Die Pfarrkirche St. Antonius ist eine römisch-katholische Kirche in Kevelaer. Sie steht unter dem Patrozinium Antonius des Großen.
Bis zum 6. September 2014 war sie Pfarrkirche einer gleichnamigen Pfarrei, seit dem 7. September 2014 ist sie Pfarrkirche der neugegründeten Pfarrgemeinde St. Antonius Abt Kevelaer mit den Filialkirchen St. Antonius Abt Kervenheim, St. Quirinus Twisteden, St. Petrus Wetten und St. Urbanus Winnekendonk.
Die Kirche wird als Baudenkmal A 153 in der Denkmalliste der Wallfahrtsstadt Kevelaer geführt.
Geschichte Die Pfarrei Kevelaer entstand 1472 durch Abtrennung von der Pfarrei Weeze. Die kleine geostete, gotische Dorfkirche, um 1450 erbaut, blieb bis ins 19. Jahrhundert unverändert. Die rekonstruierten Reste dieses Baues sind in den heutigen modernen Kircheninnenraum integriert und werden als Kapelle genutzthttps://www.antonius-kevelaer.de/kirchen/st-antonius-kapelle-kevelaer. Eine größere, prächtig gestaltete, neugotische Kirche mit dem ungefähren Grundriss des heutigen Hauptgebäudes wurde erst nach dem Bau der Marienbasilika errichtet und 1904 eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche weitgehend zerstört und 1952 wieder aufgebaut. Um die Kirche den Anforderungen des 2. Vatikanischen Konzils gerecht werden zu lassen, geschah 1972 (also zur 500-Jahr-Feier der Pfarrgründung) eine umfangreiche Umgestaltung, besonders des Chorraumes.
Am 13. Januar 1982 brannte die Kirche bis auf die Grundmauern ab; erhalten blieben nur die Außenmauern der Kapelle, der Taufkonche, der Sakristei, des Chorraums und des Turms. Den modernen Neubau auf historischem Grundriss entwarf Dieter Georg Baumewerd. Namhafte Künstler wie Theo Heiermann, Bert Gerresheim und Joachim Klos schufen die Ausstattung. Am 17. Januar 1987 wurde die wiederaufgebaute Kirche von Bischof Reinhard Lettmann geweiht.
Neben der normalen Nutzung als Pfarrkirche wird St. Antonius wegen ihrer günstigen Lage am Ende des parkartigen Freiluft-Kreuzweges durch von auswärts kommende Pilgergruppen gern als Ort der Abschlussandacht gewählt.
Ausstattung mini|Blick ins Innere der Antonius-Kirche. Der Korpus des Kreuzes über dem Hauptaltar stammt aus der 1982 abgebrannten Kirche. Die verkohlte Figur des Gekreuzigten wurde vom Künstler Bert Gerresheim auf einen bronzenen Lebensbaum montiert und hängt heute wieder über dem Altar im Chorraum. Auch die Kreuzwegstationen und der Osterleuchter wurden von Gerresheim gestaltet. Der Entwurf des Altars stammt von Theo Heiermann. Er enthält Reliquien von Märtyrern der Thebäischen Legion aus dem Gräberfeld unter der Krypta der Xantener Stiftskirche St. Viktor. Die schwarze, auf Hochglanz polierte Altarplatte zeigt Darstellungen der Leidenswerkzeuge Christi. Die Entwürfe der Fenster des Hauptraumes stammen aus der Hand von Joachim Klos aus Nettetal, die Ausführung besorgte die in Kevelaer ansässige Glasmalerei-Werkstatt Derix. Der Taufstein aus Namurer Blaustein stammt aus dem Jahr 1471.
