Die Poecilostomatoida bildeten eine Ordnung der Ruderfußkrebse (Copepoda), die als polyphyletisch Ordnung aufgelöst wurde. Die meisten Familien, die früher zu den Poecilostomatoida gezählt wurden, werden heute der Unterordnung Ergasilida zugeordnet, weitere gehören zu den Cyclopoida.

In der Bezeichnung steckt das griechische Wort „ποικίλος“, „poikílos“, welches gefleckt oder ausgeschmückt bedeutet. In biologischen Namen bedeutet es auch variabel, vielgestaltig. Der zweite Teil des Wortes leitet sich vom griechischen „στόμα“, „stóma“ für Mundöffnung ab. Poecilostomatoida bedeutet also Lebewesen mit vielgestaltigen Mundwerkzeugen.

Beschreibung Als gemeinsames Merkmal der Arten dieser Ordnung wurde das Verhalten bei der Paarung beschrieben. Anders als bei den übrigen Ruderfußkrebsen werden die Weibchen der Poecilostomatoida von den Männchen mit den Maxillipeden ergriffen, nicht mit den Antennulae. Das führte im Laufe der Stammesgeschichte zu einem Geschlechtsdimorphismus in der Ausformung der Maxillipeden.Graham C. Kearn: Poecilostomatoid copepods. In: Graham C. Kearn: Leeches, Lice and Lampreys. Springer, Dordrecht 2004, S. 214–236, ISBN 978-1-4020-2925-7.

Die weitere Klassifikation dieser Krebstiere wurde aufgrund der Struktur ihrer Mundwerkzeuge vorgenommen. Bei den Poecilostomatoida haben die Mandibeln eine transversale Spalte, die teilweise durch ein überhängendes Labrum bedeckt wird, die einer Oberlippe ähnelt. Obwohl die Form der Mandibel bei den Poecilostomatoida stark variiert, kann sie doch allgemein als sichelförmlich beschrieben werden.

Die Antennen sind häufig in der Größe stark reduziert und teilweise zu kleinen Haken oder Klauen modifiziert, die dazu dienen, die Krebstiere an ihrem Wirt festzuhalten.

Lebenszyklus Wie bei allen Krebstieren gibt es eine Reihe von Larvenstadien, die durch Häutungen getrennt sind und an deren Ende die Erwachsenenform steht, die sich nicht mehr häutet. Dabei unterscheiden sich die Larvenstadien erheblich von der Form erwachsener Poecilostomatoida. Die Embryonen werden vom Muttertier in einzelnen oder paarigen Säckchen, die am ersten Bauchring (1. Thorakalsegment) befestigt sind, transportiert. Auf dem Bild links sind die blaugefärbten Säckchen gut zu erkennen.

Vorkommen Die meisten Poecilostomatoida leben als Ektoparasiten auf Meeresfischen, Weichtieren oder Stachelhäutern. Meist halten sie sich an der Außenhaut des Wirtes fest oder leben in Mundhöhle oder Schlund. Einige befallen auch die Kiemen der Wirtstiere. Nur eine Familie der Poecilostomatoida lebt endoparasitisch im Körper des Wirts. Einige Poecilostomatoida wurden auch an ungewöhnlichen Orten gefunden, zum Beispiel in Strandseen, bei Tiefseeschloten und kalten Tiefseequellen. Einzelne Arten haben auch das Süßwasser erobert und befallen die darin lebenden Fische.

Systematik mini|Oncaea venusta. Eine Zeichnung von Ernst Haeckel 1904. In die Ordnung Poecilostomatoida wurden mehr als 60 Familien eingeordnet. Die meisten dieser Familien werden heute der Unterordnung Ergasilida zugeordnet, weitere gehören zu den Cyclopoida.

Einzelnachweise Geoff A. Boxshall, S. H. Halsey: An Introduction to Copepod Diversity. The Ray Society, London 2004.

Kategorie:Copepoda Kategorie:Ruderfußkrebse