mini|hochkant|Gernand Philipp von Schwalbach im Alter von 66 Jahren als Domkantor in Mainz; Kupferstich von Sebastian Furck, 1645 Gernand Philipp oder Philipp Gernant von Schwalbach, fälschlich auch Bernard Philipp, Reinhardt Philipp u. ä. (* 1579 vermutlich auf Gut Plausdorf; † in Mainz) war ein kurmainzischer, fürstäbtlich fuldischer, fürstbischöflich würzburgischer und kaiserlicher Rat sowie Amtmann in Amorbach, Mackenzell und Haselstein, Dechant in Bleidenstadt und Propst in Heiligenstadt.
Leben Gernand Philipp von Schwalbach entstammte dem Adelsgeschlecht der Herren von SchwalbachVgl. Damian Hartard von und zu Hattstein: Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Bd. I. Joseph Anton Köß, Fulda 1729 (Google-Books); 2. Auflage Johann Martin Göbhardt, Bamberg 1751, S. 534, vgl. S. 531 und 532 (Google-Books); z. T. ungenau. aus Schwalbach (heute ein Ortsteil der Gemeinde Schöffengrund) südlich von Wetzlar. Er war ein Sohn des Rittmeisters Konrad [Adam] von Schwalbach „mit den Ringen“ (* um 1530/35; † 1598)Vermutlich identisch mit „Conradus a Schvualbach nobilis“, der sich am 19. Mai 1551 in Tübingen immatrikulierte.Urkunde vom 10./20. November 1584; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 121 Lehnsarchive, Urkunden, von Rodenhausen 1584 November 10/20). und der Eva Roth von Burg-Schwalbach († nach 1579).Johann Maximilian Humbracht: Die höchste Zierde Teutsch-Landes … Vorgestellt in der Reichs-Freyen Rheinischen Ritterschafft. Friedrich Knoch, Frankfurt am Main 1707, Bl. 261 (Google-Books).Vgl. Günther Rauch: Das Mainzer Domkapitel in der Neuzeit. Zu Verfassung und Selbstverständnis einer adeligen geistlichen Gemeinschaft, Teil III. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 94. Kanonistische Abteilung 63 (1977), S. 132–179, bes. S. 140. Ein Bruder von ihm war Hans Ludwig von Schwalbach († nach 1603),Urkunde vom 14. März 1603; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Fürstentum Siegen, Landesarchiv - Urkunden, Nr. 374). der als Fähnrich starb. Die Schwester Anna von Schwalbach heiratete Johann Melchior von Morsheim.
Gernand Philipps von Schwalbach Vater und dessen Brüder Gernand von Schwalbach (1545–1601) und Gerhardt von Schwalbach waren von Hessen, Isenburg-Büdingen und Nassau-Saarbrücken mit dem dreiherrischen Dorf Vollnkirchen bei Hüttenberg belehnt.Vgl. Urkunden vom 27. April und 16. Juli 1571; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 121 Lehnsarchive, Urkunden, von Schwalbach 1571 April 27 und 1571 Juli 16; vgl. Bestand 1063, Nr. 229 u. a.): Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg und Philipp von Isenburg, Graf zu Büdingen, belehnen Gernandt, Gerhardt und Konrad Adam von Schwalbach, Gebrüder, † Peters Söhne, wie ihren Vater und ihren Altvater † Gernand mit dem Dorf Vollnkirchen. 1571 wurde Konrad von Schwalbach als Nachfolger seines Vaters Peter von Schwalbach († 1570) – der den Besitz als Amtmann des Amtes Amöneburg bereits 1560 erhalten hatte – von Kurmainz mit dem an der Klein gelegenen Gut (Mühle mit Wirtschaftsgebäuden) Plausdorf „uffem Giffendorf“ (bei Amöneburg) belehnt, wo er sich 1578 als „wohnhaftig“ bezeichnete. 1583 baute er das Anwesen um.Alfred Schneider: Stadt und Amt Amöneburg. 2. Auflege Hitzeroth, Marburg 1989, S. 364.