Im Außenbereich der Kirche befindet sich eine Statue des Patrons der Gemeinde, des heilige Antonius des Großen mit seinen traditionellen Attributen (Antoniuskreuz und Schwein). Über dem Seiteneingang ist ein sogenanntes Chrismon zu sehen. Das runde Mosaik (gefertigt von Derix) soll mit seiner goldenen Umrandung Christus im Symbol der Sonne der Gerechtigkeit darstellen. Des Weiteren erinnert eine von Bert Gerresheim gestaltete Jakobs-Figur mit seinen Attributen Muschel und Pilgerstab an die Kirche im stetigen Aufbruch.
Orgeln Die Antonius-Kirche verfügt über zwei Orgeln der in Kevelaer ansässigen Orgelbaufirma Seifert. Die kleinere, mit 10 Registern, befindet sich in der Antoniuskapelle. Die große Orgel für den Hauptraum stammt von 1987, dem Jahr der Weihe des Kirchen-Neubaus. Das Schleifladen-Instrument hat 42 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.Informationen zur Orgel Das Instrument befindet sich ebenerdig im hinteren Teil des südlichen (also des rechten) Seitenschiffes.
I Hauptwerk C–g31.Bordun 16'2.Principal 8'3.Flûte Harmonique 8'4.Spitzgedackt 8'5.Octave 4'6.Rohrflöte 4'7.Superoctave 2'8.Kornett V 9.Mixtur V10.Scharff III11.Bombarde 16'12.Trompette 8' II Schwellwerk C–g313.Salicional 16' 14.Holzflöte 8'15.Gamba 8'16.Vox Coelestis 8' 17.Principal 4'18.Flöte 4'19.Quinte '20.Schweizerpfeife 2'21.Terz '22.Mixtur IV23.Basson 16'24.Trompette Harmonique 8'25.Hautbois 8'26.Clairon 4' Tremulant III Brustpositiv C–g327.Bleigedackt 8'28.Blockflöte 4'29.Principal 2'30.Larigot '31.Sesquialtera II32.Cymbel II33.Dulcian 8' Tremulant Pedalwerk C–f134.Principal 16'35.Subbaß 16'36.Quinte '37.Octavbaß 8'38.Gemshorn 8'39.Choralbaß 4'40.Hintersatz IV41.Bombarde 16'42.Trompette 8' Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
Glocken Im Hauptturm der Kirche hängt ein sechsstimmiges Geläut (des1 – f1 – as1 – b1) auf dem Motiv Salve Regina, erweitert um c2 und des2, im Nebenturm der Kirche eine Solo-Glocke mit dem Nominalton es2. +Nr.NameNominalGussjahrGießerGussortMasseøInschrift1Dreifaltigkeitdes11987Petit & Gebr. EdelbrockGescher2.160 kg1.495 mmIN HONOREM SANCTISSIMAE TRINITATIS. TE DEUM LAUDAMUS IN HAC DOMO TUAE CINERE ET RUINIS REAEDIFICATA. A. D. 1987.2Mariaf11.039 kg1.176 mmCONSOLATRIX AFFLICTORUM, SANCTA VIRGO MARIA, MONSTRA TE ESSE MATREM. A. D. 1987.3Antoniusas11721Jean PetitKevelaerca. 550 kg992 mmST. ANTONIUS HEET ICK, TOT KEVELAER HANGH ICK, DE LEVENDE ROEP ICK, DE DOODE BECLACK ICK, JEAN PETIT GOOT MICH. ANNO 1721. DEN TIJDE VAN JOE VAN NESPEN PASTOR W. VAN BEECH GERET REINDERS EN JACOB BOMEN SCHEPENEN PET. VAN MECHELEN ENDE HEND. TERHOEVEN KERM. ENDE VINMANS EN JAN BINNEMANS GELDEM. CASPER DRESEME KUSTER 1721.4Angelusb11987Petit & Gebr. EdelbrockGescher402 kg868 mmANGELUS GABRIEL NUNTIAVIT MARIAE: AVE, GRATIA PLENA. DOMINUS TECUM. A. D. 1987.5Magnificatc2289 kg770 mmMAGNIFICAT ANIMA MEA DOMINUM: ET EXSULTAVIT SPIRITUS MEUS IN DEO SALVATORE MEO. LUC. 1,46 – 47. A. D. 1987.6Josefdes2237 kg725 mmVIRGINIS SPONSE, SANCTE JOSEPH, TU EXORA SUMMUM REGEM, UT FIDELEM SERVIT GREGEM. CONFRATERNITAS STI. JOSEPH, FUNDATA 1750. A. D. 1987.Ies21435ca. 205 kg691 mmint jair ons heren mccccxxxv(III)1631450 mm Die Glocke I stammt ursprünglich aus der Hubertus-Kapelle in Keylaer und wurde 1472 in die Antonius-Kirche transloziert. Heute hängt sie als Solo-Glocke im Nebenturm der Antonius-Kirche.
