zum Kitsch, der Lust an klaren Bekenntnissen und von einer stolzen erzählerischen Schlichtheit zeuge.Wolfgang Höbel: Emmerichs Schwulen-Hymne 'Stonewall': Ein Akt der Liebe. In: Spiegel Online, 19. November 2015.

Christian Horn kommt bei Filmstarts.de zu einem ähnlichen Schluss: „Natürlich ist der Film keine messerscharf-ungeschönte Analyse, stattdessen zimmert der Regisseur ein routiniertes Hochglanzdrama, in dem er die gesellschaftliche Stimmung von damals mit einfachen Mitteln vereindeutigt. Er setzt die queere Emanzipation explizit für ein Mainstream-Publikum in Szene, Stonewall ist eben auch ein Film für Zuschauer, die womöglich nicht einmal wissen, auf welches Ereignis der Christopher Street Day Bezug nimmt. So gesehen leistet Emmerich Aufklärungsarbeit und wirbt auf seine Art für die Gleichstellung queerer Lebensentwürfe – und genau das ist es doch, was die Lesben- und Schwulenbewegung von Anfang an wollte.“Christian Horn: Filmkritik - Stonewall. In: Filmstarts.de, 21. Januar 2016.

Soundtrack Der Original-Soundtrack zum Film Stonewall wurde am 25. September 2015 veröffentlicht.Stonewall Soundtrack List Movie (2015) In: songonlyrics.net. Abgerufen am 18. Januar 2016.

Titelliste des Soundtracks

I Say A Little Prayer – Stingray Music Crackerjack – Richard Marks It Ain’t Fair, But It’s Fun – The Fabulous Originals Reach to the Moon – Lionel Wendling und Susi Gott Feel It in Your Bones – Directory City In the Rain – Leaves of Grass Cast the First Stone – Jay Ramsey Shadow of a Memory – The Silver Stars Stop That Calling – The Silver Stars Make Believe World – Sandy Szigeti Something in the Air – Thunderclap Newman Art News – Michel Gaucher und Andre Paul Charlier It’s Your Thing – The Isley Brothers Blue Eyes – Jose Le Gall My Mind Goes High – M.C. 2 Just Be Yourself – The Pretenders Venus – Shocking Blue A Whiter Shade of Pale – Procol Harum Show Me What You Got – Frank Williams & The Rocketeers Amor Do Carnaval – Letizia Felicite Morelli und Gerard Gueudin Bucolique – Maurice Jeanjean und Georges Tzipine I Need a Guy – The Lovettes Another Lover – Richard Myhill Barber of Seville (Una Voce Poco Fa) – Gioacchino Rossini Rigoletto – Caro Nome (1. Akt) – Giuseppe Verdi All I Want to Be – Daniel Edwardson Uptown Baby – Josh Phillips und Matthew Moore Androgyny – Dominic Evans and Raymond Watts Magenta Nights – Harald Kloser and Thomas Schobel Please Come Back – Harry Caldwell I’ll Take You There – The Staple Singers

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2015 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Historienfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Roland Emmerich