mini|Einfriedung und Donjon von Warkworth Castle

Warkworth Castle ist eine mittelalterliche Burgruine im Dorf Warkworth in der englischen Grafschaft Northumberland. Dorf und Burg liegen in einer Flussschleife des Coquet, etwa 1 km von Englands Nordostküste entfernt. Man ist sich nicht sicher, wann die Burg gebaut wurde. Man schreibt sie dem Prinz Heinrich von Schottland Mitte des 12. Jahrhunderts zu, aber sie könnte auch auf Geheiß König Heinrichs II. von England gebaut worden sein, als dieser die nördlichen Grafschaften Englands eroberte. Warkworth Castle wurde in einer Charta von 1157 bis 1164 erstmals urkundlich erwähnt, als Heinrich II. sie Roger FitzRichard zu Lehen gab. Die hölzerne Burg wurde als schwach angesehen und beim Einfall der Schotten 1173 nicht verteidigt.

Rogers Sohn Robert FitzRoger erbte die Burg und baute sie aus. Robert war ein Favorit von König Johann Ohneland; er beherbergte den König 1213 auf Warkworth Castle. Die Burg blieb in der Familie, auch wenn es Perioden der Vormundschaft gab, wenn die Erben zu jung waren, um ihre Anwesen zu bewirtschaften. König Eduard I. übernachtete 1292 auf der Burg und John de Clavering, ein Nachfahre von Roger FitzRichard, vererbte die Burg der Krone. Mit dem Ausbruch der schottischen Unabhängigkeitskriege investierte König Eduard II. in Burgen wie Warkworth Castle, wo er 1319 die Garnison verstärken ließ. Im Jahre 1327 belagerten die Schotten die Burg zweimal ohne Erfolg.

John de Clavering starb 1332 und seine Witwe 1345, womit die Warkworth Castle an Henry de Percy fiel, nachdem König Eduard III. im Claverings Besitzungen versprochen hatte. Henry Percy, 1. Earl of Northumberland, fügte Ende des 14. Jahrhunderts den imposanten Donjon hinzu, der über dem Dorf zu sehen ist. Henry Percy, 4. Earl of Northumberland, ließ die Gebäude in der Vorburg umbauen und gab den Bau einer Kollegiatkirche in der Burg in Auftrag, aber nach seinem Tod wurden die Arbeiten eingestellt. Obwohl Algernon Percy, 10. Earl of Northumberland, die Parlamentaristen im englischen Bürgerkrieg unterstützte, wurde die Burg in diesem Konflikt beschädigt. Der letzte Earl Percy starb 1670. Mitte des 18. Jahrhunderts fand die Burg ihren Weg in die Hände von Hugh Smithson, der eine indirekte Percy-Erbin heiratete. Er nahm den Namen „Percy“ an und gründete die Dynastie der Dukes of Northumberland, in deren Händen die Burg blieb. Ende des 19. Jahrhunderts ließen die Fürsten Warkworth Castle restaurieren und Anthony Salvin wurde mit der Renovierung des Donjons beauftragt. Alan Percy, 8. Duke of Northumberland, überantwortete die Burg 1922 an das Office of Works. Seit 1994 verwaltet English Heritage das Anwesen und hat es als historisches Gebäude I. Grades und Scheduled Monument gelistet. 2024 betrug die Besucherzahl etwa 53.000 Personen.

Geschichte

Frühe Geschichte mini|links|Eine Ordnance-Survey-Karte von 1945 zeigt Warkworth in der Flussschleife des Coquet. Warkworth Castle befindet sich am Südende der Schleife.

