Die 8. Sinfonie in c-Moll (WAB 108) wurde in ihrer ersten Fassung von Anton Bruckner am 3. Juli 1887 nach dreijähriger Arbeit abgeschlossen. Die Sinfonie wurde dem Kaiser Franz Joseph I. von Österreich gewidmet.

Nach Vorlage der ersten Fassung an den Dirigenten Hermann Levi bekundete dieser sein Entsetzen über das neue, gewaltige Werk. Der verzweifelte Komponist tat das, was er so häufig zu tun pflegte: Er erstellte eine zweite Fassung, die 1890 fertig wurde. Zwischendurch legte er das Werk aber zeitweise auch wieder aus der Hand, und zwar zugunsten der Niederschrift einer Neufassung der 3. Sinfonie in d-moll (1888/89), die bis in die Gegenwart oft bevorzugt aufgeführte Drittfassung des Werkes.

Die später von Leopold Nowak herausgegebene reine zweite Fassung der 8. Sinfonie unterscheidet sich weiterhin von einer von Robert Haas veröffentlichten Mischfassung beider Ausgaben. Im Konzert begegnet man heute der reinen Zweitfassung von 1890 am häufigsten. Die Unterschiede zur Erstfassung sind beträchtlich, aber nicht vergleichbar mit den einstigen Umarbeitungen der Sinfonien Nr. 3 und 4.

Anmerkung zur Zweitfassung Obwohl die Nowak'sche Fassung von der Musikwissenschaft generell sehr geschätzt wird, kann man die gerne als 'unwissenschaftlich' herb kritisierte Haas'sche Ausgabe nach wie vor oft hören. Hans Hubert Schönzeler schrieb schon 1974 in seinem Buche 'Bruckner' (MWV / Wien) …und vom Standpunkt des eigentlichen Klanges mag seine Lösung befriedigender sein.

Ein weiterer, pragmatischer Grund ist, dass die Stimmen der Haas-Fassung, gerade in Osteuropa ohnehin, dank der Nachdrucke durch den VEB Breitkopf & Härtel zu Zeiten der DDR, vorhanden sind; und auch in den USA nach wie vor als Reprint leicht erhältlich. Einige Dirigenten daher haben in der Haas-Ausgabe einen Teil der Kürzungen übernommen, besonders im Adagio und im Finale.

Diese sind: Im Adagio oft die Takt 199 auf P (T. 219 Haas = T. 209 Nowak). Weiters hat Haas im Adagio gerne der geradlinigeren Stimmführung der 1. Fassung den Vorzug gegeben.

Finale: 20 Takte nach O werden durch vier Takte der Pauken ersetzt; eine sehr verständliche Raffung.

Vier Takte vor R werden weggelassen, eine ambivalente Lösung, die aber wenig Zeitgewinn bringt.Vorwort von Nowak zu seiner Ausgabe.

Bruckner selbst kürzte vor Oo. Darum kürzten – recht holprig – die Herausgeber des Erstdruck in Analogie die Exposition vor F.Viele Autoren der Bruckner-Forschung

Bruckner selbst strich die Holzbläser vor Aa; Haas fügte diese wieder ein und sogar der Erstdruck fügte in diesen Takten Bläser – auch Hörner – in einer sehr ungeschickten Art – wieder ein. (Der Erstdruck, kurioserweise übernahm wieder sogar die zwei zusätzlichen Takte der Erstfassung vor Kk im Finale!)Verlag und Autor zitiert.

Die Takte um Pp wurden lange von der Wissenschaft als Eigenkomposition von Haas – basieren auf Skizzen von Bruckner – angesehen. Inzwischen tauchte Bruckners Autograph wieder auf. Es ist ein – sehr geschickter Übergang, der den Querstand vermeidet, stabil instrumentiert und führt als Kürzungseinlage auch zum Buchstaben Uu. (Der Übergang des Erstdrucks – und auch der Nowaks – ist eigentlich querständig. Jedoch im Erstdruck fehlt der Abschluss der Hörner in Takt 9 /P und es wirkt so als eine logische Augmentation der vorhergehenden Takte.)

Die letzte Kürzung im Finale (14 / Uu) wurde im Erstdruck radikal uminstrumentiert. Gerade dieser schroffe Wechsel in der Bewegung irritiert viele Dirigenten und deshalb geben sie der Haas'schen Lösung den Vorzug.

Der Erstdruck – vom Widmungsträger Kaiser Franz Joseph I. finanziert – lag schon vor der Uraufführung vor. Er ist letztendlich keine radikale Verfälschung der Stichvorlage, er enthält viele geschickte dynamische Retouchen, die die Probenarbeit sehr erleichtern. Auch die übrigen Veränderung sind oft sehr geschmackvoll, dass sogar Haas einige davon in den Orchesterstimmen als Stichnoten stehen ließ. (Die Oboen im Finale (P/5) in den Klarinetten, wohl wissend, dass auch damals – 1939 – viele Oboisten nur schwer ein zartes pp zuwege brachten. Die relativ schwachen tiefen Klarinetten vor der Reprise (Dd) unterstützte der Erstdruck verständlicherweise mit den Violoncelli; und notiert sie völlig untypisch für den späten Bruckner im Tenor-Schlüssel.)

