mini|Grenzverlauf Schweiz–Österreich
Die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz besteht aus zwei Abschnitten (unterbrochen durch Liechtenstein) und hat eine gesamte Länge von 166 KilometernArtikel Staatsgrenze. In: Ernst Bruckmüller: Österreich-Lexikon. Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, Wien 2004. (nach Schweizer Angaben 180 Kilometer «inkl. Bodensee»).
Auf österreichischer Seite der Grenze liegen die Länder Vorarlberg und Tirol, auf Schweizer Seite die Kantone St. Gallen und Graubünden. Der Grenzverlauf ist zweigeteilt in jenen Teil, der im Wesentlichen dem Verlauf des Alpenrheins im Rheintal folgt und jenen Teil, der östlich von Liechtenstein durch alpines bis hochalpines Gelände entlang des Rätikons, der Silvretta und Teilen der Samnaungruppe verläuft. Dazwischen liegt das Fürstentum Liechtenstein, das die gemeinsame Staatsgrenze zwischen Österreich und der Schweiz für einige Kilometer unterbricht.
Abgesehen vom BodenseeEnde der Grenze am Rheinspitz gemäss geo.admin.ch wurde der aktuelle Grenzverlauf in einem bilateralen Staatsvertrag am 16. September 1972 rechtsverbindlich geregelt. Die Grenze ist Aussengrenze der Europäischen Union.
Grenzverlauf mini|Offene Grenze im Rheintal bei St. Margrethen (CH) / Höchst (A) (2005) mini|Die Flussmitte des Alpenrheins, hier zwischen Au (CH, im Bild links oben) und Lustenau (A, im Bild rechts unten), bildet über weite Strecken im Rheintal die Staatsgrenze. mini|Grenzübergang für Wanderer im hochalpinen Fimbatal. Über dem Schild ragt das Fluchthorn auf.
Die Grenze beginnt im Norden im Bodensee, wobei hier die exakte Grenzziehung nach wie vor strittig ist. Während die Schweiz davon ausgeht, dass der Obersee des Bodensees im Sinne einer Realteilung den Anrainerstaaten zuzurechnen ist, herrscht in Österreich die Kondominiumstheorie vor, der zufolge das Gebiet des „Hohen Sees“ (also ab einer Seetiefe von mehr 25 Metern) gemeinsam verwaltetes Gebiet aller Anrainerstaaten sei.Claudius Graf-Schelling: Die Hoheitsverhältnisse am Bodensee unter besonderer Berücksichtigung der Schiffahrt. Schulthess Polygraphischer Verlag, Zürich 1978, ISBN 3-7255-1914-5.
Unstrittig ist der Beginn der Grenzziehung am Rande des Bodensees an der Einmündung des Alten Rheins bei Rheineck SG bzw. Gaißau in den Bodensee. Hier bildet die Mitte des Flusses die natürliche Grenze zwischen den beiden Staaten. Bei der Regulierung des Alpenrheins zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Alpenrhein im Rheintal zwar begradigt, die ursprüngliche Grenzziehung zwischen Österreich und der Schweiz aber erhalten. Dies hat zur Folge, dass die Gemeinden Gaißau, Höchst und Fußach heute als einzige österreichische Gemeinden westlich des neuen Flusslaufs des Rheins liegen. Beim Bruggerloch im südlichsten Teil des Gemeindegebiets von Höchst wechselt die Grenzziehung in der Folge auf die Flussmitte des (Neuen) Rheins. In diesem Abschnitt bildet der Alpenrhein die Grenze zwischen den Schweizer Gemeinden Au SG und Widnau und der österreichischen Gemeinde Lustenau.
Kurz nach dem Zollamt „Wiesenrain“ wechselt die Grenzziehung abermals auf den Flusslauf des Alten Rheins, der in diesem Teil ein Binnengewässer ist und Diepoldsau zur einzigen Schweizer Gemeinde östlich des neuen Flusslaufs des Alpenrheins im Rheintal macht. Der Alte Rhein und mit ihm die internationale Grenze zieht sich in einem weiten Bogen östlich um Diepoldsau herum. Danach wechselt der Grenzverlauf wieder auf die Flussmitte des (Neuen) Rheins.