Wenn auch die Geschichte der Siedlung Warkworth in Northumberland bis mindestens auf das 8. Jahrhundert zurückgeht, so wurde doch die erste Burg an dieser Stelle nicht vor der normannischen Eroberung Englands errichtet. Das Dorf und seine Burg lagen in einer Flussschleife des Coquet. Die Burg wurde am Südrand des Dorfes errichtet und wachte so über der Landenge der Halbinsel. Eine befestigte Brücke schützte auch den Zugang zum Dorf. Das umliegende Tiefland eignete sich gut für die Landwirtschaft. Bauzeitpunkt und Veranlasser der Burg sind unsicher, aber man denkt, dass Prinz Heinrich von Schottland dafür verantwortlich war. Im Bürgerkrieg in Südwest-England musste König Stephan sich der Sicherheit von Nordengland versichern. Der Vertrag von Durham 1139 zwischen Schottland und England bot ihm diese Sicherheit. Nach diesem Vertrag wurde Heinrich von Schottland Earl of Northumbria und musste dafür die Kontrolle über Bamburgh Castle, und Newcastle Castle an die Engländer abgeben. Ohne diese beiden Burgen benötigte Heinrich einen neuen Sitz, von dem aus er seine Macht ausüben konnte, und Warkworth Castle könnte seine Bedürfnisse befriedigt haben. Unterlagen zeigen aber, das Heinrich auch nach Unterzeichnung des Vertrages Bamburgh Castle besetzt hielt, und, nachdem Warkworth Castle für damalige Verhältnisse eine eher bescheidene Burg war, könnte es auch sein, dass sie jemand anderes bauen ließ. Heinrich starb 1153 und sein Sohn, Malcolm IV. – 1153 zum König von Schottland gekrönt –, erbte seine Ländereien. 1157 reiste Malcolm nach Peveril Castle in Derbyshire, wo er dem neu gekrönten König von England, Heinrich II., seine Aufwartung machte. Malcolm übergab Heinrich die nördlichen Grafschaften Englands einschließlich Bamburgh Castle, Carlisle Castle, Newcastle Castle und vermutlich auch Appleby Castle, Brough Castle, Wark-on-Tweed Castle und Warkworth Castle. Es ist aber auch möglich, dass Heinrich II. 1157 Warkworth Castle bauen ließ, um seine Ländereien in Northumberland zu sichern. Andere Burgen wurden damals in dieser Gegend zu diesem Zweck gebaut, z. B. Harbottle Castle.

mini|Das Torhaus von Warkworth Castle (links) datiert großteils aus dem 13. Jahrhundert.

Die erste urkundliche Erwähnung von Warkworth Castle findet sich in einer Charta von 1157–1164, wo erwähnt wird, dass Heinrich II. die Burg und die umgebende Grundherrschaft Roger FitzRichard, einem Mitglied einer adligen normannischen Familie, zu Lehen gab. Man denkt, dass die Charta die Bezeichnung „Burg“ für die Beschreibung eines Wohnhauses von gehobenem Status an dieser Stelle verwendet, das möglicherweise aus angelsächsischer Zeit stammte, was wiederum bedeutet, dass Roger die Burg errichten ließ. Ihm gehörten Ländereien in einem weitläufigen Gebiet, und Warkworth könnte nur eine geringe Bedeutung im Verhältnis zu seinen anderen Besitzungen gehabt haben. Als die Schotten 1173 nach Northumberland einfielen, wurde Warkworth Castle nicht von Roger FitzRichards Garnison verteidigt, obwohl sich der Herr im Lande befand. Die Befestigung der Burg wurde damals als „schwach“ beschrieben. 1174 überfiel Duncan, 4. Earl of Fife Warkworth. Die zeitgenössische Quelle erwähnt die Burg nicht und bemerkt stattdessen, dass die Dorfbewohner in der Kirche Schutz suchten. Als Roger FitzRichard 1178 starb, war sein Sohn Robert FitzRoger noch ein Kind. Ein Vormund kümmerte sich um die Ländereien der Familie, bis Robert 1191 volljährig wurde. Er zahlte 1199 der Krone 300 Mark für die Bestätigung seines Besitzes von Warkworth einschließlich der Burg. Robert werden umfangreiche Bauarbeiten an Warkworth Castle zugeschrieben. Als Favorit des Königs Johann Ohneland beherbergte Robert diesen 1213 in Warkworth Castle.

Warkworth Castle wurde weiterhin innerhalb der Familie vererbt, als Robert FitzRoger 1214 sein Sohn John folgte, dem 1240 wiederum dessen Sohn Roger folgte. Roger starb 1249, als sein Sohn Robert nur 1 Jahr alt war, und so wurde ein Vormund bestimmt, der sich um die Ländereien der Familie kümmern sollte: William de Valence, ein Halbbruder von König Heinrich III. Die Burg, die vom Geschichtsschreiber Matthäus Paris damals als „nobel“ bezeichnet wurde, blieb bis 1268 unter der Verwaltung von de Valence, dann fiel sie an Robert FitzJohn zurück. 1292 verbrachte König Eduard I. eine Nacht in Warkworth Castle. Der englische König war gebeten worden, einen Disput um den schottischen Thron zu schlichten, beanspruchte diesen aber selbst, was zu den schottischen Unabhängigkeitskriegen führte. Nach dem schottischen Sieg in der Schlacht von Stirling Bridge 1297 wurden Robert und sein Sohn John de Clavering gefangen genommen. Später wurden sie wieder freigelassen und 1310 erlangte John wieder die Kontrolle über die Ländereien der Familie. Ein Jahr später verfügte John, dass im Falle seines Todes all seine Besitzungen an den König fallen würden. Etwa von 1310 bis 1330 mussten sich die Engländer schottischer Angriffe auf den Norden ihres Landes erwehren. Die Wichtigkeit großer Burgen in den schottischen Unabhängigkeitskriegen war so groß, dass die Krone ihre Unterhaltung und sogar ihren Neubau subventionierte. Im Jahre 1319 zahlte König Eduard II. für eine Garnison von vier Men-at-arms und acht leichten Reitern, um die bestehende Garnison von 12 Men-at-arms zu verstärken. Ralph de Neville war 1322 der Statthalter von Warkworth Castle. Da er mit Johns Tochter Euphemia verheiratet war, hatte er wohl gehofft, Claverings Besitzungen zu erben, was aber nicht eintrat. Zweimal belagerten schottische Truppen im Jahre 1327 die Burg ohne Erfolg.

