thumb|Generalmajor M.P. Petrow
Michail Petrowitsch Petrow (, wissenschaftliche Transliteration ; * im Dorf Solusteschje, heute Oblast Leningrad; † Oktober/November 1941 in Golina, Rajon Karatschew) war ein sowjetischer Generalmajor. Er arbeitete als Militärberater im Spanischen Bürgerkrieg und gehörte zu den ersten Soldaten, die als Held der Sowjetunion ausgezeichnet wurden. Im Zweiten Weltkrieg kommandierte er zunächst ein Korps und fiel als Befehlshaber der 50. Armee während der Schlacht bei Brjansk.
Leben
Frühe Karriere
Petrow wurde am 3. Januar 1898 in eine bäuerlich geprägte Familie im Dorf Solusteschje () im Gouvernement Sankt Petersburg geboren.Michael Parrish: Sacrifice of the Generals – Soviet Senior Officer Losses 1939–1953, Oxford 2004, S. 290; Aleksander A. Maslov: Fallen Soviet Generals – Soviet General Officers Killed in Battle 1941–1945. London 1998, S. 30. Der Vater arbeitete als Ofensetzer in der Hauptstadt und sein Sohn half ihm schon in frühen Jahren bei der Arbeit.А.И. Ерёменко: В начале войны. Москва 1965, S. 377. Petrow besuchte die Schule bis zur 4. Klasse. Er arbeitete anschließend als Metallarbeiter im Putilow-Werk und später als Kraftfahrer in Sankt Petersburg. Hier kam er während der Februarrevolution mit den Revolutionären in Kontakt. Im März 1917 trat er der örtlichen 2. Abteilung der Roten Garde bei. Am nahm Petrow an der Erstürmung des Winterpalais teil, mit der die Oktoberrevolution ausgelöst wurde. Anfang 1918 wurde die Rote Garde in die neue Rote Armee überführt. In deren Reihen machte Petrow nun den Russischen Bürgerkrieg (1918–1922) mit.
Nach dem Bürgerkrieg blieb er in der Armee und war bereits zu diesem Zeitpunkt (1920) der Kommunistischen Partei Russlands beigetreten. Er wurde nach Mittelasien versetzt, wo er gegen Basmatschi, muslimische Aufständische gegen die Bolschewiki, eingesetzt wurde. Später kam er auch im Kaukasus zum Einsatz sowie bei der Niederschlagung des Bauernaufstandes von Tambow.А.И. Ерёменко: В начале войны. Москва 1965, S. 379. Im Jahr 1923 besuchte er die Infanterie-Schule in Tambow und anschließend die Polit-Schule in Transkaukasien. Er wurde 1932 zur Panzerwaffe versetzt. Zunächst besuchte er 1932 einen Panzer-Ausbildungs-Kurs für Offiziere in Leningrad. Danach kommandierte er das Ausbildungs-Bataillon der 1. Mechanisierten Brigade. Von Oktober 1936 bis Juni 1937 hatte er Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln, da er in diesem Zeitraum zu der Gruppe sowjetischer Militärberater im Spanischen Bürgerkrieg gehörte. Er befehligte dort ein Panzer-Bataillon im Rang eines Majors. In Anerkennung seiner Leistungen auf der Seite der Republikaner erhielt er am 21. Juni 1937 den Titel Held der Sowjetunion.Michael Parrish: Sacrifice of the Generals – Soviet Senior Officer Losses 1939–1953. Oxford 2004, S. 290. Petrow soll auch später während des Zweiten Weltkriegs noch oft auf Spanisch geflucht haben.Vasily Grossman: A Writer At War – Vasily Grossman with the Red Army 1941–1945. London 2006, S. 33.
