Sühne (Originaltitel: ) ist eine fünfteilige japanische Miniserie, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kanae Minato. In Japan fand die Premiere der Miniserie am 8. Januar 2012 auf dem Fernsehsender WOWOW statt, der die Produktion im Rahmen seines seit 2008 laufenden Programmfensters Renzoku Dorama W ausstrahlte. Eine 270-minütige Filmversion der Miniserie wurde am 30. August 2012 bei den 69. Internationalen Filmfestspielen von Venedig außer Konkurrenz vorgeführt.
Im deutschsprachigen Raum fand die Erstausstrahlung von Sühne am 23. Juli 2015 auf dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte statt, der die Miniserie als zweiteilige Spielfilmfassung an einem Abend ausstrahlte. In der deutschen Schnittfassung beträgt die Laufzeit des ersten Teils 116 Minuten, die des zweiten 145 Minuten.
Handlung Auf einem Schulhof der japanischen Stadt Ueda begegnen vier Mädchen dem Mann, der ihre Klassenkameradin Emili (Emiri) wenig später ermorden wird. Unter dem Eindruck des Schocks nach dem Auffinden der Leiche ist aber keine von ihnen in der Lage, sich an den Mörder zu erinnern. Asako, Emilis Mutter, verzweifelt bei dem Gedanken, dass der Täter auf freiem Fuß ist, sperrt die vier Mädchen bei sich ein und droht ihnen, dass sie ihr Leben lang dafür büßen müssen, wenn sie sich nicht an das Gesicht des Mörders erinnern. Fünfzehn Jahre später. Was ist aus den Mädchen geworden? Sae und Maki wollen sich erinnern, die anderen beiden jedoch, Akiko und Yuka, ziehen es vor zu vergessen oder versuchen es zumindest.
Die Geschichte beginnt mit den Polizeiermittlungen zu dem schrecklichen Verbrechen, doch schon bald wird in den Schilderungen der vier Mädchen und der Mutter von Emili, die von unfassbarer Trauer und Rachegelüsten getrieben wird, das eigentliche Thema deutlich: Die Rolle der Frau im modernen Japan. Shokuzai – Sühne ist in gewisser Weise ein GespensterfilmDas Genre des Gruselfilmes, so muss Kiyoshi Kurosawa mittlerweile immer wiederholen, habe er nun endgültig hinter sich gelassen. „Mit Gruselfilmen hatte ich nie etwas zu tun. Meine Filme handeln von Urängsten, hier und da kommen Geister darin vor und meine Figuren stehen große Ängste aus, aber habe ich deshalb Gruselfilme gemacht? Nein.“ (Claudia Siefen: Kiyoshi Kurosawa im Gespräch bei Das Manifest) – ein Genre, das Kurosawa meisterhaft beherrscht – da sämtliche weiblichen Figuren von dem Geist der ermordeten Emili verfolgt werden und ihr Schicksal durch den Tod des Mädchens einschneidend verändert wird.
Shokuzai – Sühne besteht aus einzelnen Kapiteln, die sich dem Leben der herangewachsenen Mädchen widmen. Bei jedem von ihnen hat der Versuch, das Trauma zu bewältigen, Spuren in der Psyche hinterlassen: Männerphobie, Gewalttätigkeit oder Unterwerfung …
Dabei zeichnet Kurosawa zuweilen beängstigende Porträts, die zugleich anrührend und großartig gespielt sind. Dieses fast theoretisch anmutende Setting führt zur finalen Aufdeckung unvorstellbarer Grausamkeit. Kurosawa respektiert die feuilletonistische und melodramatische Grundstimmung der Romanvorlage, verleiht ihr jedoch eine mysteriöse und undurchsichtige Dimension.
Besetzung und Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach den Dialogbüchern sowie unter der Dialogregie von Christoph Cierpka durch die Synchronfirma Berliner Synchron in Berlin.