1589 bis 1592 (in der Classis prima) ist Philipp Gernand von Schwalbach als Schüler an der lutherischen Lateinschule Weilburg unter dem Rektor Michael Schweicker (* um 1550; † nach 1602)Aus Schwäbisch Hall, jüngerer Bruder von Thomas Schweicker (1540/41–1602), immatrikuliert in Tübingen, 1577 Magister, Lehrer in Kreuznach, um 1587 dort als Lutheraner vertrieben, 1588 bis 1593 Rektor in Weilburg, 1596 „Ludimoderator“ und 1598 „4. Classis Praeceptor“ in Frankfurt am Main. in der Residenzstadt des Grafen Albrecht von Nassau-Weilburg belegt.Vgl. Nikolaus Gottfried Eichhoff: Geschichte des Herzoglich-Nassauischen Landesgymnasiums in Weilburg. L. E. Lanz, Weilburg 1840, S. 28 und 40 (Google-Books). Mit der Familie seines dortigen Mitschülers Johann Schweikhard d. J. von Sickingen (* um 1575/80; † 1625) zu Ebernburg, der um 1620 ebenfalls zum Katholizismus übertrat, war er auch später noch befreundet.Brief von Anna Margaretha Echter von Mespelbrunn geb. von Bicken († 1667) und Johann Schweikhard von Sickingen (1592–1666) an Gernand Philipp von Schwalbach und Hans Heinrich von Ehrenberg (1580–1647) vom 29. März 1637 aus Tauberbischofsheim mit der Mitteilung vom Tod der [Maria] Anna Catharina von Rodenstein († 1637), Witwe des Karl Rudolf Echter von Mespelbrunn (1592–1635); Universitätsbibliothek Heidelberg (Nachlass Ernst Fischer; Hs. 4187 I E 36). Nach dem Tod ihres Vaters Konrad von Schwalbach 1598 fungierte ihr Onkel, der kurmainzische Rat Gernand von Schwalbach, als Vormund für die Kinder seines Bruders.Vgl. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 170 II Fürstentum Nassau-Oranien: Urkundenabschriften, Nr. 1602).
Kurmainzischer Rat und Amtmann 1611 wurde Philipp Gernand von Schwalbach unter Erzbischof Johann Schweikhard von Cronberg als Kurmainzer Rat zum Amtmann zu Amorbach bestellt.Vgl. Günter Christ: Kurmainzische Staatlichkeit im Amorbacher Gebiet. In: Friedrich Oswald, Wilhelm Störmer (Hrsg.): Die Abtei Amorbach im Odenwald. Jan Thorbecke, Sigmaringen 1984, S. 405–422, bes. S. 415; dort Druckfehler: „1601“. Sein Vorgänger dort von 1571 bis 1611 war Hans Heinrich von Heusenstamm († 1615),Mainzischer Erbmarschall, Amtmann zu Amorbach, Buchen und Walldürn, Oberhofmarschall, ein Großneffe des Mainzer Erzbischofs Sebastian von Heusenstamm († 1555). ein Bruder seiner Großmutter Katharina von Heusenstamm († 1564).Vgl. Friedrich Ritsert: Geschichte der Herrn und Grafen von Heusenstamm. In: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Altertumsvereine 32 (1884), S. 8–10, 21–23, 32–34, 38–41, 48–50, 54–56, 62f, 72–75, 89f, 93–109, bes. S. 102f (Digitalisat bei archive.org). 1612 nahm er als Amtmann von Amorbach und Rat im Gefolge des Mainzer Erzbischof an der Krönungsfeier für Kaiser Matthias in Frankfurt am MainVgl. Verzeichnuß aller Potentaten, Chur vnnd Fürsten, Geistlichen vnd Weltlichen Graven, Herrn vnd Ständen deß Reichs … so … bey gehaltener Crönung zu Franckfurt persönlich gewesen. O. O. 1612 (Google-Books); Hieronymus Oertel: Chronologia Oder Historische beschreibung aller Kriegsempörungen unnd belägerungen der Stätt und. Viertter Thail Deß Hungerischen vnnd Sibenbürgischen Kriegswesens. Chronologia Ungarica …, Bd. IV. Selbstverlag, Nürnberg 1613, Appendix S. 270 (Google-Books). und 1613 am Reichstag in Regensburg teil.Vgl. Anton Chroust (Bearb.): Der Reichstag von 1613. (Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges in den Zeiten des vorwaltenden Einflusses der Wittelsbacher 11). M. Rieger, München 1909, S. 562.
Fürstäbtlich fuldischer Rat, Hofmarschall, Oberschultheiß und Amtmann Philipp Gernand von Schwalbach ist ab 1614 auch als fuldischer Rat, HofmarschallVgl. Johann Friedrich Schannat: Historia fuldensis. Johann Benjamin Andreae / Henrich Hort, Frankfurt am Main 1729, S. 78 (Google-Books). und Oberschultheiß in Fulda des Fürstabtes Johann Friedrich von Schwalbach (reg. 1606–1622) bezeugt.