Familie de Percy Um diese Zeit wurde die Familie de Percy zur mächtigsten Dynastie von Northumberland. Henry Percy, 2. Baron Percy, war in Diensten von König Eduard III. und erhielt auf Dauer 500 Mark pro Jahr für die Führung einer Kompanie von Waffenknechten. Für seinen jährlichen Lohn wurden de Percy 1328 im Gegenzug die Rechte an Claverings Ländereien versprochen. Das Parlament erklärte derartige Verträge 1331 für ungesetzlich, aber nachdem man das Ansinnen von de Percy anfänglich zurückgewiesen hatte, erhielt er doch eine Sondererlaubnis, de Clavering zu beerben. John de Clavering starb 1332 und seine Witwe 1345, womit die Ländereien der Familie Eigentum der Familie de Percy wurden. Zwar gehörte den de Percys auch Alnwick Castle, das als prestigeträchtiger galt, aber die Familie residierte lieber in Warkworth Castle. Unter den de Percys wurden in der Nähe der Burg ein Park zur Jagd angelegt und innerhalb der Burg zwei Wohnblocks geschaffen, die der Geschichtswissenschaftler John Goodall als „von unvergleichlicher Qualität und feinster Ausbildung in Northumberland“ bezeichnete. Henry de Percy, 2. Baron Percy, starb in Warkworth 1352.

mini|links|Der Donjon wurde auf Geheiß von Henry Percy, 1. Earl of Northumberland, errichtet.

1377 wurde der 4. Baron Percy, Henry Percy, in Anerkenntnis seiner ausgedehnten Macht im Marschland entlang der englisch-schottischen Grenze zum Earl of Northumberland ernannt. Damit waren die de Percys die erste Familie im Norden Englands, denen die Würde des Earldoms verliehen wurde. Mit ihrem Netzwerk von Kontakten und Abhängigkeiten waren die de Percys die vorherrschende Familie im Nordengland des 14. Jahrhunderts, „weil sie das Vertrauen der Leute im Norden immer hatten“, in den Worten des zeitgenössischen Geschichtsschreibers John Hardyng. Henry de Percy beauftragte den Bau eines besonderen Donjons, kurz nachdem er zum Earl of Northumberland ernannt worden war. De Percy könnte seine Hauptburg erweitert haben, um mit John of Gaunt zu konkurrieren, der das nahegelegene Dunstanburgh Castle ausbauen ließ, oder mit dem Haus Neville, einer Familie, die in Nordengland zunehmend an Macht gewann und die ein Bauprogramm an Brancepeth Castle, Raby Castle, Bamburgh Castle, Middleham Castle und Sheriff Hutton Castle durchführen ließ. Architektonische Gemeinsamkeiten des Donjons von Warkworth mit Bolton Castle und den Wohngebäuden von Bamburgh Castle legen es nahe, dass John Lewyn der verantwortliche Baumeister für den Donjon in Warkworth war. Earl Henry beteiligte sich an der Entthronung von Richard II. und an der Inthronisation von Heinrich IV. Der Earl und sein ältester Sohn, Henry „Hotspur“ Percy, fielen beim neuen König in Ungnade und rebellierten schließlich. Nachdem Hotspur 1403 in der Schlacht von Shrewsbury gefallen war, floh sein Vater auf Warkworth Castle. Der Earl begab sich schließlich nach York, um sich dem König zu unterwerfen. Er wurde gefangen genommen und der König sandte seine eigenen Leute auf Alnwick Castle, Langley Castle, Prudhoe Castle und Warkworth Castle. Der 14-jährige Sohn des Earls pochte darauf, dass er loyal zum König stünde, aber nicht die Macht hätte, die Burg formal zu übergeben, und so blieb sie im Einflussbereich der de Percys. Henry wurde 1404 begnadigt.