Ob Bruckner vielleicht einige dieser Stellen sogar so toleriert hat ist leider nicht bekannt. Bis auf eine weitere Kürzung und die gelegentlich gemäßigte Dynamik im Finale wirkt dieser Druck – wie auch die Haas-Ausgabe – recht authentisch. Darum haben ihn einige Dirigenten (William Steinberg, Josef Krips, Wilhelm Furtwänger (!), lange auch George Szell und nicht nur Hans Knappertsbusch später weiterhin verwendet, ja sogar Details der Haas'schen Ausgabe integriert.) Der dritte Beckenschlag im Finale findet sich nicht (!) in den Orchesterstimmen des Erstdruck, aber in der Partitur. (Siehe IMSLP 8. Sinfonie) Furtwängler behielt auch in der Haas-Ausgabe in bei, ebenso Daniel Barenboim.

Hans Hubert Schönzeler schrieb schon 1974 in seinem Buche 'Bruckner' (MWV / Wien) …und vom Standpunkt des eigentlichen Klanges mag seine Lösung befriedigender sein.

Die eigentliche Arbeit an der Neufassung der 8. Sinfonie begann präzise im April 1889 und zog sich bis zum März 1890 hin. Eine von Felix Weingartner geplante Aufführung 1891 in Mannheim konnte nicht stattfinden. Zur außerordentlich erfolgreichen Uraufführung der 8. Sinfonie in ihrer zweiten Fassung kam es dann erst am 18. Dezember 1892 durch die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Hans Richter.

Johann Strauss Sohn war auch anwesend und lud daraufhin Anton Bruckner zu sich ein.Quelle, somit Buch und Autor bekannt.

Zitat:…Am Tage nach der sieghaften Aufführung der VIII. Symphonie in Wien rief Johann Strauss einem Freunde Bruckners auf der Straße zu: «Du, gestern hab i a Symphonie von Bruckner ghört! Die war einfach großartig! Geh, bring mir ’n amal!» Als Bruckner bald darauf der Einladung des Walzerkönigs folgte und zum Besuch erschien, sprach er in seiner devoten Art Strauss mit ‘Großmeister’ an. Doch dieser wehrte energisch ab und meinte in edler Bescheidenheit: «Na, na, Sie sand der Großmeister. I bin nur a Vorstadtkomponist. Die Symphonie war wirkli(ch) wunderbar!» Und dann wurde es recht gemütlich und recht … spät! (Quelle: Hans Commenda: Geschichten um Anton Bruckner", Verlag H. Muck.)

Besetzung 3 Flöten, 3 Oboen, 3 Klarinetten, 3 Fagotte (das dritte auch Kontrafagott), 8 Hörner (4 wechseln mit Wagnertuben), 3 Trompeten, 3 Posaunen, Basstuba, Pauken, Triangel, Becken, 3 Harfen, I. Violine, II. Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass

Zur Musik Die Sinfonie besteht aus vier Sätzen, wobei langsamer Satz (Adagio) und Scherzo entgegen den Prinzipien der klassischen Sinfonie vertauscht sind, wie dies auch schon andere Komponisten angewendet hatten (z. B. Beethoven in seiner neunten und Schumann in seiner zweiten Sinfonie). Es ist aber bemerkenswert, dass Bruckner diese Verfahrensweise nach dem Streichquintett zum ersten Mal offiziell in einer Sinfonie einsetzt, obgleich schon rückblickend auf das Jahr 1872 der erste Entwurf seiner 2. Sinfonie in c-moll diese Art der Satzfolge anordnet.

Die vier Sätze tragen die Bezeichnungen: Allegro moderato (Spieldauer etwa 17 min) Scherzo. Allegro moderato (Spieldauer etwa 15 min) Adagio. Feierlich langsam, doch nicht schleppend (Spieldauer etwa 27 min) Finale. Feierlich, nicht schnell (Spieldauer etwa 23 min)

Mit einer Spieldauer von circa 80 Minuten ist Bruckners „Achte“ die erste Sinfonie, welche ein solches zeitliches Ausmaß erreicht hat (Mahlers Sinfonien folgen nachher diesem Beispiel), und zugleich auch Bruckners längste Sinfonie.

1. Satz: Allegro moderato Der Satz beginnt in geheimnisvoller Stimmung mit einem F in Streichern und Horn, worauf unmittelbar ein gleichsam dunkel getöntes Motiv mit sofort darauf folgender doppelter Punktierung der tiefen Streicher erklingt. Damit ist in bezwingender Kürze die Verklammerung mit dem Ende der gesamten Sinfonie festgelegt; das gerade Erklungene wird in drohender Gebärde gegen Schluss des Finalsatzes vor Beginn der Coda noch einmal bekräftigend erklingen.

