miniatur|Rudolph Moshammer mit Hund Daisy, 2004 Rudolph Hans Albert Moshammer (* 27. September 1940 in München; † 14. Januar 2005 in Grünwald, Landkreis München) war ein deutscher Modedesigner,Fünf Jahre nach Mord. Rudolph Moshammer – "Mosis" Mythos verblasst, Die Welt, 12. Januar 2010 Autor und Inhaber einer Boutique auf der Münchner Maximilianstraße.
Durch sein exzentrisches Auftreten in der Öffentlichkeit – bis 1993 an der Seite seiner Mutter – wurde Moshammer ab den 1980er Jahren bundesweit bekannt. Zu seinen Markenzeichen gehörten unter anderem eine extravagante Perücke und ein Yorkshire Terrier namens Daisy. Moshammers Ermordung in Grünwald sowie seine Beerdigung im Jahr 2005 zogen ein großes Medienecho nach sich.
Leben Moshammers Vater Richard Moshammer war Münchner Direktor der Württembergischen Feuerversicherung. In der Zeit des Wirtschaftswunders war die Familie zunächst finanziell sehr gut gestellt und bewohnte eine repräsentative Firmenwohnung in der Widenmayerstraße im Stadtteil Lehel. 1956 aber musste der Vater die Stelle wechseln und wurde schließlich arbeitslos, was er vor der Familie zu verheimlichen versuchte. In der Folge wurde er alkoholabhängig. Zeitweise war die Familie nicht in der Lage, die Miete für ihre Wohnung in der Leopoldstraße 20 zu bezahlen und lebte in Angst vor der Obdachlosigkeit. Aus Furcht vor dem alkoholisierten Vater, der nach späterer Aussage des Sohnes mit der „Auslöschung“ der Familie drohte, zog Moshammer mit seiner Mutter Else (* 21. Januar 1908; † 10. August 1993) in eine eigene Wohnung in der Schwabinger Agnesstraße. Der Vater wurde obdachlos und starb einige Jahre später.
Moshammer besuchte die Volksschule an der Herrnstraße und absolvierte im Anschluss eine Ausbildung an der Münchner Sabel-Handelsschule zum Kaufmann im Einzelhandel mit Lehrzeit in der Münchner Stoffgroßhandlung Ernst & Knecht. In der Presse wird ein Praktikum bei Christian Dior in Paris erwähnt.Christina Maria Berr: 5. Todestag von Mosi: Keine Zeit der Paradiesvögel, sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 5. November 2023 In den 1960er Jahren arbeitete Moshammer als Verkäufer im Modeeinzelhandel. Eine Schneiderlehre hat er nie absolviert. Laut dem Biografen Torsten Fricke erhielt Moshammer finanzielle Unterstützung durch den Münchner Immobilienhändler Walter Käßmeyer (1929–2014)Mosi-Erbe heimlich beerdigt, bild.de, 9. Januar 2015, seine Klassenkameradin Angela Opel sowie den Krupp-Erben Arndt von Bohlen und Halbach (1938–1986). Moshammer eröffnete 1968 die Boutique „Carnaval de Venise“ auf der Münchner Maximilianstraße 14, an der Käßmeyer zu 50 Prozent beteiligt war und für deren Einweihung Moshammer Gerd Käfer verpflichtete. Moshammer machte sich mit seinem Geschäft schnell einen Namen in der Modeszene und war bis in die frühen 1990er Jahre wirtschaftlich erfolgreich. Das Modegeschäft führte Moshammer zunächst mit seiner Mutter, mit der ihn bis zu ihrem Tod 1993 ein enges Verhältnis verband. Zusammen mit ihr, die sich durch violett gefärbte Haare auszeichnete,Beate Wild: Vor fünf Jahren starb Mosi - Paradiesvogel und Modezar, sueddeutsche.de, 12. Januar 2010, abgerufen am 5. November 2023 trat Moshammer bei öffentlichen Anlässen in München auf. Für sie ließ er 1993 nach eigenen Entwürfen ein Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof umbauen.
Mit Prêt-à-porter-Mode, die nicht von Moshammer selbst entworfen, sondern zugekauft worden war, gelang es ihm zeitweilig, eine teils internationale und zahlungskräftige Kundschaft zu gewinnen. Als Kunden wurden unter anderen Arnold Schwarzenegger, Carl XVI. Gustaf von Schweden, Friedrich Karl Flick, Thomas Gottschalk, Siegfried & Roy, Roberto Blanco und José Carreras genannt."Eine Art lebendes Neuschwanstein", wdr.de, 14. Januar 2010 In späteren Jahren machte der Verkauf von Krawatten einen Großteil des Geschäfts aus. 1996 lancierte Moshammer eine Taschen- und Accessoirekollektion, die von einem Bielefelder Lederwarenhersteller produziert wurde.