Die Glocke III wurde 1904 im Dachreiter des neogotischen Neubaus aufgehängt. Während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt, gelangte sie 1981 in den Dachreiter der Kevelaerer Beichtkapelle.
Die Glocke 5 wurde erst 1992 in den Turm gehängt, wenngleich sie bereits 1987 zusammen mit den anderen Glocken gegossen worden war.
Die Inschriften der Glocken 1, 2, 4, 5 und 6 wurden von P. Thomas Horst OSB aus der Benediktiner-Abtei Gerleve verfasst.
Pfarrarchiv Das Pfarrarchiv der Pfarrgemeinde St. Antonius Abt Kevelaer findet sich teilweise im Kevelaerer Priesterhaus sowie teilweise als Depositum im Bistumsarchiv Münster. Ein Teil der Pfarrmatriken kann über das Kirchenbuchportal Matricula Online eingesehen werden, ein weiterer Teil über das Archivportal Archive in Nordrhein-Westfalen.
Literatur
Kirchbauverein St. Antonius Kevelaer e. V. (Hrsg.): Sankt Antonius Kevelaer. Dokumentation 1472–2000. Geschichte – Kunstwerke – Christliche Inhalte. Kevelaer 2000. Pfarrgemeinderat St. Antonius Kevelaer (Hrsg.): Festschrift zur Kirchweihe der St.-Antonius-Pfarrkirche in Kevelaer. 17. Jan. 1987. Kevelaer 1987. Heinz Peters (Bearb.): Die Baudenkmäler in Nord-Rheinland. Kriegsschäden und Wiederaufbau (= Landeskonservator von Nordrheinland [Hrsg.]: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege in Nord-Rheinland. Band 19). Kevelaer 1951, S. 199. Robert Plötz: Das verschwundene Heiligenhäuschen an der Sankt-Antonius-Kirche in Kevelaer. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1988. Geldern 1987, S. 14–16. Robert Plötz: Ein unbekanntes Kircheninventar der Pfarrkirche St. Antonius in Kevelaer und der Kapelle St. Hubertus in Keylaer aus dem Jahre 1722. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1990. Geldern 1989, S. 133–142. Werner Roemer: Bert Gerresheim – Der Lebensbaum von Kevelaer – Zum Altarkreuz in St. Antonius. In: das münster, 41. Jg. (1988), S. 210–212. Peter Stenmans: War die Kapelle St. Hubertus in Keylaer die erste Pfarrkirche der Pfarrei Kevelaer? In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1996. Geldern 1995, S. 96–97. Alois van Doornick: Der lange Weg zum Portal von St. Antonius Kevelaer (2003–2010). In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 2012. Geldern 2011, S. 67–75. Alois van Doornick: Pfarrkirche Sankt Antonius, Kevelaer. Lindenberg 2000. Christian Wiltsch: Ein Augenblick der Ewigkeit – Zur Orientierung der Kirchen in Kevelaer. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 2020. Geldern 2019, S. 19–30, insb. S. 21–22.
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Gemeinde mit Informationen zur Pfarrkirche
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