Diesem folgt die Grenze bis zum Feldkircher Ortsteil Bangs im Südwesten Vorarlbergs, wo die gemeinsame Grenze Österreichs mit der Schweiz durch das Staatsgebiet des Fürstentums Liechtenstein unterbrochen wird. Dieser Dreiländergrenzpunkt stellt gleichzeitig den westlichsten Grenzpunkt Österreichs und den nördlichsten des Fürstentums Liechtenstein dar. Liechtenstein bildet einen Monolithen zwischen Österreich und der Schweiz, wodurch die Staatsgrenze der beiden Staaten erst wieder am Gipfel des Naafkopfs im Rätikon auf 2571 Meter über Adria (bzw. 2570 Meter über Meer nach schweizerischer Messung) aufeinander treffen. Ab diesem Punkt grenzt auf Schweizer Seite nicht mehr der Kanton St. Gallen, sondern der Kanton Graubünden an Österreich. In der Folge erstreckt sich die Staatsgrenze über den Gebirgskamm des Rätikons und findet ihren Anschluss im Hauptkamm der Silvrettakette, wobei unter anderem der Piz Buin, mit 3312 m ü.A. der höchste Berg Vorarlbergs, einen der Grenzpunkte bildet. Die Überquerung der beiden Gipfel der Dreiländerspitze markiert die innerstaatliche Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol. Mit dem 3399 m ü.A. (bzw. 3398 m ü. M.) hohen Fluchthorn überquert die gemeinsame Grenze in der Folge auch den zweithöchsten Gipfel der Silvretta und erreicht dabei den höchsten Punkt der gemeinsamen Staatsgrenze. Danach überquert sie auch einige Gipfel der Samnaungruppe. Zwischen Schalkl, einem Ortsteil der österreichischen Gemeinde Pfunds, und Martina, einem Ortsteil der Schweizer Gemeinde Valsot, verläuft die Staatsgrenze bis Finstermünz zunächst am westlichen Ufer unmittelbar neben der alten Strasse und springt unmittelbar südlich der Brücke von Finstermünz in die Flussmitte des Inn. Im Anschluss daran führt die Staatsgrenze zwischen Tirol und Graubünden auch wenige hundert Meter durch die Sesvennagruppe und erreicht kurz vor dem Gipfel des Piz Lad im Dreiländereck mit Italien ihr Ende.
hochkant=5|mini|links|Höhendiagramm des Grenzverlaufs Schweiz–Österreich
Liste der Gemeinden, Kantone und Bundesländer an der Grenze
+ Gemeinden an der Staatsgrenze (von Nord nach Süd) S C H W E I Z45px Ö S T E R R E I C H70px Kanton Bezirk Gemeinde Grenz-übertritt Grenz-übertritt Gemeinde Bezirk Bundesland 30pxSt. Gallen Rorschach 20px Thal Rhein zentriert|25px 20px Gaißau Bregenz 30pxVorarlberg Rheintal 20px Rheineck 20px St. Margrethen zentriert|25pxzentriert|25px zentriert|25px 20px Höchst zentriert|25pxzentriert|25pxzentriert|25px 20px Lustenau Dornbirn 20px Au zentriert|25px 20px Widnau zentriert|25px 20px Diepoldsau zentriert|25pxzentriert|25px zentriert|25px 26x26pxHohenems 20px Altach Feldkirch 20px Oberriet zentriert|25pxzentriert|25pxzentriert|25px zentriert|25px 20px Mäder zentriert|25px 20px Koblach zentriert|25px 20px Meiningen 20px Rüthi zentriert|25px 20px Feldkirch 20px Altstätten zentriert|25px Werdenberg Liechtenstein Bludenz Sarganserland 30pxGraubünden Landquart 20px Maienfeld Alpen 20px Nenzing Prättigau/Davos 20px Seewis im Prättigau 20px Brand 20px Vandans 20px Schiers 20px Tschagguns 20px Luzein 20px St. Gallenkirch 20px Klosters 20px Gaschurn Engiadina BassaVal Müstair 20px Zernez 20px Scuol 15px|verweis=Dreiländerspitze|Dreiländerspitze 20px Galtür Landeck 30pxTirol 20px Valsot zentriert|25px 20px Ischgl 20px Scuol 20px Valsot 20px Samnaun zentriert|25pxzentriert|25px 20px Kappl 20px See zentriert|25px 20px Spiss 20px Valsot zentriert|25px 20px Pfunds zentriert|25px 20px Nauders
Grenzübertritt und Grenzverkehr mini|Grenzübergang zwischen Meiningen (A) und Oberriet (CH)
Im Alpenrheintal existieren derzeit zehn direkte Grenzübergänge für den Individualverkehr zwischen der Schweiz und Österreich, wobei alle in Form von Brücken über den (Alten oder Neuen) Rhein bestehen. Der Grenzverlauf südöstlich von Liechtenstein, der sich überwiegend im hochalpinen Gelände befindet, lässt in diesem Bereich einen grenzüberschreitenden motorisierten Individualverkehr nur zwischen den österreichischen Gemeinden Spiss bzw. Pfunds/Nauders und dem schweizerischen Samnaun sowie dem Dorf Martina GR im Unterengadin zu.