Die Boutique auf der Maximilianstraße wurde wenige Tage nach Moshammers Tod geschlossen und beherbergt seit Dezember 2005 ein Ladengeschäft des Schweizer Uhrenherstellers Blancpain. Neben seinen modischen Aktivitäten war Moshammer ab 1983 Eigentümer des ältesten Restaurants Münchens, des Gasthauses zur Hundskugel im altstädtischen Hackenviertel.
miniatur|Als allgegenwärtige Münchner Kultfigur beeinflusste Rudolph Moshammer zuweilen skurril das Stadtbild.
Moshammer war in München für sein soziales Engagement bekannt. So gründete er im Sommer 2000 die Stiftung Licht für Obdachlose, die nach seinem Tod in Rudolph Moshammer Verein Licht für Obdachlose e. V. umbenannt wurde und seither von einem Rechtsanwalt geleitet wird. Mitte 2025 wurde bekannt, dass der Verein aufgelöst und das restliche Vermögen auf zwei andere Initiativen verteilt werden solle. Moshammer unterstützte zudem die Münchner Straßenzeitung BISS und übernahm eine aktive Patenschaft für ein Entzugszentrum für Alkoholkranke. Viele Jahre lang lud er die Obdachlosen der Stadt und Umgebung zu einem großen Weihnachtsessen ein, bei dem er sie auch jedes Mal persönlich beschenkte. Im Jahr 2000 wurde Moshammer für sein Engagement der Martinsmantel der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes verliehen.
Moshammer spielte zuweilen kleinere Filmrollen, zum Beispiel in mehreren Tatort-Folgen Im Herzen Eiszeit (1995) zusammen mit Rio Reiser, Blaues Blut (2000) oder dem Film 666 – Traue keinem, mit dem du schläfst! (2002). Eine Theaterrolle übernahm er in der Münchner Kleinen Komödie am Max-II-Denkmal. Mit der Band Münchner Zwietracht und dem Titel Teilt Freud und Leid trat er 2001 bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest an und schied in der Vorrunde aus.Münchner Zwietracht feat. Rudolph Moshammer, eurovision.de, Sendedatum: 2. März 2001 1997 spielte Moshammer sich in einem deutschen McDonald’s-Werbespot (Sommerkollektion McFresh) selbst, 2004 waren er und seine Hündin Daisy in einem Nescafé-Werbespot zu sehen.
In einem Interview mit der Zeitschrift Stern teilte Moshammer mit, er habe nacheinander insgesamt vier Hunde mit dem Namen Daisy besessen. Die letzte Daisy war das Yorkshire-Terrier-Weibchen Irina de Pittacus, das am 20. September 1993 zur Welt kam. Im Alter von vier Monaten wurde sie – stets mit einem Schleifchen auf dem Kopf geschmückt – zu einem Markenzeichen des extravaganten Designers und war an dessen Seite wiederholt im Fernsehen, beispielsweise im März 2002 bei Wetten, dass..?, zu sehen.Moshammers Leben in Bildern: Mode, Mama und Daisy, Bild 10/19, spiegel.de, 14. Januar 2005, abgerufen am 5. November 2023 Moshammer widmete der Hündin das 1998 erschienene Buch Ich, DaisyRudolph Moshammer, whoswho.de, abgerufen am 5. November 2023 und eine Website. Sie war auch Namenspatin für eine 2002 von Moshammer entworfene Pflegeserie für Hunde. Sie hatte einen kurzen Gastauftritt in einer Folge der RTL-Serie Unter uns, die im März 2005 ausgestrahlt wurde. Daisy ist ihrem Herrchen gefolgt, Frankfurter Allgemeine, 25. Oktober 2006, abgerufen am 4. November 2023 Daisy geht zum Fernsehen, Spiegel online, 27. Januar 2005, abgerufen am 4. November 2023
Ab Herbst 2002 trat Moshammer bei dem Homeshopping-Sender HSE24 auf und verkaufte unter seinem Namen zunächst Hundepflegeprodukte und schließlich Herrenkosmetik.Tierisch gepflegt: Rudolph Moshammer und Daisy live und exklusiv bei Home Shopping Europe, ots.at, 19. August 2002 2003 entwarf er für die Holiday-on-Ice-Show Diamonds ein Kostüm."Holiday on Ice" Für Rudolph Moshammers ist alles nur "draumhaft", faz.net, 4. November 2003
