Das Ostseebad Ahrenshoop ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Teil des Amtes Darß/Fischland mit Sitz in Born a. Darß. Sie liegt auf der Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst am Übergang vom Fischland zum Darß.

Quer durch die Gemeinde Ahrenshoop verläuft die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Der Ort Ahrenshoop gehörte zu Vorpommern, während die heutigen Ortsteile Althagen und Niehagen zu Mecklenburg gehörten.

Geografie mini|hochkant=1|Grenzsituation vor Ahrenshoop und am Loop 1835 mini|Ahrenshoop im Jahre 1813 mini|Steilküste und Strand bei Ahrenshoop Das Seebad Ahrenshoop in der Region Fischland an der deutschen Ostseeküste der Mecklenburger Bucht liegt auf der Verbindung der Halbinsel Darß zum Festland. Ahrenshoop befindet sich an Ostsee- und Boddenküste (Saaler Bodden) und hat dadurch Wasser auf zwei Seiten. Die nächsten Mittelzentren sind Barth (über die Meiningenbrücke) und Ribnitz-Damgarten, die nächstliegende Großstadt ist Rostock. Das Seebad gliedert sich in die drei Ortsteile Althagen, Niehagen und Ahrenshoop. Der namensgebende Ortsteil Ahrenshoop liegt in Vorpommern, die Ortsteile Althagen und Niehagen liegen in Mecklenburg.

Ahrenshoop ist an den Ostseeküsten-Radweg angeschlossen, welcher innerhalb des Netzes der europäischen EuroVelo-Routen die gesamte Ostsee umrundet.

Geschichte Im Jahr 1390 wollte der pommersche Herzog Bogislaw VI. Ahrenshoop – 1311 als Arneshop schriftlich bezeugt – zu einer größeren Handelsstadt ausbauen, um vom gestiegenen Handelsaufkommen zu profitieren. Das damalige Arneshop lag etwas nordöstlicher des heutigen Ortes am ehemaligen Meeresarm Loop. Es war ein bedeutender Handelsort mit bis zu 500 Einwohnern. Bogislaw baute eine Burg mit Wallgraben. Die Herzöge lagen mit den Hansestädten Rostock, Stralsund und Greifswald wegen der Wulflam-Affäre in Zwist und suchten deshalb einen Hafen für ihren Handel. 1392 oder 1393 zerstörten 1000 Mann aus Rostock, deren Patrizier vor allem ihre Handelsprivilegien durch einen Seehafen am Darß beeinträchtigt sahen, den Hafen von Ahrenshoop und „verdämmten“ den Loop.Friedrich Wilhelm Barthold: Geschichte von Rügen und Pommern. Band 3: Vom Tode Barnims I. (1278) bis zum Auftreten der Hohenzollern in der Mark Brandenburg (1411). Friedrich Perthes, Hamburg 1842, S. 539 (Google Books). Nach der Schließung des Loop wurde die Zollbude dort abgebrochen und am damaligen Südrand des Ortes eine feste Zollstation (Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg) errichtet. Der Ort an seiner heutigen Stelle wurde 1760 von Schiffern und Fischern gegründet und wuchs schnell an. Das Wrack der 1875 gesunkenen Water Nymph wurde 1976 entdeckt.

Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich im Ort Kunstmaler an und in der Folge entwickelte er sich zum Seebad. 1909 wurde der Kunstkaten gebaut, in dem seither viele Ausstellungen stattfanden. Die Künstlerkolonie Ahrenshoop gehörte nicht zum mecklenburgischen Fischland, sondern als der westlichste pommersche Ort der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zum pommerschen Darß. Erst im Jahr 1950 erfolgte die Angliederung der mecklenburgischen Orte Althagen und Niehagen zu Ahrenshoop.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Althagen eine Reihe luxuriöser Sommerhäuser errichtet, die Offiziere aus dem Umfeld von Hermann Göring und Direktoren der I.G. Farben gekauft hatten.Nach Ribnitz, sobald das Eis trägt. In: Die Zeit. 17. November 1989. In der DDR wurden sie als Ferienhäuser Ärzten und Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt, als Anreiz „damit sie das Land nicht verlassen“. Aber auch Künstler wie der Rostocker Theaterleiter Hanns Anselm Perten und Politiker wie der DDR-CDU-Vorsitzende Gerald Götting und Direktoren volkseigener Betriebe wohnten dort.Wohnen wie Honecker. In: Der Spiegel. 21. Juli 1975. Im Volksmund bekam die Siedlung den Namen „Millionenhügel“.Auf den Spuren eines Pioniers. In: NWZ. 1. April 2017.