Korpskommandeur
Nach seiner Rückkehr übernahm Petrow den Befehl über eine Panzer-Division und veröffentlichte Aufsätze zu diesem Thema in Fachzeitschriften. Außerdem gehörte er vom 12. Dezember 1937 bis zu seinem Tod dem neu konstituierten Obersten Sowjet der UdSSR an. Während des Großen Terrors, dem ein großer Teil des höheren Offizierskorps zum Opfer fiel, stieg Petrow jedoch schnell zum Kommandeur des 5. Mechanisierten Korps auf. Er befehligte es im September/Oktober 1939 auch während der sowjetischen Besetzung Ostpolens. Beim Vorstoß in den Raum Grodno war Petrows Korps das erste, das auf dem Marsch mit luftverladenem Treibstoff versorgt wurde.А.И. Ерёменко: В начале войны. Москва 1965, S. 42. Im neu eingerichteten Besonderen Westlichen Militärbezirk fungierte Petrow als Inspekteur der Panzertruppen und daneben als stellvertretender Kommandeur des 6. Mechanisierten Korps. Als zu diesem Zeitpunkt die militärischen Dienstgrade in der Roten Armee eingeführt wurden, ernannte man Petrow 1940 zum Generalmajor. Anfang 1941 besuchte er einen Lehrgang an der Generalstabsakademie in Moskau, bevor er am 11. März 1941 den Befehl über das 17. Mechanisierte Korps übernahm. Dieses war an der Westgrenze im Raum Slonim stationiert.David M. Glantz: Barbarossa Derailed – The Battle for Smolensk 10 July – 10 September 1941. Band 1, Solihull 2010, S. 30f, 48.
Das 17. Mechanisierte Korps befand sich erst in seiner Formierung. Während vergleichbare Korps mehr als tausend Panzer hatten, verfügten die drei Divisionen Petrows (27. und 36. Panzerdivision, 209. motorisierte Division) lediglich über 36 Panzerfahrzeuge – darunter keinerlei moderne Typen.Robert Forczyk: Tank Warfare on the Eastern Front 1941–1942. Barnsley 2013, S. 31. Als am 22. Juni 1941 der deutsche Angriff auf die Sowjetunion begann, befanden sich Petrows Formationen zunächst im Hinterland. Aber bereits nach wenigen Tagen zeichnete sich ein Durchbruch der deutschen Panzergruppe 2 ab (→ Kesselschlacht bei Białystok und Minsk). Das Oberkommando der sowjetischen Westfront sah sich deshalb gezwungen, das 17. Mechanisierte Korps – trotz seines nicht einsatzfähigen Zustandes – in den Raum Baranowitschi zu verlegen, wo es die deutschen Panzer aufhalten sollte.Robert Forczyk: Tank Warfare on the Eastern Front 1941–1942. Barnsley 2013, S. 52. Technisch und zahlenmäßig unterlegen, nur ein Drittel der Soldaten bewaffnet, hatte es dem deutschen Angriff jedoch kaum etwas entgegenzusetzen. Am 26. Juni 1941 wurde der Verband vom Vorstoß des deutschen XXXXVIII. Armeekorps (mot.) unter General Joachim Lemelsen zersprengt. Die verbliebenen Teile des Korps zogen sich in Gruppen nach Osten an die Beresina zurück, wo sie sich anderen sowjetischen Einheiten anschlossen.В.В.Бешанов: Танковый погром 1941 года. Москва 2000, S. 266. In dieser Phase des Krieges wurden erfolglose sowjetische Generäle oft verhaftet und/oder exekutiert. Ein solches Schicksal traf unter anderem Generalmajor Stephan Oborin, Kommandeur des 14. Mechanisierten Korps, sowie Petrows direkte Vorgesetzte Armeegeneral Dmitri Pawlow, Befehlshaber der Westfront, und Generalleutnant Aleksander Korobkow, Befehlshaber der 4. Armee. Petrow blieb hingegen unbehelligt.