Eisenbahnstrecken verbinden die beiden Länder zwischen St. Margrethen und Bregenz sowie zwischen Buchs SG und Feldkirch. Auf beiden verkehren Züge des Fernverkehrs sowie Nahverkehrszüge der S-Bahn Vorarlberg. Allerdings wird dabei nur auf der Bahnstrecke St. Margrethen–Lauterach, die im Halbstunden-Takt von der Linie S3 befahren wird, die Staatsgrenze zwischen Österreich und der Schweiz direkt überquert. Die Bahnstrecke Feldkirch–Buchs, auf der ebenfalls Nah- und Fernverkehrszüge der Österreichischen Bundesbahnen verkehren, wird über liechtensteinisches Staatsgebiet geführt und überquert daher zunächst die Grenze zwischen Österreich und Liechtenstein und danach jene zwischen Liechtenstein und der Schweiz. Zudem existiert die länderübergreifende Dienstbahn der Internationalen Rheinregulierung mit Museumsbetrieb.
Da Österreich seit 1997, die Schweiz seit 2008 und Liechtenstein seit 2011 zum Schengen-Raum gehören, finden grundsätzlich an der Grenze keine regulären Personenkontrollen mehr statt. Hingegen gibt es Zollkontrollen, weil die Schweiz und Liechtenstein nicht Mitglieder der EU sind. Diese Zollkontrollen werden auf österreichischer Seite von der Operativen Zollaufsicht und auf Schweizer Seite (sowie auch im Fürstentum Liechtenstein) vom Grenzwachtkorps vorgenommen. Zu unterschiedlichen Anlässen wurde die Grenzkontrolle dennoch temporär von einer der beiden Seiten (oder auch von beiden Staaten wechselseitig) wieder aufgenommen, so etwa während der Fussball-Europameisterschaft 2008 und während der Coronavirus-Pandemie 2020. In letzterem Fall wurde auch der Flugverkehr zwischen den beiden Ländern eingestellt und kleinere Grenzübergänge gänzlich geschlossen.
Geschichte
mini|Historische Karte Europas im Jahr 1849 mini|Hinweisschild der französischen Besatzungstruppen nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Altrhein bei Diepoldsau. Die Grenze führt entlang der kleinen Schilfinselchen unten im Bild. Über Jahre wurde hier Kies abgebaut. Nur ein kleiner Streifen Landgrenze blieb bestehen. mini|Eine der zahlreichen ehemaligen Zollwachhütten an der Grenze, hier jene in hochalpinem Gelände im Klostertal in der Silvretta. Im Hintergrund das Verstanclahorn. Ein gemeinsamer Grenzverlauf zwischen den souveränen Staaten Schweiz und Österreich lässt sich erst im 19. Jahrhundert klar festmachen, da zuvor die europäische Staatenlandschaft so zersplittert war, dass eher von Grenzen zwischen Grafschaften und Herrschaftsgebieten als von nationalstaatlichen Grenzen gesprochen werden kann. Diese Grenzen waren zuvor zudem infolge zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen ständigem Wandel unterworfen. Zum ersten Mal lässt sich eine solche nationalstaatliche Grenze daher mit der Gründung des Kaisertums Österreich am 11. August 1804 festmachen. Im Jahr 1805, in der Folge des Dritten Koalitionskriegs, verlor das Kaisertum Österreich Vorarlberg und Tirol an das Königreich Bayern und seine italischen Herrschaftsgebiete an das Königreich Italien, womit keine gemeinsame Grenze zwischen dem Kaisertum Österreich und der Schweiz mehr bestand. Im Jahr 1815 wurden am Wiener Kongress zur Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen auch die Grenzen der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie des Kaisertums Österreich neu festgelegt. Die gemeinsame Staatsgrenze war zu diesem Zeitpunkt um ein Vielfaches länger als heute, da insbesondere das Staatsgebiet Österreichs wieder deutlich umfangreicher war. So gehörten die an die Schweiz angrenzenden Gebiete Südtirol sowie das Königreich Lombardo-Venetien zu diesem Zeitpunkt zum Kaisertum Österreich, womit sich die gemeinsame Grenze deutlich weiter nach Süden erstreckte als dies heute der Fall ist. Auch Vorarlberg und Tirol gehörten ab dem Wiener Kongress wieder zu Österreich. Das Tessin grenzte völlig an das österreichische Königreich Lombardo-Venetien.
Dieser Zustand änderte sich im Jahr 1859, als Österreich im Sardinischen Krieg das Königreich Lombardei an Frankreich bzw. Sizilien verlor. Ab diesem Gebietsverlust beschränkte sich die gemeinsame Staatsgrenze Österreich-Ungarns mit der Schweiz auf die heutige Grenze Südtirols und die heute bestehende Staatsgrenze. 1868 wurde der jahrhundertelange Grenzstreit um den Novellaberg im Unterengadin beigelegt.