Ahrenshoop war (ohne Althagen und Niehagen) bis zum 1. Oktober 1945 Teil des Landkreises Franzburg-Barth und gehörte danach bis 1952 zum Landkreis Rostock. Ab dem 25. Juli 1952 gehörte die Gemeinde zum Kreis Ribnitz-Damgarten im Bezirk Rostock. Seit 1990 gehört Ahrenshoop zum Land Mecklenburg-Vorpommern. Im Rahmen der Kreisreform von 1994 kam Ahrenshoop zum Landkreis Nordvorpommern und 2001 schließlich zum Landkreis Vorpommern-Rügen.

Ahrenshoop war in der Zwischenkriegszeit und in der DDR ein Zentrum des Nacktbadens.

Künstlerkolonie

mini|Marianne von Werefkin: Die Steilküste von Ahrenshoop, 1911 mini|Hauptbau der Klinik, 2012 mini|Arnold Lyongrün: Bauernkate bei Ahrenshoop, Ölgemälde 1922

Ende des 19. Jahrhunderts gründeten die Maler Paul Müller-Kaempff, Fritz Grebe, Thuro Balzer, Friedrich Wachenhusen, Oskar Frenzel und Theobald Schorn eine Künstlerkolonie und Malschule in Ahrenshoop. Zur Kolonie gehörten auch Louis Douzette, Elisabeth von Eicken, Hugo Jaeckel, Hugo Richter-Lefensdorf, Anna Gerresheim, Carl Rathjen, Doris am Ende, César Klein, Martin Körte, Theobald Schorn, Heinrich Schlotermann und Arnold Lyongrün.Gerhard M. Schneidereit: Dunkler Wald und weites Meer – Einhundert Jahre Malerei auf dem Darß. 2010.100 Jahre Malerei auf dem Darß. In: Ostseezeitung, 2. August 2010.Friedrich Schulz: Ahrenshoop Künstler Lexikon. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2001, ISBN 978-3-88132-292-8, S. 5–6.

Im Jahr 1911 verbrachten Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky, die der Neuen Künstlervereinigung München angehörten, ihre Ferien an der Ostsee.Bernd Fäthke: Werefkin und Jawlensky mit Sohn Andreas in der „Murnauer Zeit“. In: Ausst. Kat.: 1908–2008, Vor 100 Jahren, Kandinsky, Münter, Jawlensky, Werefkin in Murnau, Murnau 2008, S. 60 f. Sie wohnten im nahegelegenen Prerow in der ehemaligen Villa Seestern in der WaldstraßeBernd Fäthke: Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht. München 2004, S. 152 f. und besuchten nachweislich Ahrenshoop. Nur wenig entfernt hielt sich zur gleichen Zeit der Brücke-Maler Erich Heckel mit der Tänzerin Sidi Riha im Landhaus Dorneneck in der Grünen Straße auf.Bernd Fäthke: Marianne Werefkin. München 2001, S. 170 f. Ob er nach Ahrenshoop kam, ist nicht belegt. Werefkins Aufenthalt ist dagegen durch ihr Gemälde Die Steilküste von Ahrenshoop mit dem Damenbad gesichert.

Von 1923 bis 1948 lebte hier der Kunstmaler Hans Brass. Er begründete mit Martha Wegscheider die Bunte Stube und fungierte von 1927 bis 1930 als Amtsvorsteher sowie 1944 als Bürgermeister.

Von 1948 bis 1953 hatte der Rostocker Kunstmaler Rudolf Schmidt-Dethloff (1900–1971) sein Atelier in Ahrenshoop und gab dort auch Malunterricht.Ahrenshooper Künstlerlexikon

Im Ortsteil Niehagen, im Boddenweg 1, lebte und arbeitete der Bildhauer Gerhard Marcks in den 1930er Jahren. In den 1960er Jahren hat Edmund Kesting die Sommer in Ahrenshoop verbracht und gearbeitet.Guenter Roese (Hrsg.): Edmund Kesting, im Licht des Nordens: Bilder vom Meeressaum und Küstenland. MCM-Art-Verlag, Berlin 2003.

Im Ortsteil Althagen lebte die Schriftstellerin Käthe Miethe, die eine der bekanntesten Autorinnen von Literatur über Darß und Fischland wurde. Die Ahrenshooper Bibliothek wurde 2007 nach ihr benannt. Seit 1944 wohnten in Althagen auch der Grafiker Fritz Koch-Gotha und seine Frau, die expressionistische Malerin Dora Koch-Stetter sowie deren nächste Generation, die Keramiker Barbara und Arnold Klünder.

Von 1972 bis zu seinem Tod im Jahr 1984 lebte und arbeitete der Maler und Bildhauer Rudolf Brückner-Fuhlrott in Ahrenshoop, der Dresdner Maler Hans Kinder verlebte von 1957 bis 1985 die Sommermonate in seinem kleinen Atelierhaus am Grenzweg.