Über Umwege gerät das Kopfthema mit einer nicht zu überhörenden verzweifelten Suche nach einer Auflösung der Anspannung zur Haupttonart c-moll. Der von Bruckner hier verwendete Rhythmus stimmt mit dem des ersten d-moll-Themas in Beethovens 9. Sinfonie überein (Takte 17–18 der 9. Sinfonie). Die kraftvolle Wiederholung des vorgestellten Materials führt nach einer kurzen Überleitung zum 2. Thema mit aufsteigenden Skalen in G- bzw. Des-Dur, wobei enharmonische Verwechslungen (I. Violinen!) anzutreffen sind. Dieser im insgesamt kurzen ersten Satz recht breit angelegten Phase folgt das dritte Thema, ein Unisono-Motiv. Es entwickelt harmonische Schärfen in der Umkehrung absteigender Kaskaden des einst aufsteigenden Duolen/Triolenmotivs aus dem Beginn des zweiten Themas. Dramatische Steigerungen mit vorwärts drängendem, stetem Wechsel der Tonarten führen zum schmetternden Ausklang im Blech, das Ende der Exposition unmittelbar ankündigend.

Die Durchführung bietet Platz für die erschütternde Klangentladung einer groß angelegten Steigerungswelle: Das zweite Thema, zeitlich etwa die Mitte des ersten Satzes darstellend, entfaltet sich zunächst in seiner Umkehrung und führt zu einem überwältigenden Ausbruch jener Passagen, in denen Thema 1 und 2 übereinandergeschichtet erklingen. Dieser Abschnitt findet hinsichtlich seiner dramatischen Intensität nur noch einmal eine Entsprechung im weiteren Verlauf des Satzes, nämlich in der letzten Steigerungswelle vor der Coda.

Der Übergang zur Reprise ist fließend – noch einmal breitet sich das Skalenthema in seiner ganzen Schönheit aus, bis das ebenfalls wieder erklingende dritte Thema in die Steigerung eintritt, die sich mit unerbittlicher c-moll-Beschwörung und bekräftigenden Trompetenstößen aufbäumt und abbricht.

Bei der Coda handelt es sich um den einzigen Satzabschluss von Bruckners Ecksätzen, der leise ausklingt. 1887 noch endete der Satz mit einer markigen Fortissimo-Passage über 29 Takte, die in der Fassung von 1890 entfernt wurde. Bruckner selbst beschrieb die Coda von 1890 als Totenuhr. Zitat Bruckner:

2. Satz: Scherzo. Allegro moderato – Trio. Langsam „Der deutsche Michel träumt ins Land hinaus“ ist eine programmatische Erklärung Bruckners zum c-moll-Scherzo seiner 8. Sinfonie. Dieses Scherzo von beträchtlichem Ausmaß, das die Form A-B-A-C-A-B-A aufweist, sprengt bisherige Konventionen, schreitet in seinem steten Rhythmus markig einher, aber auch die zarten und gar träumerischen Episoden kommen nicht zu kurz.

Die Symbolfigur des Deutschen Michels, vielfach beschreibbar, stellt die nationale Gestalt eines friedliebenden, träumerischen Biedermanns dar, einfältig, schlafmützig, aber gutmütig. „Wenn dieser vor sich hinsinnende Bauernsohn in die Landschaft hineinträumt“, dann ist die musikalische Bebilderung dazu im breit angelegten As-Dur-Trio des Scherzos zu entdecken. Und es ist letztlich Bruckner selbst, der in diese friedliche Landschaft hineinträumt.

Schon in der Fassung von 1887 stellt das Trio zu Beginn eine tröstende Melodie in As-Dur vor, damals noch etwas bewegter im Tempo, während das Trio der zweiten Fassung von 1890 das gleiche Material in reichhaltiger Abwandlung bearbeitet und innerhalb der umrahmenden Scherzo-Teile ein kleines Adagio entstehen lässt.

In der ersten Fassung fehlten noch die Harfen, die in der zweiten Fassung schon hier und nicht erst im 3. Satz (Adagio) eine zauberhafte Stimmung entfalten. Auch das Trio ist wiederum dreiteilig aufgebaut, nach dem ersten Erscheinen der Harfen erfährt der musikalische Ausdruck eine weitere Verinnerlichung – es ist laut Bruckner die Stelle, „wo der Michel kurz im Gebet innehält“. Nach Rückkehr zum ersten Trio-Teil erfolgt wieder der Abschluss mit Harfenklang, bevor die Wiederholung des massiven Scherzos beginnt und der Satz in auftrumpfendem C-Dur ausklingt.