Am 4. Juli wurde das 17. Mechanisierte Korps auch offiziell der 21. Armee unter Generalleutnant Fjodor Kusnezow im Raum Bobruisk unterstellt. Allerdings verfügte es über keinerlei Fahrzeuge mehr. Mit dem neuerlichen deutschen Vorstoß ab dem 10. Juli 1941 und der damit eingeleiteten Kesselschlacht bei Smolensk befand sich das Korps abermals in schweren Abwehrkämpfen und geriet teilweise erneut in Einschließung. Die abermaligen schweren Verluste veranlassten das Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers (Stawka VGK), die Reste des 17. Mechanisierten Korps Ende Juli aus der Front zu lösen und in den Raum Suchinitschi zu überführen. Unter dem nominellen Befehl der 4. Armee, die ebenfalls aus der Front herausgelöst worden war, wurden die Reste des Korps in die 27. Panzerdivision überführt und später in die 147. Panzer-Brigade umgewandelt.David M. Glantz: Barbarossa Derailed – The Battle for Smolensk 10 July – 10 September 1941, Band 1, Solihull 2010, S. 591. Petrows Truppen hatten schwere Verluste erlitten. Von drei Divisionskommandeuren waren zwei ausgefallen.Robert Forczyk: Tank Warfare on the Eastern Front 1941–1942. Barnsley 2013, S. 254. Die meiste Zeit hatten sie sich in Einschließung befunden und waren kaum geschlossen eingesetzt worden. Später berichtete Petrow gern, dass er sich allein durchgeschlagen habe, in voller Paradeuniform, nur bewaffnet mit einer Keule, um streunende Hunde abzuwehren.Antony Beevor, Luba Vinogradova (Hrsg.): A Writer At War – Vasily Grossman with the Red Army 1941–1945. London 2006, S. 31.
Befehlshaber der 50. Armee mini|Sowjetische Soldaten in den Kämpfen an den Zugängen vor Moskau (September 1941) mini|Einkreisung der Brjansker Front durch die Wehrmacht (Oktober 1941)
Als am 14. August 1941 durch eine Umstrukturierung der Kräfte die neue Brjansker Front unter Generaloberst A.I. Jerjomenko gebildet wurde, fasste man im Raum Karatschew gleichzeitig die 217., 279., 258., 260., 290., 278., 269., 280. Schützen-Division sowie die 55. Kavallerie-Division zur neuen 50. Armee dieser Front zusammen. Petrow wurde zu ihrem Befehlshaber ernannt.David M. Glantz: Barbarossa Derailed – The Battle for Smolensk 10 July – 10 September 1941. Band 1, Solihull 2010, S. 394. Die Kämpfe dauerten weiter an. Die Brjansker Front konzentrierte ihre Gegenangriffe Ende August und Anfang September 1941 zwar auf die Panzergruppe 2 unter Generaloberst Guderian, die langsam nach Süden Raum gewann und somit die Schlacht bei Kiew einleitete. Aber Petrows 50. Armee war daran nicht beteiligt. Sie sollte Anfang September mit vier Divisionen eine Offensive der Reservefront unter Armeegeneral Georgi Schukow gegen die deutsche 4. Armee unterstützen. Während die Reservefront im Jelnja-Bogen einen Erfolg verbuchen konnte, blieb der Vorstoß der 50. Armee weitgehend erfolglos.John Erickson: The Road to Stalingrad, London 2003, S. 202; P.N. Pospelow (Hrsg.): Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. Band 2, Berlin (Ost) 1963, S. 124; A. A. Gretschko: Geschichte des Zweiten Weltkrieges 1939–1945. Band 4, Berlin (Ost) 1975, S. 100f.
Danach trat eine relative Ruhe im Abschnitt der Armee ein. Ende September 1941 besuchte der Journalist und spätere Schriftsteller Wassili Grossman das Hauptquartier der 50. Armee und hielt einige Eindrücke in seinem Tagebuch fest. Grossman bemerkte den widersprüchlichen Charakter des Generals: „Petrow ist klein und hat eine lange Nase […] Petrow ist sehr grausam und tapfer. […] Er liebt Katzen, besonders Kätzchen, und spielt mit ihnen.“ Über den Führungsstil des Generals berichtete er: „Er [Petrow] reagiert auf die Anfrage eines Divisionskommandeurs, der bittet, einen Angriff wegen der hohen Verluste zu verschieben: ‚Sagen Sie ihm, dass ich den Angriff verschiebe, wenn er der einzige ist, der noch übrig ist.‘ […] Der Armeekommandeur [Petrow] weist einen Regimentskommandeur zurecht: ‚Wenn Sie das Dorf nicht in einer Stunde eingenommen haben, werden Sie Ihr Kommando abgeben und am nächsten Angriff als gemeiner Soldat teilnehmen!‘“Antony Beevor, Luba Vinogradova (Hrsg.): A Writer At War – Vasily Grossman with the Red Army 1941–1945. London 2006, S. 32f.