Neben dem Auftreten mit seinem Hund waren weitere markante Merkmale Moshammers seine aufwändige schwarze Perücke mit zwei Stirnlocken im Stil des Bayernkönigs Ludwig II., den er verehrte, und ein schmaler schwarzer Oberlippenbart. Ein weiteres Merkmal waren seine drei Rolls-Royce: ein Rolls-Royce Silver Seraph, in dem der Modeschöpfer seinen späteren Mörder mit nach Hause nahm, ein Rolls-Royce Silver Shadow sowie ein Rolls-Royce Silver Dawn, die alle nach seinem Tod versteigert wurden."Er hat allen etwas vorgespielt" Moshammer - der bekannte Unbekannte, n-tv.de, 27. September 2015
Tod und Vermächtnis mini|hochkant|Moshammers Grab, 23. Januar 2005 mini|Das Moshammer-Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof, 2013
Moshammer wurde in der Nacht zum 14. Januar 2005 im Alter von 64 Jahren in seinem Doppelhaus im Münchner Vorort Grünwald mit einem Stromkabel, von der Bild fälschlicherweise ursprünglich als Telefonkabel berichtet, erdrosselt. Sein Chauffeur fand die Leiche am frühen Morgen und rief umgehend die Polizei. Moshammers Tod löste bei vielen Menschen Betroffenheit aus. Wohnhaus und Geschäft waren tagelang von Menschen belagert, die Blumen niederlegten und Kerzen anzündeten.
Am folgenden Tag nahm die Polizei den 25-jährigen irakischen Asylbewerber Herisch Ali Abdullah fest, der bald darauf die Tat gestand. Am Tatort sichergestellte DNA-Spuren des Mannes waren mit der DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes (BKA) abgeglichen worden, in welcher der nicht vorbestrafte Täter gespeichert war. Er hatte 2004 im Zusammenhang mit zwei Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und einem Sexualdelikt eine Speichelprobe abgegeben. Im Jahr 2023 wurde der Täter in sein Heimatland Irak abgeschoben.Täter Herisch Ali Abdullah in sein Heimatland abgeschoben
Nach Aussagen des verschuldeten und psychisch kranken Täters hatte ihn Moshammer nahe dem Münchner Hauptbahnhof angesprochen und ihm „2000 Euro Lohn für sexuelle Dienstleistungen“Mordfall Moshammer aufgeklärt „Er hatte keine Chance“, faz.net, 16. Januar 2005Mosis letzte Geheimnisse, stern.de, 2. November 2005 in Aussicht gestellt. Im Haus Moshammers sei es zwischen beiden zum Streit um die Bezahlung gekommen, woraufhin Herisch A. den Modedesigner erdrosselt habe. Den Ermittlungen nach schien es „zu den Gewohnheiten des Modeschöpfers gehört zu haben, mehrmals in der Woche auf die Suche nach jungen Männern zu gehen, immer mit einem seiner Rolls-Royces“.Mordfall Moshammer aufgeklärt „Er hatte keine Chance“, faz.net, 16. Januar 2005 Moshammer selbst hatte seine Homosexualität öffentlich nie thematisiert.
Gerüchte über angebliche Schulden wies Moshammers Anwalt Lutz Libbertz entschieden zurück. Der langjährige Geschäftspartner Moshammers, Walter Käßmeyer (* 1928; † 2014), wurde im Testament als Haupterbe eingesetzt. Ihm gehörte das Haus auf der Maximilianstraße, in dem sich Moshammers Boutique befand.Die Vermächtnisse des Modehändlers, sueddeutsche.de, 10. Mai 2010 Das Inventar aus der Boutique wurde auf eBay versteigert. Im Testament war eine Reihe von Vermächtnissen angeordnet, die Käßmeyer als Erbe zu erfüllen hatte. Der Chauffeur und Leibwächter Moshammers, Andreas Kaplan (* 1959; † 2016),Wolfgang Hauskrecht, Jacob Mell, Nina Bautz: "Mosis" Chauffeur Andreas Kaplan stirbt in Einkaufszentrum, merkur.de, 9. September 2016, abgerufen am 4. November 2023 erhielt eine Leibrente sowie eine Wohnung im Stadtteil HarlachingMoshammers Wohnung verkauft, bild.de, 21. Januar 2016 und kümmerte sich fortan um Daisy, den Hund Moshammers. Kaplan hatte sich schon früher um das Tier gekümmert. Daisy starb am 24. Oktober 2006 im Alter von 13 Jahren.