Er war seit 1615 Vormund eines Kindes († 1616) von Lukas Forstmeister zu Gelnhausen († 1614) aus dessen erster Ehe (⚭ 1586) mit Kunigunde von Schwalbach († 1593/98), einer Tochter des Reinhard von Schwalbach und der Felicitas von Helmstatt, und von dessen Halbgeschwistern.Vgl. Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 255 Reichskammergericht, Nr. S 45). 1617 wurde er Mitvormund über die Kinder Kaspar Gernand († nach 1627)Urkunde vom 14. Februar 1627, ausgestellt in Darmstadt; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 20 Landgrafschaft Hessen Darmstadt, 02 Lehnhof, 06 von Schwalbach, Urkunde 70). und Anna Ursula von Schwalbach (1612–1649)Sie heiratete Stephan Ritter zu Grünstein (1607–1657), Rittmeister der Mainzer Leibgarde, Grabmal der Eheleute in der Katholischen Pfarrkirche St. Valentin zu Kiedrich. des Wolf Adam von Schwalbach († 1617) auf Haseleck (Hasselheck)Vgl. Johann Baptist Rady: Chronik von Ockstadt. Nach Urkunden der v. Franckenstein’schen Archive zu Ockstadt und Ullstadt. Bernhard Ekey, Friedberg 1893, S. 6 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). und seiner Frau (⚭ 1610) Anna Juliana von Eltz (* 1588; † nach 1648).Vgl. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand E 12, Nr. 295/6); Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 121 Lehnsarchive, Urkunden, von Schwalbach 1634 Januar 9; Bestand 1, Nr. 1660) u. a. 1627 stellen Gernand Philipp von Schwalbach und die anderen Vormünder für ihr Mündel Kaspar Gernand von Schwalbach einen Lehnsrevers gegen Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt für einen Anteil am Dorf Vollnkirchen aus. Als Vormund wurde Gernand Philipp von Schwalbach mit den von Johann von Bergen († 1577/81) zu Essershausen überkommenen ehemaligen Lehen des Hochstiftes Worms belehnt, die an seine Mündel von Schwalbach gekommen waren: der Burg und dem Kirchsatz zu Essershausen, ½ Zehnten zu Ernsthausen und Lützendorf, dem Zehnten zu Laimbach, zu Mengerskirchen sowie Gütern zu Ernsthausen und Essershausen.Vgl. Urkunden vom 17. Februar 1603 15. Oktober 1691; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 121 Lehnsarchive, Urkunden, von Schwalbach, 1603 Februar 17; von Esch, 1691 Oktober 15; vgl. Bestand 121 Lehnsarchive, Urkunden, Schwalbach, Nr. 1, und Bergen, Nr. 3; Bestand 150 Fürstentum Nassau-Weilburg, Nr. 1899). 1625 war er auch Vormund von Jost Christoph, Philipp Konrad und Johann Pleickard (* um 1619; † 1694) Gans von Otzberg.Urkunde vom 12. April 1625; Staatsarchiv Wertheim (R-US: Rosenbergisches Archiv, 1625 April 12).
1616 besiegelte Gernand Philipp von Schwalbach in Fulda einen Hauskauf des Fuldaer Reiterhauptmanns Johann von Schwalbach.Urkunde vom 28. November 1616; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand Urk. 75 Reichsabtei, Stift, Nr. 1781). 1617 suchte Gernand Philipp von Schwalbach beim Rat der Stadt Frankfurt am Main um Erlaubnis zum Bestand einer Behausung nach.Vgl. Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Ratssupplikationen 1.617, Bd. III). Als kurmainzischer und fuldischer Rat, Marschall, Oberschultheiß in Fulda führte er 1618 einen Prozess gegen Johann Dietrich von Rosenbach (1581–1656), den kurmainzischen Amtmann in Amöneburg, wegen Erledigung der Vormundschaft Forstmeister zu Gelnhausen. 1618/19 verkaufte Gernand Philipp von Schwalbach das adelige Familien-Gut Plausdorf mit allen Freiheiten, Nutzungen und Gerechtigkeiten an Melchior III. von und zu Lehrbach (1581–1647).Hessischer Geheimer Rat, Kammerpräsident und Hofmarschall zu Kassel, Amtmann zu Grünberg, Oberamtmann zu Ziegenhain.