2017 wurde das Jubiläum 125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop gefeiert.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 886 1995 848 2000 822 2005 761 2010 712 2015 638 Jahr Einwohner 2020 651 2021 639 2022 633 2023 629 2024 622

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung und Bürgermeister Der Gemeinderat besteht (den Bürgermeister inbegriffen) aus acht Mitgliedern. Die Wahl zum Gemeinderat am 26. Mai 2019 hatte folgende ErgebnisseWahlergebnisse Gemeindevertretung auf www.sitzungsdienst-darss-fischland.de:

Partei/Bewerber Prozent Sitze CDU 41,9 4 Förderkreis Ahrenshoop 13,5 2 Einzelbewerber Fretwurst 6,4 1 Einzelbewerber Harenberg 5,1 1

Bürgermeister der Gemeinde ist Benjamin Heinke (CDU), er wurde mit 87,7 % der Stimmen gewählt.Wahlergebnisse Bürgermeisterwahl auf www.sitzungsdienst-darss-fischland.de

Wappen, Flagge, Dienstsiegel Die Gemeinde verfügt über kein amtlich genehmigtes Hoheitszeichen, weder Wappen noch Flagge. Als Dienstsiegel wird das kleine Landessiegel mit dem Wappenbild des Landesteils Mecklenburg geführt. Es zeigt einen hersehenden Stierkopf mit abgerissenem Halsfell und Krone und die Umschrift „Gemeinde Ostseebad Ahrenshoop“.Hauptsatzung § 1 Abs. 3 (PDF; 309 kB).

Seit März 2022 hat sich die Gemeindevertretung für die Erstellung eines Wappens entschieden. Im Januar 2023 ist die Entscheidung für den Wappenentwurf des Kommunalheraldikers Jörg Mantzsch aus einer Vielzahl weiterer Vorschläge gefallen. Am 15. Januar 2025 bestätigte ein Schreiben des Innenministers Christian Pegel die Eintragung des neuen Wappens in die Wappenrolle des Landes.

Sehenswürdigkeiten mini|Kunstkaten mini|Schifferkirche Ahrenshoop mini|Tonnenabschlagen im Juli → Siehe auch Liste der Baudenkmale in Ahrenshoop Hierzu zählt das am 30. August 2013 eröffnete Kunstmuseum Ahrenshoop. Das Künstlerhaus Lukas ist eines der ältesten Künstlerhäuser in Deutschland und steht als Ort kulturellen Austauschs Künstlern als Stipendiaten-Haus zur Verfügung. Rohrgedeckte Fachwerk-Höfe in der Hauptstraße, Am Strom und im Bernhard-Seitz-Weg (sogenanntes Dornenhaus), sind weitere Sehenswürdigkeiten. Der Kunstkaten ist eine in regionaltypischer Bauweise mit rohrgedecktem Dach errichtete Kunstgalerie. Sie entstand 1909 als Ausstellungspavillon für die ortsansässigen Künstler nach Plänen der beiden Maler Paul Müller-Kaempff und Theobald Schorn. Die Bunte Stube ist eine traditionsreiche Verkaufsstätte anspruchsvoller Ferien-Mitbringsel. Sie wurde 1929 von Walter Butzek im Bauhaus-Stil erbaut. Das Alte Zollhaus in der Dorfstraße 6b, in dem schon Albert Einstein übernachtete, das heute als Ferienhaus vermietet wird Die Mühle Ahrenshoop ist ein 2016 errichteter Nachbau der an gleicher Stelle um 1880 erbauten Holländerwindmühle, die in den 1960er Jahren abgetragen wurde. Im Inneren befindet sich heute ein Café und eine Galerie.Pressemitteilung des Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst e.V. vom 15. August 2016 Die Schifferkirche von 1951 mit ihrer eigenwilligen Gestaltung mit einem Tonnengewölbe aus Holz wurde von Hardt-Waltherr Hämer errichtet. Die Ausstattung plante die Bildhauerin Doris Oberländer. Künstler-Grabsteine auf dem Friedhof Ahrenshoop. Das Hohe Ufer hat eine bis zu 18 Meter hohe Kliffranddüne, die aus eiszeitlichen Sanden gebildet ist. Die starke Meeresbrandung der Ostsee hat zur Herausbildung des Kliffs geführt. Durch den stetigen Abtrag des alten Inselkerns des Fischlands bricht es besonders nach herbstlichen Stürmen immer wieder nach. Die Küstenlinie verlagert sich langsam nach Osten. In dem hohen Steilabbruch haben sich Uferschwalben eingenistet und Bruthöhlen gegraben. Vom Kliff aus kann man bei guter Sicht die dänische Ostseeinsel Falster erkennen. Ahrenshooper Holz; Waldgebiet seit 1958 Naturschutzgebiet am nordöstlichen Ortsrand von Ahrenshoop mit altem Baumbestand aus Rotbuchen und Eichen sowie ansehnlichen Stechpalmenbeständen.