Hauptdarsteller Rolle Schauspieler Synchronsprecher Asako Adachi Kyōko Koizumi Katrin Zimmermann Sae Kikuchi Yū Aoi Friedel Morgenstern Maki Shinohara Eiko Koike Nadja Schönfeldt Akiko Takano Sakura Andō Janin Stenzel Yuka Ogawa Chizuru Ikewaki Amelie Plaas-Link
Nebendarsteller Rolle Schauspieler Synchronsprecher Emili Adachi Hazuki Kimura Marie Thönißen Sae Kikuchi (als Kind) Erika Omata Paula Ohlhauser Maki Shinohara (als Kind) Manatsu Kimura Anwen Ortiz Akiko Takano (als Kind) Asumi Kikuchi Hannah Pirot Yuka Ogawa (als Kind) Kyōka Shibata Lara Ohlhauser Toshiro Adachi Tetsushi Tanaka Stéphane Bittoun Hiroaki Nanjō / Hiroaki Aoki Teruyuki Kagawa Cusch Jung Yabe, der Kommissar Kyūsaku Shimada Marcus Off Kuniko, die Mutter von Sae Seika Kuze Nina Herting Tomiko, die Mutter von Akiko Hitomi Takahashi Sabine Arnhold
Gastdarsteller Rolle Schauspieler Synchronsprecher Takahiro Ōtsuki Mirai Moriyama Jacob Weigert Kaori Marika Matsumoto Sarah Alles Chefin Shōko Takada Dana Friedrich Lehrer Tanabe Kenji Mizuhashi Jan Makino Lehrer Maruyama Hirota Otsuka Bastian Sierich Murai, der Konrektor Narushi Ikeda Bernd Vollbrecht Schuldirektor Kazuaki Shimizu Frank-Otto Schenk Kōji Takano Ryō Kase Matthias Deutelmoser Haruka Takano Chika Uchida Vera Teltz Keita Murakami Tomoharu Hasegawa Leonhard Mahlich Mayu Murakami Ayumi Itō Yvonne Greitzke Moriya, ermittelnder Kommissar Hirofumi Arai Fabian Oscar Wien
Episodenliste
Kritik Kiyoshi Kurosawa gilt als einer der Regisseure, die das japanische Kino nachhaltig geprägt und erneuert haben. Bekanntheit erreichte er in erster Linie mit seinen Horrorfilmen, darunter Pulse, Seance – Das Grauen und Loft.
Das Werk ist beeinflusst von Richard Fleischer, Robert Wise und Fritz Lang – Regisseuren, die von Kurosawa oft als Vorbilder genannt werden. Schon immer bewegte er sich im Grenzbereich zwischen dem klassischen und modernen Kino und hat nie einen Hehl aus seiner Bewunderung für Filme wie Der Frauenmörder von Boston gemacht, der mit Shokuzai – Sühne – aber auch mit Cure – die akribische Beschreibung von Polizeiermittlungen gemeinsam hat, die schließlich in die Erkundung einer kranken Psyche münden.
Nachdem Kurosawas Film Tokyo Sonata 2008 zwar von den Kritikern gefeiert worden war, kommerziell aber weniger Erfolg hatte, blieb es bis Shokuzai 2012 ruhig um ihn. Anschließend beschleunigte Kiyoshi Kurosawa seinen Arbeitsrhythmus wieder und drehte eine Reihe von erfolgreichen Filmen, unter anderem Real (, Riaru – kanzen naru kubinagaryū no hi), der auf dem Filmfestival in Locarno 2013 vorgestellt wurde, oder der in Cannes prämierte Film Journey to the Shore (, Kishibe no tabi) aus dem Jahr 2015. Im Jahr 2016 ist schließlich La Femme de la plaque argentique (, Dagereotaipu no onna) erscheinen, den Kurosawa in Frankreich als Koproduktion mit ARTE France Cinéma gedreht hat.
„Die Verfilmung des Romans Shokuzai (Sühne) von Kanae Minato ist eine gelungene und umfassende Synthese der filmischen Arbeit von Kiyoshi Kurosawa, der diese TV-Auftragsarbeit dafür nutzt, ein sehr persönliches Werk zu schaffen, und allen Fernseh-Drehbuchautoren eine erstklassige Lektion in effektvoller Inszenierung erteilt.“http://cinema.arte.tv/de/artikel/shokuzai-suehne-von-kiyoshi-kurosawa#.VaTN8sujzU8.facebook
Weblinks
(Fernsehserie) (Kinofilm)
Einzelnachweise
Kategorie:Fernsehserie (Japan) Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Dorama Kategorie:Miniserie Kategorie:Literaturverfilmung